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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.11.1928
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1928-11-29
- Erscheinungsdatum
- 29.11.1928
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- Deutsch
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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277, 2g. November 1928. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. während die normale Erledigung nur 15,5 Minuten be anspruchen würde. Die Differenz von 64 Minuten ergibt jene Zeit, welche als Mehrverbrauch die Unkosten ungünstig beein flußt. Bei einer Annahme von einem Irrtum täglich Pro Verkäufer und bei einem Stands von 3 Verkäufern kosten diese Jrrtümer täglich 3 mal 64, daher 192 Mnuten oder 3K Stunden. Bei einer Durchschnittsbezahlung von 1 Mark pro Stunde erwachsen Unkosten von 3.25 Mark. Dabei wurde das zweimal bezahlte Porto nicht berücksichtigt. Bei einem Durchschnittsumsatz von 200 Mark ergäbe dies einen Satz von 1,7 bis 2 Prozent. Die kleine Zeitstudie und Überlegung zeigt, wie wichtig und unbedingt notwendig die genaue Niederschrift eines Auftrages ist. Abgesehen von den reinen Geldverlusten und Steigen der Unkosten sind die ideellen Verluste nicht abzuschätzen (Fallen des Kundenwohlwollens). Zur Fixierung des Auftrages gehören die Bestimmung der Zahlweise und Erwägungen für die Kredit- gewährun g. Diese spielt für die Höhe der Unkosten eine große Rolle. Es hat sich leider im Sortiment eine gewisse Laxheit in der Be stimmung der Bonität der Käufer und Gewährung von Ziel zahlungen breit gemacht. Die schlechte wirtschaftliche Lage, die dem Buchhandel arg mitspielt, hat bei den Verkäufern das Be streben herausgebildet, durch Zielgewährung Interessenten zu Käufen zu veranlassen. Im Laufe der Zeit hat sich nun das Publikum an dieses Kreditgewähren gewöhnt, und sollte es ein mal einein Sortimenter einfallen, eine Stundung nicht zuzuge stehen, so kann man sehr oft hören: »Dann gehe ich in die x-Buchhandlung und dort bekomme ich das Buch aus Jahres konto--. Und schon ist ein Kunde verloren. Dieses Krcditgewäh- ren ist eine allgemeine Krankheit des Buchhandels und kann nur im Zusammenwirken aller geheilt werden. Solange aber auch nur ein einziges Sortiment Kredit gewährt, müssen die andern zur Erhaltung des Kundenstammes dasselbe tun. Der Einzelhandel ist vorwiegend noch auf Kafsageschäfte aus gebaut. Es soll nicht geleugnet werden, daß auch in dieser Be ziehung der Buchhandel eine Ausnahme für sich in Anspruch nehmen kann, doch darf auch hier das Kreditgewähren das Maß des Möglichen nicht überschreiten. Bei Kreditgewährungen ist nicht nur die Bonität des Käufers maßgebend, sondern vor allem die Höhe des eigenen Betriebskapitals. Aus Grund wissenschaft licher Prüfung wurde errechnet, daß höchstens 35A des vorhan denen Betriebskapitals als Gesamtkundcnkrcdit zur Verfügung gestellt werden können. Wird dieses Maß überschritten, folgt schwere finanzielle Bewegung, unpünktlicher Ausgleich eigener Verpflichtungen, welche Zustände mit der Zeit sich zur Kata strophe steigern können. Es hängt von der Länge des erteilten Kredits ab, wie die zur Verfügung gestellten 35?S verteilt wer den. Ist der Durchschnitt 60 Tage und ist tatsächlich nach dieser Zeit bestimmt mit dem Eingänge zu rechnen, können monatlich etwa 17^ des Kapitals als Kredit gewährt werden. Z. B. hätte ein Sortiment ein Eigenkapital von RM. 3b 000. Der Gesamt- kundenkrsdit (35??) würde also RM. 12 250 ausmachen. Das durchschnittlich gewährte Ziel wäre 60 Tage. Erfahrungsgemäß ist aber erst nach 90 Tagen mit dem Eingänge zu rechnen. Es dürfen daher pro Monat etwa RM. 4 033 kreditiert werden, um das Maß des wirtschaftlich Möglichen nicht zu überschreiten. Eine Wechselwirkung zwischen den vom Verleger und Liefe ranten gewährten Kredit und dem erteilten Kundenkredit besteht nicht. Dagegen besteht ein Zusammenhang zwischen Gesamt- tundcnkredit und Gefamtkundenzahl. Das Abspringenlassen und Gewinnen eines Kunden beeinflußt die zu gebende Kredithöhe. Wenn das Sortiment auch bestrebt sein muß, den Kundenstamm fortlaufend zu vergrößern, kann unter Umständen eine solche Vergrößerung mit Verlusten und Erhöhung der Unkosten ver bunden sein, wenn es sich hauptsächlich um Kreditkunden handelt. Durch Vergrößerung der Zahl kreditsuchender Käufer wird die Kreditsumme vergrößert, übersteigt das angegebene Maß. Das Sortiment kann mit dem eigenen Kapital nicht mehr auskom- 1302 men, muß teures Leihkapital aufnehmcn, kann seinen eigenen Verpflichtungen nicht Nachkommen und kommt auf eine schiefe Bahn. Hier kann nicht vorsichtig genug vorgegangen werden. Erst genaue Untersuchungen der Umsatzhöhe und der Unkostcnhöhe können den Beweis erbringen, ob die durch die Vermehrung der Kunden notwendige Geschäftserweitcrung nicht als »ein über die Verhältnisse leben» bezeichnet werden muß. Durch übermäßige Kreditgewährung steigen auch die Außen stände übermäßig an und erreichen oft die Höhe des gesamten Eigenkapitals. Das Betriebskapital ist dann in Außenständen gebunden. Zur Einlösung eigener Verpflichtungen muß Fremd kapital in irgendeiner Form herangezogcn werden, die Zinsen- beträge steigen und die Unkosten erhöhen sich dadurch oft so stark, daß der größte Teil des Sortimentsbruttogcwinnes von ihnen aufgezehrt wird. Wenn die Kreditgewährung die angegebenen 35A des Kapitals übersteigt, wurden folgende Resultate er rechnet: Steigt die Kreditsumme aus 50^ des Kapitals, steigen die Unkosten um 2A, bei 70^ steigen die Unkosten um 3A, „ 85?L „ „ „ „ 5A, „100N „ „ „ „ 9H. Es wird also unter Umständen, von der sinanztechnischen Seite aus gesehen, vorteilhafter sein, einen Verkauf zu unter lassen, als denselben mit Kreditgewährung zu tätigen. In dieses Gebiet gehören auch die im Buchhandel stark ver wendeten Ansichtssendungen. Sicherlich haben diese einen ge wissen Werbewert. Auf der anderen Seite sind aber m. E. die Kosten solcher Sendungen groß. Unverlangte Ansichtssendungen ren tieren sich in den seltensten Fällen. 80?S unverlangter Ansichts sendungen kommen wieder zurück. Die Spesen erhöhen nur die Unkosten. Wenn man noch versäumt, über die Ansichtssendun gen genaue Kontrolle zu führen und sie länger als die üblichen 8 Tage zur Ansicht überläßt, steigen die Unkosten noch höher. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, daß in vielen Fällen durch die Ansichtssendung der Kaufreiz entfällt. Das Buch wird gelesen und dann zurückgegeben. Kommt dies öfters vor, so verwandelt sich das Sortiment in eine kostenlose Leih bibliothek, wobei der versendende Sortimenter die Spesen zu tragen hat. Die zurückkonrmenden Bücher sind zumeist beschädigt, kön nen daher sehr oft als neu nicht mehr verkauft werden. Also wiederum Verluste, welche die Unkosten erhöhen. Bei verlang ten Ansichtssendungen ist Wohl der Prozentsatz der Käufe bedeu tend größer, aber es wird wohl in Anbetracht der entstehenden Unkosten notwendig sein, Ansichtssendungen stark zu vermindern. Man mag Ansichtssendungen bewerten wie man will. Be dient man sich ihrer als Werbemittel, muß man für rechtzeitige Anmahnung der Rücksendung Sorge tragen. Einbringen von Außen st än den. Ist die Kredithöhc genau geregelt, muß getrachtet werden, die Außenstände zeitgerccht einzubringen. Jedes Versäumnis kostet Zinsen, erhöht die Unkosten und erschwert die finanzielle Disposition. Dort, wo eine gewissenhafte Ordnung in den Kon ten und im Mahnwcsen herrscht, werden auch die Kunden sich gewöhnen, pünktlich zu zahlen. Die Kundschaft muß zum pünkt lichen Einhalten cingegangener Zahlungsverpflichtungen erzogen werden. Aber nicht nur zum pünktlichen Zahlen, sondern auch zum Bareinkauf. Gerade in dieser Beziehung wird im Sorti ment sehr gesündigt, indem durch falsch angebrachtes Ent gegenkommen auch solchen Kunden Zahlungsziele gewährt wer den, die einen Bareinkauf vornehmen wollen. Wie oft hört man die Bemerkung: »Mit der Zahlung hat es Zeit». Psychologisch verständlich ist cs, daß der Kunde bei Entgegennahme der Leistung leichter zur Gegenleistung, also zur Zahlung ermun tert wird. Ebenso verständlich ist es aber auch, daß nach Lesen des gekauften Buches die Lust, die fällige Rechnung zu begleichen, bedeutend geringer ist.
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