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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.03.1866
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1866-03-28
- Erscheinungsdatum
- 28.03.1866
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- Deutsch
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machen. Persönlich naher trat er mir, deran seinem sinnigen und freundlich offenen Wesen gleich anfangs Gefallen fand, als ich für die Instandhaltung meiner Privatbib-ioihek seine Hilfe in Anspruch nahm. Er entwickelte dabei so lebbastes Interesse für Literatur im Allgemeinen, bibliographische Arbeiten insbesondere und, trotz seiner Jugend, so viel Intelligenz und Gescbick, daß meine Erwartung gerechtfertigt war, er werde einst als Buch händler wie im Fach der Bibliographie Ausgezeichnetes leisten. Der Ernst deS Lebens trat Trömel früh entgegen. Sein Vater erlag 1850 einer schmerzkaften Krankheit, die Familie in bedrängten Verhältnissen kinterlassend: Paul verlor bald darauf seinen ebenfalls in unserm Geschäft angestellten begabten ältern Bruder an derselben Krankheit, der auch er später zum Opfer gefallen ist. Als Paul selbst etwas erwerben konnte, sorgte er für seine Angehörigen nach besten Kräften und ist später, bei einer günstiger» pecuniären Stellung, eine Stütze für seine Mut ter und Geschwister gewesen Obwohl in unserm Geschäft von früh bis spät in Anspruch genommen, wußte Trömel doch die wenigen Freistunden für seine wissenschaftliche Ausbildung zu benutzen; speciell interesstrte er sich lebhaft für deutsche Literaturgeschichte und Bibliographie. Ich beobachtete sein Streben mit Aufmerksamkeit, hatte aber keine Ahnung davon, wie fleißig und gewissenhaft er seine Zeit außer dem Geschäft verwandte, und war daker freudig überrascht, als er mir seine ersten literarisch-bibliographischen Arbeiten über reichte. Ich gewann hierdurch die Ueberzeugung, daß er die rechte Kraft sein werde für die Wiederbelebung unsers ausländischen Geschäfts und des damit verbunvenen Änt quarium. Es war eineFreudezusehen,wieTrömel weltumfassende Pläne mit jugend lichem F-ucr erfaßte und dabei doch so ruhig und verständig sich resignirte, daß diese Pläne nur allmäblich verwirklicht werden könnten, durch Beharrlichkeit, Fleiß, Maßhalten in allenDingen. Wir konnten sckon 1855 Trömel die Leitung des erwähnten Geschäftszweigs unserer Firma übertragen,dernun unterihm sich rasch entwickelte. Um die einschlagenden Verhältnisse des Aus landes genauer kennen zu lernen, ließen wir ihn in demselben Jahre und dann 1857 Reisen durcbDeutschland nach Frankreich, England, Belgien und Holland unternehmen, wo er die nützlich sten Verbindungen für das Geschäft einleiteke und sich dabei durch sein liebenswürdiges Wesen viele persönliche Freunde erwarb. In Amsterdam batte er Gelegenheit, eine sehr werthnolle Sammlung von Schriften, die sich auf die Geschichte Amerikas bezogen, zu kaufen. Sie ward Veranlassung zu der von ihm be arbeiteten, 1861 in unserm Verlage in französischer Sprache er schienenen Schrift „Libliotlrüezus awärioairis", einer Arbeit, die immer ihren Werth behaupten wird und die man wegen der den einzelnen Titeln beigefügten historischen und bibliographischen Notizen sowie wegen der geschmackvollen Ausführung des Ganzen als ein kleines bibliographisches Meisterwerk bezeichnen darf. Der bienenartige Fleiß, mit dem Trömel alles hier Niederge legte zusammengetraqen hat, setzt bei seiner Jugend und den An sprüchen, die das laufende Geschäft fortwährend an ihn machte, wahrhaft in Erstaunen. Die Sammlung ist später nach London verkauft worden und wohl irgendwo in Amerika als ein Ganzes ausgestellt. Im Herbst 1858 wurde Trömel von einer Rippenfellentzün dung befallen, die ihn ein Vierteljahr aufs Krankenlager warf, während welcher Zeit er aber immer nach Kräften für bibliogra phische Arbeiten, wie sie das Geschäft nothwendig machte, thätig war. Ein längerer Aufenthalt im Bade Berka a. d. Ilm wäh rend des Sommers 1859 stärkte seine Gesundheit; doch war seine , ganze Natur so reizbar geworden, daß ihn im Herbste dieses Jäh eres, veranlaßt durch eine leichte Erkältung bei der Feier des I Schillerfestes, ein neuer Anfall seines Brustleidens heimsuchke, ^ von dem er sich nie ganz wieder erholte. Noch 1861 vermochte er indeß auf einer dritten größer» Reise durch Deutschland nach Belgien und Frankreich die Interessen des Geschäfts in erfolg reicher Weise zu fördern. ' In Anerkennung seiner geleisteten Dienste beschlossen wir, Trömel als Associe der Firma F. A. Brockhaus' Sortiment und Antiquarium aufzunehmen. Am 1. Januar 1862 wurde er im Kreise seiner Eollegen bei einem heitern Mahle mit der Mitthei lung überrascht, die bei dem ganzen Personal, das Trömel hoch schätzte, liebte und verehrte, die allgemeinste Freuoe erregte. Doch nur kurze Zeit ist es ihm vergönnt gewesen, in dieser Stellung zu wirken. Ein neuer Anfall seines Brustleidens stellte sich ein. Vergebens suchte er Hilfe in dem Bade Berneck im Fichtelgebirge: er kehrte von dort schwach und leidend im Herbst 1862 nach Leipzig zurück. Soviel seine Kräfte es gestatteten, war er noch fortwährend thätig für alle Beziehungen des vielver zweigten Geschäfts, und erst am 30. December 1862 verließ er dasselbe, um schon zwei Tage darauf, am ersten Tage des neuen Jahres, seiner Krankheit zu erliegen, tief betrauert von uns, sei nen Geschwistern, College» und zahlreichen Freunden. Die Theilnahme an dem frühen Dahinscheiden des jungen Mannes war bei seinen nähern Freunden und den Becufsgenos- sen eine ganz allgemeine. Dies sprach sich besonders auch bei dem Begräbniß aus, das am 4. Januar 1863 staitfand. Trömel's Freunde und Eollegen versammelten sich im Hofe unseres Grund stücks und zogen zum Trauerhause. Die Fahne der Firma F.A. Brockhaus ward dem mit Blumen reichgeschmückten Sarge vor getragen, ein langer Zug von Theilnehmenden folgte demselben, und am Grabe gaben ein Mitglied des Geschäfts und ein Geist licher durch ergreifende Reden dem allgemeinen Gefühle Ausdruck. Wir zeigten Trömel's Freunden seinen Tod durch eine be sondere Mittheilung an, in der es unter anderm beißt: Außer als intelligenten, gewandten und zuverlässigkn Mitarbeiter haben wir Trömel als einen Mann von dem edelsten Streben, viel seitiger Bildung, seltener Biederkeit und Liebenswürdigkeit des Cha- rakrers kennen gelernr. Wlr beklagen sein frühes Dahinscheiden, und sein Andenken wird bei uns und in unserm Geschäft für immer ein ehrenvolles und geseg- neles bleiben. Zu Trömel's nächsten Freunden gehörte der Bibiolhekar Hofrakh vr. Julius Petzboldt in Dresden, mit dem er viel münd lich und schriftlich verkehrt hat. Derselbe widmete Trömel einen warm geschriebenen Nachruf, der in dem Februarheft seines ,,Neuen Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekwissenschaft" für 1863 (Börsenbl. 1863 Nr. 21) erschien, aber auch in 30 numerirten Exemplaren besonders abgedruckt worden ist. Ein treues photographisches Bildniß Trömel's ist dem Büchlein bei gegeben. Petzholdt würdigt Trömel's Verdienste um die Biblio graphie, charakterisier seine Arbeiten und schildert ihn in seiner ganzen liebenswürdigen Natur in der treffendsten Weise. Von hervorragendem und eigenrhümlichem Interesse war Trömel's Verhältniß zu Justinus Kerner. Trömel hatte sich diesem Dichter in früher Jugend mit besonderer Liebe zugewendet und schon als achtzehnjähriger Jüngling imOctober 1849 einen schrift lichen Verkehr mit Kerner begonnen, sich in seinem ersten Briefe unterzeichnend: „Paul Trömel, im Evmmissionsgeschäft bei F. A. Brockhaus in Leipzig." 1853 ließ Trömel einen Aufsatz über Kerner in Herrig's „Archiv für das Studium der neuern Sprachen und Literaturen" erscheinen und sandte Kerner ein Exemplar eines von dem Aufsatz veranstalteten besonder» Abdrucks. Seitdem
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