Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.03.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-03-18
- Erscheinungsdatum
- 18.03.1914
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19140318
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191403183
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19140318
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1914
- Monat1914-03
- Tag1914-03-18
- Monat1914-03
- Jahr1914
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
^ 63, 18. März 1914. Redaktioneller Teil. möchte, und bah den Privatbetrieben diejenigen Aufträge erhalten blei ben, die sie bisher, wie ich schon sagte, zur Zufriedenheit ihrer Kund' schaft ausgefiihrt haben. Wir meinen, daß auch das Reich leben und leben lassen und dafür sorgen sollte, daß die Privatindustrie bei den erhöhten Kosten, bei den erhöhten Löhnen und den verstärkten sozial politischen Lasten am Leben bleibt und nicht durch eine erdrückende Staatskonkurrenz in ihrer Lebensfähigkeit geschädigt wird. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Vizepräsident Dooe: Das Wort hat der Herr Abgeordnete v. Win- terfeldt. v. Winterfeldt, Abgeordneter: Meine Herren, namens meiner poli tischen Freunde kann ich mich im wesentlichen den Ausführungen an- schließen, die wir soeben von den beiden Herren Vorrednern gehört haben. Auch wir sind der Ansicht, das; eine Ausdehnung der Reichsdruckerei und die Übernahme neuer Aufgaben, die zu einer für die Privatindustrie schädlichen Konkurrenz führen, nicht er wünscht erscheint, und wir sind der Ansicht, daß der Neubau der Reichs druckerei, für den wir im übrigen stimmen werden, so eingerichtet wer den soll, daß der Rahmen der bisherigen Tätigkeit nur insoweit erwei tert wird, als dies im Interesse des Reichs und der Bundesstaaten un bedingt erforderlich ist. Im übrigen wird man aber nicht verkennen können, daß die Reichsdruckerei, die gelegentlich vor die Aufgabe ge stellt wird, schnell besonders große und forcierte Aufträge der Neichs- und Staatsregierung auszuführen, einen Stamm alter, erprobter Ar beiter haben muß, der auch in einer Zeit beschäftigt wird, in der einmal nicht viel für die Reichs- und Staatsbehörden zu tun ist. Die Gerechtigkeit erfordert, es anzuerkennen, daß die Tätigkeit, wie sie dann von der Neichsdruckerei ausgeübt ist, in der Tat in mancher Be ziehung vorbildlich genannt werden muß. Die Neichsdruckerei hat uns vor einer Reihe von Jahren eine Sammlung von Reproduktionen graphischer Kunstwerke aus allen Epochen der graphischen Entwicklung geschenkt, die eine höchst wert volle Bereicherung für jeden bilden muß, der Interesse und Sinn für derartige Dinge hat, so daß das deutsche Volk der Reichsdruckerei hierfür nur dankbar sein kann. Auch die mehrfach übernommenen Herstellungen von Mustertypen für große Verlagsanstalten, z. B. für den Jnselverlag — ich erinnere an das Herslebsche Stammbuch — oder für die Verlagshandlung Ohle für eine Hamletausgabe, sind so ausgezeichnet, daß man anerkennen muß, daß die Neichsdruckerei sich in jeder Beziehung ans der Höhe der hervorragenden Entwicklung, die das Bnchdrnckergewerbe in den letzten Jahrzehnten genommen hat, auch ihrerseits gehalten hat. Ich meine, es erfordert die Gerechtig keit, das anzuerkenncn, und wenn Sic sich die Ziffern ansehen, die die Entwicklung des B u ch d r u ck g e w e r b e s in allen seinen Branchen in den letzten Jahrzehnten aufzuweisen hat, wenn ich z. B. lese, daß die Ausfuhr an Büchern, Karten und Musikalien im Jahre 1889 37 Millionen betrug und im Jahre 1912 66 Millionen, wenn ich sehe, daß im Buch-, Kunst- und Mnsikalienbetriebe bei der Betriebs zählung im Jahre 1895 nur 12 289 Betriebe vorhanden waren, im Jahre 1907 aber 17 881, und daß in diesen Betrieben beschäftigt waren männliche Personen im Jahre 1895 27 114 und im Jahre 1907 43 112 und weibliche Personen im Jahre 1895 7518, im Jahre 1907 aber 22 645, wenn ich erwähne, daß in der Buch- und Kunstdruckerei die Betriebszählung von 1895 ergab 9538 und im Jahre 1907 12 295 Be triebe, und daß diese Betriebe beschäftigten im Jahre 1895 92 503 männliche Personen, im Jahre 1907 aber 143 225 und weibliche Per sonen, im Jahre 1895 18 893, im Jahre 1907 aber 41526, meine Her ren, so wird man zngeben müssen, daß das deutsche Buchgewerbe sich Gott sei Dank in geradezu ungeahnter Weise emporentwickclt hat, und ich glaube, daß alle Herren mit mir libereinstimmen werden, wenn ich feststelle, daß darin eins der stärksten Knlturbarometer Deutschlands gesehen werden muß. Das Volk der Dichter und Denker pflegte früher Bücher zu schreiben und zu lesen, aber sie nicht zu kaufen. Dank die sem großen Umschwung und der Herstellung wunderschöner und dabei billiger Bücher werden jetzt in Deutschland viel mehr Bücher gekauft als früher. Ich glaube, es ist gut, auch von dieser Stelle einmal darauf aufmerksam zu machen und dem deutschen Buchgewerbe einen vollen Kranz zu winden. Wenn der Herr Staatssekretär des Innern in seiner großen Rede neulich über die Entwicklung unserer deutschen wirtschaft lichen Verhältnisse nicht auch das deutsche Buchgewerbe besonders er wähnt hat, so habe ich darin ein Manko erblickt. Es wäre erwünscht gewesen, er hätte gerade diesen Zweig unseres wirtschaftlichen Lebens besonders unterstrichen, weil er, wie gesagt, einen so starken Hinweis ans die Kulturentwicklung Deutschlands überhaupt enthält. Meine Herren, unsere Neichsdruckerei kann von diesem Kranz auch ihren be scheidenen Zweig in Anspruch nehmen, bescheiden im Verhältnis zu den Gesamtziffern, von denen ich gesprochen habe. Meine Herren, ich möchte damit schließen, daß ich sage: möchte unser deutsches Buchgewerbe sich weiter entwickeln in derselben Weise nvie bisher ohne Konkurrenz seitens der Neichsdruckerei: aber wenn die Neichsdruckerei etwas macht, möchte sie es ebenso gut machen wie bisher! (Bravo rechts!) Vizepräsident Dovc: Das Wort hat der Herr Staatssekretär des Neichspostamts. Kraetke, Wirklicher Geheimer Rat, Staatssekretär des Neichs postamts, Bevollmächtigter zum Bundesrat: Meine Herren! Einige Zahlen, glaube ich, werden die Bedenken beseitigen, die geäußert wor den sind. Die Herren, die sich die Räume einmal angesehen haben, haben sich überzeugt, daß dort wirklich ein Neu- und Erweite rungsbau notwendig ist, besonders für die Herstellung von Wert sachen. Im Jahre 1904 haben bei einer Einnahme von 8 784 000 .// die Lieferungen auf private Bestellungen nur 190 000 betragen, also 2,2 °/o der Gesamteinnahme. Im Jahre 1912 hat es sich bei der Gesamteinnahme von 13 328 000 ^ bei den privaten Bestellungen nur um 239 000, also um 1,9 "/«, also nur um eine sehr kleine Zahl gehan delt. Wenn vorher die Zahl 435 000 ./i für Privatbestellungen genannt worden ist, so stecken in dieser Summe noch Aufträge von Verlegern, die für Reichs- und Staatsbehörden Kursbücher usw. bei der Neichs druckerei drucken lassen. Die Postverwaltung selbst hat ihre Be stellungen auf Drucksachen nicht etwa alle der Neichsdruckerei über tragen, sondern wir haben daran festgehalten, daß wir in einzelnen Teilen des Neichspostgebiets Privatdrnckereien haben, wir haben 1912 an diese Privatdruckereien für Postformulare allein 2*/s Millionen Mark verausgabt. Nur für 5 Oberpostdirektionen werden die Formulare bei der Reichsdruckerei gedruckt, die Lieferungen für alle übrigen Ober postdirektionen sind an die Privatunternehmer übertragen. Aus diesen Darlegungen werden die Herren ersehen, daß es nicht in der Absicht liegt, die Neichsdruckerei auf Kosten der Privatunter nehmer zu beschäftigen. Präsident: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Fischer (Berlin). Fischer (Berlin), Abgeordneter: Meine Herren, wir stehen auf dem Standpunkt, daß die für die Erweiterung der Neichs druckerei geforderten Mittel von uns bewilligt werden sollen. Wir bewilligen sie einmal aus allgemeinen Gesichtspunkten, im Gegen satz zu den Ausführungen der Herren Vorredner. Wir bewilligen sie aber auch deshalb, weil unter dem speziellen Gesichtspunkt der sani tären Wohlfahrt der in der Neichsdruckerei beschäftigten Arbeiter der Neubau schon längst hätte in Angriff genommen werden müssen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Durch die Entwicklung der Neichs druckerei, die steigenden Anforderungen, die an die Verwaltung ge stellt worden sind, sind die Räume in der Neichsdruckerei in einem Maße überfüllt, daß der Gewcrbeinspektor, wenn er dort inspizieren würde, an die Verwaltung längst weitgehende Anforderungen hätte stellen müssen. Also schon aus diesem Gesichtspunkte der sanitären Rücksicht auf das Personal muß man für die Erweiterung der Neichs druckerei eintreten. Die Herren Vorredner gehen bei ihren Ausfüh rungen übrigens von einer ganz falschen Voraussetzung aus. Die Neichsdruckerei ist ja gar nicht in der Lage und beabsichtigt auch nicht, der Privatindnstrie irgendwelche Konkurrenz zu machen. Die ganze Entwicklung der Neichsdruckerei ist durch die eigenen Bedürfnisse des Reichs bedingt worden. Die Neichsdruckerei hat doch nur die nach Ihrem eigenen Wunsche ihr überwiesenen Aufgaben übernommen, und diese haben einen solchen Umfang angnommen, daß sie in den jetzigen Räumen nicht mehr bewältigt werden können. Wenn die Neichsdruckerei der Privatindnstrie Konkurrenz machen würde — ich persönlich hätte nichts dagegen —, so ist doch der von den Vorrednern vertretene Standpunkt nicht haltbar: man schädige dadurch diejenigen, die Stenern und Abgaben zahlen. Woher werden denn die Steuern und Abgaben von der Privatindnstrie bezahlt? Doch nur aus dem Uberschuß, den sie aus ihren Betrieben heranswirtschaftet. Im Inter esse der Steuerzahler ist es viel zweckmäßiger, daß das Reich diesen ganzen Uberschuß aus seinen Aufträgen den Steuerzahlern in Gestalt von Neichscinnahmen zugute kommen läßt, als nur den Bruchteil, der aus dem erzielten Uberschuß aus den Neichsarbeitcn der Privatindustrie dem Reiche an Stenern überwiesen wird. Woher ist denn die Entwicklung der Neichsdruckerei gekommen? Meine Herren, denken Sie doch nur an die Beschlüsse be treffs der Vermehrung der Banknoten, der Wertzeichen, Versicherungs- marken usw. Durch die zur Bewältigung dieser Arbeiten erforderliche Anschaffung von Maschinen und Vermehrung des Personals ist eine wesentliche Beengung der Räume eingctreten. Sie selbst, meine Herren vom Zentrum und von der konservativen Partei haben noch vor we nigen Jahren beschlossen, daß der Neichsdruckerei mehr als bisher die Arbeiten der Neichsverwaltungen überwiesen werden. Herr Graf v. Westarp hat damals erklärt: »Wir legen Wert darauf, daß das Personal der Neichsdruckerei vollauf beschäftigt wirb«. Der Herr Abgeordnete Erzberger hat denselben Wunsch ausgesprochen und weiter verlangt, »die Zentralbehörden in Berlin sollten der Neichsdruckerei ihre Aufträge zuwenden«. Heute ertönt nun von allen Seiten des Hauses das ganz entgegengesetzte Lied. Der Herr Abgeordnete Irl hat 417
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder