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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.01.1930
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- 1930-01-04
- Erscheinungsdatum
- 04.01.1930
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Die Zahl der Volksschulbllchereien in Polen betrug im Schuljahr 1928/29 22 741. Die Bibliotheken zählten 3 154 818 Bände. Die Zahl der Entleihungen betrug im Schuljahr 1928/29 11856 683, im Schuljahr 1927/28 10 360 338 Bände. Im Kreise Lodz sind 1929 16 Wanderbibliotheken er richtet worden, filr die vom Kreistag 5125 Bände angekauft wurden. Das polnische Post- und Telegraphenministerium hat im Herbst 1929 in den Bezirken der drei Postdirektionen Lemberg, Lublin und Wilna zahlreiche Büchereien fllr die Beamten und Angestellten und deren Angehörige errichtet. Diese Bibliotheken sind Wander bibliotheken; ihre Zentrale befindet sich in Warschau. Zweigstellen der Zentrale sind bereits in Kolomea, Tarnopol, Rowno, äwi?ciany, Molodeczno, Baranowicze und Pinsk eröffnet worden. Jede dieser sieben Zweigstellen besitzt je nach der Zahl der Peamten und An gestellten fünf bis acht Büchereien und verteilt sie auf die Verleih stellen, deren Gesamtzahl 42 beträgt. Jede Verleihstelle besitzt eine Bücherei, die aus hundert Bänden besteht. Die Bestände der Büche reien werden von Zeit zu Zeit gewechselt. Die ganze Organisation besitzt jetzt 4200 Bände. In der Abteilung fllr moderne Sprachen des polnischen Vereins der Lehrer an höheren Schulen hielt vr. A. Ryniewicz, Schulbezirks kurator a. D., in Warschau im Dezember einen Vortrag über den fremdsprachlichen Unterricht in den polnischen Schulen und das Staatsinteresse. Ryniewicz führte aus, daß in den polnischen Schulen Französisch und Deutsch gelehrt wird, während Englisch nur einem ganz verschwindend geringen Interesse begegnet. Die Zahl der Schiller, die Deutsch lernen, wächst mit jedem Jahr, dagegen nimmt die Zahl der Französisch treibenden Schüler ab. In der Buch- einfuhr spielt das deutsche Buch die Hauptrolle. Nach den amtlichen Daten für 1924 waren 85,3 v. H. aller eingeführten Bücher deutsche Bücher, dagegen nur 6,5 v. H. französische. Berlin. vr. W. C h r i st t a n i. Literarische Massenarbeit. — Unter dieser Überschrift veröffent licht die Gesellschaft für kulturelle Verbindung der Sowjetunion mit dein Auslande in ihrem Wochenbericht einen längeren Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Die Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse des Arbeitcrlesers hat organisierte Formen angenom men. In Bezug auf die schöne Literatur äußert sich dies in der Veranstaltung literarischer Vorlesungen, Dispute und Abende unter Heranziehung von Schauspielern und schließlich von sogenannten Leserversammlungen mit Beteiligung der Schriftsteller und Kritiker, auf denen di-e Leser selbst ihre Meinung über das zur Debatte stehende Werk äußern. Die Arbeiterklubs werden in literarischer Beziehung hauptsächlich durch das Lektionsbllro der Kulturabtei lungen der Gewerkschaftsverbände versorgt, das den Arbeiterklubs Vortragende Literaten zur Verfügung stellt. Die Bauernschaft wird in gleicher Weise durch die Gouvernementskomitees für politische Aufklärung bedient. Neben diesen kulturellen Aufklärungsorgani sationen sind auch die Schriftstellerverbände für die Arbeiterklubs tätig. Die Föderation der Sowjetschriftsteller hat für diese Zwecke ein besonderes Büro eingerichtet, auch die Vereinigung der wissen schaftlichen Angestellten und die Lektionsbüros der Universitäten arbeiten in diesem Sinne. Die Kulturabteilung des Moskauer Gou- vernements-Gewerkschastsrates veranstaltet durchschnittlich im Mo nat ungefähr 300 literarische Vorlesungen, Dispute und Abende. Eine nicht geringere Zahl von Veranstaltungen entfällt auf die übrigen literarischen Organisationen. Besonderer Beliebtheit er freuen sich bei den Arbeitern jene literarischen Veranstaltungen, bei denen die Schriftsteller selbst Mitwirken, und ferner die Abende der Leserkritik. Wie groß ist nun das Interesse der Arbeitermasse für jene literarischen Veranstaltungen, wo Leser, Schriftsteller und Kri tiker sich begegnen? Die Besuchszahl schwankt in Moskau im Durch schnitt zwischen 300 und 500 Personen bei einer Veranstaltung im Klub oder im Betrieb; in einzelnen Fällen steigt sie bis zu 1000 Personen. Bei der Leserkonserenz, die in Moskau von dem Verlag der »Romanzeitung« veranstaltet wurde, waren 1440 Personen an wesend. Nach den ausgefüllten Fragebogen waren 38?L Arbeiter, 31^5 Studenten der Hochschulen und Arbeiterfakultäten, 25A Ange stellte, 8A Rotarmisten; 60A standen im Alter bis zu 23 Jahren, 36A im Alter bis zu 40 Jahren und 4?L waren über 40 Jahre. Dem Beruf nach standen an erster Stelle die Metallarbeiter, an zweiter Stelle die Textilarbeiter und an dritter Stelle die in der Chemie beschäftigten Arbeiter. Ein interessanter Beweis für den kulturellen Aufschwung des Arbeiterlesers ist sein Verhältnis zu den Klassikern. Das Gorkij-Jubiläum im Jahre 1928 rief eine große Nachfrage nach literarischen Veranstaltungen und Vorlesungen über das Schaffen Gorkijs hervor. Allein das Lektionsbllro des Mos kauer Gouvernements-Gewerkschaftsrates veranstaltete über 150 Gorktj-Abende. Anläßlich des 60. Todestages von Nekrassow wur den ungefähr 100 Gedächtnisfeiern veranstaltet. Beim Tolstoi-Jubi läum fanden 12-0 Gedächtnis-Feiern statt, beim Schernischemskij- Jubiläum 170 Gedächtnisfeiern. Sehr geringes Interesse ruft scheinbar die westeuropäische Literatur bei der Arbeiterschaft hervor. Es widerspricht dies einigermaßen den Angaben der Bibliochekcn, nach denen die Nachfrage nach Übersetzungen ausländischer Literatur sehr groß ist. Einiges Interesse besteht nur für Jack London, Sinclair, Zola und Maupassant. Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt deutscher proletarischer Schriftsteller gab es eine etwas größere Nachfrage nach Vorlesungen über die proletarische Literatur in Deutschland. — Die literarischen Zirkel zu Selbstbildnngszweckcn werden hauptsächlich von den Lektoren der kulturellen Ausklärungs organisationen geleitet, sie beschäftigen sich mit der Auswahl unter der neuen Literatur, mit den Werken der Klassiker, beteiligen sich auch an der Klubarbeit, geben literarische Wandzeitungen heraus, bereiten die Veranstaltung literarischer Abende und Dispute vor und veranlassen die Teilnehmer zu öffentlichem Auftreten an den Lesekritik-Abenden. Aus der Tätigkeit dieser Zirkel entwickelt sich die kollektive und individuelle Rezension der Bücher. Einige Zirkel widmen gerade dieser Frage besondere Beachtung und nennen sich sogar Nezenscntcnzirkel. Lagebericht des Zentralausfchusscs der Papier-, Pappen-, Zell stoff- nnd Holzstoff-Industrie. Auch der letzte Monat des Jahres 1929 brachte der Papierindustrie nicht die notwendige Marktbelebung. Preisdruck und stockender Zahlungseingang klieben die Kennzeichen der Wirtschaftslage. Die Aussichten auf eine Verringerung der Ge stehungskosten haben sich noch verschlechtert. In der Pappcnindustric ist eine geringe Belebung des Auslandgeschästcs zu verzeichnen, die jedoch die Ausfälle im Jnlandgeschäft bei weitem nicht ausgleichen konnte. Die Betriebswasservcrhältnisse haben sich im Dezember weiterhin etwas gebessert und können nunmehr als mittelmäßig be zeichnet werden. Eine Rilke-Sammlung in der Deutschen Bücherei. — Vor kurzem hat die Deutsche Bücherei in Leipzig eine beinahe lückenlose Samm lung des gesamten dichterischen und literarischen Schaffens Rainer Maria Rilkes mit den Übersetzungen' und den Schriften über ihn er worben. Die Sammlung stammt aus dem Besitz des bekannten Leip ziger Literaturhistorikers und Nilkeforschers vr. A. Hünich, dank dessen besonderem Entgegenkommen sie dnrch die Gesellschaft der Freunde der Deutschen Bücherei erworben werden konnte. Bon den früheren Schriften Rilkes, die zum Teil sehr selten sind, fehlt keine einzige. Das Glanzstück in der Sammlung ist Rilkes Erstlingswerk »Leben und Lieder« aus dem Jahre 1894, das bisher in keiner öffent lichen Bibliothek vorhanden war. Die Sammlung wird in der Ab-- teilung der künstlerischen Drucke in einem besonderen Rilke-Schrank verwahrt und soll der Forschung in weitgehendem Maße zugänglich gemacht werden. Ungers 125. Todestag. — Am 26. Dezember 1929 waren 125 Jahre vergangen, seit einer der größten Buchdrucker, Schristschncidcr und Holzschneider Deutschlands die Augen zum ewigen Schlummer schloß: Iohann Friedrich Nngcr. Er wurde im Jahre 1753 in Berlin geboren und starb hier am 26. Dezember 1804, erst 51 Jahre alt. Im Jahre 1800 war er von Friedrich Wilhelm III. zum Pro fessor der Holzschneidekunst an der Berliner Akademie der Künste er nannt worden. Für den Buchdrucker und Verleger hat der Name Unger einen ganz besonderen Klang, denn von ihm stammt die 1794 fertiggcstellte weltberühmte N n g e r - F r a k t u r, der gerade in den letzten Jahren eine Auferstehung beschicken war. Berühmt sind auch die von ihm geschnittenen Notentypen. Die kürzlich aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Berliner Typographischen Ge sellschaft in den Schauräumen der Preußischen Staatsbibliothek ver anstaltete Ausstellung »Berliner Buchdruck einst und jetzt« hatte Unger einen Ehrenplatz cingeräumt. Den aus Unger-Fraktur ge setzten Führer durch diese sehenswerte Ausstellung schmückte eingangs das Bildnis dieses großen Meisters, der seinerzeit in der von Decker- schcn Hofbuchdruckerei — aus der später die Neichsdruckerei hervor ging — gelernt hatte. 1788 ernannte ihn die Kgl. Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften zum »akademischen Buch drucker«, 1800 erfolgte seine Ernennung zum Senatsmitglied dieser Akademie. Bei der Schaffung seiner Fraktur stand ihm der Holz- und Schristschncidcr Johann Christian Gubitz helfend zur Seite. In dem vorerwähnten Ausstellungsführer wurde u. a. darauf hingemiesen, daß Unger der Drucker der Akademie der Künste und Kalenderpächter der Akademie der Wissenschaften mar. Er druckte und verlegte die »Vossische Zeitung« sowie Werke von Schiller und Goethe; er führte auch die Didot-Antigua in Deutschland ein. v. I'.
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