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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.01.1934
- Strukturtyp
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- 1934-01-02
- Erscheinungsdatum
- 02.01.1934
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- Deutsch
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1, 2. Januar 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn Buchhandel. sind, und die Öffentlichkeit aufgelockert, bereit und hungrig ist nach seelischer Nahrung — mag sie auch »nt dem Bücherkauf aus mehreren Gründen noch zögern — noch andere praktische Mög lichkeiten und Wege ausfindig machen, dem deutschen Buch aus Vergangenheit und Gegenwart die Bahn zu bereiten. Die Er füllung dieser Aufgabe ist ja nicht ein selbstsüchtiger Wunsch des am Absatz beteiligten Verfassers — sie hat eine überpersönliche Bedeutung, sie zielt in das Innerste des Volkes, in das Proto plasma der Nation. Zu diesen alten Freunden, dem Kern- und Stoßtrupp, werden neue kommen und sind es wohl auch bereits. Bei vielen Sortimentern ist nachdrücklich Besinnung eingekchrt und fruchtbar geworden. Die Einwirkungen von außen her, aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben, übten ja eine mäch tige, durchrüttelnde Kraft. Die Buchhändler haben auch die große Kulturrcdc des Führers auf dem Parteitag zu Nürnberg gehört, gelesen, in sich ausgenommen, möglicherweise auch die inter essanten Ansprachen des Reichsministers vr. Goebbels an die Buchhändler und die Ausführungen des preußischen Kultus ministers vr. Rust zum Thema Buch. Es erübrigt sich, etwas hinzuzufügen. Sicherlich wird niemand bei der Auslegung der Führerrede auf den Gedanken verfallen sein, es gelte im neuen Staat nur das nationalsozialistische Schrifttum oder ausschließ lich das der Dichter aus der Partei —, so wichtig es auch ist, diese Schriften zu kennen, sich mit ihnen zu befassen, mit dem neuen Gedankengut vertraut zu werden und sie unter das Volk zu bringen. Vielmehr sind diese Kundgebungen so zu verstehen — wie auch der Führer es am Tag der deutschen Kunst in München wiederum ausgesprochen hat —, daß die Kunst im nationalsozia listischen Staat die deutsche Kunst schlechterdings sei. Durch die Neuordnung der Dichtcrakademic ist der Raum der deutschen Dichtung im neuen Staat genau und weithin sichtbar abgesteckt. Überdies sind heute alle deutschen Dichter in der Fachschaft der Reichskulturkammcr zu einer Front zusammcngefaßt. Die Richtlinien sind klar gezogen, davon hat auch das Sortiment Kenntnis zu nehmen, was bereits geschehen ist. Eine mechanische »Gleichschaltung«, wo sic wendig betrieben wurde, dürfte aber nicht genügen. Sie erseht nicht die zu for dernde lebendige Verbundenheit des Buchhandels sowohl nach der Seite des Dichters und Schriftstellers als auch nach der des Volkes. Die Buchhändler sind mit einer großen Aufgabe betraut, sic gehören zur sichernden und wegbereitenden Vorhut im Vormarsch des Volkes in den neuen Lebensraum. Sie haben aber auch die Kluft zu schließen, die zwischen dem Volk und seinen Dichtern künstlich aufgerisscn wurde. Scharfes Verant wortungsgefühl und geistige Sicherheit für ihr Wirken müssen sic sich zu eigen machen. Eine mechanische Gleichschaltung weckt nicht diese Kräfte. Die große Menge der Bücherkäufer steht oder möchte wenigstens wieder in einem vertrauensvollen Verhältnis zur Gesamtheit des deutschen Buchhandels stehen, durch den sie früher so gut beraten wurde. Die Zeiten des Betrugs durch den Buchinhalt, der literarischen Lotteret und Spekulation sind vor über. Der Buchkäufcr verlangt für sein schwerverdientes Geld wieder gehaltvolle, wertbeständige Lekküre, Bücher, die wieder holt und noch nach Jahren, auch von den Kindern der Erwachse nen, gelesen werden können, Schriften, die nicht nach einmaligem Lesen ausgeschöpft sind und die standhalten vor alten und neuen Verpflichtungen. Zwangsläufig sieht sich jener Buchhändler, der bisher vor wiegend Verfallsliteratur unter die Leute brachte, vor die Not wendigkeit gestellt, sein Verhältnis zur bucherwerbenden Volksschicht neu zu ordnen. Das setzt voraus, daß er sich ehrlich in die neue Gemeinschaft cingliedert und seine Beziehung zum Dichter dieser Gemeinschaft geklärt hat. Solche vorbereitende, aber unerläßliche Bemühung ist freilich mit einiger Unbequemlich keit und Arbeit verbunden. Der etwa noch nicht genügend unter richtete Buchhändler muß schleunigst die Lücken seiner Kenntnisse auf dem Gebiet der deutschen Dichtung aussüllen. Dazu dienen ihm, außer den von neugcschaffenen Organisationen gegebenen Richtlinien, erstens die einschlägige Fachliteratur, zweitens die Werke der Dichter selber. Es ist nicht meine Ausgabe, dem erfahrenen Buchhändler Ratschläge zu erteilen, das braucht es nicht — Anregungen wer den ihm ja genügend zugehen. Doch darf ich sagen, was mir an brauchbaren Leitfäden für den Bereich der deutschen Dichtung in die Hände gekommen ist. Sie sind dem Literaturfreund ebenso nützlich, wie sie dem Sortimenter dienlich sein können. 129 Er zähler deutscher Art stellt Walter Hofmann in seinem Buch führer »Deutsche Erzähler« (Institut für Leser- und Schrifttumskunde, Leipzig) vor, wobei er das stamm- und art verwandte ausländische Schrifttum in beschränktem Umfang mit berücksichtigt. In lebendigen, ganz kurz gefaßten Wcsensbildcru werden die Dichter aus Vergangenheit und Gegenwart dem Leser nahegebracht, die wichtigsten Werke angeführt. — Anders ver fährt der Verfasser der zweiten wichtigen Schrift: Hellmuth Langenbucher: »Volk hafte Dichtung der Zeit« (Verlag Junker L Dünnhaupt), der auf der Grundlage einer literatur- und zeitkritischen temperamentvollen, ebenso scharf sichtigen, wie um höchsten Einsatz besorgten Darstellung das We sentliche und das am stärksten Lebcnsbildende an gegenwärtiger volkverbundener Dichtung nach Herkunft und geistigem Umkreis heraushcbt. Die dritte Arbeit, die sich bereits angemeldet hat, dürfte nicht minder wichtig sein: es ist der neue Band der Lite raturgeschichte von Albert Socrgel »Dichtung und Dichter der Zeit, HI. Folge« (Voigtländer), der die wich tigsten Vorbereiter des deutschen Durchbruchs behandelt und den Leser sicherlich vorzüglich unterrichten wird. Diese Bücher vorzunehmen, kann nur nützlich sein. Nach drücklich gefordert werden aber muß, daß der Buchhändler die Bücher der deutschen Dichter lese. Wie sollte er sonst seine Be ziehung zum Dichter in Ordnung bringen! Das ist nicht zu viel verlangt — man wird nicht ein ganzes Faß Wein austrinken inüssen, um die Güte zu kosten —, aber die wichtigsten Bücher jedes einzelnen der bedeutendsten Autoren wird der Sortimenter kcn- nenlerncn müssen. Hat er doch auch früher immer Zeit gehabt, die neuesten Erscheinungen der Schriftstellereibetricbe zu lesen, ja mit Urteilen zustimmender Art an die Verleger nicht zu kargen (was wiederum in den Anzeigen im Börsenblatt nachzulesen ist: »S o urteilt das Sortiment« ...). Endlich gibt es noch eine wei tere zuverlässige Möglichkeit der Unterrichtung: die seit herige Haltung der Verlage selbst. Es muß zur selbst verständlichen Regel des Sortiments werden, die Produktion all jener Verlage zu bevorzugen, die in den letzten vierzehn Jahren eine anständige deutsche Linie enthielten. Das ist ein Akt der Wiedergutmachung! Wie der Buchhändler es anstellt, vcrlorengegangene Lescr- schichten wiedcrzugcwinncn, vor allem in jene Gebiete einzu dringen, wo vordem marxistische Buchhandlungen bestanden und wirkten — darüber muß er Nachdenken. Eines scheint mir zuni Schluß noch bemerkenswert zu sein: die regionale Bevor zugung der Dichter. Der Reichtum der deutschen Dichtkunst be ruht u. a. aus der Vielfalt der landschaftlichen Stimmen. Die Erfahrung lehrt, daß süddeutsche Schriftsteller in Norddeutsch land stärker gelesen werden als norddeutsche im Süden. Ein ge wisser Ausgleich wird sich erst mit der Zeit einstcllen können: die politische Einigung der Deutschen, der Wegfall innerer Gren zen, das wachsende Verständnis des einen Stammes für den an dern werden cs wohl zuwege bringen. Ein unmöglicher Zustand aber ist, daß vielfach die Autoren in ihrer eigenen Heimat, in ihrer angestammten Landschaft zu wenig bekannt gemacht werden. Wenn es auch eine alte Erfahrung ist, daß kein Prophet in seiner Heimat etwas gilt — der Durchschnitt blickt nicht über seinen eigenen Horizont hinaus —, so sollte sich der Buchhändler gerade deswegen der heimischen Dichter annehmcn, womit freilich nicht eine oberflächliche »Heimatkunst-, die von jeher mit Recht übel beleumundet war, empfohlen werden soll. In dieser Hinsicht ist viel versäumt worden, die Dichter erwarten, daß das Sortiment im nationalsozialistischen Staat sich bemühe, eine Besserung her- bcizuführen. Mit vorstehenden Ausführungen habe ich ausdrückeu wollen, wie meine Stellung zu der Frage ist. Sache des Sortimenters wird es sein, unter den neuen Verhältnissen zu neuen Anschau ungen zu kommen, neue Grundlagen zum Auf- und Ausbau seines Hauses zu finden, Methoden anszuarbeiten und Wege einzu schlagen, die dem deutschen Buch ebenso dienlich sind wie dem deutschen Buchhandel.
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