EIDNIO ^VVM80 vo^ »LKVLV Aus dem Inhalt des Romans: Als Tatmensch und Träumer, Herrscher, Liebender und Büßer ist Antonio Adv er so der Held einer Reihe auseinander hervorquellender Romane, die über den ganzen Raum eines Lebens, über die wechselnden Szenerien mehrerer Erdteile und über alle Stufen seelischer Problematik meisterhaft zu einem Ganzen gefügt sind. In das Dunkel einer rätselhaften, unbekannten Abkunft gehüllt, tritt im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts ein versonnener Knabe aus einem Kloster Italiens in den Strom des europäischen Lebens, just da dieser, von den Kaskaden der Französischen Revolution zer rissen, sich in das vielgliedrige Delta verzweigt, das wir als 19. Jahrhundert unserer Zeit kennen. Der Einbruch Bonapartes in die oberitalienischen Handelsstätten verschlägt ihn als jungen Kaufmann nach Euba. Der Zufall verwickelt ihn in die Roheiten und Verlockungen des Sklavenhandels und macht ihn zum Heern einer blühenden afrikanischen Kolonie. Kämpfe, Meutereien, wilde Liebesleiden- schaften, ein fast tödliches Fieber verwunden und stählen zugleich den zum Mann Reifenden,- eine Erb schaft seht ihn in den Besitz eines gewaltigen Vermögens, lockt ihn nach Europa zurück und gesellt ihn den führenden Köpfen der aus Kriegswirren aufsteigenden modernen plutokratie. Reben dem unerhörten weltlichen Aufstieg spinnt sich kaum wahrnehmbar, aber an einer Fülle lebens voll und geistreich gezeichneter Rebenfiguren verdeutlicht, der Faden der innermenschlichen Entwicklung des Helden. Ein unerschöpfliches Kaleidoskop von Landschaften, tragischen und komischen Geschicken, die Ratur des Meeres, des Urwalds, der Hochalpen, Völker, Städte und alle Spuren der tausend jährigen Geschichte Europas spiegeln sich in dem kühnen und doch feinfühligen Geist des Helden. Immer treibt es ihn vorwärts. Vermessene Spekulationen und Reugier reißen ihn vom spanischen Königshof, wohin ihn ein tollkühner Riesencoup der pariser Bankwelt verschlug, reißen ihn aus den Armen einer schon einmal verlassenen Geliebten und treiben ihn in die Reue Welt, das werdende Amerika. Wieder baut er, pflanzt, bereichert sich, wieder versucht er den unklaren Glauben an Menschlichkeit, den sich sein Parzivalherz dunkel bewahrt, zu verwirklichen. Eine Katastrophe zerstört sein ganzes Werk,- fast am Rande des Wahnsinns flieht er in die wildesten Bergwüsten. Jäger, Einsiedler, freiwilliger Robinson, gerät er in Mexiko in die Klauen eines grausamen Widersachers, in Kerker und jahrelange Erniedrigung. Befreit und falscher Lebensgier ledig, landet er Ln einsamer Höhe auf einem Bergdorf, das ihm und der wiedergefundenen Geliebten für Jahre guten, wachen Lebens Friedensberge wird. Die schier unübersehbare Fülle von Gestalten, Gedanken und Stimmungen, minutiösen kultur historischen Schilderungen, grausigen und grotesken Situationen ist vom tiefsinnigen Dichter in ein metaphysisch geordnetes Symbolgerüst so kühn und eigenartig verschweißt, daß bei aller lehrreichen historischen Treue und bei aller Willkür des Abenteuerlichen eine überzeitlich bedeutende Lebensschau erreicht wird. Von der Spannung des Kolportageromans bis zur Eindringlichkeit des religiösen Sinngedichts ist kein Mittel der Erschütterung unversucht gelassen, das dem genialen Amerikaner brauch bar schien, seinen faszinierenden Roman einem verwöhnten Publikum Ln Herz und Sinne zu tragen.