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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.04.1903
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1903-04-27
- Erscheinungsdatum
- 27.04.1903
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- Deutsch
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^ 95. 27. April 1903. Nichtamtlicher Teil. 3315 Versammlung Osker-Messe 1897 einstimmig ohne Debatte an genommen. Die Geleitworte des Ausschuß-Vorsitzenden, Herrn Hey felder, verdienen hier wiederholt zu werden: »So gehe denn, du Kind der Sorge, hinaus auf den Markt des Lebens! Verscheuche Kampf und Streit und künde den Geist, der bei der Beratung uns beseelt hat, und der im Buchhandel sich immer mehr festigen sollte zum Heile des Ganzen wie des Einzelnen. Er heißt in schlichten Worten: leben und leben lassen!« Diese Auffassung soll auch uns erfüllen, wenn wir jetzt an eine Revision der Restbuchhandels - Ordnung gehen. Und wenn wir aus der vorausgeschickten Skizze ersehen, wie langjähriger Beratungen und Kompromisse es bedurfte, um ein einstimmig angenommenes Gesetz her vorzubringen, so soll uns das eine Mahnung sein, in dem neuen Entwurf keinen Schritt weiter zu gehen, als not wendig ist. Um die hierfür notwendige Richtlinie zu ziehen, wollen wir zunächst versuchen, dem jüngsten Zweig unsers Berufs, dem Restbuchhandel, die ihm gebührende Stellung im Rahmen des Gesamtbuchhandels anzuweisen. Der Restbuchhandel hat ohne Zweifel seine Existenz berechtigung. Er entlastet das Lager des Verlegers von Vorräten und gibt diesem wenigstens einen Teil des darin vergrabenen Kapitals wieder. Er verhilft dem Autor dazu, daß die in seinem Buch niedergelegten Gedanken doch noch zur Wirksamkeit gelangen. Er gibt weniger Bemittelten Ge legenheit, für verhältnismäßig geringe Beträge Bücher zu er werben, die ihnen früher unerreichbar waren. Das sind Sätze, die schwerlich von irgend einer Seite werden bestritten werden. Erst die Auswüchse des Rest buchhandels schufen ihm mit Recht Feinde. Einer dieser Auswüchse wurde schon oben erwähnt: der partielle Ramschhandel. Es darf nicht sein, daß der Verleger neue Exemplare der neuesten Auflage eines Buches gleichzeitig dem Sortimenter zum Verkauf zum hohen Ladenpreis und dem Ramschhändler weit niedriger unter Freigabe des Ver kaufspreises an das Publikum abgibt,, auch nicht unter dem Namen von Remittenden-Exemplaren, soweit es sich nicht um wirklich beschädigte Exemplare handelt. Ein andrer Auswuchs, der den Restbuchhandel völlig in Mißkredit zu bringen droht, ist die Vertuschung der Herkunft dieser Bücher gegenüber dem Publikum. Zwar nur von wenigen Handlungen, deren massenhaft verbreitete Prospekte, Kataloge und Inserate aber doch dazu angetan sind, weithin das solide Sortiment zu schädigen, werden die von der Rest buchhandels-Ordnung vorgeschriebenen Bezeichnungen, die die Restbücher als solche charakterisieren sollen, gelegentlich weg gelassen oder doch möglichst klein gedruckt und die Anzeigen in eine Form gekleidet, die den Leser glauben machen können, es handle sich um neue Werke, die in andern Geschäften mit dem vollen Ladenpreis bezahlt werden müßten. Noch schlimmer ist es, wenn in solche Verzeichnisse im Preise herab gesetzter Schriften neue Bücher zum Ordinärpreise ausgenom men sind, weil der arglose Leser dann leicht meint, daß auch diese billiger seien als anderswo. Es würde zu weit führen, alle Variationen von Über tretungen und Umgehungen der Restbuchhandels-Ordnung, vor die sich der Vorstand gestellt sah, hier aufzuführen. In vielen dieser Fälle hat sich die Restbuchhandels-Ordnung als unzulänglich erwiesen, das solide Geschäft zu schützen. Sie hat sich aber auch als unzureichend gezeigt, loyalen Kollegen eine Terminologie zur Verfügung zu stellen, die es ermöglicht hätte, einerseits den Charakter des Rest buchs festzustellen, anderseits die Tatsache mit genügender Deutlichkeit bekannt zu geben, daß das Schriftwerk unge braucht, ja selbst tadellos neu sei. Es kann nicht Sache einer Hauptversammlung sein, in die Einzelberatung neuer Bestimmungen einzutreten. Zur Beseitigung der angedeuteten Schwierigkeiten und zur Schaffung eines klaren, unzweideutigen Rechts schlägt der Vorstand vielmehr vor, die Einsetzung eines außerordentlichen Ausschusses zu beschließen, in dem die hierfür in Betracht kommenden Kategorien unsers Berufs ihrer Bedeutung ent sprechend vertreten sein müßten. Die Festsetzung der Anzahl der Mitglieder und die Wahl derselben dürfte am zweck mäßigsten dem Vorstand zu überlassen sein, und Sache des Ausschusses wird es sein, im Laufe seiner Beratungen darüber schlüssig zu werden, ob er nur einzelne Paragraphen oder die ganze Restbuchhandels-Ord nung umgestalten will. Wir werden gut tun, ihm nicht im voraus die Hände zu binden. Schon hier aber möchten wir andeuten, daß er sich ein großes Verdienst erwerben würde, wenn es ihm gelänge, gewisse Grenzgebiete zwischen Rest buchhandels-Ordnung und Verkehrsordnung und zwischen Restbuchhandels-Ordnung und Antiquariat in einer alle Teile befriedigenden Weise zu bereinigen. Seine Hauptaufgabe aber wird es sein, das eigentliche Gebiet des Restbuchhandels scharf zu umgrenzen. Möge aus den Beratungen eine Restbuchhandels-Ord nung hervorgehen, die einen weitern Schritt auf dem Wege der Gesundung des Buchhandels bedeutet! Bern, den 15. April 1903. A. Francke, Zweiter Schriftführer des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Wasserzeichen. Wesentlich später als in Spanien, Italien und Frank reich verdrängte das Papier in Deutschland das teure Pergament. Dieser Verlaus des Siegeszugs des neuen Be schreibstoffs war natürlich. Dieser stammte aus dem fernen Osten: die Chinesen sollen ihn erfunden haben. Unter den Gefangenen, die die Araber in der Mitte des achten Jahr hunderts nach einer siegreichen Schlacht nach Samarkand brachten, hätten sich einige chinesische Papiermacher befunden, durch die die handwerksmäßige Kunst auf die Araber über gegangen sei. Dieser neue Beschreibstoff wird vielfach als ein Baumwollenpapier bezeichnet; indes hat sich bis jetzt kein Anhalt dafür ergeben, daß damals aus der Baumwollpflanze Papier gemacht worden sei. In dem sogenannten Papyrus Rainer*) besitzen wir Proben der innerhalb eines Zeitraums von zweieinhalb Tausend Jahren, vom elften Jahrhundert vor bis zum vierzehnten Jahrhundert nach Christo, gebrauchten Beschreibstoffe, aber es findet sich nach den Untersuchungen des Pflanzenphysiologen Professor Wiesner kein Baumwollen papier darunter. Bagdad, wo 794 die erste große Papier fabrik gegründet wurde, entwickelte sich weiterhin zur Zentrale der Papierfabrikation, die den ägyptischen Fabriken die Kund schaft abspenstig machte. Der neue Beschreibstoff wurde aus *) Ende der 1870er Jahre wurde in Mittel-Ägypten dieser für die Geschichte der Schrift und des Schreibmaterials unschätz bare Fund von 130 000 beschriebenen Rollen, Täfelchen rc. ge macht. Westlich vom Nil und südlich von der Hauptstadt dieses Landesteils, Memphis, dehnt sich eine runde, ringsum von Bergen und Wüsten eingeschlossne, sehr fruchtbare Ebene aus, die im Altertum nach ihrer Hauptstadt zuerst Krokodilopolis, dann Arsinoe genannt wurde und jetzt den Namen El Fayum führt. Hier hob man den Schatz, der wahrscheinlich ein Archiv war. Durch Vermittlung des Kaufmanns Th. Graf kaufte ihn der österreichische Erzherzog Rainer und schenkte ihn dem öster reichischen Museum für Kunst und Wissenschaft zu Wien. 441*
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