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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.05.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-05-22
- Erscheinungsdatum
- 22.05.1915
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- Deutsch
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116, 22. Mai 1915. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. sagen, daß wir für die nächste Zukunft auf alle französischen, eng lischen und russischen Kultureinschläge verzichten können, da wir sehen durften, welch herrliche Wurzeln der Kraft und Schönheit in unscrm deutschen Wesen und in der deutschen Volksseele lie gen, die sorgsam zu hegen und zu Pflegen eine heilige Pflicht und vorerst unsere einzige Aufgabe ist, zumal jetzt, wo draußen im Feindesland unsere Brüder und Väter für deutsches Wesen und die deutsche Heimat skeiten und bluten, und wo sie oft am eigenen Leibe die Unkultur sogenannter zivilisierter Nationen kennen ler nen, ebenso wie die, die als friedliche Bürger in den feindlichen Ländern in Gefängnissen oder Konzentrationslagern bittere Trä nen nach der deutschen Heimat weinen. Jetzt darf uns gar nicht der Gedanke kommen, von diesen Nationen Kulturwcrte zu er betteln, oder auch nur wieder öffentlich davon zu sprechen. Darum noch einmal: An ihren Früchten sollt ihr sie erken nen! Möchten wir aber auch nach Jahren noch den prächtigen deutschen Früchten den Vorzug vor den angefressenen, faulen Er zeugnissen an den Bäumen fremdländischer Kultur geben! Dresden, am Himmclfahrtstage 1915. Fr. Kuhles. Leo Liepmannssohn. Ein Nachruf. Von R. L. Prager. Leo Liepmannssohn, der Senior der Berliner und Wohl auch der deutschen Antiquare, ist nicht mehr! Bei der großen geistigen und körperlichen Rüstigkeit, der sich der Verstorbene noch bis vor etwa Jahresfrist erfreute, hatten wir alle trotz des hohen Alters keinen Gedanken daran, daß er uns so bald entrissen werden sollte. Wer den kleinen, gedrungenen Herrn noch vor etwa einem Jahre gesehen, hätte ihm sicher noch eine lange Reihe von Lebensjahren zugetraut, und so hat uns der Schlag doppelt hart getroffen. Nun ist er dahin und mit ihm eine Fülle von Wissen und Erfahrung! Leo Liepmannssohn ist am 18. Februar 1840 zu Landsderg a. W. geboren. Nach einer gediegenen Gymnasialbildung und dem Bestehen des Abiturientenexamcns kam er nach Berlin und fand in der heute noch blühenden Buchhandlung von A. Asher L Co. Aufnahme als Lehrling. Die Firma besaß ein großes Antiquariat, das sich ganz besonders mit älteren, seltenen Wer ken befaßte. Den Liebhabereien des Chefs, Albert Cohn, ent sprechend, beschäftigte sich die Firma in großem Maßstabe mit dem An- und Verkauf von Inkunabeln, Holzschnitt- und Kupfer stichwerken, sowie älterer Musik. Namentlich die Musik dürfte Leo Liepmannssohn ganz besonders angezogen haben; war er doch selbst eine außerordentlich musikalische Natur. Aber auch das künstlerische Element in seiner Persönlichkeit wird durch die Beschäftigung mit den älteren deutschen Holzschnittwerken und den französischen Büchern des 18. Jahrhunderts, mit Stichen von Gravelot, Eisen und anderen lebhaft gefesselt worden sein. Bei seiner gediegenen Vorbildung, seinem starken Willen, etwas zu lernen, seinen guten Geistesanlagen, seinem Fleiß und vorzüglichen Gedächtnis und dem unerreichten Vorbild, Albert Cohn, konnte es nicht fehlen, daß er nach Beendigung seiner Lehr zeit bereits ein ganz vorzüglicher Antiquar geworden war. Als ich am l. April 1862 als ^Lehrling in das Haus A. Asher L Co. eintrat, hatte Liepmannssohn gerade ausgelernt und rüstete sich zur Abreise nach dem Bibliophilcnlande Frankreich, wo er bei Franck in Paris «ine Stelle angenommen hatte. Franck (jetzt Vieweg) gehörte damals zu den bedeutendsten Antiquariaten von Paris, besaß ein reiches Lager und eine große Kundschaft. Licp- mannssohn hatte do:t Gelegenheit, viel zu sehen und mannig fache Bekanntschaft« anzuluüpfen. Auch die regelmäßig jeden Abend zur Winterzei stattfindendcn Auktionen boten ihm reiche Anregung und vermehrten seine Kenntnisse. In Paris fühlte er sich so wohl, daß e> beschloß, sich dort selbständig zu machen. Dies geschah am 1. Januar 1866, zuerst unter einem sogenannten prkt nom, einem Leihramen, da er als Deutscher unter den da mals geltenden Gesetzen die erforderliche Konzession zur Eröff nung einer Buchhandlrng nicht erhielt. Die Erfahrungen, die er bei Asher L Co. und bei Franck ge sammelt, und die Bekamtschaften, die er dort gemacht hatte, sein Fleiß und sein Wisset ließen sein Unternehmen bald zur Blüte kommen. Die Möglichkeit, auf den im Winter im Hstel Drouot jeden Abend stattfindcnden Auktionen gängige Bücher günstig ein kaufen zu können, erleichterten ihm dies. Da brach der dcutsrb- französische Krieg aus und zwang Liepmannssohn, Paris zu ver lassen. Während des Krieges hielt er sich in London auf, konnte aber dann seine Tätigkeit in Paris wieder aufnehmcu. Aber Paris war ihm verleidet, und die Stimmung der Franzosen war nach dem Kriege den Deutschen mehr als ungünstig. Auch gesellschaftlicher Verkehr fehlte ihm, und mehr und mehr sehnte er sich wieder nach Deutschland. Er sagte mir einmal: »In Paris bin ich boutiquisr, in Berlin bin ich Mensch«. Diese Stimmung beruhte auf Tatsachen. Die ganz besondere Beliebtheit, der sich Liepmannssohn in Paris und auch bei seinen Pariser Fachgenossen erfreute, konnte nicht verhindern, daß ihm in Paris von allen Seiten Schwierigkeiten gemacht wurden. Die erste Versteigerung, die Liepmannssohn nach seiner Rückkehr nach Paris leitete, hatte einen leidlichen Erfolg. Die zweite wurde, obgleich er sie in Gemeinschaft mit einem Franzosen abhielt, aufs schwerste gestört. Es erschallten Rufe: »L bas Iss krussiens!«, und selbst gute Freunde wandten sich gegen Liepmanyssohn. Mit Mühe und Not konnte die Versteigerung zu Ende geführt werden. Die französischen Freunde, die in romanischer Theatralik Tränen der Rührung bei seiner endlichen Abreise vergossen, dürfen dem Gesamtbilde nicht fehlen. Im Jahre 1872 gelang cs ihni, das Pariser Geschäft zu ver kaufen, und er wandte sich nach Berlin, wo er bereits mit Albert Cohn wegen Teilhaberschaft in Verhandlung stand. Nachdem ich zum zweitenmal als Leiter des Antiquariats mehrere Jahre in der Firma Asher L Co. tätig gewesen war, wollte ich mich selbständig machen. Die Verhandlungen mit Al bert Cohn, als Sozius bei ihm cinzutreten, scheiterten, und so trat ich endgültig am 1. April 1872 aus. Da traf es sich außer ordentlich günstig für Albert Cohn, daß Liepmannssohn nach Berlin zurückkehrte. Er trat als Teilhaber des Antiquariats in die Firma ein, welches Verhältnis allerdings nicht von langer Dauer war. Nach seinem Austritt gründete er in der Markgrafen- straße unter seinem Namen ein Sortiment und Antiquariat. Im Sortiment beschäftigte er sich, wie es natürlich war, vielfach mit fremder, besonders französischer Literatur, und er verstand es, vielen größeren Büchern, namentlich auch den Veröffentlichungen von MLme in Tours, in Berlin Eingang zu verschaffen. Aber der Sortimentsbetrieb befriedigte ihn nicht und hinderte ihn an der Entfaltung seiner Kenntnisse im Interesse des Antiquariats. Er verkaufte das Sortiment und widmete sich von da an aus schließlich dem Antiquariat, iu dem er auch seinen Neigungen für Musik und Kunst Rechnung tragen konnte. Bei den theoretischen und praktischen Kenntnissen in der Musik, über die Liepmannssohn verfügte, war es ihm ein leichtes, sein musikalisches Antiquariat zu einem der ersten unseres Faches zu machen. Er beschäftigte sich aber ebenso eifrig mit dem Verkauf von Autographen und hielt Auktionen ab, in denen ebenfalls Autographen und Musik die Hauptbestandteile ausmachtcn. Die Kataloge, die er hcraus- gegeben hat, sind und werden jederzeit ein ganz ausgezeichnetes Hilfsmittel für jeden Antiquar bilden und dauernden bibliogra phischen Wert behalten. Ende 1903 verkaufte er sein Geschäft an Otto Haas, der es verstanden hat, das Antiquariat und das Auktionsgeschäft auf der Höhe zu erhalten. Liepmannssohn war zweifellos einer der gewiegtesten Ken- ner von Handschriften. Das Alter konnte seiner Sicherheit in dem Urteil über die Echtheit eines Stückes nichts anhaben, und es ist Wohl nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, daß mit ihm einer der ersten Kenner dahingegangcn ist, und zwar nicht nur auf dem Gebiete der Autographen und alten Musikbücher. Er besaß den feinen Instinkt des geborenen Antiquars für Fälschungen. Zwei Beispiele seien dafür angeführt: Liepmanns- sohn waren die Nachahmungen von Luther-Handschriften seitens des Fälschers Khrieleis zum Kauf angeboten worden. Während Münchener und Mailänder Antiquare auf diesen Schwindel hin einfielen und Listen der von ihnen erworbenen Lutherhandschrif ten anboten, verhielt Liepmannssohn sich durchaus ablehnend. Ebenso hat er die berühmte Fälschung einer spanischen Ausgabe des Columbus-Briefes durch einen Italiener von Anfang an ab gelehnt. 773
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