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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.09.1929
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- 1929-09-03
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- 03.09.1929
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shß 204, 3. September 1929, Redaktioneller Teil, Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Besteuerung, Grundsätzlich bin ich allerdings der Meinung, daß im allgemeinen auch Verlagsrechte und Zeitschriftentitel nicht aktivierungsfähig sind und demgemäß auch nicht der Vermögen desteuerung unterliegen. Die eingehende Begründung dafür habe ich in meiner Abhandlung »Zur Frage der Be steuerung von Verlagsrecht und Verlagswert in Lions Zeitgemäßen Steuer- und Finanzfragen 1926, Heft 6, die auch als Sonderdruck bei Carl Hcymanns Verlag erschienen ist, gegeben. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß die neue Stellung nahme des Reichsfinanzhofes auch die Möglichkeit eröffnet, die Frage der Besteuerung des Jdealwertes bei der Kapital verkehrsteuer und >der Erbschaft st euer wieder aufzu rollen. Bei diesen beiden Steuerarten war es bisher nach der Entscheidung des Reichsfinanzhofes Bd. 20 S, 03 ständige Praxis, auch den Geschäftswert steuerlich zu erfassen, was sich namentlich bei der Errichtung von Familiengesellschaften und bei eintretender Erbfolge nachteilig auswirkte. Man wird prü fen müssen, ob sich gegen diese Praxis neuerdings nicht unter Berufung auf den neuesten Bescheid des Reichsfinanzhofes durch Einleitung von Rechtsmittolversahren angehen läßt. Beitröge zum Übersetzungswesen. <S. a, Nr. 128 vom 4. Juni 1929.) Das Problem der Übersetzungen ist immer noch und anschei nend so gut wie überall auf der Tagesordnung. Auch das dem Völkerbund unterstellte »Internationale Institut für geistige Zusammenarbeit- hat sich intensiver mit dieser Frage befaßt, indem es teils eine Rundfrage an kompetente Persönlichkeiten richtete, teils zusammenfassend schon bekanntes wertvolles Mate rial nochmals in seiner Zeitschrift »La Kooperation intellek tuelle« zum Abdruck brachte. Auf dieser Arbeit der eben ge nannten Organisation beruhen die nachfolgenden Ausführungen. Der spanische Dichter, Schriftsteller und dramatische Mitarbeiter des Et-Sol, Diez-Canedo, betont, daß die meisten spanischen Berlage keinen eigentlichen literarischen Leiter haben und daß man den vielen Übersetzungen keine große Sorgfalt zu teil werden läßt. Im übrigen übersetze man nicht nur franzö sische Werke aus dem französischen Text, sondern auch Werke anderer Sprachen aus deren französischer Übertragung. Diese Fälle werden jedoch glücklicherweise immer seltener, und augen blicklich werden mehrere deutsche und englische Werk« aus ihrem Urtext übertragen. Was die russischen Werke angehe, so habe man da immer zwei Übersetzer, von denen der eine kein Russisch und der andere nur unvollkommen Spanisch könne. Die Über setzungen aus dem Deutschen und dem Englischen seien denjeni gen aus dem Französischen, Italienischen und selbst Portugie sischen meist deshalb überlegen, iveil jedermann glaube, die letz teren Sprachen zu kennen, was für die deutsche und englische Sprache aber nicht zutrcffe; kenne man diese, so kenne man sie meist wirklich. Selbst das Honorar für die bestbezahlten Über setzungen entspreche heute noch nicht der aufgewandten Mühe. Eine richtige Auswahl finde weder hinsichtlich der Werk« noch mit Bezug auf die Übersetzer statt. Fast alle spanischen Schrift steller betätigten sich gelegentlich auch als Übersetzer. Der spa nische P. E. R.-Klub existiere augenblicklich nicht mehr, jedoch seien seine ehemaligen Mitglieder (also Herr Diez-Canedo wohl auch) gerne bereit, mit Auskunft und Rat zu helfen. Über die Übersetzungen ins Japanische schrieb Herr Serge Elisseeff, i>er in Tokio studiert und schon mehrere Werke ins Japanische übertragen hat. Nach ihm werden nicht nur viele wissenschaftliche Werke ins Japanische übertragen, sondern auch neue Werke bekannter Schriftsteller, wie etwa Henrich Mann, Morand, Claudel, Galsworthy usw. Nach Herrn Clifton P. Fadiman, dem literarischen Leiter des New Docker Verlages Simon L Schuster, ist über die große nord amerikanische Republik eine wahre Sintflut von Übersetzungen hereingebrochsn. Die kontinentalen Verleger 942 Europas seien aber über die Bedeutung und den Wert der ame rikanischen Verlage nicht genügend unterrichtet und nur zu sehr geneigt, das übersetzungsrecht dem ersten und nicht immer Besten zu überlassen. Für Latein-Amerika antwortete der in Paris lebende peruanische Schriftsteller F. Garcia-Calderün, der die interessant« Behauptung ausstellt, daß im Verhältnis zur Zahl der in Len spanischen Landen veröffentlichten Originalwerke in keine europäische Sprache mehr übertragen werde als ins Spanische, Deutschland bei diesem Vergleich mit inbegriffen. Die Ausführungen des bekannten französischen Schriftstellers Andre Gide werden manchem Leser schon be kannt sein, der Vollständigkeit wegen seien einige Hauptpunkte aber doch hier wiederholt. Nach ihm verlangen die fremden Verlage für die Übertragung ihrer Autoren derartige Beträge, daß für den Übersetzer selbst so gut wie nichts mehr übrig bleibt; dieser müsse sich also mit einer lächerlichen Summe begnügen und werde hierdurch zum »Zusammenschustern- verführt. Herr Gide, der Tagore, Conrad, Shakespeare übertragen hat, ist für die freie Übersetzung, besser vielleicht, für die Anpassung, wobei als Vorbedingung aber die vollkommene Beherrschung der eigenen Sprache zu gelten habe. Recht beachtenswert sind die Ausführungen des Ungarn Melchior Lengyel, der nicht nur der Verfasser des »Taifun«, sondern auch ein sehr geschätzter Übersetzer ist. Nach ihm ist eine Lösung des Problems der Übersetzungen nicht in der Schöpfung von Übersetzungsbüros zu suchen, denn es spielen da viel zu viel individuelle Faktoren mit. Der Übersetzer müsse dem Autor wahlverwandt sein, sonst werde es nichts. Wenn ein Werk ins Ungarische übersetzt werden soll, so suche man immer erst einen solchen gefühlsverwandten Übersetzer. Man müsse also gewisser maßen »literarische Ehen« stiften, das heißt, zu jedem Autor den richtigen Übersetzer finden. Was die ungarische, ihrer nur von wenigen gekannten Sprache wegen so benachteiligte Literatur an gehe, so wäre man glücklich, wenn man ihr geeignete französische, deutsche oder englische Übersetzer Nachweisen könnte. Zum Gegen dienst fei man gern bereit; auch würde man gern die Interessen materieller und andrer Art der fremden Autoren wahren. Für Italien machte Herr Carlo Linati, der Kritiker fremder Literaturen des »Corriere della Sera« und selbst ein ge schätzter Übersetzer, die nachfolgenden Ausführungen: Die Wahl der ins Italienische übersetzten Werke ist recht schlecht, die italie nischen Verleger urteilen nur nach dem äußeren Erfolg. Immer hin gibt man sich gerade in den letzten Jahren in jeder Hinsicht mehr Mühe, trotz der schlechten Lage des italienischen Bücher marktes. So hat z. B. der Mailänder Verlag »Treves« mit einer großen Sammlung von Übersetzungen deutscher, schwedi scher, russischer, spanischer und angelsächsischer Autoren begon nen. Anderseits hat die italienische Sektion des P. E. N.-Klnbs im letzten Jahr eine Liste übersetzenswerter italienischer Werke aufgestellt, man hat bis jetzt aber wenig Übersetzer hierfür ge funden. Italien hat bestimmt gute Übersetzer, sie sind aber der art schlecht honoriert, daß sie sich anderen Betätigungen zu wenden. Auch der Herausgeber der vorzüglichen »Neuenfchwei- zerischen Rundschau-, Herr Max Rychner, hat sich zu diesem Thema geäußert, einiges sei hier wiedergegeben. Nach ihm ist es kaum anzunehmen, daß sich die bedeutenden unter den deutschen Schriftstellern über die Konkurrenz der Übersetzun gen fremder guter Schriftsteller beklagen werden. Im übrigen sei die deutsche Literatur nicht in dem ihr gebührenden Maße im Ausland bekannt, und dies vor allem hinsichtlich der philo sophischen und kritischen Werke (Husserl, Scheler, Gundolf usw.). Für die Tschechoslowakei schrieb der Dichter und Gründer des Aventinum-Verlagcs, Herr O. Storch-Marien, der seiner Übersetzungen wegen sehr geschätzt wird. Nach ihm brach ten nur etwa 10 Prozent der Übersetzungen ins Tschechische den Verlegern Gewinn, -bei 40 Prozent kamen sie auf ihre Unkosten, und der Rest, also die Hälste, stellte ein schlechtes Geschäft dar.
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