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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.03.1922
- Strukturtyp
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- 1922-03-27
- Erscheinungsdatum
- 27.03.1922
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- Deutsch
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«kdaktionellcr Teil. .V 73, 27, März 1922, Schon lange war bei einer ganzen Anzahl von Vorstandsmit gliedern die Ansicht vertreten, daß der Sitz des Vereins von Leipzig nach Berlin verlegt werden müsse, und ebensolange wurden auch Wünsche geäußert, diese Sitzverlegung, die, wie gesagt, lediglich in den wirtschaftlichen Verhältnissen begründet ist, alsbald vor zunehmen. Es hat nicht an Herren gefehlt, die ihre Bedenken ge äußert haben, aber immer und immer wieder konnte nachgewiefen werden, daß für den Sitz des Vereins Berlin vorzuziehen sei. Die Durchführung der Maßnahme scheiterte wohl in erster Linie daran, daß dem verdienstvollen, nunmehr verstorbenen Geschäfts führer Herrn Köhler eine Verlegung seines Wohnsitzes von Leipzig nach Berlin nicht zugemutet werden konnte, und daß das gesamte Personal des Vereins in Leipzig bodenständig war, — Nun ist durch den neueingetreienen Herrn Generaldirektor vr, Woelck, der sich in erstaunlich kurzer Zeit in die Interessen und die Aufgaben des Vereins so eingearbeitet hat, daß man glaubt, er führe sein Amt schon seit Jahren, die Möglichkeit dazu geboten. Die Herren, die die Ansicht vertreten, daß der Sitz des Vereins nach Berlin gehört, haben sich Wohl alle die Fragen, die seitens des Börsenblattes aufgeworfen werden, gut überlegt, sind aber doch zu dem Ergebnis gekommen, daß die Aufgaben, die der Ver ein zu lösen hat, von Berlin aus besser zu erledigen sind. Der Sitz der Regierung sowohl wie des Tarifamtes, wie des Gehilsenver- bandes, der Schwestervereine und dergleichen lassen ein sehr viel bequemeres und ergiebigeres Arbeiten zu. Auch der Sitz der Spitzenverbände ist nicht unbeachtlich. Der Hinweis dagegen, daß die Vereine des Buchhandels mit dem Deutschen Buchdrucker- Verein seit jeher in engster Fühlung stehen, entspricht nicht ganz den Tatsachen, Ist doch das Verhältnis zwischen diesen Ver- eintgungen und dem Deutschen Buchdrucker-Verein ein ziemlich loses; aber die Fühlung mit den Buchhandels-Vereinigungen wird man sicherlich auch von Berlin aus nehmen können. Die Befürchtung, daß durch die Sitzverlegung der Deutsche Buchdrucker-Verein in eine größere Abhängigkeit von den Ber liner Zettungsverlegern komme, mutz entschieden in Abrede ge stellt werden. Denn durch die Sitzverlegung ändert sich an der Zusammensetzung des Gcsamtvorstandes nickst das geringste; es dürste sich lediglich eine unwesentliche Veränderung des ge- schästsfllhrenden Vorstandes, die durch die Ortsberlegung bedingt ist, ergeben. An den Zielen und der Politik des Vereins wird nichts geändert, R, U, Das sicherste Mittel. Verleger A. hatte ein wirklich gutes Auch herausgebracht, aber es wollte nicht »gehen«. Verleger B. druckte einen Schundroman, und auch dieser — höchst verwunderlich! — lag wie Blei. Tie Not der Zeit und die bittere Enttäuschung schlugen eine Brücke zwischen den grundverschiedenen Nachbarn. Sie sannen gemeinsam auf Abhilfe gegen die Lauheit der Käuferwelt. Vorschlag auf Vorschlag ward bedacht und — verworfen. »Man müsste Bücher nur noch auf Marken ab geben«, murmelte A. mit einemmal verdrossen in den Bart. »Tat sächlich«, rief B. wie erlöst, und — als echter Schlauberger — fügte er hinzu: »natürlich unter gleichzeitiger Preiserhöhung«. So eilten sie denn selbander zum Bürgermeister der Stadt. Ter war ein gemütlicher, friedliebender Herr. Deshalb freute er sich, die beiden Gegner versöhnt zu sehen — und in dieser seiner Genugtuung ging er auf ihr Begehren ein. Wenige Tage später stand im Amtlichen Tageblatt eine Anzeige, daß die betreffenden Werke lediglich noch aus Bezugsschein lieferbar seien; der Preis betrage Mk. 20.— für den Band (A.6.: bisher Mk. 6.50!); die Ausgabe der Scheine erfolge vorderhand zweimal wöchentlich zwischen 9 und 11 Uhr vormittags, Rathaus Zimmer 19. Als I)r. Leberecht, praktischer Arzt und Geburtshelfer, am folgenden Morgen einen eiligen Krankenbesuch abstatten wollte, mußte sein Fuhr werk einen weiten Bogen machen. An ein Durchkommcn durch die Verlegcrstraße war nicht zu denken. Dort stauten sich die Lesehungrigen in Schlangen und Haufen. Anfangs glaubte die Polizei, ein Un- glllcksfall habe Scharen von Schaulustigen herbeigclockt, dann spähte die Feuerwehr vergeblich nach Rauchfahnen. Eingeweihte indes wußten besser Bescheid. Ja, die Bücher .... Stoß auf Stoß mußte aus den Lagerräumen hcrbeigeholt werden. Sparsame oder minderbemittelte Käufer erkundigten sich schüchtern, ob auch Buchtcile zu haben seien. Ta wurden denn die Bände halbiert und geviertelt. Alles fand reißen den Absatz, jeder war darauf bedacht, wenigstens einen Brocken zu er haschen. Bis weit über die Mittagszeit zog sich der Handel hin. 390 Und dann — kamen die ganz Schlauen. Sie klopften zaghaft an die Pforte, sahen sich geschäftig im Raume um, daß auch kein Unbe rufener zugegen sei. Darauf begann ein Tuscheln, ob man nicht doch ein Exemplar fchcinsrei erhalten könne. Hintenherum, es brauche ja niemand zu erfahren. Strahlend vernahmen sie die zögernde Einwilli gung. Der Stückpreis von 50 Mark siel unter diesen Umständen gar nicht ins Gewicht. Buchbindermeister Klebesalz, gegenüber, erlebte herrliche Tage. Nur hatte er erhebliche Mühe, genügend Häute zu beschaffen für alle die Lcderbände, die plötzlich bei ihm bestellt wurden. Seine gute Erziehung verbot cs ihm nämlich, die neue Kundschaft ums eigene Fell zu bitten. Dresden. Heinrich Minden, Schriften zur Jeitungsgeschichte. Wenn auch die Geschichte der Tagespresse heute nicht mehr so eng mit der des Buchhandels verbunden ist wie in der früheren Zeit, so wird ihr doch auch in den Kreisen des Buchhandels noch immer ein besonderes Interesse cntgcgengcbracht, und deshalb verdienen die jüngst erschienenen Festschriften dreier großer Zeitungen hier erwähnt zu werden. Solche Festschriften werden in der Regel aus Anlaß eines Jubt- läums veröffentlicht, doch hat sich für diese Art von Gedenischriften noch kein einheitlicher Typus herausgebildet. Es gibt unter ihnen solche, die eine richtige Geschichte der betreffenden Zeitung darstcllcn und in gleicher Weise den Inhalt wie die äußeren Schicksale des Blattes be handeln. Sie haben natürlich einen besonderen Wert als Bausteine für eine zukünftige große Geschichte des Zeitnngswesens. Andere Zei tungen haben zu ihrem Jubiläum mehr eine Gelegenheitsfestschrift ge schaffen, die allerlei interessante Beiträge zur Zeit- und Orlsgcschichte, aber über die Geschichte der Zeitung selbst verhältnismäßig wenig bringt. Die Münchner Neuesten Nachrichten haben zu Beginn des Jahres eine große Festschrift herausgegeben: »F ü n f n n d s i e b- zig Jahre Münchner Neueste Nachrichten«, die sich äußerlich wie eine mit einem Umschlag versehene und gehestete starke Zeitungsnummer darbietet. Sie umfaßt 184 Seiten, von denen 55 Tcxtseiten sind, mährend die übrigen auf die Anzeigen entfallen. Auch in dieser Schrift, die von vr. Friedrich Trefz herausgegeben ist, wird die Geschichte der Zeitung nur in großen Zügen behandelt, wäh rend den größten Teil des Textes die Beiträge zur Zeitgeschichte ein nehmen, zu denen Kapitel über Handel und Industrie, die Entwicklung Münchens, die Münchener Kunst usw. kommen. Hier wird über einzelne Abteilungen der Zeitung lFeuilleton, Handel, Sport usw.) noch manches geboten, doch stellt die Schrift als Ganzes keine eigentliche Geschichte der Zeitung dar. Da sie (wenigstens in München) den Abonnenten der Zeitung unverlangt geliefert wurde, mußte es dem Verlag natürlich darum zu tun fein, den Inhalt möglichst vielseitig und unterhaltend zu gestalten. Das ist ihm denn auch vollauf gelungen, zumal da die Schrift reichlich mit Abbildungen versehen ist. Leider ist das ungewöhnlich große Folioformat der Aufbewahrung einer solchen Festschrift sehr hinderlich. Ich glaube nicht, daß dieses Verfahren zur Nachahmung empfohlen werden kann. Nichtiger ist es, zu einem Zeitungsi'.löiläum eine Festnummer auf besserem Papier herauszugcben und daneb.'n eine eigentliche Geschichte oder Festschrift in Buchform, und zwar in einem handlichen Format, das nicht Über Quart hinausgehen soll, erscheinen zu lassen. Auch die Königsberg er Hartungsche Zeitung hat in einem fast ebensogroßen Format wie die Münchner Neuesten Nach richten eine Festschrift hcrausgegcben: »Ein halbes Jahrhun dert. Aus der Geschichte der Königsberger Hartung- schen Zeitung und Verlagsdruckerei, Gesellschaft auf Aktien, von 1872 bis 1922«. Diese Nummer ist 60 Seiten stark, von denen 30 auf den Text, die übrigen auf die Anzeigen ent fallen. Hier Handel? es sich um eine erfreulicherweise ziemlich ein gehende Geschichte der Zeitung in den letzten 50 Jahren, d. h. in der Zeit, wo sie einer Aktiengesellschaft gehört. Das Blatt ist nämlich viel älter, denn es reicht mit seinen Vorgängern bis ins 17. Jahrhundert hinauf. Die Geschichte der Zeitung bietet natürlich auch manches, was kulturgeschichtlich und lokalhistorisch von Bedeutung ist, doch überragt die Darstellung der inneren und äußeren Schicksale der Zeitung. Dabei wird auch das Wirtschaftliche berücksichtigt, was leider in den meisten Geschichten von Zeitungen nicht der Fall ist. Ein kurzes Kapitel, datz allerdings nur aus Notizen aus älteren Werken besteht, orientiert über die Anfänge des Buchdrucks und des Buchhandels in Königsberg. Zum Schluß wird auch ein Überblick über die Vcrlagswerke der Har- tungschen Zeitung gegeben. Leider ist die Festschrift auf gewöhnliches Zcitungspapier gedruckt, sodaß ihrer Haltbarkeit naturgemäß enge Grenzen gezogen sind.
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