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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.07.1922
- Strukturtyp
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- 1922-07-17
- Erscheinungsdatum
- 17.07.1922
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- Deutsch
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sdi- 164, 17. Juli 1922. Redaktioneller Teil- Eine andere Frage ist die Frage der Moral, eine andere die Frage der Zweckmäßigkeit. Und da fragt es sich, ob der Nach, teil einer solchen Absperrmaßrcgel nicht auch für den deutschen Verlagsbuchhandel weitaus größer ist als der fragwürdige Vorteil, den Sie davon haben. Alle diese Klagen werden auf hören, wenn, wie dies kürzlich in einem der wenigen vernünftigen Artikel, die ich im Börsenblatt gelesen habe (Heiterkeit) — er war von Otto Reicht —, ausgefllhrt worden ist, wenn die Preis stellung für das in Deutschland erscheinende Buch so gestaltet wird, daß der deutsche Verlagsbuchhandel seine Ware zu einem vernünftigen Preise verkauft und nicht verschleudert. Aber so geht es nicht, daß Sie diese Absperrmatzregeln einführen. Wenn schon jene durch den preutzischen Drill geschulten Beamten Anlatz zur Klage geben — unsere österreichischen Beamten, die, wie wir Österreicher alle, — na, sagen wir — ein bisserl bequem und langsam sind, wevden es nicht besser machen. Es wäre eine Hölle, die für uns geschaffen wird, wenn wir uns unter die Kon trolle österreichischer Beamten stellen mlltzten. Wir haben es er- lebt, wie während der Kriegsiontrolle Kreuzbänder wochenlang liegen geblieben sind, wie bei dieser Schlamperei unser Geschäft überhaupt nicht betrieben werden konnte. Jetzt aber handelt es sich ja nicht blotz um das alte Ausland, nicht nur um Schie bungen nach der Schweiz, nach Italien usw., sondern für uns fängt das Ausland bereits ir/? Stunden von Wien an, — Ungarn, Tschechoslowakei, Galizien! — und wenn wir für dieses ganze Ge biet, das wir Wiener Buchhändler früher bearbeitet haben und wirtschaftlich für uns zurückerobern müssen (Bravo!), Absperr- matzregeln durch Kontrollmatznahmcn haben sollen, so unter binden Sie einfach das Geschäft, ohne daß ich einen nennenswer ten Nutzen dabei herauskommcn sehe. Selbst wenn Sie das tun, was heute von einer Stelle angcdcutet worden ist: selbst wenn Sie den Jagdeiser -des österreichischen Beamten dadurch pelzen und stärken, daß Sie ihm die Hälfte aller Gewinne zuwenden, die dadurch entstehen, daß er die Ware fcsthält, so glaube ich doch, datz die Schieber Mittel und Wege finden werden, um die Sache doch noch viel lohnender für jene zu machen, die die Schiebungen zulassen, — daß dabei aber eine endlose Quelle von Schikane und Quälerei für unsere Wiener Buchhänder sich ergeben wird. Im Namen eines großen und nicht des schlechtesten Teiles der Wiener Buchhändler widerspreche ich dem, was Herr Müller hier aus- gcführt hat. Herr Kammerrat Wilhelm Müller (Wien): Meine Herren, ich habe versprochen, im Depeschenstil zu reden; ich will mich deshalb über das, was mein Herr Vorredner gesagt hat, nicht weiter anslassen. Ich will nur sagen, daß die Angelegenheit bereits viel weiter vorgeschritten ist, als Sie denken. (Herr Hugo Heller: Um so schlimmer!) — Ja, wir beide stehen eben immer im Gegensatz zueinander! (Heiterkeit.) — Eine Stelle außerhalb des Buchhandels will nämlich die Sache durchführen, und wir haben nunmehr die Aufgabe, der »Amba» die Sache aus der Hand zu winden lind in sachverständige Hände zu legen. Ob und wann es dazu kommt, weiß ich nicht. Aber ich habe von den berufene» Vertretern des Wiener Buchhandels (Zuruf des Herrn Hugo Heller) den Auftrag, die Erklärung, die ich gestern im Verleger- Verein abgegeben habe, auch hier zu wiederholen. Das habe ich getan, und damit Schluß! Herr Richard Quelle (Leipzig): Zur Geschäftsordnung! — Ich beantrage, datz die österreichischen Herren ihren Kampf in Wien austragcn! (Bravo! und Heiterkeit.) Herr Erwin Müller (Wien): Meine Herren, ich bitte nnr noch ganz kurz hinzuftigen zu dürfen, daß ich als Delegierter des Vereins der Österreichisch-Ungarischen Buchhändler mich nur z» der Ansicht des Herrn Heller bekennen kann (Hört, hört!) und auch das Gefühl hatte, daß ein großer Teil der Herren, die ich in Wien gesprochen habe, sich zu dieser Ansicht bekennen wird. Das, was Herr Kammerrat Müller hier ausführte, ist mir etwas Neues; das steht mit dem, was ich dort gehört habe, durchaus in Widerspruch. Herr Kammerrar Wilh. Müller (Wien): Meine beiden Wie ner Vorredner, die der Vereinsleitung nicht angehören, haben gar nicht gewußt, um was es sich mir bei den Beratungen mit der Autzenhandelsnebenstclle gehandelt hat, und dürste Wohl nur darauf unsere Meinungsverschiedenheit zurllckzuführen sein. (Hei terkeit.) Herr Otto Reich! (Darmstadt): Ich wollte nur sagen, daß ich den österreichischen Buchhändlern nicht wünschen möchte, daß sie die Kontrolle dort auch bekommen. Denn wir haben genug da von in Deutschland. (Bravo! und Heiterkeit.) (Zuruf: Ich be antrage Schluß der Debatte!) Vorsitzender: Ja, der Schluß ist bereits eingetreten; es hat sich niemand mehr zum Worte gemeldet. Wir fahren fort. Außerordentliche Haupt Ver sammlung in Heidelberg. Dazu hat Herr Paetsch ums Wort gebeten. Herr Otto Paetsch (Königsberg i. Pr.): Meine sehr verehrten Herren Kollegen! Die Erinnerung an die schönen Tage in Hei delberg gibt mir bei diesem Punkt des Jahresberichts Anlaß, Ihnen ins Gedächtnis zurückzurufen, daß wir während der schweren und langen Kriegsjahre mit unfern Herbstversamm- lungen den tannbedccklen Bergen Goslars die Treue hielten, daß wir dann aber vor drei Jahren zum ersten Male wie der in die Welt hinein wandelten: wir gingen nach Würzburg, nach Marburg und im vorigen Jahre nach Heidelberg. Von Heidelberg aus hatten wir bei einem Ausflug in die Pfalz Gelegenheit, im Angesicht des deutschen Rheins ein bajonettgespicktes Spalier von schwarzen Franzosen zu passieren und dort die Qualen unserer Volksgenossen im be setzten Gebiet kennen zu lernen. Heute, meine Herren, möchte ich Sie bitten, Ihre Augen nach dem Osten zu richten, nach meiner Heimat, von der ich Ihnen sagen muß, daß Sie sie nicht mehr als eine landläufige preußische Provinz ansprechen können (Hört, hört!); denn der Rest Ostpreußens, der dem Reich verblieb, ist heute, ob wir es zugeben wollen oder nicht, durch den breiten polnischen Korridor abgetrennt vom Mutterlande, nichts anderes als eine deutsche Kolonie, die einzige deutsche Kolonie und nicht einmal eine gesichelte: sie ist heiß umstrittenes deutsches Land und ihre Zukunft gänzlich ungewiß. Wir sind dort oben seit Jahrhunderten an eine Vorposten stellung gewöhnt, und wir werden auch jetzt in dieser bittern Zeit unser Bestes daran setzen, deutsch zu bleiben. (Bravo!) Aber, meine Herren, seit weite Volkskreise es für richtig gefunden haben, sich selbst zu entmannen, ist unsere Macht und unsere Kraft dort oben außerordentlich gering, und der intensivste Lebenswille wird gelähmt, wenn wir uns dauernd allein und verlassen füh len, und, meine Herren, dieses Gefühl gewinnt in unseren Kreisen immer mehr Boden. Deshalb erlaube ich mir, Sie im Namen des Kreisvereins Ost- und Westpreußen einzuladen, in diesem Herbst unsere Provinz zu besuchen. Es wird sür Sie nicht ohne Interesse sein, einen Landstrich kennen zu lernen, in dem 35 Städte und 1500 Ortschaften mit insgesamt 44 900 Gebäuden während des Krieges dem Erdboden säst gleichgemacht wurden. Und alle diese Gebäude, alles dieses Land ist gleich hinter der Front, sobald als nur die Gegend aus dem Gcsechtsbcreich kam, wieder aufgcbaut worden (Bravo!), sodaß der Wiederaufbau der Provinz bereits Ende 1921 als beendet gelten konnte (Bravo!): wahrlich die Tat eines Volkes, die in der ganzen Welt ihres gleichen sucht! (Bravo!) Meine Herren, Sie werden dort einen kernigen, gesunden, sich seiner Kraft voll bewußten Volksstamm kennen lernen, aber trotz allem, wir brauchen die moralische Unterstützung! Wir müs sen das Gefühl haben, daß inmitten des Reiches deutsche Herzen für uns schlagen und in banger Sorge um das Schicksal unserer Provinz besorgt sind. Deshalb rufe ich Ihnen zu: Meine Her ren, kommen Sie zu uns, und lassen Sie Ihren Besuch zu einer nationalen Kundgebung werden! (Bravo!) Wir unsererseits werden alles tun, um Ihnen die Tage bei uns so angenehm wie möglich zu machen. Und um das eine möchte ich Sie bitten: Wenn Sie dort oben hinauf in deutsches Ostland kommen, dann richten Sie sich freundlichst so ein, daß Sie nicht nur zu den Ver- handlungstagcn dort bleiben, sondern daß Sie mit Ihren Frauen und uns, Ihren ostpreußischen Kollegen, Ausflüge ins Land machen. Ob es die Kurische Nehrung ist, die in ihrer Eigenart einzig in der Welt dasteht, ob es die Samländischc 9«!
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