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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.01.1903
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1903-01-20
- Erscheinungsdatum
- 20.01.1903
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- Deutsch
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544 Nichtamtlicher Teil ^15, 20. Januar 1903. Zeilen: Johann Georgio Hochbertiger anff Hochberg gehört dieß bpchl zu Eygen Händten und ist mir göben worden von meyn allerliebst Freundt und Gönner Ertzherzogen Ferdinando zur er und wehr mepn Prmen seele. Jnnsprückhn, am 5. Mach in 1516 jar des Heils. Diese Formeln der alten Klosterbibliotheken sind in ihrer ursprünglichen Fassung noch bis heute geläufig geblieben: .-1,1 äowuw, librvrvnv, bibliotliso8.lv, 8cl vsviv dl. dl. Die Jesuiten zeichneten ein: «16 oollsAivm Zoeistvtis llssu in kl. dl. oder ivsoriptvs Ovtvlo^o, die Piaristen: ücl vsuw L. ll l'iarviv 8obol8rwv iv dl. dl. Die Bücher der 1789 aufgelassenen Kart hause Seitz in Steiermark tragen die Note: ^6 oartbusivm 8.6ob. Il8pt. iv 8vtt (1517 L); sie sind zum großen Teil im Besitz der k. k. Universitäts-Bibliothek in Graz und auch in dem der k. k. Hof-Bibliothek in Wien. Die ehemalige Eremitage St. Leonhard bei Graz hatte die Formel: OatslvAo Ursw. 86 8. ttsovbvräruv vpvä Ervseivw ivsoriptvs u. s. w. Die Erwerbsart wird ferner häufig so vermerkt: Ux eovuvvtvtiovs kvotvs sst bio libsllvs wsvs, fürs bsrsüitvrio pvtsrvo rsliets wibi base biblia u. s. w. Dem Geschenkgeber wird in diesen Eignervermerken zumeist der Dank ausgedrückt; nicht selten wird versprochen, für ihn zu beten, ein Opfer zu geben, seiner Seelenmesse beizuwohnen u. dergl. m. Zum Schluß heißt es da und dort: Rsgvisssvt vviwv sivs iv ps-os! oder: Beth Ein jedes für sein selnfridt! Häufig gaben sich in alten Zeiten Ordensleute gegenseitig Bücher zum Geschenk. So steht in einem Mönchsbrevier der Grazer Franziskanerbibliothek vom Jahr 1596: ^mioo oaris- sirvo vso vov krvtri Ivso iv 6bristo l'. Uänvräo Usutbvsr äovo 6s6i boo brsvivriwv 8.6 Aratruv vvüvviv oovtsstvväviv sAv ivki-8 seriptus dl. dl. Hans Jnrgitsch, der »Camer- diener Ertzherzogen Ferdinands zu Ostreich« schrieb 1571 in sein -Geistlich Visit« (gedruckt zu Dilingen, 1570) »Diß püchl ist mir zurgehörig, sintemal es mir mein hochherzig her und gebither göben hatt zu angebindt für mein treu diensten und rath!« Voll rhetorischen Schwulstes sind häufig die Widmungsformeln in den alten Erbbüchern. Epithala- mien (Hochzeitsschriften) tragen die Widmung meist in Distichenform, zudem ist diese oft kunstvoll kalligraphiert und der Einband vornehm ausgestaltet. So die in rotem Seidensammet gebundene Prachtbibel im Besitz der Universi tätsbibliothek in Graz, die 1564 der Bischof von Gurk, Ur banus, dem Erzherzog Karl von Österreich zum Geschenk ge macht hat. Ab und zu trieben die Buchbesitzer auch Spielereien mit ihrem Eigentum. So bewahrt die Bibliothek des Zister zienserstifts zu Rein in Steiermark ein wertvolles hand schriftliches ^vtipbovariniv (1397) auf, aus dessen Klapp- Einband eine eiserne Kette rasselt, sobald der Kodex aufge schlagen wird. Auf dem Vorsatzblatt aber liest inan die Verse: Henkh sye der Sathan an die Kethen, So syn mych stehlen thätten! In einem »Größer Zeitweiser aufs das Jar nach der Geburt des Hailands 1509« im Grazer Joanneum steht: Willst wissen meinen namben, Sieh unten an den Randen. Guck dorten durch das kleine Loch — lind les mich richtig »Ignatz Koch«. Dieser Name ist durch eine verschiebbare Marke verdeckt. In einem Schulkatechismus aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist das bunte Vorsatzblatt kunstvoll in Form einer Gebirgslandschaft gefaltet, während in den Bugen ein ausführliches ovrriovlvw vitas des Studiosus Carl Mathias Virchow aus Bregenz ausgezeichnet ist. Prächtig sind zuweilen die Schnittvermerke der Devotions- exemplare aus der Humanistenzeit. In jenen gefühls- und phantasieseligen Tagen gehörte es zum guten Ton, ein schönes Büchlein zu schenken: gerade so wie es in der Kongreßzeit Brauch war, sich gegenseitig Musikalien zu verehren. In Verbindung mit den handschriftlichen Eigentums- vermerken sind ferner auch die sogenannten Bücherflüche zu setzen. Wattenbach hat hierüber in seinem »Schriftwesen der Alten« eingehend berichtet; auch das »Serapeum« hat viele gesammelt, und jüngsthin veröffentlichte die (Wiener) »Buch händler - Correspondenz« eine kleine Auswahl. In diesen Bannversen werden dem Bücherdieb allerhand Übel auf den Rücken gewünscht. .Nicht selten gesellt sich dann auch ein Droh - Exlibris hinzu, das die Verse illustrieren soll. Einem solchen Dieb wird im Bilde der ausgestreckte Arm abgehauen, oder Nattern ringeln sich um seine Kehle, ein andermal blenden ihn böse Mordgesellen u. s. w. Auch der Humor hat sich hier ab und zu Platz gemacht. Da ist der Bücherfluch des ^.vrslius-docksx im Germanischen Museum zu Nürnberg bekannt. Die Verse sind im makka- ronischen Stil abgefaßt und lauten: llio libsr sst mein, Ickso voivsv meum sripsi drein. 8i vis buve librum stehlen, kevcksbis an der Kehlen, lluvo vsvinvt die Raben M volnvt tibi oonlos ausgraben, lluvo olamabis: Ach, ach, ach! ttbigas tibi rsots geschach. Im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation werden dann den Namen des Buchbesitzers meistens kleine Sentenzen, Lieblingssprüche oder »Leibgebetlein« p beigefügt. Diese Verklausulierungen des Besitzrechts sind für das ganze sechzehnte und siebzehnte Jahrhundert » charakteristisch. Es wäre wahrlich der Mühe wert, diese sinnigen und seltnen alten Sprüche zu sammeln. Viele missen wir ja in Wunders großem Spruchschatz. So liest man häufig: ^väi, viäs st taos, vis vivsrs iv pvos, ferner vvvo IsAs, vuvs orv, vvvs ovw kvvors labora oder vsritvs virtutis privoipiuw, Zu An fang bedenkhs Eudt, Unrecht hat ein wächsern Nasen, drumb sollst du stets das Rächen lassen. Christhus mein Herr, Christhus meine Wehr! u. s. f. Neben diesen handschriftlichen Beurkundigungen be gegnen uns noch andre Eignerzeichen. So waren schon im vierzehnten Jahrhundert die Notariatssignete sehr beliebt, die anfangs mit freier Hand gezeichnet wurden. Später stellte man sie mittelst Schablonen aus Leinöl und Kien ruß her. Heute ersetzen sie unsre Metall- und Kaut schukstempel. Diese Signete sind aber gewissermaßen die Vorläufer der im sechzehnten Jahrhundert in Umlauf kommenden beweglichen Lxlibris. Auch diese wurden anfangs meist mit freier Hand unmittelbar auf den innern Buch deckel gezeichnet und kunstvoll koloriert. Es kommen uns da bereits im fünfzehnten Jahrhundert Wappen-, Haus marken- und Emblemen-Exlibris dieser Art vor. Hierher zählen auch die Super - Exlibris. Die Grazer Universitäts bibliothek bewahrt eine Anzahl der originellsten handschrift lichen Memorienzeichen in Jnkunabelwerken des fünfzehnten Jahrhunderts auf, über die ich hier ein andermal berichten will. Später freilich stellten sich Holzschnitt, Kupferstich und Steindruck in den Dienst der Exlibris - Produktion, und Künstler von Weltruf traten hier erfindend und schaffend auf. Die kostbaren Blätter von Lukas Cranach, Dürer, Holbein, Chodowiecki u. a. werden heute teuer bezahlt. In neuester Zeit hat sich die Vorliebe für diese Art des Buch- Eignerzeichens so bedeutend gesteigert, daß uns hierüber bereits eine ganze Literatur vorliegt und einschlägige Zeit schriften und Fachkataloge existieren. Auch Lacksiegel, eingeklebte Visitenkarten und Photo graphien dienen zuweilen als Buch-Eignerzeichen. Seltsam ist zuweilen die Ausstattung mittelalterlicher Gebet- und
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