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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.06.1931
- Strukturtyp
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- 1931-06-02
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- 02.06.1931
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124, 2. Juni 1831. Redaktioneller Teil. BSrl-nklat, s. d.Dtjchn.viichband-1. Anders verhalt es sich natürlich bei einem Verleger, der photo graphische Abzüge aus Werken mache» Iaht, deren Verlagsrecht er besitzt. Hier gibt die Kotokopist G. m. b. H. ein Verfahren an, das unter Umständen sllr den Verlag von Bedeutung werde» kann. Sie arbeitet nämlich nach zwei Versahren: dem Direkt-auf-Papier-Ver- sahren und dem Kilmversahren. Elfteres Verfahren ist das bisher in Betracht gezogene. Bei dem zweiten Verfahren werden die Vor lagen auf einen Kinofilm ausgenommen, und von dem kleinen Film- negativ werden bann Positive in der gewünschten Grobe sbis 21X30 eins hergestellt. Die erwähnte Firma glaubt, daß dieses Ver fahren einen Nutzen kalkulatorischer Art bieten kann: »Angenommen, es werden auf Grund besonderer Abmachungen mit dem betreffenden Verlag alle Ausgaben von Zeitschriften, die wichtige, für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung wertvolle Auf sätze enthalten, aus Film kopiert und die Filme archivalisiert, so kann dadurch das verlegerische Risiko stark vermindert werben. Der Ver leger braucht nur die festliegende Auflage und eine kleine Reserve für Pflicht-, Autoren- und Rezensionsexemplare zu drucken. Erfolgen nun später einzelne Nachbestellungen auf ältere Hefte, so werden jetzt an Stelle der Hefte Photokopien geschickt. fEs ist dabei natürlich zu vereinbaren, daß die Herstellung der Kopie» nur durch uns, die Aus lieferung nur durch den Verleger zu einem von ihm feftzusetzenden Preise erfolgen dars.j Für denjenigen Besteller, der ein Zeitschriften- hest um eines Aufsatzes willen nachbestellt, wird dabei häufig die Photokopie billiger sei» als bisher das Hest.« Es wäre möglich, daß dieses Versahren sllr sogenannte schwer- wissenschaftliche Zeitschriften eine gewisse Bedeutung erlangte. Da bei ist aber zu beachten, daß bei einer Zeitschrift eines gewissen Um fangs mit der Zeit eine Menge Film« herzustellen wären, weil neben einzelnen wenigen Aussätzen, die oft erst viel später als bedeutungs voll erkannt werden, eine Menge anderer gedruckt werben, nach denen später kein Mensch mehr sragen wird. T. Kellen. Die 3. Arbeitsgemeinschaft des niederschlefischen Zungbuchhandels am 19. Mai 1931 in Hirschberg im Riesengebirge. Im Mittelpunkt unserer diesmaligen Arbeitsgemeinschaft, zu der sich wiederum ungesähr 39 Teilnehmer zusammengesunben hatten, standen Fragen der Käuser- und Leserkunde. Mit besonderer Freude konnte Fräulein Wieder mann, Löwenberg, in ihren einleitenden Worten drei Vorstandsmitglieder des Provinzialvereins der Schlesi schen Buchhändler begrüßen, die die Mühe der Reise nicht gescheut hatten, um sich selbst ein richtiges Bild von dem Wirken und Wesen des »ieberschlesischen Jungbuchhandels zu machen. Herr Gerhard Schönfelder, Leipzig, hatte es übernommen, Besen und Aus gaben der Käufer künde näher zu bestimmen, soweit bas heute überhaupt möglich ist. Die ungeahnten Veränderungen in der wirtschaftlich-sozialen und geistig-literarischen Struktur unseres Volkes gegenüber den Verhältnisse» vor etwa zwei Menschenaltern — so führte der Vor tragende in seinem ausführlichen und ausgezeichneten Referate näher aus — haben, zumal seit dem Kriege, naturgemäß auch aus den Buchhandel entscheidenden Einsluß ausgeübt. Das Fehlen eines auch nur einigermaßen einheitlichen Bildungsideals auf der einen Seite, aus der anderen die soziale Umschichtung und die weitgehende Verarmung großer Volksteile haben in ihren Auswirkungen auch die Formen des geistigen Bedarfs und der literarischen Geschmacks bildung beeinflußt. Andere Kauskräfte, Kaufgewohnheitcn und Kaufinteressen als früher bestimmen heute den buchhändlerischen Absatz, eine weitgehende Umgestaltung des Buchmarktes ist einge- trcten. So sieht sich der Sortimenter wie der Verleger vor zahl reiche neue und schwierige Aufgaben gestellt, zu deren Lösung die bisher bewährten Methoden nicht mehr in allen Fällen ausreichen. In der Käuserkunde, wie sie sein soll und kann, erblickt der Referent eine wertvolle Hilfe für den Buchhändler. Käuferkunde ist jedoch keine theoretische Angelegenheit, sondern eine betriebswirt schaftlich orientierte Aufgabe, die immer nur vom einzelnen buchhändlerischen Betrieb selbst aus zu lösen ist. Es gibt auch keine Käuserkunde ohne Büchcrkunde und umgekehrt keine Biicherkunde ohne Käuferkunde. Der Käufer ist Träger des Bedarfs. Die buch händlerische Käuserkunde will diesen Bedarf näher zu bestimmen suchen, sowohl seinem Umfang, seiner Stetigkeit, seiner Zeitbedingt heit als auch seiner Abhängigkeit nach von beruflich-wirtschaftlichen und geistig-persönlichen Interessen. Den Träger des Bedarfes will sie aus den verschiedenen biologischen, gesellschaftlichen, geistig-kul turellen und wirtschaftlichen Faktoren genauer erfassen. Bei der verwirrenden Fülle der Erscheinungen und Möglichkeiten wird eine S40 typologische Fixierung der Käufergruppen nicht zu umgehen sein. Jede Käuserkunde jedoch erhält ihren endgültigen Wert erst im Betriebe selbst durch die P er s L n l i ch k ei t des Buchhändlers. Das letzte ist immer die Wirkung von Mensch zu Mensch, das Vertrauen des Bücherkäusers zu seinem Buchhändler. In der nun folgenden Diskussion wurde aus der älteren Gene ration heraus besonders aus die »angeborenen Fähigkeiten«, den »richtigen Instinkt« und bas »Fingerspitzengefühl« als Notwendig keit für die Arbeit des Buchhändlers hingewiesen. Der Jungbuch handel begrüßt die gegebenen Anregungen, deren praktische Aus arbeitung und Bertiesung dem einzelnen und den örtlichen Arbeits kreisen überlassen bleiben muß. Niemals kann Käuserkunde eine schematische Rezeptllbermittlung sein, sondern sie muß immer von neuem erarbeitet werden. In Verbindung mit der Biicherkunde bedeutet sie eine wertvolle Schulung unserer buchhändlerischen Fähig keiten. In seiner Zusammenfassung wies Herr Marcus, Breslau, am Schluß der lebhaften Auseinandersetzung auf die Entwicklungs linie des Jungbuchhandels von 192i> bis 1931 hin, die von rein weltanschaulicher zu sachlicher Einstellung gesllhrt hat. Er betonte, wie beschwerlich heute der Weg des Buches zum Käufer ist, und äußerte den Wunsch, daß im Verlag und Sortiment die fruchtbare Individualität noch lange erhalten bleiben möge. Beim Mittagsmahle entbot Herr Ausner, Breslau, als Vor sitzender des schlesischen Provinzialvereins dem jungbuchhändlerischen Nachwuchs die herzlichsten Grüße. Sodann gab Herr vr. Narciß, Breslau, vom Standpunkt des Bolksbibliothekars aus eine Ein führung in die Leserkunde. Der Volksbibliothekar sucht durch Lescr- katalog, durch eigene Zeitschriften, durch mündliche Beratung vor allem einen pädagogischen Einfluß auf seine Leserkreise auszuüben. Seine Leserkundc will die geistige Basis des Lesers in den Volksbüchereien feststellen. Trotz eifriger Arbeit steckt auch hier noch vieles in den Anfängen j die Leserhefte, statistischen Auf zeichnungen sind mit Vorsicht zu bewerten. Herr vr. Narciß gab sodann aus den bisher gemachten Erfahrungen und Feststellungen heraus eine Analyse des Lesers, die auch den Buchhändler inter essiere» muß. Er glaubt, die Leser vor allem in folgende drei Gruppen einteilen zu können: 1. in die »Sehnsüchtigen«, die aus innerem Unbesriedigtsein und aus Ratlosigkeit im Buch Antwort aus quälende Fragen suchen. Ihnen kann bas Buch noch Erwecker, Führer und Befreier sein. Es gilt, diese Leser aus die richtigen Bücher hinzuweisen und ihnen so zu ihrer Entfaltung zu verhelfen. Zu dieser Gruppe, die ziemlich groß ist, zählen vor allem Jugendliche und die Menschen, die »och begeistcrungsfähig sind. 2. in die »Zweck mäßigen«, die das Buch lediglich als Mittel zum Zweck ansehen, die ihre Kenntnisse erweitern und durch ihr ungelesenes Wissen ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung verbessern wollen. Der Stoff ist ihnen die Hauptsache. Auch diese Gruppe umfaßt viele Leser, darunter auch Jugendliche, besonders jedoch viele Proletarier. Auch sie gilt es zu stärkerer Bindung an das Buch zu bringen und sie aus den inneren, geistigen Wert hinzuwcisen. 3. in die »Zufalls leser«, die geistig Bedürfnislosen, die aus Langeweile zum Buch greifen und lediglich angenehm unterhalten sein wollen. Sie lieben das spannende Buch, de» leichten Gesellschastsroman, den Schmöker. Der Spießer, Philister und auch der Snob rechnet zu dieser Gruppe, die in den Bibliotheken verhältnismäßig klein ist, weil die Volks büchereien nach Möglichkeit diese Lektüre auszuschalten suchen. — Bei alledem spielt der Unterschied des Geschlechtes eine große Nolle. So bevorzugt die Frau Biographien und Entwicklungsromane, hat dagegen wenig Interesse an rein historischen Schilderungen. Zum Schluß berührte Herr vr. Narciß noch die Fragen der richtigen Bücherauslese, den verschiedenen Buchbestandsausbau in den ein zelnen Bezirken, ferner die Frage nach dem Schund und Kitsch. Er lehnte auch die Jntellektuellenliteratur weitgehend ab. »Kampf ist unsere Aufgabe». In der Diskussion, die recht lebhaft einsetzte, wurde vor allem das pädagogische Prinzip und die Frage nach den Gesichtspunkten der Bücherauswahl heftig umstritten. Auch wurden noch viele Pro bleme gestreift sso z. B. »Lesefutter« — das Backfischbuch — die Preisausschreiben des Börscnvereins). Herr Marcus zeigte die Bedeutung der bibliothekarischen Leserkunde sllr die Arbeit des Ver legers. Trotz wesentlicher Unterschiede in den Arbeitsbedingungen der beiden Berufe (größere Abhängigkeit des Buchhändlers) wurde ein gegenseitiger Austausch der gemachten Erfahrungen von den meisten begrüßt. Ein Jungbuchhändler sprach allen Beteiligten, vor allem den beiden Referenten, den herzlichste» Dank der Teil nehmer aus. Ich glaube, wir dürfen mit voller Befriedigung auf diese inhaltsreiche 3. Arbeitsgemeinschaft zurückblicken. Breslau. Hermann Meyer.
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