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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.06.1935
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1935-06-11
- Erscheinungsdatum
- 11.06.1935
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- Deutsch
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x° 132, 11. Juni 1935. Redaktioneller Teil. «itrsinilatt s. d.Dtschn. Buchhandel. Das besprochene Buch / Was sagt der Buchverleger*) Von Karl THulke, Verlagsleiter des Brunnen-Verlages Willi Bischoff Mit großem Interesse verfolgt der Verleger die Auseinander setzung über bas Thema »Das besprochene Buch«. Wenn er dazu Stellung nimmt, so weiß er -wohl die juristischen Grundsätze, die bas Verhältnis von Zeitungsverieger und Schriftleiter bestimmen, zu würdigen. Dennoch müssen wir von vornherein klarstelien, daß der Verleger zu diesem Thema nur dann sprechen kann, wenn man ihm gestattet, von der kulturpolitischen Verantwortung auszugehen, die nicht nur die Arbeit der Presse bestimmt, sondern auch die Grund lage verlegerischen und buchhändlerischen Wirkens ist. Die Aufgabe des deutschen Verlegers, der in einer ganz eigenen Art di« Spannung zwischen kultureller Verantwortung, kulturpoliti schem Wollen und wirtschaftlichen Bedingtheiten in sich austragen muß, wird leider von seinem großen Bruder, der Presse, und vom Werberat der deutschen Wirtschaft noch nicht deutlich gesehen. Nur daraus können wir uns erklären, baß dort, wo die Zusammenarbeit zwischen Presse und Buchhandel von kulturellen Zielsetzungen bestimmt sein muß, allzuoft die w i r t s ch a s t l i ch « Seite des Buch handels überschätzt wird. Wer den Buchhandel kennt, weiß auch, baß !m allgemeinen wirtschaftliche Reichtümer in ihm nicht erworben werden können, wenn der Buchhändler bzw. Verleger seiner kulturpolitischen Aufgabe treu ist. Er wird sich eingestehen müssen, daß ein Teil der Bestimmungen über das Verhältnis Presse — Buchhandel diesen ver antwortungsbewußten Verlegern und Buchhändlern die Arbeit noch schwerer macht. Da heute aber durch bas Kulturkammergesetz gerade diesen verantwortungsbewußten Kräften das Rückgrat gestärkt wird und die ungeeigneten ausgeschaltet werden, trifst man mit diesen Härten die gesamte verlegerische und buchhändlerische Einsatz bereitschaft. Man muß schon die Geschichte des deutschen Buchhandels kennen, um die Notwendigkeiten seines Zusammenschlusses zu übersehen. Als durch Friedrich Perthes der Börsenverein der Deutschen Buchhändler feste Gestalt annahm, da war das eben nicht nur um der wirtschaft lichen Zusammenfassung willen, sondern um der kulturellen Wirk samkeit eine größere Schlagkraft zu geben. Die Schrift von Perthes »Der deutsche Buchhandel als Bedingung des Dascyns einer deutschen Literatur« ist auch heute noch ein wichtiges Dokument, selbst wenn wir manche Entgleisungen des Buchhandels in der Zwischenzeit nicht vergessen. Heute noch mehr als damals muß der Verleger und Buch händler als ein Treuhänder der Werte des Schrifttums und als ein Erzieher zur inneren Wahrhaftigkeit wirken. Nicht ohne Grund spricht man bei dem Erscheinen manchen Buches von einem Ereignis. Des Führers Buch »Mein Kampf«, Rosenbergs »Mythus«, Hans Grimms »Volk ohne Raum« usw. waren Ereignisse, nicht nur auf dem Buchmarkt, sondern für das Leben des ganzen Volkes. Mit Recht hat der »Völkische Beobachter« diese Ereignisse in derselben Form gewürdigt, wie man im allgemeinen nur politische Ereignisse in der Presse behandelt. Es ist nicht eine Bitte oder ein Wunsch des Buchhandels, daß diesem vorbildlichen Beispiel in der ganzen deutschen Presse stärker noch als bisher nachgeeifert würde. Der Verleger äußert diesen Wunsch nur deshalb, weil er sich heute mehr denn se der Notwendigkeit und der Tragweite seines Wirkens bewußt ist. Das Buch ist nur eine Form zur Übermittlung des geisti gen und künstlerischen Gutes unseres Volkes. Es liegt Verfasser und Verleger gleichviel daran, baß cs wirksam werde. Wenn der Verleger es nun als Besprechungsstllck versendet, so kann dabei immer nur der Impuls entscheidend sein: Wie kann ich dieser künstle rischen und geistigen Kraft zur größten Wirksamkeit verhelsen? Für Autor und Verlag ist nicht wichtig, baß bas Buch in der Presse registriert wird, sondern einzig und allein bedeutsam, daß ein Mensch — in diesem Fall« der Schriftleiter — auf seinem Arbeits gebiet in der Presse aus der gleichen kulturpolitischen Haltung heraus Stellung nimmt zu dem geistigen oder künstlerischen Gehalt des Buches. Aber daran haben nicht nur Schöpfer und Mittler ein Interesse, sondern danach verlangt das ganze deutsche Volk, genau so wie es sich mit den staatlichen und politischen Ereignissen der Nation beschäftigt. Nur von hier aus kann man erkennen, daß die einzelnen Teile einer Zeitung zwar in ihrem Wert verschieden sein können, aber doch notwendig sind. Man muh es auch wagen, die Bedeutung der einzelnen Teile richtig einzuschätzen. Ohne Frage überragt alles das Politische. Aber was steht dem Politischen näher als das Kulturpolitische? Wir weisen nur noch einmal auf die vorbildliche Haltung des »Völkischen Beob *) Dieser Aufsatz des Leiters der Fachschast Angestellte ist zuerst In der »Deutschen Presse« Hest Lü erschienen, die in den vorher gehenden Heften mehrere andere Aussätze zu dem gleichen Thema veröffentlicht hat. D. Schriftl. 470 achters« hin, um ganz deutlich zu zeigen, was wir hiermit meinen. Nicht jedes Buch ist wichtig, aber das wichtige Buch muß auch Inder Presse im richtigen Rahmen behandelt werden; wenn es daraus ankommt, auch auf der ersten Seit«. Angesichts dieser Selbstverständlichkeiten ist cs nicht zu verstehen, wie der Zeitungsoerleger sich ein Recht sichern wollte auf ein Bc- sprechungsstück, mit dem sich einer seiner Schriftleiter eingehend aus einandergesetzt hat. Es ist einfach falsch gedacht, daß die Be sprechungen in den Zeitungen etwa durch die Überlassung des Be sprechungsstückes an den Zeitungsverleger gewissermaßen bezahlt werden müßten, denn darauf läuft es schließlich hinaus. Aber der Besprecher hat ein Recht darauf, das Buch sich anzueignen, weil er sich damit geistig ausein- anbergesetzt und es so eigentlich sich erworben hat. So also ist das Besprechungsstück keine wirtschaftliche Ange legenheit, sondern der Gegenstand einer geistigen Auseinander setzung. Ob es sich um Fürsprache oder Ablehnung handelt, immer geht es darum, die geistige Wirksamkeit eines Buches zu fördern oder einzudämmen, und es ist heute sehr wichtig, daß gerade die fördernden Besprechungen und Aussätze sich zum Besten unserer deutschen Kultur so stark wie möglich auswirken können. Jeder, der mit dem Buch zu tun hat, weiß, wie eng damit Verlag und Preis verknüpft sind. Man spricht auch heute vom Gesicht der Verlage. Es wäre für den Eingeweihten nicht möglich, ernsthaft zu glauben, daß die Presse diese Zusammenhänge nicht verstehen könne, wenn nicht schon An ordnungen und Äußerungen in dieser Hinsicht vorlägen. Man sieht vollständig an den Gegebenheiten der verlegerischen Aufgabe vorbei, wenn bestimmt wird, daß Tageszeitungen die Preise der Bücher fortlassen müssen, weil dadurch dem Zeitungsverlag Buchanzeigen verlorengingen. Man hat die Verbundenheit des geistig und künst lerisch Schaffenden mit seinem Mittler, dem Verleger und Buch händler, noch nicht begriffen, wenn »Buchbesprechungen mit Angabe des Verlages« als »zulässig« erklärt werden. Verfasser, Buchtitel und Verlag gehören zusammen, und ohne die Angabe des Preises ist die Buchbesprechung, man kann schon sagen, wertlos. Immer muß man sich vor Augen halten, daß ja die Buchbesprechung nicht da ist um ihres Versassers oder um ihrer schönen Form willen, sondern daß sie bewußt eben Förderung oder Ablehnung eines geistigen oder künstlerischen Ereignisses ist. Da die deutsche Presse und der deutsche Zeitungsverlag zur politischen und kulturpolitischen Verantwortlich keit stehen, müssen sie auch diese kulturpolitische Leistung ganz tun. vr. Hunke hat einmal in einer Rede an den Buchhandel sehr deutlich die kulturpolitische Verantwortung des Buchhändlers heraus gestrichen und deutlich gesagt, daß dieses Kulturpolitische in der Arbeit des Buchhändlers den größten Teil und das Wirtschaftliche nur den kleinsten Teil einnehme. Sowohl der Zeitungsverleger wie der Werbe rat der deutschen Wirtschaft werden, wenn sie diese Worte vr. Hunkes beherzigen, von selbst dazu kommen, di« Lage des Buchverlegers gegenüber der Presse so zu sehen, wie sie allein gesehen werben kann. Wenn z. B. bei Büchern nur eine einmalige Würdigung ge bracht werden darf, so bevormundet man damit jene am deutschen kulturellen Leben arbeitenden Menschen und auch die Schriftleiter, die ans Bcrantwortungsbewußtsein um des Volkes und der Nation willen das Wertvolle nach Kräften stützen und fördern wollen. Genau so verhält cs sich, wenn man die Vorankündigungen deutscher Berlage Im Textteil sllr unzulässig erklären will, oder es nicht gestattet, daß Lese- und Dichterabende in der Presse vorangekllndigt werden. Der Schriftleiter, der sich besonders diesen kulturpolitischen Fragen hin gibt, wirb mit allen diesen Einschränkungen auch getroffen, darüber besieht kein Zweifel. Sind wir uns denn nicht darin einig, daß gerade diese kulturpolitischen Ausgaben innerhalb der Presse mehr denn je der Förderung bedürfen? Wir können mit Freude beobachten, daß sich allenthalben Kräfte regen, die wirklich fähig sind, ihre ver antwortliche Stellung als Schriftleiter aus dem kulturpolitischen Ge biet in der für Staat und Volk wünschenswerten Weise auszuübe». Nichts wirkt sich in der Presse schlimmer aus als die Behandlung der kulturpolitischen Fragen aus einem Nebengleis. Unsere Ver antwortung verlangt es, dafür zu sorgen, daß den vorbildlichen Zei tungen — und hier ist der »Völkische Beobachter« mit seinen großen Beilagen über »Schrifttum« und »Buch» wieder vorangegangen — die übrige Presse folgt und auch dem Schriftleiter zur vollen Aus wirkung verbilft, der sich bisher allzu bedrängt nur mit dem Platz unter dem Strich begnügen mußte. Seine selbständige Arbeit an zuerkennen, das ist dem Buchverleger nie schwergefallen, und noch immer, wenn es darum ging, die kulturpolitischen Arbeiten dieses Schriftleiters zu würdigen und zu sichern, war er sich mit seinen besten Vertretern einig in der gemeinsamen Aufgabe für die deutsche Kultur.
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