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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.04.1929
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- 1929-04-13
- Erscheinungsdatum
- 13.04.1929
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VMOMfL-mMlltsckmVüMaM Nr. 85 <R. 48). Leipzig, Sonnabend den 13. April 192S. 96. Jahrgang. Redaktioneller TÄ Geschäftsbericht des Vorstandes des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig über das Vereinsjahr 1928/1929. Zu erstatten in der Hauptversammlung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig am Sonntag Kantate, dem 28. April 1929. I. Mrtschaftsbericht. Zehn Jahre seit Ausgang des Weltkrieges liegen hinter der deutschen Wirtschaft, Jahre eines zähen Ringens um Heilung der durch den Kriegsverlust im Innern geschlagenen Wunden und Wiedererlangung der früheren Position in der Weltwirtschaft. In diesem Zeitraum schwangen sich die Konjunkturkurven in einem bisher nie gekannten Ausmaß auf und nieder und Höhe und Tiefe lösten sich ab in schneller Wechselfolge. Der deutsche Wirtschaftskörper ist also auf Außerordentliches eingestellt. Es muß schon hart kommen, wenn seine Träger in Pessimismus verfallen. Woran liegt es, daß eine Welle von bis her nicht gekannter Verzagtheit augenblicklich die einzelnen Ge werbezweige überflutet? Daß sic gerade jetzt mit dem Ende des Berichtsjahres einsetzt? Woher stammt die zum Schlagwort ge wordene »llnternehmermüdigkeit«? Die nach den Grundsätzen der methodischen Forschung herrschende Depression kann nicht allein die Ursache dafür sein, wenn auch die lange Dauer mit ihren Begleiterschei nungen, namentlich den infolge der Preissteigerung hervor- tretendcn Lohn- und Gchaltscrhöhungsforderungen, unerfreu lich ist. Solche Stadien hat aber die deutsche Wirtschaft öfter durchgemacht. Ist es die Ungewißheit über den Ausgang der Tributverhandlungen? Oder fürchtet man das völlige Ver sagen der durch einen arbeitsunfähigen Parlamentarismus ge hemmten Regierung, das sich am deutlichsten zeigt bei den Aus einandersetzungen über den ungedeckten Fehlbetrag im Staats haushalt? Das alles mögen Tatsachen sein, die aus psychologischen Gründen auf die Stimmung nicht ohne Einfluß bleiben. Die eigentlichen Ursachen aber liegen tiefer: Wieder steht man am Ende eines Wirtschaftsabschnittes und muß feststellen, daß das Ergebnis der Mühe und Arbeit nicht besser, sondern schlechter ge worden ist. In fast allen Geschäftszweigen konnte der Umsatz gesteigert oder auf gleicher Höhe mit dem Vorjahr gehalten wer den; der Gewinn aber ist trotz langsamen Ansteigens der Preise geringer. Es scheint, als ob die deutsche Wirtschaft dem schlei chenden Übel ständig sinkender Rentabilität verfallen ist. Die stillen Reserven verflüchtigen sich immer mehr. Der Einzelhandel lebt schon seit längerer Zeit von der Hand in den Mund, wie es auf den Massenkundgebungen des vergangenen Jahres zum Ausdruck gekommen ist. Was in angestrengter, weit über Friedensleistungen hinausgewachsener Arbeit des Unter nehmertums an Gewinn aus den Betrieben gewirtschaftet wird, fließt in Form von Steuern, sozialen Abgaben und sonstigen Belastungen wieder ab. Die Bildung von Kapitalreserven ist nur noch in besonders günstig liegenden Gewerbezweigen mög lich; beim gewerblichen Mittelstand erscheint sie jedenfalls unter den derzeitigen Verhältnissen völlig ausgeschlossen. Der Kredit bedarf und damit die Verschuldung wachsen zusehends. Aber ge rade die hohen Zinsen für Leihgeld wirken sich aufs nach teiligste aus. Das Kapital- und Kreditproblem ist das Haupt problem der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage. Das gilt auch für den Buchhandel aller Zweige. Die nach stehenden Einzelberichts zeigen immer wieder das gleiche Bild: Trotz Steigerung des Umsatzes im Jnlandgeschäft, trotz Zu nahme der Ausfuhr keine Angleichung der Rendite, vielfach sogar ein Sinken. Man braucht zum Beweis dafür gar nicht erst auf Zahlenmaterial zurückzugreifen, zumal dieses leider auf buch händlerischem Gebiete recht mangelhaft ist. Die Konkurs- und Vergleichszisfern zum Beispiel geben sicher kein richtiges Bild, weil die für 1928 angeführten Zahlen von 69 Konkursen und 32 Geschäftsaufsichten unvollständig sind. Eindeutiger spricht schon die Kreditliste des Verlegervereins, und das richtige Urteil würde man erst gewinnen können, wenn der Einblick in die Buchhaltung des Verlags und des Zwischenhandels möglich wäre. Aus der völlig gleichgearteten Lage des Buchhandels und der anderen deutschen Gewerbezweige, wie sie sich gerade im Laufe des Berichtsjahres immer deutlicher gezeigt hat, ergibt sich das Unzutreffende des Schlagworts von der wirtschaftlichen Krisis des deutschen Buchhandels, wenn damit gemeint ist, daß er etwa aus besonderen, in seiner Struktur liegenden Gründen eine wirt schaftliche Spezialkrisis habe, die sich von der Krisis der übrigen Wirtschaft, sei es den Gründen, sei es der Auswirkung und dem Ausmaß nach, unterscheide. Solche Theorien sind weniger des halb bedenklich, weil sie ausgenutzt worden sind, um die Käufer schaft gegen den sogenannten regulären Buchhandel einzunehmen, als darum, weil sie auch in den eigenen Reihen das Urteil trüben, Unzufriedenheit und Mißmut steigern. Sie erwecken den Glau ben, als ob der Buchhandel völlig aus eigener Kraft und mit eigenen Maßnahmen alle Not für seine Angehörigen beseitigen könne. Gewiß kann in dieser Hinsicht manches geschehen. Dazu wird im Tätigkeitsbericht im einzelnen Stellung zu nehmen sein. Der Vorwurf, daß die Organisation versage, wird entweder in Unkenntnis der tatsächlichen Vorgänge, die nicht immer der buch händlerischen Öffentlichkeit unterbreitet werden können, oder mit bestimmten Absichten erhoben. Es genügt, die Aufklärung hier über der Zeit zu überlassen; solche durchsichtigen Aktionen werden schließlich auch von denjenigen richtig beurteilt, die dazu neigen, 3S7
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