Nr. 245 (N. 127) Leipzig, Dienstag den 20. Oktober 1936 183. Jahrgang Der Präsident der Neichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns Iohst, erläßt folgenden Ausruf: In der „Woche deS Deutschen Buches" ergeht an jeden einzelnen in unserem Volk der Ruf, im Schrifttum unsere Zeit, ihre Gaben, ihre Aufgaben und ihre großartige Schönheit zu begreifen. Für uns Deutsche waren seit jeher Werktage und Festtage auch Tage mit Büchern! Unsere neue Gemeinschaft hat uns gelehrt, die Liebe zum deutschen Buch gemeinsam zu bekennen; was nur noch Sache des einzelnen schien, wieder zum Erleben des ganzen Volkes zu machen! So ist unser Bekenntnis zum Buch zugleich ein Programm: Alle zum Buch Berufenen und alle vom Buch Gerufenen erneut zusammenzuführen! Das Buch als Brücke Empfang der Reichsschrifttumskammer im Kaiserhof Eigener Bericht für das Börsenblatt Wir rüsten zum dritten Male zu einer Woche des Deutschen Buches nach dem Umbruch des Jahres 1933. Viele, die damals geglaubt haben, es handle sich bei dieser Neuschöpsung um einen »interessanten Versuch«, die hat schon die erste Woche eines Besseren belehrt. Sie zeigte ganz deutlich die neuen und neuartigen Formen der Werbung, sie ließ aber noch viel stärker die neue Haltung er kennen, die wir dem Buche gegenüber einnehmen. Wir waren da mals selbst verwundert, wie der größte Versammlungsraum Ber lins, der Sportpalast, sich gefüllt hatte mit Menschen, die der Parole der ersten Buchwoche gefolgt waren. Dieser erste Ruf hatte in vielen tausend Herzen eine neue Saite anklingen lassen. Die Aufgabe der beiden vergangenen Jahre war es dann, den einmal aufgelockerten Boden immer mehr zu bereiten. Und wir wissen heute, daß die Woche des Deutschen Buches schon ein fester Begriff geworden ist und daß nach den ersten drei Jahren das Volk auf diese Woche wartet. In wenigen Tagen wird Reichsminister vr. Goebbels die dritte Buchwoche in Weimar eröffnen. Wie auch in den letzten Jahren fand aus diesem Anlaß in der vergangenen Woche ein Presseempfang im Hotel Kaiserhof zu Berlin statt, zu dem der Präsident der Reichsschrifttumskammer die Vertreter aller Dienst stellen und der in- und ausländischen Presse eingeladen hatte. Mehr als dreihundert Gäste konnte der Geschäftsführer der Reichs arbeitsgemeinschaft für Deutsche Buchwerbung, Pg. N. A. Rein - hart, in seiner kurzen Ansprache begrüßen. Sein besonderer Dank galt den Männern, die seit Beginn der öffentlichen Buchwerbung im Jahre 1933 in engster Verbindung mit der Reichsarbeits gemeinschaft zusammengearbeitet haben. Dabei führte er u. a. aus: Woche des Buches 1936 Die »Woche des Deutschen Buches« ist ein Höhepunkt der sich über das ganze Jahr erstreckenden Arbeit der öffentlichen Buch werbung, bei der es darum geht, jeden einzelnen Volksgenossen für das deutsche Schrifttum zu gewinnen. Der ganze Einsatz der öffentlichen Buchwerbung wäre ohne Sinn, wenn er nicht immer darauf angelegt würde und zum Ziel hätte, d i e Volksgenossen für das Buch zu gewinnen, die noch kein Verhältnis zum Schrifttum haben. Dieser Kampf um die Unwissen den oder Gleichgültigen wird in diesem Jahre wieder besonders kräftig geführt. Dank der Mitarbeit der Deutschen Arbeitsfront, der NS.-Frauenschaft, der Hitler-Jugend, der NS.-Beamtenschaft, des Reichsnährstandes, der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes sowie der Mitarbeit aller übrigen Organisationen und aller Dienst stellen in Staat, Partei und Wirtschaft wird es gelingen, elf Millionen Auswahlverzeichnisse deutschen Schrifttums im ganzen Volk zu verbreiten und damit dem Unkundigen eine erste Möglich keit zu geben, sich in der Vielzahl der Bucherscheinungen zurecht zufinden und gerade seine Bücher kennenzulernen. Die Verteilung dieser Auswahlverzeichnisse ist eine Aktion, die geeignet ist, eine starke Breiten- und Tiefenwirkung zu er-