Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.06.1921
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1921-06-02
- Erscheinungsdatum
- 02.06.1921
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19210602
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192106028
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19210602
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1921
- Monat1921-06
- Tag1921-06-02
- Monat1921-06
- Jahr1921
-
5744
-
763
-
764
-
-
-
-
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
12«, 2. Juni 1821. Redaktioneller Teil. Bör>enblatt s. d. Dtschn Buchhandel In einer Sitzung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses, die sich mit dieser Angelegenheit befaßte, wurden in Verbindung mit dieser Anfrage Eingaben des Vereins Deutscher Zeitungsverleger (Kreis Mitteldentschlaud) in Erfurt, des Tarifausschusses der Deutschen Buch drucker (Kreis Schlesien) und der Arbeitsgemeinschaft des bayerischen Einzelhandels mit Protesten gegen die geplante Papierpreiserhöhung besprochen. Neichswirtschaftsminister Scholz gab hierauf eine Dar stellung der Entwicklung der Druckpapierpreise, wobei er auch die am 1. April d. I. erfolgte Aufhebung der Bewirtschaftung flir Druckpapier erwähnte. Er teilte ferner mit, die Preisprüfungsstelle sei zu dem Resultat gekommen, das; die Preiserhöhung zwar nicht in vollem Maße eintreten dürfe, das; mau aber kaum unter einen Preis von 3.60 Mark gehen dürfe, wenn nicht eine ganze Reihe minderleistungs fähiger Druckpapierfabriken zur Stillegung gezwungen werden sollten. Dieser Preis von 3.6V Mark dürfte auf etwa 3.40 Mark pro Kilo gramm gesenkt werden. Wenn die deutsche Presse glaube, auch bei diesem Preise nicht bestehen zu können, so müsse man andere Mittel ergreifen, um ihr zu helfen. Man einigte sich schließlich ans eine Ent schließung, in der zunächst zum Ausdruck kommt, das; die Aufrecht erhaltung der Existenzmöglichkeit der Tages- nnd Fachpresse für das gesamte wirtschaftliche und politische Leben Deutschlauds ein unbe dingtes Erfordernis ist. Des weiteren soll eine eingehende Nachprü fung der Rohstoff- nnd Verarbeitungskosten und eine darauf begrün dete Einwirkung auf angemessene Preisfestsetzung erfolgen. Die Wie dereinführung einer Bewirtschaftung des Druckpapiers hielt der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Neichswirtschaftsrates aber nicht für zweckmäßig, er befürwortete vielmehr die baldige gesetzliche Er richtung einer Gesamtvertretung des Papierfaches durch organisato rische Ziksammenfassung. Im weiteren Verlauf dieser Angelegenheit erfolgte in der Sitzung des Reichstags vom 11. Mai die Beratung des nachstehenden von den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten cingereichten An trages: 1. Die Reichsregierung wird ersucht, mit tunlichster Beschleu nigung unter Anwendung der Verordnung gegen Preistreiberei vom 8. Mai 1918 die Gestehungskosten für Zellstoff, Holzstoff und Zei tungsbruckpapier durch genügend zahlreiche und eingehende Revisionen festzustellcn und zur Prüfung der Preise an Hand der Nevisions ergebnisse einen Ansschuß einzusetzen, dem Mitglieder des Reichs tags, des Neichsrats, des Neichswirtschaftsrates, sowie Vertreter der Zeitungsverlcger und der beteiligten Industrien in paritätischer Zu sammensetzung angehören; 2. hierbei feststellen zu lafsen, ob eine Preissenkung etwa durch Kartellmaßnahmeu behindert wird; 3. das Zeitnngsdruckpapier in die" Taristlasse H ohne Erhebung eines Zu schlags für gedeckte Wage» zu versetzen; 4. um der deutschen Presse den Übergang von der gebundenen zur freien Wirtschaft zu erleichtern, für die Monate April bis Juni 1922 je 6 Mill. Mark zur Verfügung zu stellen. Bei der Abstimmung wnrde dieser Antrag a.ngeno m m e n. Der Antrag der Unabhängigen und der Znsatzantrag der Sozial demokraten, die beide die Sozialisierung der Papierversorgung for derten, wurde abgelehnt. Im Zusammenhang hiermit sei noch erwähnt, daß auch die Ein- zellandtage energisch die Senkung des Zeitungspapierpreises fordern, besonders der bayerische und der sächsische Landtag. Der bayerische Mi nister Hamm erklärte z. B., die bayerische Negierung halte es für die Pflicht des Staates, nach Möglichkeit für die Sicherung des Bestandes der Presse hinznwirken, und daß die bayerische Landespreisstelle sich zur Prüfung der Verhältnisse der bayerischen Papierfabriken umso mehr verpflichtet halte, als eine Reihe von Papierfabriken aufsehen erregende Gewinne machten, die als im Mißverhältnis zu der Be lastung der Öffentlichkeit infolge der hohen Papicrpreise stehend em pfunden würden. Durch die Annahme des dem Reichstag vorgelegteu Antrages wird es möglich sein, für das zweite Vierteljahr 192l den Preis für Zei- tungsdruckpapicr ans etwa 3.— bis 3.10 Mark herabzusetzen. Im »Zeitungs-Verlag«, dem amtlichen Organ des Vereins Deutscher Zei tungsverlcger, wurde erklärt, das; die gesamte deutsche Ver legerschaft diesen Beschluß mit großer Freude be grüßt. Sie habe das Vertrauen, daß bei einer ständigen Fühlung zwischen den Zeitungen und der Volksvertretung dem allgemeinen Wohle am besten gedient werde; sie hege die Hoffnung, daß cs der Tätigkeit des Ausschusses in diesen Tagen schwerster Not und Sorge gelinge, die wirtschaftliche Bedrohung, die in der starken Stei gerung der Kosten'für die Beschaffung des Druckpapiers liege, wesent lich abzuschwächen. Durch den Ncichstagsbcschluß war es gelangen, die Papicrfabri- kanten zu Nachlässen zu bewegen, durch die eine Senkung des Preises um 2V Pfg. für das Kilogramm ab 1. April für drei Monate erreicht wird (also statt 3.60 nur 3.40 Mark). Um darüber hinaus dem deutschen Zeituugswesen den Übergang aus der Zwangswirtschaft zu ermöglichen, sollen weitere Maßnahmen durch den Reichstag be^ schlossen werden, die sich u. a. auch auf die Durchführung einer Unter suchung über die Preisgestaltung beziehen und außerdem das Ziel verfolgen, den für die Zeitungen noch immer unerträglichen Preis noch weiter zu senken. Das Ergebnis ist in der vorhin mitgeteilten weiteren Senkung von 3.40 Mark auf 3.— bis 3.10 Mark zu erblicken. Di.' »Papier-Zeitung« bezeichnet den Kampf um den Zeitungs papierpreis als einen »Sieg der Zeitungsverlegcr«. In einer An merkung der Schriftleitung wird ausgeführt, daß der Untersuchungs ausschuß wenig Erfolg haben werde, wie dies auch mit ähnlichen Aus schüssen in den Vereinigten Staaten und in Kanada der Fall gewesen sei. Das greifbare Hauptergebnis des Ncichstagsbeschlusscs werde also wahrscheinlich bie weitere Liebesgabe von vorläufig 18 Millionen an die Zeitungsverleger sein. Vom inländischen Papiermarkt wird berichtet, daß trotz Aufhebung der Bewirtschaftung des Zeitungspapiers die Sicher stellung des Bedarfs nicht im geringsten Einbuße erlitten habe. Das ist leicht begreiflich, denn die Überproduktion betrug bereits über eiu Drittel des normalen Bedarfs, und zudem sinb die Zeitungen und Zeitschriften noch für eine gewisse Zeit versorgt. Die »Papier-Zei tung« weist darauf hin, das; im Außenhandelsverkehr das grundsätz liche Ausfuhrverbot zur Vermeidung eines Ausverkaufs des deutschen Druckpapiers zum Schaden der inländischen Papierversorgung be stehen blieb. Die zur Ausfuhr frcigegebenen Mengen wurden bei ge ringer Nachfrage zu uachgebenden Preisen im Auslande untergebracht, da sich in den letzten Wochen ein starker Wettbewerb der tschecho slowakischen und finnischen Papierindustrie bemerkbar gemacht hat, die zu niedrigeren Preisen an das Ausland zu liefern imstande sind als die deutsche Industrie. Die Nachfrage nach Erzeugnissen der Papier garn- und Seidenpapicrindnstrie, sowie nach Pappen blieb zurück haltend, doch besserte sich das Jnlandgeschäft in mäßigem Umfange, während die Ausfuhr noch weiter als im Vormonate zuriickging. Da überall ein riesiges Überangebot an Papieren aller Art be steht, so ist es verständlich, das; ein sehr scharfer Wettbewerb immer inehr einsetzt. Ter noch vor kurzer Zeit seltener zu sehende »Papier- Reisende« ist ein ständiger Gast geworden, oft sprechen mehrere Ver treter an einem Tage vor. Selbstverständlich drückt dieses Überange bot auf die Preise, namentlich Schreibpapier erfuhr eine Senkung. Es wird zwar behauptet, daß die Qualität minderwertiger sei. aber wo ein reiches Angebot vorhanden ist, da wird sich der erfahrene Ver braucher keine geringen Qualitäten aufdrängen lassen, oder aber er wird einen entsprechenden Preisnachlaß fordern. Ob die Behauptung richtig ist, daß im Großhandel die Preise für die gangbaren Druck- und Schreibpapiere sowie für Pergamentersatz die Geschäftsunkosten nicht mehr decken, mag dahingestellt bleiben. Es ist allerdings verständlich, daß beim Vorhan densein großer Lager weiter eintreten de Preis senkungen Verluste im Gefolge haben. Die von früher her gewohnten Gewinne werden einem mäßigen Verdienst Platz machen müssen. In den Kreisen der Papiererzeuger glaubt man sogar, eine Steigerung der Preise ankündigen zu müssen, und zwar mit der Begründung, alle Un kosten sowie die Preise für Rohstoffe und Frachten seien weiter ge stiegen. Die Verbraucher werden hierfür kein Verständnis haben, in erster Linie auf die überaus günstigen Ergebnisse fast aller Papier fabriken Hinweisen und dabei erklären, daß die erzielten Gewinne sehr- gut eine Schmälerung ertragen können. Es ist auch ganz natürlich, das; in den Verbraucherkreiscn nicht alles so hingenommen wird wie in jenen Zeiten, wo man froh war, »daß mau etwas bekam«. Beanstandungen sind an der Tagesordnung, es wird wieder mehr und mehr Qualitätsware verlangt, und das ist im Interesse des Ansehens der deutschen Wirtschaft und der deutschen Industrie nur zu loben. Selbstverständlich soll hiermit dem Ver fallen in Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten nicht das Wort geredet werden. * Ausländischer Papiermarkt. -Aus Frankreich wird berichtet, daß in der dortigen Papier fabrikation eine große Stille herrscht. Viele Papiermaschinen, sogar manche Fabriken sind außer Betrieb gesetzt worden. Die Lager vorräte sind ganz bedeutend. Es ist daher begreiflich, das; viele Ent lassungen von Arbeitern und Angestellten vorgenommen werden. Durch eine Erweiterung des Umfanges der Pariser Zeitungen hofft man auf Zuführung einiger Aufträge für die Druckpapierfabrikauten. Wäh rend der gegenwärtige Preis für Zeitungspapier etwa 150 Frcs. pro 100 Kilogramm beträgt, sollen die Papicrfabrikanten noch über Vor räte verfügen, die mit 300 Frcs. angesetzt wurden. Der englische Papiermarkt weist kein besseres Bild auf. Ob der Ausstand der Kohlenarbeiter eine Belebung in der Auftrags erteilung für Papier mit sich bringt, ist noch sehr fraglich. Trotz der gesunkenen Preise wollen die Arbeiter von einem Abbau der Löhne nichts wissen. In einzelnen Papiersorten sind die Preise gefallen. Die meisten Papierfabriken haben aber noch große Posten teuer 763
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Keine Volltexte in der Vorschau-Ansicht.
- Einzelseitenansicht
- Ansicht nach links drehen Ansicht nach rechts drehen Drehung zurücksetzen
- Ansicht vergrößern Ansicht verkleinern Vollansicht