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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.06.1883
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1883-06-27
- Erscheinungsdatum
- 27.06.1883
- Sprache
- Deutsch
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Im vorliegenden Fall erhellt aus den Gründen des ersten Richters, daß er Verletzungen jener Art in der ihm vorliegenden Schrift überhaupt nicht zu finden vermocht hat. Unzweideutig ist dies bezüglich der Gesammtdarstellung aus gesprochen; denn wenn nach einer Prüfung der Fabel des Stücks als dessen Tendenz festgestellt worden, nachzuweisen, daß aus keinem Ehebruch je wieder volles reines Glück ersprießen könne, so ist damit zugleich gesagt, daß die Tendenz des ganzen Werkes sich in einer der Verletzung des Scham- und Sittlichkeitsgefühls entgegengesetzten Richtung bewege. Der Gesammtzweck geht dem nach nicht auf Anreizung zum Ehebruch, sondern auf eine War nung vor demselben durch Schilderung seiner unheilvollen Folgen; mithin nicht auf eine Verherrlichung der sinnlichen Liebe, sondern auf eine Veranschaulichung der in ihr verborgenen Gefahren; Schilderungen ihres verführerischen Reizes aber liegen demnach auch nicht außerhalb, sondern innerhalb jenes Gesammtzweckes der Darstellung, und es hat sich der erste Richter, wenn er bei der Prüfung der Einzelheiten der Schrift, insbesondere der von ihm als anstößig bezeichneten Stellen besonderen Nachdruck auf ihren Zusammenhang mit jenem Gesammtzweck legt, von einer zutreffenden Auslegung der tz. 184. des Strafgesetzbuchs leiten lassen. Indem derselbe von Schriften, Abbildungen und Dar stellungen spricht, hat er jedes Erzeugniß dieser Art, das als ein Ganzes sich darstellt, auch als Ganzes der Beurtheilung be züglich der Charakterisirung als unzüchtig unterzogen wissen wollen. Es kann demnach Vorkommen, daß einzelne Theile für sich genommen oder gar unter einander in eine veränderte Ver bindung gebracht als unzüchtig sich bezeichnen lassen, während sie vermöge ihrer Unterordnung unter den vom Verfasser mit seinem Werk verfolgten Zweck diese Bedeutung verlieren und namentlich auch nicht geeignet erscheinen, diesem im Ganzen das Gepräge der Unzüchtigkeit zu geben. Im vorliegenden Fall ist vom ersten Richter bei der Prüfung der einzelnen Stellen, welche mit den Lebensschicksalen und den Stimmungen dreier Ehe brecherinnen in dichterischem Gewände sich beschäftigen, gefunden worden, daß sie aus dem Zusammenhänge mit dem Ganzen und damit auch aus der damit verfolgten Gesammttendenz nicht heraustreten. Es ist insbesondere bezüglich des Schriftwerks in allen seinen Theilen hingewiesen auf die Form der Dichtung, und auch daraus darauf geschlossen, daß der Verfasser sich nicht von einer Rechnung auf die Sinnlichkeit der Leser habe leiten lassen, und da es bei der Frage, ob eine Schrift unzüchtig ist, ganz wesent lich auf den Zweck derselben ankommt, so ist mit Recht ent scheidendes Gewicht darauf gelegt worden, daß der Verfasser nicht beabsichtigt habe, auf die Sinnlichkeit der Leser einzuwirken. Ob dies richtig ist, entzieht sich als eine thatsächliche Frage der Nachprüfung des Revisionsrichters und läßt sich somit nicht behaupten, daß aus rechtsirrthümlichen Gründen der Druckschrift der Charakter der Unzüchtigkeit abgesprochen worden ist. Misrellen. Wie ein College von jenseits der Leitha vom deutschen Buchhandel denkt. — Aus Paris hat die Oesterr. Buchhändler-Correspondenz von einem dort lebenden Deutschen folgende interessante Mittheilung erhalten: „Wie gut uns Deutschen ein Theil unserer Nachbarn von jenseits der Leitha gesinnt ist, davon haben wir wieder einmal einen schönen Beleg in einem Schreiben, in der Form eines Circulars abgefaßt, mit dem die Budapester Firma Gebrüder Rövai ihre Bitte um Conto-Er- öffnung an die Pariser Verleger begleitet. Es lautet: Wir legen ein Gewicht auf nähere geschäftliche Beziehungen zu dem französischen BerlagS-Buchhandel, weil wir es als eine patriotische Aufgabe erkennen, die für unser Vaterland so gefährlich gewordene Bevormundung seitens deutscher Culturvermittlung durch Einbürgerung französischer Literatur und französischen Geistes zu paralysiren. Wir erkennen es direct als einen Nachtheil für den französischen Verlagshandel, wenn derselbe auch unter den gegenwärtig so günstigen Auspicien nicht Gelegenheit sucht, in Ungarn immer mehr Terrain zu gewinnen. Ein großer Theil unseres intelligenten PublicumS nimmt nur darum Zuflucht zu den deutschen Literaturproducten, weil ihm diese leicht zugänglich gemacht sind, der Bezug französischer Bücher aber mit wirklichen Schwierigkeiten verbunden ist. Es ist weder möglich, ein gut assortirtes Lager durchaus nur baar anzuschaffen, noch auch den Vortheilen sich zu entziehen, welche die bedeutendsten deutschen Bücherverleger im Gegensätze zu den fran zösischen ohne Schwierigkeiten einräumen. Wir betrachten es infolge dieser kurzen Auseinandersetzung als ein Verkennen des eigensten Interesses seitens des französischen Verlagsbuchhandels, wenn derselbe die Vortheile verabsäumt, die sich nothwendig für ihn ergeben würden, wenn das ungarische Publicum allmählich für die französische belletristische und wissenschaftliche Lite ratur gewonnen würde. Einen Theil des Versäumten nachzuholen, hat sich unsere Firma zur Aufgabe gestellt; wenn uns dieselbe seitens der geehrten Pariser Verlagsfirmen zu sehr erschwert wird, dann werden auch wir die besten Intentionen der praktischen Nothwendigkeit hintansetzen müssen, was uns im Grunde leid wäre. „Solch nationaler Chauvinismus, wie er aus diesen Zeilen spricht, bedarf wohl keines Commentars. Gebrandmarkt zu werden aber verdient die Unverfrorenheit, mit welcher diese Herren eine ganze Nation verleumden — lediglich des Geschäftes halber; denn das ist die Kehrseite des Blattes. Möchte man doch gern mit einem französischen Lager, mit directen Verbindungen prunken, aber, ob wohl diese den Herren Ungarn so unentbehrlich sind, so sollen es doch die Pariser Verleger sein, die das Risico übernehmen und alles hübsch in Commission liefern. Heiter aber ist es, daß die Herren Rövai — deren Name, nebenbei gesagt, die jetzt ja so billige Magyarisirung von Rosenberg ist — die die deutsche Cultur für so gefährlich halten, dies den Franzosen in einem in deutscher Sprache abgefaßten Schreiben darthun. Ja, in der Noth frißt der Teufel Fliegen, in der Noth lesen die Ungarn deutsche Bücher und in der Noth schreiben die Herren Rövai deutsch. VV " Aus London. Die Unterhandlungen, welche zwischen der Direction des Britischen Museums und dem Lord Ashburnham wegen des Ankaufs einesTheiles derAshburnham'schen Hand- schriften-Sammlung gepflogen wurden, haben sich zerschlagen. Die britische Regierung bot 70,000 Pfd. Sterl., ivährend der Be sitzer von seiner auf 90,000 Pfd. Sterl. stipulirten Forderung nicht abzugehen erklärte. Personalnachrichtcn. Am 1. Juli d. I. werden es 25 Jahre, daß Herr Eduard Baldamus in Leipzig in den Buchhandel trat. Ein rastlos thätiger Mann, wie Baldamus, dessen Name einerseits durch seine Fachkataloge, Bearbeitung des 15jährigen Hinrichs'schen Bücherverzeichnisses (1851—65), sowie der früher Büchting'schen, jetzt Hinrichs'schen Repertorien in weiten Kreisen sich eines guten Klanges erfreut, andrerseits sich als ein eifriger Kämpfer für die Interessen der Gehilfenschaft des deutschen Buchhandels bewährt hat, verdient es wohl, daß dieses Tages auch hier gedacht werde. Möge die gesammte Gehilfenschaft, deren Interessen Baldamus viel Fleiß und Mühe seit Begründung und während der elfjährigen ununterbrochenen Leitung des Verbandes gewidmet hat, sein Streben dankbar anerkennen und ihm sein selbstloses und nicht immer dornenloses Wirken durch fortgesetztes Vertrauen belohnen! Dies sei unser herzlicher Glückwunsch zu der bevorstehenden Jubelfeier. — t. 400*
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