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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.12.1937
- Strukturtyp
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- 1937-12-23
- Erscheinungsdatum
- 23.12.1937
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mit der Nachwelt erhalten bleiben sollte. Im IS. Jahrhundert aber, vor die Wahl gestellt, welche Handschriften denn nun im Druck vervielfältigt werden sollten, da entschied die Menschheit nun nicht mehr lediglich nach ihrem Geschmack und ihren be sonderen literarischen Gesichtspunkten! Da fragte sich der Drucker eines Werkes vor allein: wie wird der Absatz sein, wenn ich diese oder jene Handschrift in den Buchdruck übertrage? Werde ich auf meine Kosten kommen, wer wird das Buch kau fen? Und an mancher uns heute kostbaren Handschrift ging der Drucker achtlos vorüber, mußte er vorübergehen, weil er sich sagte, daß mit dem Druck eines solchen Werkes kein Geschäft zu machen sei. Die Auswahl aus deni literarischen Vermächtnis an Hand schriften des Mittelalters wurde im wesentlichen also von mate riellen Rücksichten bestimmt. Ein Werk aber versprach unter allen Umständen einen guten geschäftlichen Erfolg: die Bibel. Und so ist der Bibeldruck zur Grundlage des Frühdruckes ge worden, wenigstens in Deutschland, wo in der Frühzeit die kirchliche Literatur dominiert, im Gegensatz zu Italien, wo im Frühdruck die weltliche, die klassische Literatur des Altertums, an der Spitze steht. All dies läßt sich deutlich an den in der Schausammlung des Deutschen Buchmuseums ausliegenden zahlreichen Inkunabeln ablesen, die, nach Ländern und Druckorten gruppiert, einen reichhaltigen Überblick über Auskommen und Entwicklung des Buchdrucks ermöglichen. Von den großformatigen Folianten der Frühzeit geht der Weg zu den immer handlicher werdenden Ausgaben der Gebet bücher, die als luvres ck'keures in Frankreich zu besonderer Blüte gelangen, zu den zierlichen Klassikerbändchcn des Aldus Manutius in Venedig, die in Lyon erfolgreich nachgcahmt wer den. Erfreulich schöne Proben kann das Deutsche Buchmuseum auf diesem Gebiete in seinen Schaukästen vorführen. Aber nur einmal hat der Buchdruck im 15. Jahrhundert eine bedeutsame Rolle als Massenhersteller von Drucksachen im Dienste einer Volksbewegung gespielt, und zwar auf italienischem Boden. Das war der Fall, als die Predigten des Bußpredigers Savonarola von allein Volk heiß begehrt waren und ebenso die Schriften, die sich gegen den heiligen Mann wandten und die schließlich seinen Tod begleiten. Denn erst im 16. Jahrhundert erfüllt der Buchdruck erst malig eine Weltmission, werden seine Pressen zur Brücke in eine neue Zeit: es ist der Buchdruck, der der Reformation Luthers zum Siege vcrhilft, der ins Angemessene steigende Druck von Flugschriften und Predigten der Reformatoren und ihrer Gegner, es ist der Bibeldruck, der nun in einem Umfange und in Auflagen cinsetzt, gegen den der Jnkunabel-Bibeldruck ver schwindend erscheint. An Lutherdrucken, Flugschriften und Bibeldrucken dieser be wegten Zeit kann das Deutsche Buchmuseum eine stattliche Reihe in seinen Vitrinen zeigen und eine gute Vorstellung von dem be schwingten Geistesleben der damaligen Zeit vermitteln. Nicht Schönheit der Druckwerke, wie in der Frühzeit des Buchdrucks, war das Ziel: sie massenhaft, im Eiltempo herzustellcn und ebenso zu vertreiben forderte die neue Zeit. Doch nicht ganz vergessen war die Kunst der alten Meister, die gar nicht anders gekonnt hatten, als ihre Bücher als Kunst werke zu gestalten. Einen Abglanz dieser Meisterwerke haben wir in den Büchern zu erblicken, die mit dem Namen des kunst sinnigen Kaisers Maximilian verbunden sind: dem Thcucrdank (den das Museum auf Pergament und Papier besitzt), dem Weiß- kunig, dem Freydall und dem Gebetbuch mit den Dürer- und Cranach-Zeichiiungen, das als Unikum in München liegt und das infolgedessen nur in einer mustergültigen Reproduktion ge zeigt werden kann. Für die folgenden Jahrhunderte reichen die Bestände des Museums zwar nicht immer aus, um in so weitgehendem Maße wie für die Frühdruckzeit die Geschichte des Buchdrucks nud der graphischen Künste zu belegen. Dennoch kann in dem Neubau noch vieles zum Schauen geboten werden, was gegen wärtig in der Bibliothek stehen muß. Das 17. Jahrhundert ist ohnedies für den deutschen Buchdruck nicht allzu ergiebig, erst im 18. Jahrhundert tauchen die großen Namen eines Breitkopf und Unger ans, von denen die Schausammlung des Museums man ches schöne Stück zeigen kann. Auch die übrigen Länder, Frank reich, Italien, England, Spanien sind mit ihren Meisterdruckern, die im 18. Jahrhundert wirkten, vertreten. Für das von zahlreichen Forschern immer wieder gepflegte Gebiet der Bucheinbandsorschung steht im Museum die wertvolle Becher-Bucheinbandsammlung zur Verfügung, für den Zeugdruck die Forrersche Sammlung. Diese, sowie die Papiersammlung Bartsch-Seegers und andere geschlossene Sammlungen werden in den neuen Räumen des Museums zur Geltung kommen und der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Alfred Huggenberger Zu seinem siebzigsten Geburtstage am 26. Dezember Als vor kurzem dem Schweizer Dichter Alfred Huggen berger der Hebel-Preis des Badischen Unterrichtsministeriums, gestiftet für wertvolle Leistungen des oberrheinischen Schrift tums ohne Ansehung der Ländergrenzen, verliehen wurde, mußte sich der Dichter zugleich mit den Worten des Dankes für die Anerkennung seines Werkes gegen gewisse Kreise wenden, die glaubten, ihn vor der Annahme eines deutschen Dichterpreises zurückhalten zu müssen. Abgesehen von allen anderen Gründen wies der Dichter in seiner Erklärung darauf hin, daß es gerade Deutschland gewesen sei, wo sein Werk gefördert und bekannt gemacht und seine Bücher gelesen wurden. Diese Feststellung Huggenbergers erhellt seinen Charakter: Alfred Huggenberger war Zeit seines Lebens Bauer, der seinen eigenen Grund und Boden bebaute; daß er daneben noch zum Dichter wurde, war ihm Gnade; sie an das Volk, zu dem er schicksals- und blutmäßig gehörte, weiterzugebcn, wurde ihm zur Lebensaufgabe. Und da das Volk ihn hörte, war es dem Bauern und Dichter Huggen berger, dem einfachen und aufrechten Menschen, eine Selbstver ständlichkeit, sich in Dantbarkeit und Treue zu diesem Volk zu bekennen. Huggenberger besitzt in sich die Kraft, Bauer und Dichter zugleich zu sein. Er lebt und arbeitet noch heute aus seinem eige nen bäuerlichen Anwesen in Gerlikon bei Frauenfeld. Seine Heimat ist das »hügelige, waldreiche Gelände zwischen der untern Thur und den Ausläufern der Alpstcinkette«, das von Aleman nen bewohnt ist. Nach harter, entbehrungsreicher Jugendzeit voll ungestillter Sehnsucht — er durste nur die Volksschule be suchen — sucht er in zähen, heimlichen Studien, die er dem Sonntag und den langen Winterabenden abringt, weiterzu kommen. Da interessieren ihn neben den Werken der schönen Literatur vor allen Dingen kulturgeschichtliche Untersuchungen. Aber Huggenberger hat daneben seine Arbeit am Boden nicht versäumt, ja er hat es neben der vielen Arbeit, die das Jahr dem Bauern bringt, fcrtiggebracht, eine größere Fläche Sumpflandes urbar zu machen. In seinen dichterischen Versu chen findet er bei aller Arbeit aber immer wieder einen »heim lich-süßen Trost«. Und bald treibt den Bauernmenschen Huggen berger »das tiefe Verlangen, von seinem heimlichen Erleben anderen etwas mitzuteilen«, zum Schreiben. Und so wird er zum Dichter des Bauerntums; Bauernwerk, dörfliches Leben wird zum Vorwurf seiner Dichtung, die so einfach, phrascnlos, so voll Tiefe und Wärme bäuerliches Leben darstellt, weil sie ganz aus eigenem Erleben schöpft. Die Menschen des Dorfes, seine Männer, Frauen und Mädchen, deren Leben und Schicksal eng verbunden ist mit der Erde, die sic liebend und vertrauend lKortsetzung siehe Seite lütt!) 1014 Nr. WS/W7 Donnerstag, den 2S. Dej-mber 1S37
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