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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.07.1935
- Strukturtyp
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- 1935-07-27
- Erscheinungsdatum
- 27.07.1935
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- Deutsch
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X- 172, 27. Juli 1935. Redaktioneller Teil. vvrseoblatt f. d. Dtscha BuchhanLel. Dokumenten dieser Art'). Die Preußische Staatsbibliothek ließ in diesen Jahren keinen ihrer so aufschlußreichen Jahresberichte hinausgehen ohne einen nachdrücklichen Hinweis auf diese für alle Zukunft drohenden Gefahren. -Die Grenze der Einschränkung ist nicht nur erreicht, sondern überschritten... Wird die Stetigkeit erneut in Frage gestellt, so entstehen Schäden, die zu beheben auch in Zukunft nicht möglich fein wird», so klagte der Generaldirektor in seinen Begleitworten zum Jahresbericht für 1831'), und über die reine Etatsrage weit hinausgreifend meldete er, auf das Jahr 1932 zurückblickend, den Anspruch der Bibliotheken an'): »Die Bibliotheken als die miltragenden Teile jeder geistigen Bewegung müssen mit Zuversicht darauf vertrauen, daß sie in der neuen Gestaltung des Rahmens für das Leben des deutschen Volkes einen Platz finden, der es ihnen ermöglicht, ihre Leistung voll zu ent falten und an ihrem Teile sich voll einzusetzen für die hohen Aus gaben, die dem deutschen Volke gestellt sind». Es ist Wohl nicht nötig, die hohe Einschätzung der kulturellen Aufgaben im ganzen, wie sie aus Adolf Hitlers Nürnberger Kulturrcde spricht'), noch ausführlich neben diese Zeugnisse der kulturellen Notlage zu stellen. Der -Besinnung auf die bessere Mission und höhere Würde» der Menschheit, um die sich alle Gutgesinnten bemühen, dienen auch Buch und Bibliotheken. Der Zusammenhang zwischen der geistigen Wirkung, die das Buch ausübt, und den wirtschaftlichen Grundlagen, die sein Er scheinen ermöglichen, ist gerade hier von einer so erschreckenden Unmittelbarkeit, wie sie in ähnlichen Fällen selten zu finden ist. Das bedeutet aber in der heutigen Lage, daß nicht mit einem all mählichen Nachlassen, sondern mit einem plötzlichen Abbrechen wissenschaftlicher Buchkultur zu rechnen ist, wenn nicht durch um fassende Hilfe ein Ausgleich der ins Unerträgliche gewachsenen Spannung herbeigeführt wird. Schon seit langem ist an die Stelle des bücherkaufenden Gelehrten in weitem Umfang die öffentliche Bibliothek getreten; nicht nur wirtschaftliche Schwierigkeiten im Haushalt des Gelehrten in einem früher kaum bekannten Ausmaß haben diese Entwicklung beeinflußt, sondern auch der wachsende Umfang der für ein noch so enges Fachgebiet benötigten Literatur (der Gelehrte muß ja auch die früheren Erscheinungen in seinen Anschasfungsetat einsetzen). Die Bibliothek war für den Gelehrten eine immer wichtigere Reserve für seinen Buchbedars; sie war gleichzeitig der Käufer, mit dem der Buchhandel auch noch und sogar noch sicherer als vorher rechnen konnte, als der Einzelläufer immer schwankender als Kunde wurde. Die Bedeutung der öffent lichen Bibliothek für Forschung und Buchhandel wuchs in gleichem Maße, wie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wuchsen. Um so empfindlicher mußten sich die Schädigungen nach beiden Seiten hin auswirken, wenn die für Anschaffungen verfügbaren Mittel nicht im richtigen Verhältnis zu den Neuerscheinungen blieben. Die Not zwang dazu, den Bibliotheken immer weniger zu geben anstatt mehr, wie es der Vergrößerung ihres Pflichtenkreises ent sprechend gewesen wäre. Dazu kam die Überteuerung der wissen schaftlichen Zeitschriften teils als ein Anlaß zu diesen Nöten, teils als Folge der notwendigen Auflage-Verkleinerung; sie brachte einen starken Ausfall an Auslandkundschaft, so daß die Kalkula tionsbasis sich immer mehr verschmälern mußte; es kamen weiter dazu die Erschütterungen einer Zeit, die neben dem großen politischen Tageserleben der in der Stille gedeihenden geistigen Arbeit nur noch wenig Raum lassen durfte"), »> Abgedruckt: Zentralbl. f. Bibliothekswesen 49 <1932), S. 410, Börsenblatt 1W2, S. 474. "> Jahresbericht der Preuß. Staatsbibliothek s. 1931, Berlin 1932, S. 8. ') Ebda f. 1932, Berlin 1983, Vorwort. °) Adolf Hitler, Die Kunst im Dienst« der Wiedergeburt des deut schen Volkes. <J»> Druck der Leipziger Akademie S. 23.) ") Die Landesbibliothek in Dresden weiß von einem 2ü»/»igen Rückgang der Benutzung (dem ersten Rückgang seit vierzehn Jahren) zu berichten. Tie neuesten Zahlen für Preußen <1933) melden 31°/» Rückgang der Lesesaalbesucher an der Preußischen Staats bibliothek, 20»/» bei den Universitätsbibliotheken <Zentralblatt s. Bibliothekswesen 52, 1935, S. 89). 814 es kamen die Boykotterscheinungen gegen deutsche Wissen schaft, die auf dem Zeitschristenmarkt recht spürbar waren; die starken Wandlungen auf dem Gebiet des Zeitschriftenverlages brachten Unruhe und Unsicherheit'); auch der Buchverlag war durch unerwarteten Ausfall, durch notwendige Umstellungen und den nötigen Kapitaleinsatz für riskante neue Unternehmungen stark beeinträchtigt. Auch die Abwendung des Studenten vom gekauften Buch machte sich dem wissenschaftlichen Verleger fühl bar"). Die Gefahr, die als Folge all dieser Erscheinungen und eines weiteren Verfalls der wissenschaftlichen Verlagsproduktion im Anzug war, drückte eine buchhändlerische Stimme zur Denk schrift des Verlegervereins über das Sofortprogramm des Börsen- vercins in dem Satze aus: »Ärzte, Richter, Lehrer ohne genügende wissenschaftliche Ausbildung müssen als Gefahr für die deutsche Zukunft betrachtet werden»»). Unter all den Erscheinungen, die so das deutsche wissen- schastliche Buch bedrohen und damit der deutschen Wissenschaft eine ernste Sorge sein müssen, weil die Wissenschaft selbst bedroht ist, wenn der wissenschaftliche Verlag nicht mehr leistungssähig bleiben kann'»), ist es eine der bedenklichsten, daß auch die Biblio theken kein sicherer Faktor in der Kalkulation des Verlages mehr sein können, solange nicht eine wesentliche Aufbesserung der An schaffungsetats erfolgt. Es ist so viel nachzuholen, so viel an Lücken der letzten Jahre aufzufüllen, daß ein Hinweis auf das augenblickliche Nachlassen der wissenschaftlichen Buchproduktion schon damit zu entkräften ist, wenn man nicht den Beweis an- Ireten will, daß dieses Nachlassen gerade durch die ungenügenden Etatmittel der Bibliotheken mit verschuldet wird. Die Auswegs, welche die Bibliotheken haben finden müssen, sind nachgerade bis zur Grenze beschritten; der Gedanke des deutschen Leihverkehrs darf nicht dahin übertrieben werden, daß man mit Hilfe einer glänzenden Organisation für das Vorhandensein eines Buches in einer deutschen Bibliothek sorgt; denn damit ist in der Regel der Bedarf nicht gedeckt. Der Sinn des Leihverkehrs kann für die Anschafsungspolitik der Bibliotheken nur der sein, eine der voraus sichtlichen Benutzung entsprechende dichtere oder weitere Streuung der an den Bibliotheken insgesamt im Rahmen ihrer Mittel und ihrer Sonderausgaben anzuschaffenden Exemplare zu bewirken, die in gegenseitigem Ausgleich da zur Verfügung gestellt werden, wo sie gerade benötigt sind. Die Maßnahmen der großen Biblio theken gegen ihre allzu starke Entblößung im Leihverkehr müssen zu denken geben"), ebenso wie die statistischen Zahlen über die bei Bestellung verliehenen Werke. In einem Land mit solch eng maschiger wissenschaftlicher Organisation, wie es Deutschland ist, darf eine gewisse Dichte des in öffentlichen Bibliotheken zur Ver fügung stehenden Bücherbestandes ohne Gefährdung dieser Orga nisation einfach nicht unterschritten werden. Wo die Grenze für diese Dichte liegt, erleben wir gerade jetzt in den Gefahren, die ihre Nichtachtung heraufbeschwört. Es wäre eine lohnende Aus gabe, sie auch einmal in Zahlwerten für bestimmte Literatur- gruppcn festzustellcn. Eine einheitlich geführte Anschaffungspolitik der wissenschaftlichen Bibliotheken könnte daraus große Vorteile ziehen. Und der Buchhandel, dem die rigorose Sparpolitik der Bibliotheken schon so viele Enttäuschungen gebracht hat, könnt« solchen Angaben Richtlinien entnehmen, welchen Absatz er bei den Bibliotheken zu erwarten hat. «Schluß folgt.) ') Die Post hat nach Titel und Stückzahl im Jahre 1933 um ein Sechstel Zeitschriften weniger befördert. »> O. Siebeck, Die Aussichten des wissenschaftlichen Berlages in Deutschland. Börsenblatt f. d. Dt. Buchhandel 1933, Nr. 211. »> Ebenda 1933, S. 471. '»> Br. Hauff, Die Aufgaben des wissenschaftlichen Verlages für die Weltgeltung des deutschen wissenschastl. Buches. Vortrag . . . Leipzig 1931. "> In Berlin ist bas Verhältnis der von auswärts entliehenen Bände zu den nach auswärts verliehenen wie 1:11, in Dresden wie 1:14, in München wie 1: 27 <alles für 1932/33).
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