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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.03.1922
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1922-03-25
- Erscheinungsdatum
- 25.03.1922
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. Wirklichkeit und Traum. <Ein Tätlichen, das niemand übelnehmen darf.) Friedrich der Große soll einmal gesagt haben, daß der Buch handel ein »honetter» Beruf sei. Heutzutage ist er mehr als honett, denn er macht die dom neuen Staat geforderte Ausgabe, die Vermögen zu verwässern, in einem beinahe bolschewistischen Tempo mit. Dabei arbeiten, ärgern und reden sich seine Jünger zu Tode für nichts. Getreulich zahlen sie ihre Stenern aus Grund erzielter papierner Gewinne, die lediglich infolge des Prozesses der Geldentwertung in den Bilanzen entstanden sind. Verein zelte Exemplare soll es noch geben, die sich einen Rest logischen und wirtschaftlichen Denkens erhalten haben und erkennen, daß ihre Betriebe trotz der »erfreulichen« Steigerungen an Umsatz und zahlenmäßigen Gewinnen, die der Buchhandel in alle Welt hinausposaunt, eigentlich von Jahr zu Jahr immer kapital schwächer weiden und somit auch alle die, die vom Betrieb leben, mit in den Abgrund gleiten, Vermögen haben heißt: Werte und nicht nur Zahlen besitzen. Verdienen heißt: die Vermögenssubstanz vermehren und nicht nur höhere Beträge auf das ach so geduldige Papier schreiben, Ist solche Einsicht denn wirklich so schwer, daß sie nicht auch der deutsche Buchhändler-Michel erlernen könnte? Ich glaube, der arme Kerl hat überhaupt keine Zeit mehr zum Nachdenken, Er macht seit drei Jahren nichts weiter, als mit dem Schweinigel Geldentwertung das bekannte Hase-Swinegel-Rcnnen auszutra gen, Das strengt auf die Dauer doch recht an, zumal es hier nicht nur mit physischen, sondern auch mit geistigen Leistungen ver bunden ist. Der Verleger arbeitet dauernd im spärlichen Rest seiner alten Lagerbestände herum, setzt diese um 10026 und 20026, ja ganz freche Gesellen um 300 und 400°/» heraus, läßt Gehilfen, Papicr- fabrikanten, Drucker wie die Wilden springen, um seine -neuestcn- Preisverzeichnisse herzustellen, und denkt: Jetzt habe ichs ge- schasst. Schon guckt der Swinegel Geldentwertung mit 100026 Vorsprung aus dem Loche heraus. Da denkt der Verleger: Na warte, jetzt werde ich Dir's aber mit meinen Neuerscheinungen zeigen, Er rafft seinen ganzen Mut zusammen und bekämpft männiglich die Angst vor dem Publikum und vor dem Gespenst der Kulturfeindlichkeit, Er erinnert sich seiner soliden Friedens kalkulationen und gibt seinem ersten Hersteller den Auftrag, doch einmal zu versuchen, mindestens zwei Drittel desjenigen prozen tualen Aufschlages auf die Herstellungspreise zu kalkulieren, der im Frieden für Geschäftsspesen und eigenen Gewinn für unbe dingt notwendig erachtet wurde, und so einmal annähernd nor male Ladenpreise wieder festzusetzen. Der Gehilfe ist sich nicht klar, ob er oder fein Chef an Wahnsinnsvorftellungen als Folge der kaum überwundenen Unterernährung erkrankt sei, handelt aber so, wie er den Auftrag verstanden zu haben glaubt, Resul tat: Beiderseits immer länger werdende Gesichter, Was, der neue Roman unseres besten Autors N, N,, der vor dem Kriege ß.— ,/t gekostet haben würde, was, das neueste Buch unseres ersten Mediziners, Professor L, L,, das vor dem Kriege lO.— .71 gekostet haben würde, sollen jetzt 90,— und 180,— -L kosten? Un möglich, Runter mit dem Preis auf 50.— und lOO,— F, auch wenn selbst keine Papiermark für uns übrig bleibt. Die Kon kurrenz macht es ja auch nicht anders. Schon guckt der Swinegel Geldentwertung wieder und« jetzt leider schon mit 200026 Vor sprung lachend aus dem Loche heraus, Chef und Gehilfe sind aber zufrieden, daß ihre Wahnsinnsvorstellung nur ein Akt vorüber gehender Vernunft und daher höchst unzeitgemäß gewesen war. Inzwischen klettert ein Heer von Sortimentsgehilfen in Deutschland unablässig die Leitern auf und ab. Dem Swinegel Geldentwertung wird bange, ob Wohl auch auf der Leiter sein Trick aus der Fabel so gut anwendbar sein wird. Unablässig bemühen sich fleißige Sorlimenterhände mit Gummi und Blei stift die »neuesten» Preisverzeichnisse von 500 Verlegern, die nettesten» Tenerungsansschiägc von ebensoviel Verlegern ans dem ob der vielen Inserate höchst erfreuten Börsenblatt zu verarbei ten, Eine unmögliche Sisyphusarbeit, Kein Sortimenter kommt mehr nach, und wenn er auch die Hälfte seines Personals für diese an sich höchst unproduktive Arbeit verwenden wollte. Dabet bildet der dumme Kerl sich trotzdem noch ein, daß durch diese aufreibende Beschäftigung verdient- würde. Alz ob das Buch, sein Vermögensobjekt, auch nur um einen Käse wertvoller würde, wenn in der linken oberen Ecke des Umschlages mit Gummi und Bleistift aus einer 40 — eine KO,— ,/t produziert wird. In der Tat ein höchst eigenartiger Produktionsprozeß, Stand man nicht früher in leider, ach, verschwundenen Tagen einmal unter dem Eindruck, daß produzieren »Werte schassen- heißt und nicht ei» einfaches Hokuspokus in Zahlen sei? Dabei hat der arme Sorti menter bei seiner mühseligen Arbeit Leiter auf, Leiter ab vor einem allgewaltigen Mann in Berlin, der einmal an seinem schö nen grünen Tisch die Preistreiberei-Verordnung geschaffen hat, furchtbare Angst, Allerdings gibt sein guter Börsenverein — der, wie man ja immer auf allen Vereinsversammlungen hört, nun schon gar nichts mehr taugt und die hohen Jahresbeiträge (150 -kl Papier — 3 ,« Gold!!) eigentlich recht zn Unrecht in seinem unersättlichen Magen verschlingt — ihm hier ein gewisses Rückgrat wieder. Denn eins seiner viel mehr als zehn Gebote, die mit denen Moses' das gemeinsam haben, daß sie oft nicht ge halten werden, lautet: Du sollst den Ladenpreis des Verlegers pünktlich einhalten! Also der Börsenverein wird schon die Ver antwortung tragen. Außerdem soll ja übrigens kürzlich ein offenbar nicht ganz weltfremder Richter das erlösende salomo nische Urteil gesprochen haben, daß jemand keinen Wucher, son dern nur eine vernünftige Betätigung seines gesunden Menschen verstandes betreibt, wenn er feine Waren so teuer verkauft, daß er sich mit dem -Erlös- eine gleichartige -Ersatzware« beschaffen kann. Soweit sind wir nun ja im lieben Buchhandel leider noch lange nicht. Denn wenn auch die Arbeit des Preisrichtigstellens wirklich technisch geleistet werden könnte, zur Beschaffung gleich artiger Ersatzware reicht der Erlös all dieser Mühe und Arbeit selbstverständlich nicht im entferntesten aus. Denn inzwischen haben ja die guten Verleger im Wettlauf mit ihrem Swinegel Geldentwertung schon längst für die Rcuherstcllungen die doppel ten Preise festgesetzt und trotzdem im Rennen an Distanz immer mehr verloren. So guckt also auch der Sortimenter-Swinegel Geldentwertung nun gar mit 3000"/» Vorsprung zum obersten Fache heraus und freut sich diebisch über die dummen Buch händler, 377
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