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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.07.1920
- Strukturtyp
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- 1920-07-03
- Erscheinungsdatum
- 03.07.1920
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- Deutsch
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x> 115, 3. Juli 1920. Redaktioneller Teil. Schlüssel schaffen? Wer soll die Verantwortung übernehmen, datz nunmehr dieses Papier gerecht verteilt wird? Da erscheint mir gar nichts anderes möglich, als daß die Organisation, die bisher die Verteilung und Kontrolle geführt hat, nämlich die Wirlschaftsstelle, den Schlüssel aufzustellen hat. Es ist aber, wie vorhin der Herr Vorsitzende ausgcführt hat, dafür gesorgt, datz die Kriegswirtschaftsstelle nicht allein darüber zu verfügen hat, sondern es soll der Wirtschaftsstelle ein Ausschuß zur Seite gestellt werden, der zusammengesetzt ist aus den Vertretern der verschie denen Fachverbände, und ich habe für morgen früh die Vertreter aller Verbände zu einer Besprechung zusammenberusen, damit die Fachvereine darüber Beschluß fassen, in welcher Weise das Pa pier zur Verfügung des Gesamtbuchhandels zu stellen ist. Also, meine Herren, im gegenwärtigen Augenblick zu rufen: -Werft dies Scheusal — die Wirtschaftsstelle — in die Wolfs- schlucht!« würde einfach eine Strangulierung unserer eigenen Wirtschaft, unserer gesamten Papicrwirtschaft bedeuten, (Sehr richtig I) Würden wir das Angebot, das uns nach langen Mühen von seiten der Regierung gemacht worden ist, heute abweisen, so würden wir mit unserer Papierwirtschaft niemals wieder in Ordnung kommen (Zustimmung) und dem Ruin vollständig preis gegeben sein. Das Papier, das nachher die Papierfabriken Her stellen werden, wird eben einfach denjenigen zuflietzen, die kapi talkräftig sind, die besten Verbindungen haben und di« höchsten Preise zahlen, (Sehr richtig!) Dann wird das Schieberwesen in verstärktem Maße eintreten, das wir heute zu bekämpfen suchen. (Sehr richtig!) Dann erhält der mittlere und der kleine Ver lagsbuchhändler kein Blatt Papier mehr. Dann tritt das ein, was wir während der ganzen Kriegszeit vermieden haben: dann geht ein großer Teil unseres Verlagsbuchhandels unweigerlich dem Ruin entgegen, (Sehr richtig!) Deswegen, meine Herren, bitte ich Sie dringend: Beurteilen Sie die Sache nicht vom Standpunkt des einen oder des andern, der nun einfach in den Ruf einstimmt: »Weg mit aller Planwirtschaft! — Weg mit aller Kriegswirtschaft! — Die kann uns nichts mehr nützen!« Meine .Herren, wir sind ein armes Land geworden, so gut wie nichts ist uns mehr geblieben, und ans diesem Grund« müssen wir mit dem Geringen, das wir noch haben, so haushälterisch wie möglich umgehen. Das Geringe müssen wir so verteilen, datz es jedem zugute kommen kann; das Geringe müssen wir so verteilen, datz auch die kleinen und mittleren Betriebe die Möglichkeit erhalten, lebensfähig zu bleiben, und das ist nicht anders zu machen, als durch eine Planwirtschaft, Das nenne ich nicht Zwangswirt schaft ; das nenne ich Planwirtschaft, Deswegen, meine Herren, ist gar nichts anderes möglich. Schenken Sie Ihrem Vorstand nach wie vor das Vertrauen! Ihr Vorstand wird in dieser Kom- Mission mit vertreten sein. Er wird bei der Verteilung und bei den ganzen Maßnahmen ein gewichtiges Wort mit zu sprechen haben. Entziehen Sie ihm heute nicht das Vertrauen in der Weise, wie das hier von der einen oder der andern Seite Wohl gewünscht wird! (Bravo!) Direktor Alfred Reiß (Berlin): Meine Herren, ich habe mich bei der Darstellung des Sachverhalts vorhin bemüht, unter Vermeidung jedweder persönlichen Stellungnahme rein sachlich über das bisher Beratene zu referieren. Ich will jetzt davon nicht abgehen; ich kann aber leider nicht darauf verzichten, einen Augenblick persönlich zu werden, — persönlich, soweit es sich um die Wirlschaftsstelle handelt. Meine Herren, es ist für jemand, der eine immerhin nicht ganz geringe Verantwortung trägt, nicht erfreulich, Ausfüh rungen zu hören, wie sie von Herrn vr, Ullstein gemacht worden sind. Für Kritik bin ich stets empfänglich und stets dankbar gewesen; wenn aber behauptet wird, daß kleine und mittlere Verleger oder neu gegründete Verlage für zwei Jahre Papier im Hause haben und jetzt dazu übergehen, mit diesem von der Wirtschaftsstelle genehmigten Papier, wie ausdrücklich behauptet worden ist, Geschäfte zu machen, und datz die Wirtschaftsstelle das ruhig mit ansehe, so muh ich das als eine Behauptung be zeichnen, die ohne jede Unterlage ausgestellt worden ist, Herr Or, Ullstein kennt meine Adresse, und es wäre richtig gewesen, daß er mich verständigt und gesagt hätte: »Da liegt das und das Papier, warum greifst du nicht mit Beschlagnahme zu, warum verhinderst du das nicht?« Ich stelle fest, daß das nicht ge schehen ist. Ich höre von dem, was Herr Or, Ullstein vorge- dracht hat, heute zum ersten Male, Weiter hat Herr Or, Ullstein erklärt, es würden Ihnen die Haare zu Berge stehen, wenn Sie wüßten, in welcher Weise Ausnahmebewilligungen gegeben werden. Ich stelle fest, daß mit Ausnahme eines einzigen Falles — ich halte mich nicht für berechtigt, hier den Namen zu nennen —, bei dem nach Ansicht der Mitglieder des Beirats, denen ich Einblick in die Freigabe gewährt habe, Bedenken geltend gemacht wurden, keine Aus nahmebewilligungen erteilt worden sind, die zu Beanstandungen Anlaß gegeben haben. Diese eine beanstandete Ausnahmebewil ligung ist von einem unserer Beamten in meiner Abwesenheit gewährt worden; ich billige sie nicht. Es ist ein ganz bekannter Verlag, der eine neue Zeitschrift herausgeben wollte, zu der er Entwürfe vorgelegt hatte, die hochkünstlerisch waren (Zurufe); «ine Zeitschrift, die aber nach und nach eine etwas wenig schöne Richtung angenommen hat, (Zuruf: Etwas?) Wir haben kein Recht zur Zensur; wir haben aber, nachdem wir das festgestellt haben, das Ausnahmebezugsrecht, das nicht allzu hoch gewesen ist, gesperrt. — Das ist der einzige Fall, der, soweit uns bekannt geworden, Anlaß zur Kritik gegeben hat. Ich nehme mich nicht persönlich in Schutz, habe aber ein Interesse daran, den Sachver halt so darzustellcn, wie er in Wirklichkeit liegt. Daß bei uns Fehler Vorkommen, bestreitet niemand. Zu dem, was Herr vr, Ullstein wegen der Abgabeerhöhung gesagt hat, bemerke ich: Sie allein und ihre berufenen Vertreter haben ja darüber zu befinden, ob die Bewirtschaftung fortgesetzt werden soll oder nicht. Ich persönlich bin daran uninteressiert ; ich habe weder jemals einen persönlichen Vorteil von der Be wirtschaftung des vom Buch- und Zeitschristenverlag benötigten Druckpapiers gehabt, noch habe ich ihn jetzt. Mir persönlich könnte es nur erwüscht sein, wenn Schluß gemacht wird mit der Bewirtschaftung, denn ich werde einen großen Teil Verantwor tung und Arbeit, die ich mir freiwillig im Interesse des Ver lagsgewerbes — das glaube ich sagen zu können — auferlegt habe, los. Gewiß ist, wenn die besprochene Maßnahme zur Sicherstel lung des Bedarfs fortgesührt wird, eine Personalvermehrung notwendig; ich möchte den sehen, der neue Aufgaben durchführt, ohne daß ihm das notwendige Personal zur Verfügung gestellt wird, Herr vr, Ullstein und Herr Direktor Kilppcr haben die Frage aufgeworfen, warum man den Plan nicht vor vier Jahren durch- geführt habe. Es bestand kein Grund, derartig einzugreifen, weil der Verlag im großen und ganzen in den letzten Jahren durch die getroffenen Maßnahmen sein Papier bekommen hat. Im Jahre 1916 hat die Menge der Lieferungen rund 6600 Toppelwagen betragen, im Jahre 1917 sind geliefert worden 7595, im Jahre 1918: 7525 und im Jahre 1919 bei einem 85prozentigen Rückgänge der Zellstofferzeugung 9130 Wagen, Meine Herren, versetzen Sie sich einmal in meine Lage und die meiner Mit arbeiter! Glauben Sie, daß einem das gleich ist, wenn von einem Herrn wie Herrn vr, Ullstein, der an führender Stelle steht, einem mit einer leichten Handbewegung gesagt wird: Das ist ja garnichls?! Ich behaupte, datz ohne die Tätigkeit der Wirt- schaftsstelle Sie nicht die Hälfte des Papiers bekommen hätten. Tatsächlich haben Papierfabriken — Herr Geheimrat Siegismund und Herr Or, Ullstein sind ja Mitglieder des Zellstosfheirats — wiederholt erklärt: Weg mit der ganzen Bewirtschaftung des Papiers für den Buch- und Zeitschriftenverlag, damit wir endlich der Verpflichtung ledig werden, für den Buch- und Zeitschriften verlag das Papier bevorzugt zu liefern. Warum sagen das die Herren denn? Aus naheliegenden Gründen, die ich Ihnen doch nicht auseinanderzusetzen brauche. Wenn bisher die heute erörterten Maßnahmen nicht einge- führt worden sind — sie wurden wiederholt erörtert —, so darum, weil, wie ich schon sagte, die Verhältnisse bisher noch einigermaßen erträglich waren, das sind sie aber seit Wochen für den wertvollen Verlag nicht mehr, und man kann die Dinge doch nicht einfach treiben lassen; ich bin überzeugt, daß, wenn nicht ein völliger Umschwung kommt, ohne die vorgeschlagencn 71b
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