98, 29. April 1930. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d.Dtschn.Buchhandel. 3463 Muttel Dehni/ Aus einem reichen Leben von Margarethe Wolfs kumpslstilrcken urteilt über Muttel Dehm öie Mutter 6er Heimarbeiterinnen: „Je mehr man als moderner Großstädter mit sogenannten mondänen Frauen zu tun hat, desto größer wird in einem die stille Sehnsucht nach einem weiblichen Wesen ganz alter Art. Das war Muttel Behm. Noch ganz Friedensware. Dabei aber bei leibe nicht von jener unausstehlichen Sanftheit, die uns bei manchen ,christlichen^ Damen so auf die Nerven fällt, sondern quicklebendig. Genau so quicklebendig ist das Buch, das nun Margarethe Wolff, ihre Freundin und Mitarbeiterin, über fie geschrieben hat. Wer je unter Muttel Behms bittendem Blick aufgetaut ist, wer je an ihrer Glockenstimme sich erwärmt hat, der kauft sich sicher das Buch; denn da steht sie wieder höchst persönlich da. Aber man kann Margarethe WolffS Buch auch ganz Fremden schenken, jeder Frau, jedem Mann, jedem Heranwachsenden jungen Menschen, und sie alle werden in seinem Zauber gefangen sein.... Manches Erheiternde oder Erschütternde aus dem Leben der sechzehnjährigen GutStochtec oder der späteren Volksschullehrerin kannte ich noch nicht. Aus den letzten Jahren, wo Muttel Behm Reichstagsabgeordnete und Leiterin des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen war, weiß ich aber den und jenen schalkhast-liebenswürdigen Zug, der noch in das Buch hineinkönnte. Einmal wirft sich die tapfere kleine Frau mit dem silbernen Scheitel zwischen kämpfende, hand greiflich gewordene Gruppen von links und von rechts, wird unsanft angepackt, ihre Brosche fliegt in hohem Bogen davon. Ich frage sie nachher, was sie in der Minute gefühlt habe. Und Muttel Behm antwortet köstlich-ehrlich: ,Angst hatte ich um mich nicht, aber um meine neue braunseidene Bluseft Man möchte nicht eine Zeile aus Margarethe WolffS Buch missen.... Die Erzählung ist schmucklos, schlicht, vielleicht sogar ein bißchen verkramt, wie bei jedem von uns zu Hause Müllers Näh tisch war. Trotzdem ist es eine der besten Lebensbeschreibungen der letzten Zeit geworden. Weil es sich um eine kostbare Seltenheit der Spezies Frau handelt. Man hat die,Altmodisch/ gelegentlich belächelt, aber geachtet war sie selbst bei den Knallroten. Und als sie im vorigen Jahre heimging, da trauerten Ergriffene vom Kaiserhaus bis zum Armeleutsquartier." Es erschienen soeben: Line gebunöene Geschenkausgabe: 144 Seiten 8° mit 8 Bildtafeln schön in Leinen gebunden M. 4.— Line kartonierte Geschenkausgabe: 144 Seiten 8° mit 8 Bildtafeln in Pappe geheftet M. Z.2O Line sogenannte Gewerkschastsausgabe: 144 Seiten 8° mit einem Titelbild genutet M. 1.80 Diese «Gewerkschastsausgabe" wurde in erster Linie für die Mitglieder des Gewerkvcreins der Heimarbeiterinnen veranstaltet, ist aber zu den im Bestellzettel verzeichnten Bedingungen auch durch den Buchhandel zu beziehen. T Ft i ft u n g s v e r l a g in Potsöam