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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.10.1898
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1898-10-27
- Erscheinungsdatum
- 27.10.1898
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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mit, Berichte über die Novelle zu lesen, wenn anders er bei dem Geschäfte verdienen wolle. Ein »Buchhandlungsgehilfe aus der City» erklärt, seiner Erfahrung nach ziehe das Publikum beschnittene den unbe schnittenen Büchern vor. Er habe oft erlebt, daß ein Kunde statt eines unbeschnittenen irgend ein anderes beschnittenes ausgewählt oder ihn gefragt habe: »Können Sie es mir aufschneiden?« Das koste alles Zeit, und er sei fest überzeugt, Publikum und Sortimenter würden den Tag mit Freuden begrüßen, an dem die beschnittenen Bücher die Regel, nicht, wie jetzt, die Ausnahme bildeten. A. Wilson meint, alle Zeitschriften, billigen Bücher, Lehr bücher, Nachschlagebücher und Sechs-Schilling-Novellen sollten beschnitten werden, aber Reisewerke und sogenannte Standard Works Goldschnitt und rohe Seiten haben oder ganz unbe schnitten sein, ebenso alle Luxusausgaben, Werke über Kunst und teure Werke aller Art. Gründe dafür giebt er nicht an. I Read schreibt, er habe noch nie gehört, daß ein Kunde sich über ein beschnittenes Buch beschwert hätte, wohl aber über unbeschnittene, von denen behauptet würde, sie seien un fertig und könnten vom Publikum nicht so beschnitten werden, wie es die Maschine thue. B. L I. F. Meehan erklären, wenigstens alle Romane und Magazine sollten beschnitten versandt werden. — Clarke L Satchell sind der Meinung, der bei weitem größte Teil der Käufer ziehe beschnittene Bücher und andere Publi kationen vor. — R. Brimley Johnson bringt einen neuen Gesichtspunkt vor, indem er die Berichterstatter über neue Bacher ins Treffen führt, deren Aufgabe es sei, in möglichst kurzer Zeit sich mit dem Inhalt der Neuigkeiten bekannt zu machen und über sie zu berichten. Die Ueberlegung eines Augenblickes müsse darthun, daß der Verfasser, dessen Werke beschnitten ins Publikum kämen, auch schneller Eingang in die Presse finde. Niemand glaube, daß die Zeitschriften viel direkten Einfluß auf den Verkauf ausübten, aber sie be einflußten den Ruf eines Mannes und bewirkten, daß von ihm gesprochen und das Herz des Verlegers gegen spätere Manuskriptangebote geneigter gemacht werde. Niemand würde den unbeschnittenen Rand überhaupt abschaffen wollen, aber für die Tageslitteratur, die rasch in den Strom des täg lichen Lebens geworfen werde, sei er unpraktisch und un bequem. Besonderen Wert hat die Meinungsäußerung eines ge wissen A. C. Harmsworth, der Sammler schöner Bücher und selbst Leser und Verleger von Zeitungen und Magazinen ist. Er haßt als Sammler die mit der Maschine beschnittenen Bücher, ist aber als einer, dessen Lesen meist sehr schnell vor sich gehen muß, gezwungen, meistens beschnittene zu kaufen. Aus sorgfältiger Beobachtung weiß er, daß der Verkauf manches guten Buches durch seine unbeschnittenen Ränder beeinträchtigt worden ist. Von Zeitungen und Zeitschriften sei es bekannt, daß die zum Lesen fix und fertig gelieferten bald die »»beschnittenen Konkurrenzblätter geschlagen hätten, mit Ausnahme des Spectator, der, obwohl unbeschnitten, doch fortgesetzt und sogar rasch an Lesern zunehme. Aber Marston selbst gesteht, daß Tausende der Spectatorleser und er selbst es gern sehen würden, wenn beschnittene und unbeschnittene Exemplare ausgegeben würden. Nun kommt ein Sentimentaler, A. H Austin, der gesteht, man müsse doch nicht alles in Hast thun, man müsse doch auch gelegentlich etwas trödeln (to iäle), wie man sich ja auch zum Mittagessen mehr Zeit nehme snotabene, wer sich die Zeit dazu nehmen kannlj, und mancher Stunde habe er sich mit dem Papiermesser in der Hand erfreut, in der er sich ein litterarisches Fest bereitet habe. Schließlich meint er aber doch, es sei noch Raum für den Erzeuger schöner Bücher vorhanden, doch solle auch dem Hersteller billiger Bücher der seine nicht genommen werden R. G. Andrews glaubt, Magazine u. dergl. müßten be schnitten geliefert werden; aber wenn die Romane ebenso behandelt würden, wo sollten da die unbeschnittenen Exem plare der zukünftigen Thackerays und Dickens hergenommen werden. Nicht alle Menschen seien gehetzt, und man müsse auch auf diejenigen Rücksicht nehmen, die Muße haben — Daß die von Marston aufgeworfene Frage weite Kreise interessiert, zeigt sich daraus, daß sie nicht nur in Uublisbsrs' Oiroular ventiliert wird So z. B äußert sich in der Lall NaU (Zsrstts jemand dahin, jetzt sei die Zeit für Bücher käufer, sich zu erklären, ob beschnitten oder unbeschnitten; wenn sie es nicht thäten, sollten sie später den Mund halten, und wenn Marston selbst ja dazu sage, daß die unbeschnittenen Ränder verschwinden sollten, und ein oder zwei andere Verleger sich ihm anschlössen, so sei die Sache abgethan. Jetzt oder nie müsse sich der Bücherfreund entscheiden, wenn er überhaupt eine feste Ansicht habe, denn sein Schweigen werde unfehlbar als Zu stimmung zur allgemeinen Anwendung der Beschneidung an gesehen werden Ein anderer Korrespondent desselben Blattes schlägt vor, die Sortimenter sollten einmal eine bestimmte Zeit lang die Käufer nach ihren Ansichten befragen, diese notieren und die Zahlen den Verlegern Mitteilen. Sollten weder diese noch jene sich der Mühe unterziehen wollen, so bewiesen sie damit, daß ihnen die ganze Frage gleichgiltig sei. Auch ein Buchbinder, Th. Leighton, der aus fünfund zwanzigjähriger Erfahrung spricht, kommt zu Worte. Er meint, die großen Bibliotheken, öffentliche wie private, ver langten die Bücher unbeschnitten, das Leihbibliothekspublikum aber wolle sie beschnitten haben; aber, um es kurz zu sagen, Bücher, die ein langes Leben haben sollen, die auch nur die nächste Generation erreichen sollen, dürften nicht beschnitten werden, weil für späteres Umbinden ihre Ränder breit bleiben müßten. Daß die öffentlichen Bibliotheken aus diesem Grunde Freunde unbeschnittener, von den Dienern erst mühsam auf zuschneidender Bücher sein sollten, dürfte für Deutschland durchaus nicht gelten, auch kann ein vielgebrauchtes Buch getrost einmal gebunden und zweimal umgebunden werden, ohne daß der Text verletzt wird, wenn nämlich der Buchbinder Verstand anwendet und nur wenig beschneidet, nicht aber, wie es manche von ihnen in sinnloser Weise auch bei ganz neuen Werken zu thun belieben, darauf los säbelt. Bei modernen fortgesetzt gebrauchten Werken großer Bibliotheken, dürfte ein Umbinden nur etwa alle 20—25 Jahre nötig sein; aber wie viel solcher Werke giebt es denn, die nicht durch neue Auflagen oder verbesserte Werke ersetzt werden? Und dann: große Bibliotheken haben doch wohl so viel Mittel, daß sie ein schlecht gewordenes Exemplar eines Buches aus diesem Jahrhundert durch ein neugekauftes ersetzen können! Eigent lich könnte ja auch schon beim Druck auf die Möglichkeit künftigen Umbindens in der Weise Rücksicht genommen werden, daß man die Ränder von vornherein etwas breiter machte; aber das be!s allen Verlegern voraussichtlich viel zu gebrauchen der Werke durchzusetzen, dürfte freilich zu den Unmöglichkeiten gehören. Ganz richtige Gesichtspunkte deckt C. F. Towers auf. Er sagt, wenn er eine Sechs-Schilling-Novelle verkaufe, so werde er regelmäßig gefragt, ob er sie selbst gelesen habe. Leugne er, dies gethan zu haben, so werde der Käufer, falls es sich nicht um einen ganz bekannten Verfasser handle, stutzig und nehme leicht ein anderes Buch, während, wenn er dem Käufer auch nur eine leise Jnhaltsandeutung mit einer Empfehlung gebe, er das Buch fast stets verkaufe. — Und nun kommt noch ein sehr beachtenswertes Argument gegen
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