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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.05.1934
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- 1934-05-05
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- 05.05.1934
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x° 104, 5. Mai 1934. Redaktioneller Teil. Börlcilblalt!. d.D!Ichn.Bi,chh<>n»-l. Reichsdramaturg vr. Rainer Schlösser: Richard Euringer. Reichsminister I)r. Goebbels verlieh in der feierlichen Sitzung der Neichsknlturkammer am Feiertag der Arbeit zum ersten Male den Nationalpreis an Richard Euringer. Große Zeiten verpflichten, sie sind nicht stur Naturvorgänge, sondern auch Forderungen und als solche nicht nur politische, son dern auch künstlerische. Wenn der Neichsjugendfiihrer gesagt hat, das Schrifttum müsse dem Nationalsozialismus genügen, so heißt das: es muß ebenso sehr im Weltanschaulichen wie im Formalen dem Lei stungsprinzip unserer Bewegung entsprechen. Mit einem Wort: es muß tun st ge wordener Nationalsozialismus sein. Das muß am Anfang ein für allemal und immer wieder gesagt wer den. Denn deren sind immer noch viele, die aus einer blutarmen, überfeinerten und überalterten Kunstgesinnung heraus, die nichts anderes als Geschmäcklertum ist, die aktivistischen Elemente unserer Bewegung aus den Bezirken der Kunst verbannt wissen wollen. Da aber Nationalsozialismus schlechthin das endlich geformte Leben der Nation ist, so hieße das, das Leben überhaupt ans der Kunst zu ver bannen, ich meine das wirkliche Leben, das hinreißend und lebendig und uns als Aufschwung heilig ist. Zu verbannen aber ist einzig und allein das Leben aus zweiter Hand, das gleichgeschaltete veraltete, ungekonnte und ungestaltete, das patriotisch-gestrige und allzu beflis sen heutige, kurzum der nationale Kitsch, von wannen er auch immer sein mag. Den haben wir bekämpft, den wird der Nationalsozialis mus immer bis zur restlosen Ausrottung bekämpfen. Das aber ist der Unterschied zwischen unserem Kampf gegen ungenügende Leistun gen und dem Bekritteln, der überästhetischen Kritiersucht letztlich bür gerlicher Neunmalweiser: Wir fechten unsere Sache durch, weil wir eine von unserer Weltanschauung getragene Kunst der Zukunft wol len, jene aber, weil sie sie im letzten nicht wollen. Deswegen nicht wollen, weil sie ihr nicht gewachsen sind. Denn es ist schon so, wer das Leben gestalten will, muß mitten im Leben stehen. Es gibt aber noch unzählige, die daneben stehen, ja nicht einmal daneben stehen, sondern daneben sitzen. Am Schreibtisch, während rechts und links von ihnen der Strom der Zeit vorüber rauscht. Sie sitzen und ver schanzen sich hinter Büchern, Theorien, Vorurteilen gegen das Leben, dem sie nicht recht geben wollen, obwohl es doch immer recht hat. Sie wollen nicht sehen, sie wollen nicht hören und wollen nicht glau ben, weil sie längst nicht mehr glauben können. Kein Wunder daher, daß es nicht diese sind, denen die junge Nation ihr Ohr leiht. Daß es vielmehr die Soldaten der Feder sind, jene Kämpfer, die das Tin tenfaß gegebenenfalls an die Wand schmettern, um den Teufel der Literatur zu verjagen, denen um Tinte nicht bange zu sein braucht, solange sie mit dem Blut des Herzens schreiben. Ihre Worte sind Handlungen, ihre Bücher sind Taten. Sie stehen und können nicht anders, die Dietrich Eckart, Hanns Johst, Rudolf Paul- sen, Hans Heyck, Richard Euringer und wie sie alle heißen, jene Männer, die sich nicht scheuten, in Zeiten, da das der Existenzvernichtung noch gleich kam, Seite an Seite mit den Braunen Bataillonen zu marschieren. Mögen andere zuweilen kunstfertiger ge wesen sein, sie waren immer charaktervoller und es entspricht nur unserer Forderung nach stärkerer Berücksichtigung des Charakter wertes bei der Beurteilung des deutschen Schrifttums, wenn ich, eines Sinnes mit allen meinen Parteigenossen, ganz offen erkläre, daß ich diesen Männern vor allem und zunächst meinen Dank, den Dank der Kameradschaft abzutragen gewillt bin. Jetzt ist die Stunde, wo ich das Glück habe, einem von diesen Getreuen für alle andern und vor allen andern diesen Dank aus sprechen zn dürfen. Das soll heute das erste Wort sein, daß ich Ihnen danke, Richard Euringer, von ganzem Herzen danke. Und dieser Dank soll ein Be kenntnis zu Ihnen sein. Von dem Tage an, da ich im »Völkischen Beobachter« Ihre erste Zuschrift in Händen hielt — ich weiß es noch sehr wohl: ein Doku ment tiefsten inneren Ringens um die neuen Ideen, ein die Dinge nicht nachbeten, sondern ergründen wollen — bis auf den heutigen Tag, nie haben Sie verzagt oder versagt, ein Besessener der Deutsch- heit, ein unermüdlicher Prophet des Deutschlands, das ein Deutsch land Adolf Hitlers ist; kein Wahlsieg ohne Ihre Hilfe, kein Rückschlag ohne Ihren Zuspruch. Schon heute spreche ich Ihre damals veröffent lichten Aufsätze, Ihre Beschwörungen, Ihre Aufrufe, Ihre Manifeste der deutschen Seele und des deutschen Geistes als h i st o r i s ch e s Zeugnis eigentümlich nationalsozialistischer Pu - blizistik an. Der Zweck und die Wirkungen dieser Aussätze sind bereits in die Geschichte der nationalsozialistischen Erhebung einge gangen, was aber diese Wirkungen erzielte, das war eine Kraft, die wir heute noch als beglückende Garantie der Gegenwart empfinden, es ist die Kraft des Wortes, des kämpferisch stoßkräftigen dichteri- 410 scheu Wortes, das bei Ihnen ein süddeutsches Wort ist. Eine Wieder geburt, wenn man will, des Barock mit seiner ganzen strotzenden Überfülle volkstümlich eingängiger Wendungen, mit dem ganzen Überschwang der Rede, wie sie einem Abraham a Santa Clara ge geben war, einem Volksredner, den nur die Philistrosität des neun zehnten Jahrhunderts belächeln konnte, eine Wiedergeburt aber auch der Gemüthaftigkeit eines Friedrich Grafen Spee. Bewußt beschwor ich diese Kronzeugen der Tradition, um zu zeigen, daß die Kraft des nationalsozialistischen Geistes sich die Elemente der Überlieferung an zueignen versteht und keineswegs verleugnet; aber auch, um zu zeigen, wie sich im nationalsozialistischen Menschen die jahrhundertelang widerstrebenden Mächte der deutschen Welt wunderbar miteinander verbinden können, das süddeutsch Üppige mit dem norddeutsch Züch tigen, das Barock des Prinzen Eugen mit dem Königsberger Pflicht begriff. Hier strebt das bisher Gegensätzliche im Deutschen, das wir eben politisch überwinden, auch dichterisch zum Ausgleich, zur Ver einigung aller Regungen, zum inneren Deutschen Reich. Der Dichter Euringer hat diesen Weg sogar schon vor dem Publizisten eingeschlagen. Schon 1920 lief eine undeutsche Presse gegen ihn Sturm, weil sie in seinem Schauspiel »Der neue Midas« mit gutem Grund den Gegner witterte. Wie recht sie hatte, offenbarte sich dann mit dem bekanntesten Buche Euringers, der »Fliegerschule 4«. Dies »Buch der Mannschaft« ist eins der wenigen vor fünf — sechs Jahren erschienenen, welche noch heute oder vielmehr gerade heute durch ihre überraschend männliche, geradezu programmatisch national sozialistische Haltung im Geistigen wie im Stilistischen in Erstaunen setzen. Es ist, als habe Euringer vorsorglicherweise ein Musterbeispiel für das bereit halten wollen, was uns vorschwebt, wenn wir heute stählerne Romantik fordern, ein frontkameradschaftlich echtes Werk, in dem jeder Kriegsteilnehmer sein tiefstes Fühlen widergespiegelt und gerechtfertigt findet, gleichviel, ob er, wie Euringer, Flieger oder Infanterist, Artillerist gewesen ist. »Indes der Mensch zerschellt, zeugt sein Fall noch für das Gesetz«, das ist der Grundgedanke des Buchs, aber es ist mehr als ein Gedanke und mehr als der Gedanke eines Buchs. Man hat diesem Werke vorgeworfen, daß es kein Roman sei. Das aber gerade ist sein Vorzug. Es war und ist ein Manifest der Mannschaftsgesinnung, der Tod- und Lebensbrüderschaft einer Ge meinschaft, der Einordnung und Überwindung des Jchs zum Wir, auf dem allein das Kommende errichtet werden konnte. Ein solches Manifest aber mußte neue Wege in Stil und Aufbau suchen und sie wurden, das steht heute fest, hier gefunden. Nicht anders kommt man an das wenig später erschienene Werk von Euringer heran, mit dem der soldatische Geist der Mannschaft für die Friedensarbeit der Nation fruchtbar gemacht werden sollte. Er ist der dichterische Aufruf, der unter dem Verlegertitel »Die Arbeitslosen« herauskam, im Ma nuskript aber besser und sinnfälliger »Zu uns komme die Zucht« überschrieben war. Die Gliederung der Masse in Hundertschaften der Werktätigkeit war es, die den Dichter zu diesem seinem Appell ver anlasse. Vielleicht, daß dieses Buch zu zeitnah geriet — wir sind die letzten, die mit Euringer deshalb rechten wollten. Ist doch ohne diese rückhaltlose Hinwendung zu den Problemen unserer Zeit seine »Deutsche Passion 1933« kaum zu denken jenes Hörwerk in sechs Sätzen, das allen Nationalsozialisten, vor allem aber der HI., un endlich viel gegeben hat. Was immer man im einzelnen gegen den echten und gerechten Mythos dieser Dichtung auch einwenden möge, sie ist und bleibt ein Echo des viel Millionen stimmigen Befreiungs schreis der gequälten deutschen Nation, ein Widerhall aller jener Ge fühle, die bleiben werden, solange es Nationalsozialisten gibt; hier ist der Ton und der Stil unserer Versammlungen, die großartige Be redsamkeit unserer hinreißendsten Redner in die alte und doch wieder ganz heutig und unmittelbar gewordene Form des Mysterienspiels gegossen, hier erinnert die Macht der Sprache und die Gewalt der Gesichte an Dante, den klassischen Merlin aller Visionen. Es ist die Rechtfertigung Deutschlands vor den zwei Millionen Toten, die ein mal und eben im vorigen Frühjahr, jenem Frühjahr des Aufbruchs gedichtet werden mußte. In seiner Vorrede hat Euringer gesagt: »Das hörende Volk muß mitsingen können«. Ich kann mir nicht helfen, mein Herz singt mit, wenn der Orgelton dieser deutschen Passion aufbraust; und ich glaube, cs ist so, weil ich »hörendes Volk« bin und diejenigen, die hier die Versfüße zählen, weder imstande sind zu hören, noch Volk zu sein. Dieses Gedicht ist ein Volkslied im wahrsten und er habensten Sinne des Wortes, dieses und ein anderes, das zu nennen ich, als Treuhänder der kommenden Kunst, nicht müde werde: Eber hard Wolfgang Möllers »Anruf und Verkündung der Toten«. Hätten wir nur diese beiden Visionen vom Dritten Reich und Baldur von Schirachs lyrische Fanfarenrnfe — es genügte schon, um zu erkennen, daß ein Drittes Reich auch der Kunst kommt. Nach allem, was wir von Euringer kennen, sind wir gewiß, daß sein großes Epos der Volkmerdung, das tausendseitige Manuskript »Die Fürsten fallen«, einen weiteren Schritt zur Verwirk-
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