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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.01.1940
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- 1940-01-06
- Erscheinungsdatum
- 06.01.1940
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- Deutsch
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unseres Volkes aufnimmt und weiterträgt. Aus dieser Doppel- feitigkeit gehen die ebenso großen wie schweren methodischen Aufgaben hervor, die dem Literaturunterricht an der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt sein besonderes Gepräge verleihen. Es muß auch hier wieder gesagt werden, daß die Literatur kenntnis des Buchhändlers sich nicht in einer umfassenden Titelkenntnis erschöpfen darf, wie es manche Männer der Praxis, wenn sie den buchhändlerischen Nachwuchs nur darnach beurteilen, beinahe zu wünschen scheinen. Nein, der Überblick des Buchhändlers darf nicht gleichbedeutend mit dem Überblicken von Bücherregalen sein, er muß eine große geistige Schau darstellen. Daß die Lehre in jedem Falle allein genüge, um diese Schau zu vermitteln, kann füglich bezweifelt werden. Der Hinweis auf die bedeutenden Männer des deutschen Buch handels, die sich aus eigenen Kräften zu dem entwickelt haben, was sie geworden sind: zu überragenden geistigen Führern des Volkes, dieser Hinweis ist heute aus den verschiedensten Grün den kaum mehr berechtigt. Die Schule muß schon auch auf diesem Gebiete den wesentlichen Teil der Ausbildung der jungen Buch händler übernehmen, und aus dem gleichen Grunde erscheint auch im penen Lehrplan das erstemal im Anschluß an die Deutsche Literatur die Deutsche Stilkunde, die der Er arbeitung und Anwendung verläßlicher Wcrtmaßstäbe zur Be urteilung des Schrifttums dienen soll. Sie beginnt mit einem theoretisch-vorbereitenden Teil, in dem die Begriffe und Grund sätze erarbeitet werden, die bei der Wertung von Schriftwerken zugrunde zu legen sind; im zweiten Teil, im praktisch-anwenden- den, wird das im ersten Erarbeitete dann in Buchbesprechungen und anderen buchhändlerischen Arbeiten, bei denen cs auf Wer tung nnkommt, geübt und erprobt. Gleichzeitig stellt dieses Fach eine Art Deutschunterricht für den Buchhändler dar. Sinn und Methode dieses meiner Ansicht nach bedeutungsvollen Faches genauer darzustellen, würde nur im Rahmen eines besonderen Aufsatzes möglich sein. Was von der Litcraturkunde gesagt worden ist, gilt natür lich auch von dem verwandten Fache der Weltliteratur, die eine übersichtliche Kenntnis von der Dichtung der großen Kulturvölker in Vergangenheit und Gegenwart, einen Einblick in die Beziehungen zum deutschen Schrifttum und zum deutschen Buchhandel und die Kenntnis der wichtigsten Übersetzungen ver mitteln will. Zur Vertiefung dieses Faches dienen die Wahl fächer Englisch und Französisch. Das Latein, das ebenfalls in einem wahlfreien Kurse betrieben wird, kommt in gleicher Weise der deutschen Literatur, der Weltliteratur und der Wissenschaftskunde zugute, hat aber neben diesem dienenden noch einen eigenen Zweck, indem es dem jungen Antiqua- riatsbuch Händler das unentbehrlichste sprachliche Rüst zeug für einen großen Teil seiner Tätigkeit liefert. Auch kunst- und musilgeschichtliche Kenntnisse sind für den Buchhändler, dem ja immer wieder Themen aus diesen Gebieten begegnen, unbedingt nötig; über den allgemeinen buchhändleri- schen Zweck hinaus haben es diese beiden Fächer im besonderen auf den Buchhändler abgesehen, der sich ausschließlich oder vor zugsweise dem Kunst - oder dem Musikalien Handel zu wenden will. Bedeutungsvoll ist auch das Fach der W i s sen sch a f ts - künde, die in die »Kenntnis der Hauptlinien kultureller Ent wicklung und des Standes der Wissenschaften in der Gegenwart einführcn, einen systematischen Überblick über die Wissenschaften geben und die wichtigsten Fachausdrücke» erarbeiten will, die der mit wissenschaftlicher Literatur Umgehende unbedingt braucht. Natürlich wird — wie in allen Fächern — auch hier die wesent liche ältere und neuere Literatur zu den einzelnen Wissen schaftsgebieten besprochen, werden die führenden Berlage be handelt und wird überhaupt bei der Auswahl des aus dem ungeheuren Stoffbereich Darzubietendcn auf die gleichzeitige unmittelbare Verwendbarkeit der größte Wert gelegt. Aber weder die bcrufstechnische Tüchtigkeit, noch die Sicher heit in Wissen und Urteilen machen — allein oder gemeinsam — den Buchhändler, den unser Volk braucht, aus. Er muß mit jedem Anschlag auf der Maschine bei der Erledigung seines Schriftwechsels, in jeder Gebärde über den Ladentisch hin, wäh rend jeder stillen nächtlichen Lesung einer Handschrift oder eines Druckwerkes, von den Grundgesetzen geleitet sein, nach denen sich das gesamte Volk vorwärtsbewegt: und darf sich dabei nicht nur seinem eigenen ursprünglichen Trieb überlassen, sondern muß diese Grundgesetze auch klar erkannt haben, um mit äußer ster Bewußtheit und Wachsamkeit ihnen gemäß handeln zu kön nen. Dies zu erreichen, ist dem Fache der Staats- und Wirtschaftskunde aufgegeben, das aber ebenso wie die vorhergenanntcn nicht nur normativen, sondern im gleichen Maße Praktischen Charakter hat, wie aus seiner Zielsetzung deut lich wird, nach der cs nicht nur »Kenntnis vom Werden und Verständnis für das Wesen des neuen Staates Mit seiner Kultur und Wirtschaft» erwecken und den jungen Buchhändler »zur tätigen Mitarbeit an der inneren Ausgcstaltnng des Dritten Reiches« erziehen, sondern auch einen »Einblick in das staats politische, wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftspolitische Schrifttum» übermitteln will. Der Staats- und Wirtschaftskunde tritt als neues Fach die Kulturpolitische Berufskunde zur Seite. Sie hat die Stellung des Buchhandels im Gesamtkulturlebcn der Nation darzulegen, dessen nach den Grundgesetzen der völkischen Gemeinschaft aufgestellte Organisation zu betrachten und die sich bei diesen Betrachtungen ergebenden Folgerungen festzu stellen, die alle in die »Erziehung zur besonderen Verantwor tung des Buchhändlers als Kulturmittlers» münden. Wenn in dem Lehrplan der Geschichte des Buch handels als Ziel auch das »Erfassen der Bedeutung des Buchhandels für die gesamte geistige und volkliche Entwicklung Deutschlands» erscheint, so ist damit deutlich auf die kulturelle Grundlage auch dieses Faches hingewicscn, obwohl es auch die heutigen Betriebsformen und die heutige Organisation des Buchhandels geschichtlich verständlich zu machen hat. Daß die »Darstellung van Berufsbildern großer deutscher Buchhändler« einen großen Raum in diesem Fache cinnimmt, ist nicht einem Grundsatz neuester Geschichtsdarstellung zuznschreiben, sondern liegt in der Geschichte des Buchhandels selber begründet. Damit schließt sich der Kreis, der von den hauptsächlich technisch bildenden Fächern ausging und bei den hauptsächlich kulturell bildenden endete. (Der Lehrplan selbst geht den um gekehrten Weg.) Hauptsächlich: das muß noch einmal hcr- vorgehoben werden. Denn keines von den Fächern sieht es nur auf dies oder jenes ab, jedem wohnt ein unmittelbar berufs bezogener und ein über das nichts als Praktische hinausgehender Zweck inue. Und nur so kann die Bildung des Buchhändlers beschaffen sein: den praktischen Bedürfnissen zugewandt, aber gleichzeitig die unvergänglichen geistigen Werte des Vol kes umschließend. Auch die Sonderveranstaltungen der Schule be rücksichtigen beides. Der Unterricht, der teils in Form von Vor lesungen, teils in Form von Arbeitsgemeinschaften abgehalten wird, wird ergänzt und verliest durch Vorträge von Persönlich keiten aus Staat, Partei und Beruf, durch Besichtigungen von buchhändlerischen und buchgewerblichen Betrieben, Büchereien, Ausstellungen und wichtigen Kultureinrichtungen. In größerer Zahl finden Dichterlesungen vor den Schülern der Anstalt statt. Studienreisen führen zu den Kulturstätten Mitteldeutschlands (Weimar-Jena, Naumburg, Dresden usw,). Das erstrebte Ziel der gesamten schulischen und der ergän zenden und weiterbildendcn beruflichen Erziehung ist die Ber einigung der Praktischen und idealen Seite der Ausbildung: am Ende steht das Bild des Buchhändlers, bei dem die geschäftliche Tüchtigkeit dem kulturellen Wirken Vor schub leistet, dessen Einsatz für den kulturellen Fortschritt des Volkes alles Geschäftliche durchdringt und fördert. Daß die Schule au der Heranbildung eines so gearteten Nachwuchses mithelfen will, zeigt ihr Lehrplan. Es ist ihr Wunsch, diesen Willen auf breitester Front ein setzen zu können; wie sic hofft, zum Wöhle des gan zen Berufsstandes und des gesamten deutschen Volkes. vr. Karl Martin Schiller «
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