Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.10.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-10-28
- Erscheinungsdatum
- 28.10.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19201028
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192010285
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19201028
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1920
- Monat1920-10
- Tag1920-10-28
- Monat1920-10
- Jahr1920
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. X- 243, 28. Oktober 192V. Sortiments tun zu sollen. Es würde für uns sehr schwer sein, die Geschäfte des Börsenvereins überhaupt weiterzuführen. Des halb bitte ich Sie im Sinne des Herrn Boysen, nachdem die Richtlinien abgeändert sind, die Erklärung anzunehmen und sich nicht dadurch scheu machen zu lassen, dass Sie von seiten des Gildevorstandes scharsgemacht werden und daß bei Ablehnung der heutigen Vorlage erneute Verhandlungen init den Verlegern von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Vorsitzender Herr Walther Jäh (Halle): Es haben sich noch zwei Herren zum Wort gemeldet. Die Polizeistunde ist bereits überschritten. Es hat keinen Zweck, weiter zu verhandeln, denn aus diese Weise kommen wir doch nicht weiter. Ich möchte daher bitten, sich möglichst kurz zu fassen, und gebe zunächst Herrn Lempp das Wort. Herr Albert Lempp (München): Ich bin der Meinung, wir sollten für die Entschließung stimmen, trotz der Lücke, die vorhanden ist. Wenn wir nicht die Kraft haben, mit dieser Lücke allein den Kamps aufzunehmen, wie sollten wir die Krast finden, ihn gegen alle Punkte zu bestehen! Wir haben die Streitfrage in einer Form vor uns, die uns die ganze Aufmerksamkeit auf diesen Winkel richten läßt. Wir Sortimenter müssen erst zeigen, ob wir überhaupt einen Boykott bestehen können. Herr Otto Meißner (Hamburg): Wir dürseu dem Gilde vorstand heute nicht folgen, sonst reißen wir ein, was jahre lang bestanden hat. Ich möchte Vorschlägen, daß alle Kollegen sich hinter den Börsenvereinsvorstand stellen und der Entschließung zustimmen. Herr Geheimrat Karl Siegismund (Berlin): Ich bitte um Schluß der Debatte. Vorsitzender Herr Walther Jäh (Halle): Die Rednerliste ist erschöpft. Wir kommen nunmehr zur Abstimmung. Ich möchte aber zuvor auf eins aufmerksam machen: Die Entschließung, die der Gildevorstand vorgeschlagen hat, ist bisher in der Dis kussion noch nicht behandelt worden. Ich halte es für gefährlich, daß wir über die Resolution des Herrn Nitschmann ohne Debatte abstimmen, denn sie ist wahrscheinlich noch gar nicht allen hin reichend klar geworden. Ich hoffe, daß Sie mir beipflichten, wenn wir zuerst abstimmen über die weitergehende Resolution des Verbandsvorstandes, und wenn sie abgelehnt wird, eine kurze Debatte über die Resolution Nitschmann eröffnen. Ich nehme an, daß Sie darauf verzichten, die Resolution nochmals verlesen zu hören. Auf den Schlußsatz »Für den Fall . . . bis ... durchzusetzen« haben wir bereits unsererseits verzichtet. Ich möchte besonders bemerken, daß abstimmungsberechtigt nur die Herren sind, die tatsächlich als stimmberechtigte Abgeordnete der angeschlossenen Vereine hier sind. Ich bitte zunächst alle Herren, Play zu nehmen. Ich bitte nun diejenigen Herren, die für die Annahme der Resolution stimmen, sich von ihren Plätzen zu erheben. Ich stelle fest, daß 61 Stimmen dafür abgegeben sind. Ich bitte nun um die Gegenprobe. 29 Stimmen sind dagegen. Damit ist die Resolution angenommen, und es er übrigt sich, noch über die andere Resolution zu sprechen. Damit haben wir nach außerordentlich langer Arbeit den ersten Punkt der Tagesordnung erledigt, und ich schließe unsere heutige Ver sammlung mit der Bitte, sich morgen früh um 9 Uhr wieder hier einzufinden. Schluß 11.30 Uhr abends. (Fortsetzung folgt.) Im Buchladen. Von Verlagsbuchhändler Heinrich Minden, Dresden. Die beste Schule für jeden Buchhändler (also auch für den Verleger) ist nach meiner Ansicht das Sortiment, ja, ich gehe so weit, zu behaupten, daß die Spannungen der letzten Monate gar nicht bis zu den äußersten Sleigerungsgraden empor gewachsen wären, wenn jeder Verleger aus einige Praxis im Sortimentsbuchhandel zurückblicken könnte. Eine solche ist schon meinem Vater von Nutzen gewesen, und ich selbst denke gern an die meinerseits (teils in Deutschland, teils in Rußland) durch lebte Sortlmenterzeit. Doch nicht nur ernste Lebenswerte, sondern zugleich einen Born unterhaltender Eindrücke schöpft man aus solchem Wir- 1300 kungslrelse. Und nun schon gar in Rußland, wo damals eine ! wohltuende Großzügigkeit herrschte und so mancher Käufer, dem I ' viele Bünde zur Auswahl vorgelegt wurden, einfach den ganzen ! Stapel erwarb. Ich entsinne mich heiterer Szenen, z. B. wie irgendein Petersburger Geldmann weite Reisen ins Innere des Reiches antrat und sich die eingekaufte Eisenbahnlektüre ^ von mehreren Personen in den Schlitten nachtragen ließ. Ja, das war einmal und wird (vornehmlich für Rußland) gewiß! nicht so bald wiederkommen. Indes: auch hierzulande gab und gibt es Käufer, die groß zügig sind und eine wohlgeflllll« Brieftasche bei sich tragen. Ihr I Einkauf geht meist schnell von statten und entschädigt den Sorti menter für das Auftreten ach wie vieler anderer Kunden, die! mit wenig sauberen Handschuhen halbe Stunden lang alles be fassen, sich durchaus nicht schlüssig werden können und schließlich I Dankbarkeit dafür verlangen, daß sie ein Beclambändchen er werben. Weiter steht vor mir in der Erinnerung eine ältere Dam«, die sich in ein Dresdner Sortiment verirrte. »Was wünschen I Sie, gnädige Frau?--, wurde sie begrüßt. »Etwas zum Lesen«, lautete die Antwort. Und auf nähere Auskundschaftung hin äußerte sie, sie ziehe etwas recht Beschauliches und Erbauliches allen übrigen Dingen vor. Da wurde denn nach Herzenslust! ausgekramt. Psalmen, Palmblätter, eine alte illustrierte Pracht ausgabe von »Hermann und Dorothea« und vieles, vieles andere.! »Ach nein«, meinte sie, »so etwas suche ich nicht. Haben Siel nicht vielleicht einige Flugschriften des Grafen Tolstoi?« Und! sie erwarb diese, dazu ein Exemplar von Zolas »Germinal« sowie ein Buch »Bei Kaisers«. Da mag nun jemand auf die (beschau liche und erbauliche) Geschmacksrichtung schließen I Ja, mit der Geschmacksrichtung ist cs überhaupt eine eigene! Sache. Kaufte da einmal die Frau eines bekannten Schauspielers! ein großes naturwissenschaftliches Werk. Sofort gesellte sich der! Chef der betreffenden Buchhandlung hinzu und sagte: -Ich! wußte gar nicht, gnädige Frau, daß Sie für Naturwissenschaften! so viel Interesse haben. Doch ich will mips vormerken lassen,! damit Sie künftig laufendes Angebot erhalten«. »Ist nicht nölig- entgegnete die Angeredete, »aber wenn Sie wieder solch schön! gebundene Werke hereinbekommen, so wäre mir ein Hinweis! wohl lieb. Auf unserem neuen Bücherbrett sind noch mindestens! dreiviertel Meter zu besetzen. Sie müssen uns überhaupt einmal! aufsuchen und stch's ansehen! Famos. Lesen kann man das! Zeug natürlich nicht alles, aber es ist doch schön, zu hören: Wasi müssen hier für gebildete Leut« wohnen!« Wenn die bereits geschilderte Käuferin »etwa? zum Lesen«! begehrte, so wird Wohl jeder gedacht haben: das ist (wenn sie! nicht gerade Landkarten, Musikalien oder Kunstblätter suchte) in Laden des Sortimenters eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Weit gefehlt. Forderte da ein Ausländer in einer Buchhandlung Unter den Linden einmal »Kuwers« mit Betonung des u. »JslI das der Autor oder der Titel des Werkes?-, erkundigte sich ders Gehilfe, der mit ihm verhandelte. »Nicht Autor, nicht Titel», lautete der Bescheid, »einfach Kuwers. Kuwers, wo man hinein^ tut Briese». Und wenige Tage später erschien in derselben Buch^ Handlung — ausgerechnet Unter den Linden in Berlin — ein Mülierchcn mit Kopftuch, das nach den »Räubern- Verlangen trug. Ihre Schillersehnsucht befremdete, immerhin wur^ den ihr mehrere Ausgaben angeboien. Sie zeigte große Ent-I täuschung und erklärte dann, sie wolle Räubererzählungen mil bunten Bildern haben. Aber noch verdutzter war sie, als es hinterher ans Bezahlen gehen sollte. Sie glaubte, das Excmpla als Geschenk mltnehmcn zu dürfen, und wollte sich durch WeiS^ sagen i» die Hand erkenntlich zeigen. Ein Bekannter verriet mir einmal die drei BewegungsZ Momente des Berliner Gründers: Gummi fährt er, Wechsel reite^ er und Pleite — geht er. Ich weiß nicht recht, wieso: aber ick mußte an diesen Ausspruch wiederholt denken, wenn Kunderl ^ allzu vornehm-gebieterisch auftraten. Sie verlangten, daß das gesamte Personal zu ihrer Verfügung stehe, — hatten es so eilig, daß sie drohten, kurzerhand fortzugehen, wenn das VerZ packen nicht schneller erledigt würde. Dafür bewiesen sie dams
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder