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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.06.1883
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1883-06-25
- Erscheinungsdatum
- 25.06.1883
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- Deutsch
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Glossen zu dem Artikel „Bewegungen im deutschen Buchhandel" in Nr. 132 d. Bl. Der Verfasser des vorgenannten Artikels, Hr. I. G., verdient volle Anerkennung für seine lichtvolle Darstellung der dermaligen Lage unseres Berufes, obschon sie nicht nach allen Richtungen hin erschöpfend genannt werden kann und obschon wir an verschiedenen Stellen keineswegs ganz mit ihm übereinstimmen. Ungerechtfertigt ist z. B. seine Mißstimmung gegen die Einrichtung des Einheits portos, insbesondere für Packetsendungen. Wohl hat dieselbe sehr erheblich geholfen, die mißbräuchliche Ausbeutung der Begün stigungen des Centralpunktes Leipzig und des benachbarten Berlin durch eine Anzahl daselbst domicilirender Firmen bis zur jetzigen Unerträglichkeit zu steigern; aber sie ist ein mächtiger Hebel des allgemeinen Verkehrs, ein unleugbarer Fortschritt, welcher der Ge- sammtheit zu gute kommt; deshalb dürfen die Kreise, für welche sie Uebergangskrankheiten im Gefolge hat, ihren Werth nicht ver kennen, sondern sollen trachten, sich die Vortheile, welche auch sie davon haben sollen und können, zu Nutze zu machen. Vermutlich denkt Hr. G. auch überhaupt in seinem Innern gar nicht so un günstig von den 5-Kilo-Packeten, ist vielmehr nur in Sorgen, wie man sich auf die Dauer mit ihnen einrichten soll. Im Allgemeinen müssen wir sehr beklagen, daß er, der doch ohne Zweifel selbst Buchhändler und offenbar ein Freund des Pro- vinzial-Sortimentshandels, seine Arbeit in einer Zeitschrift ver öffentlicht hat, wo sie geradezu für diejenige Geschäftsweise, welche er bekämpfen will, Reclame macht. Jeder Leser der „Grenzboten", der bisher gar nichts von Rabatt gewußt oder sich mit einem nach den örtlichen Verhältnissen für den Sortimenter auszuhaltenden be gnügt hat, wird jetzt die von Hrn. G. als für Jedermann so leicht erreichbar bezeichneten 20 U sich zu verschaffen suchen und der in dieser Beziehung direct empfohlene Hr. Alfred Lorentz in Leipzig hat alle Ursache, sich bei Hrn. G. zu bedanken. Es war ein entschiedener Mißgriff, den Artikel anderswo als im Börsenblatte zu veröffentlichen; hatte aber, wie wir gern anneh men, Hr. G. die Absicht, dem Buchhandel durch Aufklärung des Publicums zu nützen, so durfte diese Aufklärung gewisse Schranken nicht überschreiten; insbesondere durfte keine Rabattziffer genannt, keine Firma hervorgehoben werden. Ueberflüssig war auch die Er wähnung des „Gerüchtes", es werde innerhalb der Vereine „in fröhlicher Concurrenz" geschleudert. Nimmt Hr. G. vielleicht an, die Vereine müßten unter allen Umständen auf jede Nothwehr verzichten? Gegenüber der Platzconcurrenz können es viele Vereine, gegenüber der von Leipzig und Berlin immer unverfrorener kom menden muthen wir es Keinem zu, und leider schleudern daselbst sogar Verleger direct ans Publicum im ganzen Reiche, und zwar keineswegs unbedeutende. Das hätte Hr. G. der Vollständigkeit wegen leicht mit sagen können u. s. w. Den Vorwurf thatsächlicher Schleuderei innerhalb der Vereine weisen wir ausdrücklich zurück; was Hr. G. vielleicht so nennen will, hört von selbst auf, wenn man in Leipzig und Berlin zu schleudern aufhört und damit auch der Schleuderei der Vereinsgegner außerhalb der Centralplätze den Vorwand entzieht. Mit der Platzconcurrenz wird dann jeder Verein sehr leicht fertig. — Dies vorausgeschickt, wollen wir nur noch den wesentlichsten der Punkte nennen, in welchem wir Hrn. G. nicht unbedingt bei treten können. Er erwartet mit Recht eine That vom Börsenverein und deutet in, wie wir glauben, ziemlich zutreffender Weise an, welches Unheil Hereinbrechen wird, wenn diese That unterbleibt. Aber er wälzt die Verantwortlichkeit für dies Unheil unseres Er achtens allzu rasch auf die Schultern des Börsenvereins-Vorstandes und der von diesem etwa einzuberusenden Delegation. Richtig ist nun freilich, daß diese Körperschaften eventuell als Sündenböcke herzuhalten sich gefallen lassen müssen, wenn unter ihrer Leitung der Karren noch tiefer in den Sumpf gerathen sollte, als bereits geschehen, aber sie werden das dann nicht allzusehr selbst verschul den, denn sie werden voraussichtlich weniger selbst schieben, als ge schoben werden, von den Jnteressentengruppen, welche der Verein der Buchhändler Leipzigs in sich zusammenschließt. Der Einfluß dieses Vereines wird von Hrn. G. entweder unterschätzt oder geringer fatirt als taxirt; Thatsache ist jedenfalls, daß auch mit den jetzigen Börsenvereinssatzungen einschneidendere Umgestaltungen kaum durchführbar sein werden, wenn dieser Verein sie nicht will, mit dem trotz alles von Hrn. G. gut gekennzeichneten Rivalisirens sehr einflußreiche Berliner Kreise in vielen Fragen Hand in Hand gehen. Wenn wir also auch s. Zt. aus vollem Herzen mit Hrn. G. für die zu erwartende Delegation zu den Göttern um Einsicht flehen wollen, so möchten wir doch noch vielmehr Hrn. G. einladen, schon heute mit uns in dies Flehen zu Gunsten des Leipziger Ver eins einzustimmen, auf daß dieser erkenne, was er thun muß, um die Stellung Leipzigs auch unter den neuen Verhältnissen zu sichern. Dieselbe wird aber nicht gesichert, sondern untergraben, wenn Leipzigs Verleger und Commissionäre sich ferner scheuen, für ernst lichen und ausgiebigen Schutz des Provinzial-Sortimentshandels, für dessen Wiederhebung einzutreten. Wollen sie das thun, so brauchen sie nicht erst dem Börsenverein die Initiative zu über lassen, sie (oder doch mindestens die Verleger für sich) haben die Durchführung einer Reihe von Reformen alle Tage in ihrer Hand, ohne Jemand fragen zu müssen. Wir nennen davon nur eine, ohne welche unseres Erachtens alle anderen mehr oder weniger wir kungslos bleiben müssen: das ist die Kürzung des Verlegerrabattes zunächst an alle Leipziger und Berliner Firmen, ohne Rücksicht, ob sie Schleudergeschäfte machen oder nicht. Wir wollen es mit auf richtiger Freude begrüßen, wenn Leipzig, indem es die Führung bei dieser Reform übernimmt, an seine alten Traditionen anknüpft; denn unbeschadet alles dessen, was Hr. G. über die Zusammen setzung des Leipziger Vereines sagt, bleibt es doch eine Thatsache, daß eben dieser Verein es sonst immer verstanden hat, dem In teresse des Gesammtbuchhandels gerecht zu werden. Wir glauben noch nicht, daß man das ganz verlernt hat, obwohl wir den Kopf schütteln müssen, daß man so lange zögert, denn es ist die höchste Zeit, daß etwas geschieht. Geht man in Leipzig (wenn möglich im Einverständniß mit Berlin, eventuell aber auch ganz selbständig) rasch voran, so wird man sicherlich von auswärts (auch von Berlin) sehr bald folgen, und das ist nothwendig, weil gerecht. Ungerecht ist der jetzige Zustand, bei dem der Verleger einer Anzahl seiner Abnehmer seine Artikel franco ins Haus schickt, allen Anderen aber überläßt, sie sich mit so und so viel nöthigen oder auch unnöthigen Kosten zu verschaffen. „Gleiches Licht und gleiche Luft für Alle!" heißt es sehr richtig in der unlängst vom bayerischen Buch händlerverein versandten, höchst beachtenswerthen Denkschrift einer hochangesehenen süddeutschen Verlags- und Sortimentshandlung. Wer ist da, der bestreiten möchte, daß dieser Forderung genügt und alles beseitigt werden muß, was sich mit ihr nicht verträgt?! Hr. G. wird, das sind wir überzeugt, gern helfen, daß es so geschehe; möge er lieber heute als morgen an fangen, an seinem Wohnorte, als den wir wohl Leipzig annehmen dürfen, dafür zu wirken. Ist es ihm Ernst, so wird er mit einiger Zähigkeit zum Ziele kommen. Ob er zuerst bei den College« von der Verlags- oder von der Commissionsbranche den Hebel anzu setzen habe, das möge er nach seiner persönlichen Stellung be schließen; objectiv betrachtet, erscheinen die Commissionäre noch etwas directer am Schutze des Provinzial-Sortimenters inleressirt, als die Verleger; beiden Factoren aber darf er, wenn er mit ihnen zu verhandeln sich entschließt, als erstes Wort dasjenige ernst mah- 396*
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