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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.01.1936
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- 1936-01-30
- Erscheinungsdatum
- 30.01.1936
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Teil darin, daß ich nicht nur aus einem wunderbaren und süßen Drange musizierte, daß ich zugleich auch meinen Mann stand, indem ich durch einen oft keineswegs süßen Wcttlampf und Er werbskampf meine Heimat und Familie erhielt und trug. Erst von dem Augenblick an, wo du einen Haufen Geld annimmst und meinen Haushalt darauf abstellst, muß ich mich als Gast fühlen.» »Gott segnet nicht durch Ruhe und Wohlsein, sondern durch Aufgaben. Gott setzt keinen Menschen, und wäre er achzig, zur Ruhe, es sei denn durch Absterben; ich aber bin noch nicht vierzig.» -Ich bin aus meiner schwer erreichten Verwurzelung mit dem Leben herausgerissen und liege im Trockenen da wie ein Setzling, der nicht weiß, ob er wieder Erde an seinen zerrissenen, welkenden Wurzeln zu spüren kriegen wird.» Es sind zwei Grundzüge des Schaffens von Emil Strauß, die wir in dieser bedeutsamen Erzählung »Der Spiegel« vorfinden — einmal die schicksalsvolle Bedeutung der musikali schen Begabung in einem Menschen (die auch" sinnbildlich ge nommen werden darf, denn Strauß meint damit die Bedeutung von Anlagen und Ahnenerbe überhaupt!), und zum andern der Wille des Menschen, mit dem Schicksal zu kämpfen und sich vom Leben nichts schenken zu lassen. Der Mann im »Spiegel» ver schmäht die Lebenshilse, die die Erbschaft für ihn bedeuten würde, er siegt also nicht nur über die Widerstände, die sich ihm aus seinem Lebensweg bisher entgegenstellten, er siegt auch über die Versuchung, es sich leicht zu machen aus Kosten des als Lebens inhalt gefühlten Kampfes. Im »Prinz Wieduwitt« taucht vorübergehend in der Er innerung des Erzählenden der Name des Knaben Heiner auf, der »voll Musik war schon als Kind», und der früh starb. »Das Gymnasium hat ihn auf dem Gewissen», heißt es hier. Und Heiner nennt der Dichter auch den Knaben in dem 1802 erschienenen Schülerroman »Freund Hein«, durch den Strauß erstmals weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Es handelt sich in beiden Fällen um die gleiche Gestalt, deren Schicksal Strauß in »Freund Hein« berichtet, von der Geburt bis zum frühen Tod, in den der Knabe freiwillig geht, da ihn die gewiß Gutes beabsichtigende Härte des Vaters zusammen mit der Verständnislosigkeit der Lehrer aus dem Gymnasium zu einem Leben zwingen wollen, das dem entgcgenläuft, das er seinen Anlagen nach führen müßte. Mit gutem Grund nennt der Dichter diese Geschichte des durch Selbstmord endenden Schülers eine »Lebensgeschichte», um dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß hier ein Leben nicht als Fragment abgeschlossen, sondern vollendet wurde, auch wenn es nur das Leben eines siebzehnjährigen Schülers war. Auf den Kampf kommt es Emil Strauß an, nicht auf seinen Ausgang; seine Menschen sollen werden, was in ihnen ist, sie sollen sich nicht mit Lebcnserjatzen und halben Abfindungen zufrieden geben, sie sollen lieber »in einer einzigen Flamme brennen, als in einem Dutzend Irrlichtern herumzuslackern». Diesem harten Dur-Thema des Lebens begegnen wir immer wieder in den Werken des Dichters. Die drei Menschen, deren Lebenswege sich in dem Roman »Kreuzungen» schicksalsvoll kreuzen, wandeln es dreimal auf ihre besondere Weise ab, um der Lebenslüge, dem bequemen Sichbescheiden, das für den Durch schnitt angemessen sein mag, zu entgehen. Der Mann darin ver zichtet auf seine Bcamtenlaufbahn, da der Staat ihn anders haben will als er seinem Wesen nach sein muß. Das eine der beiden Mädchen, die für sein Leben Bedeutung gewinnen, löst sich von ihm, da sie es nicht an seiner Seite leicht, sondern aus sich selbst gestellt schwer haben will, und das andere, das — nicht mehr im Rahmen der Romanhandlung selbst — seine Frau werden wird, gibt die bürgerliche Sicherung ihres Lebens auf, um diesem aus Eigenem eine sinnvolle Form zu erkämpfen. In der Novelle »Der Skorpion», die in dem Band »Der Schleier» enthalten ist, wird der Mann, der sich nicht dem Lebensgesetz eines anderen Menschen beugen will, das Opfer einer liebcrasendcn Frau, die ihn tötet, da sie die Zurückhaltung des Mannes so deutet, als ob sie von ihm verschmäht worden sei. In der prächtigen Titelnovellc dieses Bandes erfährt — in polarem Gegensatz dazu — der Mann die selbstverständliche Ver zeihung der Frau für seine Untreue, da er trotz dieser Untreue doch nicht einen Verrat an seinem wirklichen Wesen beging. — Von zwei miteinander befreundeten Menschen ist der eine ver lobt mit der Jugendgespielin des andern, der sich »über diese Verlobung wahrhaftig ohne jede Spur von Neid freuen kann». Aber diq Art des verlobten Freundes — und sie hat ihr gutes Recht in sich — läßt auch den Kuß nicht zu, den der andere in einem heißen Augenblick von seiner Jugendgespiclin sich geraubt hat, in einem Augenblick allerdings, der in Wirklichkeit die Flamme war, die zwischen beiden nach längerem Spielen mit dem Feuer ausschlug. Der Hintergangene Freund spürt die gestörte Ordnung zwischen den dreien. Die Boolssahrt auf dem Rhein zu dreien, über furchtbare Stromschnellen hinweg, ist das von ihm angerufene Gottesgericht. Das Boot treibt ohne Ruder, die der Hintergangene Freund in den Strom geworfen hat, mitten in den Strudel hinein; es reißt das Mädchen mit dem Verlobten in den Abgrund, der dritte bleibt übrig. Die Geschichte — sie heißt »Der Lausen» und eröffnet den Band »Hans und Grete» — wird als Rahmenerzählung berichtet von dem inzwischen alt gewordenen Übriggebliebenen von damals. »Ich will Ihnen er zählen», heißt es an einer Stelle, »wieso der Laufen mich rettete oder verschonte, oder nicht haben wollte. Es ist eine einfache, harte Geschichte, und es mag gesund sein, sie anzuhören.» Wir verzichten darauf, auf alle Stücke der in den drei Sammlungen des Dichters enthaltenen Novellen im einzelnen einzugehen (»Menschenwege«, »Hans und Grete», »Der Schleier»). Wir haben statt dessen einige herausgegrisfcn, um sie als Bei spiele wirken zu lassen für den Gedanken von der Schicksal hastigkeit des Lebens, von der sie alle erfüllt sind, und für die Strauß immer wieder neue Lösungen zu finden vermag, Lösun gen, die sich äußerlich mitunter aufs stärkste widersprechen mögen, die aber doch immer im Zwange des Lebensgesetzes seiner Men schen liegen. Das Schicksal will den Kampf, es ahndet jeden Versuch, sich darum zu drücken. So zeigt es Strauß in der Novelle »Befund» (im »Schleier»), wo der Arzt bitter gesteht, nie wieder zu einer Einheit mit seinem wirklichen Ich gekommen zu sein, da er sich einmal mit einer nichtssagenden Abfindung zufrieden gab, oder in der Geschichte »D e r E n g c l w i r t», dessen Held für den Ver such, das Schicksal zu prellen oder zu »korrigieren«, so arg ge straft wird. Emil Strauß ist nie den Weg des lauten Ruhmes gegangen, er hat immer im Schicksal seines Volkes gestanden und in aller Stille und Treue, unabhängig davon, ob man ihn anerkannte oder nicht, seiner Sendung gedient, uni dabei ein Werk zu schassen, das noch dauern wird, wenn vieles zu seiner Zeit laut Gerühmtes längst vergangen und vergessen sein wird. Mitteilung der Reichsschrifttumskammer »Ein Schriftsteller Rudolf Herzog in Duisburg, Schönhauser Straße 38, ist an mehrere Berlage herangctreten und hat aus Grund einer mitgesandtcn Inhaltsangabe eines noch nicht geschriebenen Romans um Vorschüsse auf die abzuschließenden Verlagsverträge ge beten. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, baß dieser Rudolf Herzog mit dem bekannten Romanschriftsteller Rudolf Herzog aus Rhcinbreitbach b. Honnef a. Nh. nicht identisch ist. Rudolf Herzog aus Duisburg ist nicht Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Die Ver leger sind daher zur Zeit nicht berechtigt, Arbeiten dieses Schriftstel lers zu verößsentlichen.« Dichter-Vorlesungen Die Amtsleitnng der RS-Kulturgemelnde teilt mit: Ter Präsident der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns I o h st, liest am 4. Februar in Königsberg und am 5. Februar in Danzig aus seinen Werken. Auf Einladung der Fichte-Gesellschast werden Richard Euringer und Eberhard Wolsgang Möller, die Träger des nationalen Buchprelses für 1834 und 1835, am Dienstag, dem 4. Februar, 20.15 Uhr ln Berlin im Meistersaal, Köthencr Straße 38, aus eigenen Werken lesen. kmuvtschristieiter: l>r. Hellmuth Laugenbucher. — Stell«,tretet des HuiiplschrtstleiteiS: Kran, Witguer. - Bereu,m. Auzeig-Nleichr: Nulter Herkunft, Leipzig Bcrlug: Der Börsenvercin der Deutschen Bit-»----' ------ « . .. «. .. - - ------ such 271,7V. - chhaubler zu Leipzig. — Anschein der Schiiirleiluiig u Hrpeditiun: Leipzig o I, Gerichtsweg 2«. Puilschüeh. Druck: Gruft H-drich Nuchs., L-tpzig 0 l. Hospitals,euste »»—Ui. — D«. «Xd,XII. D-°°u SSN d. »Nt Aug-bpt-u- uud »-such,- Blich«,. Kur Z-tt ist Preisliste Nr. 7 gültig! 100
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