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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.04.1938
- Strukturtyp
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- 1938-04-08
- Erscheinungsdatum
- 08.04.1938
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- Deutsch
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Der österreichische Buchhandel in Großdeutschland Von Rudolf Krey Österreich ist frei! Die . Mutter Germania — das Groß deutschland von heute — hat sein über alles geliebtes Schmer zenskind nach Jahren der Qual und unvorstellbarer seelischer und wirtschaftlicher Nöte und Heimsuchungen endlich in seine schützenden Arme nehmen und an sein großgütiges Mutterherz drücken können, um es nie wieder loszulassen. Der höchste Traum aller Deutschen in Österreich ist über Nacht restlos in Erfüllung gegangen. Unser Österreich und damit auch der österreichische Buch handel hat heimgefundcn ins große Deutsche Reich in einer Form und geschichtlichen Größe, wie es bisher in der Welt geschichte und in dem kühnsten Traum jedes einzelnen deutschen Menschen unvorstellbar war. Dieser plötzliche gewaltige Umbruch, diese unblutige und doch gewaltige deutsche Revolution in Österreich war wie eine einzige gewaltige große Symphonie harmonischen Zusammen klingens aller deutschen Herzen in allen deutschen Gauen Öster reichs und des Reiches. Unser großer Führer und Meister hat mit seinem Zauberstab, im richtigen Augenblick intuitiv sich voll einsetzend, die österreichisch-deutsche Volksseele zum Durch bruch kommen lassen, ohne daß sich auch nur der geringste leiseste Mißton in diesem Hymnus der Befreiung ergeben hätte. Alle deutschbewußten Buchhändler und Fachgenossen können dieses Ereignis von unabsehbarer weltgeschichtlicher Bedeutung nur mit innigster rückhaltloser Freude und tiesinnerlicher Be wegtheit begrüßen und feiern. Mit einem einzigen Hauch, gleich einem Plötzlich über Nacht ausgebrochenen Frühlingssturm, ist der ganze böse Spuk und faule Zauber, der wie ein schwerer Alpdruck jedem Deutschen auf der vergewaltigten deutschen Seele lag, wie weggeblasen, wie weggewischt! Und nun hat sich alles erlittene Ungemach, das eigentlich nur lodernden Haß und wohl verdiente Vergeltung zeugen konnte, gleichfalls über Nacht in einen einzigen Freudentaumel gewandelt, in dem selbst Augen harter, sturmerprobter Männer feucht wurden, ohne daß sie sich ihrer Gefühle schämten. Wer hätte zu glauben gewagt, daß. sich nach so viel Drangsalierungen und oft unmenschlichen Quäle reien die deutsche Volksseele trotzdem so diszipliniert zeigen würde? Erst jetzt lernt man auch im alten Reich so recht verstehen, was wir Schweres in den fünf langen Jahren der Kränkung und Demütigung haben erdulden müssen. Wollte man hier ein mal alles sagen, was der deutschfühlende nationale Buchhändler — er brauchte nicht einmal Parteigenosse zu sein — in Öster reich hat erdulden und erleiden müssen, es gäbe wahrlich ein garstig Lied! Seien wir froh, daß für den deutschen Buchhandel in Öster reich nun für immer vorbei sind diese Zeiten eines jeden deut schen Mannes unwürdigen Druckes und schwerer Opfer in For men immer wiederkehrender Freiheitsstrafen oft ganzer Fa milien, hoher Geldstrafen, Bctriebssperrungen, Konzcssionsent- zuges, Diffamierungen durch andersgesinnte Fachgenossen und Drangsalierungen und Bedrohungen durch die Vaterländische Front und sonstiger Organe jenes verruchten, heimtückischen Systems, dessen vornehmliche Ausgabe darin bestand, den deut schen Menschen in Österreich unausgesetzt zu quälen und wo möglich zur Verzweiflung zu bringen. Der deutsche Gcsamtbuchhandel, der im Zentrum des Reiches, im Schoße der Mutter Germania sicher ruhend, nie solches Schicksal zu erleiden brauchte, möge deshalb aber nie übersehen und vergessen, daß er in seinen eigenen Reihen hier in Österreich fünf lange Jahre viele stille Dulder gehabt hat, die einem Johann Philipp Palm, der freilich sein Leben hin geben mußte, an Opfermut und deutscher Manneschre nicht nachstehen. An seelischem Druck, sadistischen Quälereien und er niedrigenden Beleidigungen ihrer deutschen Mannesehre, die viele Jahre hindurch währten, haben sie wohl weit mehr er dulden müssen, auch wenn ihr Martyrium ihnen nicht die Krone der Erlösung durch den Tod aufs Haupt setzte, sondern uns allen in letzter Minute die entschlossene Tat des Führers die Ab wendung des grauenhaften Schicksals Spaniens gebracht hat. Und wie selten fanden gerade diese um ihre wirtschaftliche Exi stenz schwer kämpfenden Buchhändler, die sich für das nationale, deutschbewußte Buch und die Idee des Nationalsozialismus ein setzten, in den Jahren dieses harten Kampfes ein wirkliches Ver ständnis und eine tatkräftige Unterstützung. Ein Verständnis, das sie wohl verdient hätten und erwarten konnten. Mit wenigen Ausnahmen stand man den wahren Verhältnissen in Österreich recht verständnislos gegenüber, sodaß mancher gute deutsche Patriot in Österreich mit Bitternis erfüllt wurde. Nun, das ist endlich alles vorbei. Wir dcutschbewußten Buchhändler in Österreich sind stolz darauf, daß es uns, oft nahe der Verzweiflung, geglückt ist, mutig durchzuhaltcn und daß wir unseren deutschen Volksgenossen in ärgster Not immer Stütze und Trost sein konnten, auch wenn wir dabei ständig in Gefahr stan den, Existenz und Freiheit eines Tages selbst einzubüßcn. Als tapfere Mitstreiter im Kampfe und im Dienste um unser deutsches Volkstum und die großen nationalsozialistischen Ge danken unseres geliebten Führers und nicht als Geschäftemacher treten wir nun ein in die große Gemeinschaft des deutschen Buch handels im nationalsozialistischen Deutschland, um endlich, be freit von allem Druck, mit gleichen Zielen die großen Ausgaben einer wirklichkeitsfrohen Zukunftsarbeit tatkräftig mit erfüllen zu helfen. Wir deutschen Buchhändler und Fachgenosscn in Öster reich wissen, daß es gilt, in den nächsten Monaten harte, schwere Arbeit zu leisten. Aber sie muß und wird gerne geleistet werden, seitdem der schwarze, unheilschwangere Vorhang vor einer ver hangenen deutschen Zukunft in Österreich von des Führers ner viger Faust weggerissen worden ist und wir jetzt auch ungehin dert freien Ausblick auf das Alt-Reich und sein emsig schaffendes arbcits- und zukunftsfrohes Volk haben, mit dem wir gleich gerichtet und ebenbürtig in einer Front ein für allemal in alle Zukunst stehen, komme, was kommen mag. Schon die wenigen Tage, die seit der Vereinigung mit dem Reich hinter uns liegen, lassen ahnen, daß der Zusammenschluß nicht nur vom nationalen, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkte aus mit Freuden zu begrüßen ist und auch der österreichische Buchhandel vor große Ausgaben gestellt sein wird. Bald braucht der Wiener Geschäftsmann nicht mehr zu klagen, daß Wien kein Hinterland habe. Die deutsche Ostmark ist jetzt wieder das, was sie einst war und kann daran gehen, ihre große deutsche und europäische Ausgabe zu erfüllen. Es wird nicht aus- blcibcn, daß auch wir Buchhändler der Ostmark vor große, dan kenswerte Aufgaben gestellt werden. Ein Aufschwung von Wirt schaft und Verkehr in vielleicht ganz ungeahntem Ausmaße wird nicht ausbleiben. Dabei wird Österreich, das schöne deutsche Land, mit seiner liebenswerten, bodenständigen Bevölkerung erst jetzt so recht zum bevorzugtesten Reiseland für die große deutsche Volksgemeinschaft werden und bald werden auch jene anderen national ausgcrichteten Staaten ganz von selbst ihre reiselustige, erholungsbedürftige, wißbegierige und kunstbeflissene Bevölkerung wieder mehr denn je zu uns schicken, zumal wenn sic sehen werden, welches glückliche, frohgemute, sangesfrohe und schönheitsliebende Volk gerade erst jetzt die Österreicher in der großen freien deutschen Volksgemeinschaft geworden sind, trotz aller -alle Kultur vernichtenden preußischen Kommißstiefel», die die internationale Journalistik wohl für längere Zeit als Kinder schreck noch herumtoben lassen wird. Hart und bitter war es, uns von der gewaltigen Entwick lung, die das Deutsche Reich in den fünf Jahren genommen hat, ausgeschlossen zu sehen. Heute aber sind wir mitsamt dem S94 Nr. 83 Freitag, Scn 8. April 1938
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