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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.06.1928
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1928-06-26
- Erscheinungsdatum
- 26.06.1928
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- Deutsch
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146, 26, Juni 1928. Redaklioneller Teil, Börsenblatt f.d.Dtschn. Buchhandel. damals noch nicht viel von diesem Ballast mit mir herum schleppte, und auch wegen Beleidigung noch nicht vorbestraft war, also auf mildernde Umstände rechnen konnte, so habe ich eine sogenannte »warme- Lanze für die Buchhändler-Lehranstalt eingelegt. Man wird dieses Vorgehen um so höher anschlagen müssen, als ich genau wußte, wie es um die Honorarverhältnisse beim »Leipziger Correspondenzblatt- bestellt war. Tatsächlich war es mir ein Bedürfnis, die alte Buchhändler-Lehranstalt vor ungerechten Vorwürfen zu schützen, und meiner Achtung und Erkenntlichkeit Ausdruck zu geben. Die Erörterungen nahmen einen ziemlich großen Umfang an, endeten aber mit einer vollen Niederlage des Angreifers. Carl Rühle lobte mein journali stisches Geschick, was er immer tat, wenn er das ohnehin sehr bescheidene Honorar ganz sparen wollte. Ich aber lies 14 Tage lang in Leipzig herum, als ob ich — ein zweiter heiliger Georg — den grimmen Lindwurm erschlagen hätte. Ich könnte in dieser Weise noch eine ganze Zeitlang fort- sahren. Sie sehen wohl aber selbst, wie, wenig Gescheites dabei herauskommt. Außerdem frage ich mich vergebens, wen anders als die wenigen damaligen Mitschüler, denen das Börsenblatt zu Gesicht kommt, diese »ollen Kamellen- interessieren könnten. Zudem sind die meisten der damaligen Lehrer längst schlafen gegangen, und ebenso weilen viele frühere Kameraden nicht mehr unter den Lebenden, Später bin ich noch des öfteren mit der Buchhändler-Lehranstalt in Berührung gekommen. Ja, ich habe mich selbst ihrer Mitwirkung bei der Ausbildung zweier Lehr linge bedient, von denen der eine leider im Weltkriege geblieben ist. Aber die Schule, die ich da sah in ihrem neuen Heim mit ihren neuen Lehrplänen, die von Musikgeschichte, Buchgewerbe kunde, Volkswirtschaftslehre, Latein, Buchhandelsbetriebslehre und anderen schönen Dingen zu erzählen wissen, ist nicht mehr die Buchhändlerschule von anno dazumal, nicht unfere, meine Buchhändlerschule! Es^ ist eben heute um vieles besser bestellt, anscheinend auch um die Verdauung, »Die Geister erwachen, die Studien blühn, es ist eine Lust zu leben-, könnte man mit Hutten ausrusen, wenn uns nicht manchmal in stillen Stunden die Angst vor dieser Fülle der Gesichte befiele! Kluge Hexen meister wie Herrmann Degener und Oberstudiendirektor Professor vr, Frenzel werden auch diese Gespenster zu bannen wissen, und der liebe Gott in Verbindung mit dem Verein der Buchhändler zu Leipzig oder dem Börsenverein wird dafür sorgen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das »Feierliche- (Rührung und seelische Hochspannung ein geschlossen) liegt meiner Veranlagung nicht und ist auch meiner Gesundheit nicht zuträglich. Wir haben es auch in der Buch händlerschule nicht geübt oder, wie es im Schülerjargon heißt »nicht gehabt-. Nur Schulfestlichkeiten wie Königs und Kaisers Geburtstag machten davon eine Ausnahme, Aber ich müßte mich sehr ungeschickt ausgedrückt haben, wenn etwa der Eindruck entstanden wäre, daß unsere Schule, was Disziplin und Unter richtsmethoden betrifft, sich wesentlich von anderen Bildungs instituten, der kaufmännischen Fortbildungsschule o, a, unter schieden hätte, Bestand ein solcher Unterschied, dann sicher nur zugunsten der Buchhändler-Lehranstalt, Hier wurden Freund schaften geschlossen, die gefestigt durch die berufliche Gemeinschaft sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben, Wohl hat das Leben den einen dahin, den anderen dorthin geweht. Aber kein Schicksal ist so mächtig, um die Erinnerung an die gemeinsame Schulzeit ganz auszulöschen. Darum seid gegrüßt ihr alle daheim und in der Ferne, die gemeinsames Streben und gleiches Tun einst miteinander verband. Ist doch die Erinnerung, wie Jean Paul sagt, das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Aber auch du, alte Schule, die du dich wie ein Phönix aus der Asche und dem Staube alter Erinnerungen er hoben hast, schöner und Prächtiger zwar als ehedem, aber doch nicht so schön, wie du in unserer Erinnerung lebst, sei gegrüßt! Wir waren gewiß keine Kalenderheiligen, sondern oft recht wilde, unbändige Gesellen, Das können wir ja heute, da unsere Straftaten längst verjährt sind, ruhig eingestehen. Daß wir aber trotzdem die Buchhändlerschule nicht zugrunde gerichtet haben — von ein paar alten schon mit Schnitzwerk aus früheren Zeiten versehenen Bänken abgesehen — zeugt ebenso von unserem guten sittlichen Verhalten wie für ihre vorzügliche Konstitution, Wir brauchen uns daher nicht weiter zu rechtfertigen. Aber da es nun einmal eine ständige Einrichtung jeder Zeit ist, der Jugend zu erzählen, daß man der '»Erste- in der Klasse gewesen sei, und daß sie nichts, aber auch gar nichts tauge, so möchte ich wenig stens mit allem schuldigen Respekt, den man im Jahrhundert des Kindes der Jugend zollen muß, sagen, daß wir etwas mehr Achtung vor den Erfahrungen und Kenntnissen des Alters halten als man heute gemeinhin bei der Jugend findet. Es werden sich gewiß, wenn weitere Ausführungen über dieses Thema ge wünscht werden, genug berufenere Federn finden. Ich beschränke mich auf den Hinweis, daß wohl hauptsächlich aus dieser Achtung die Anhänglichkeit an die alte Buchhändler-Lehranstalt er wachsen ist. Wer aufmerksam die Bestrebungen verfolgt hat, die unter dem Schlagwort Volkshochschulbcwcgung sich in der Zeit kurz nach dem Kriege fast zu einem »Bildungsrummel- auswuchsen, kann nur wünschen, daß das buchhändlerische Bildungswesen davon verschont bleibe. Vielleicht würde der sachkundige Hin weis seitens buchhändlerischer Berater den nach Erkenntnis und Bildung strebenden Volksgenossen die Wege zu einer Höherent wicklung ihres Menschtums besser erschließen als der halb- oder ganzjährige Besuch einer modernen Bildungsstätte, Denn viele dieser Schulen werden, statt sie tiefer in ihren Beruf hinein zuführen, sie nur mit unklaren Hoffnungen und Wünschen er-' füllen, um sie am Schlüsse als Führer (Gewerkschaftssekretär) irgendeiner kleinen oder größeren Partei Mißvergnügter landen zu lassen. Diese Wege wird hoffentlich das buchhändlerische Fortbildungswescn nicht beschreiten, Wohl aber wäre es aufs lebhafteste zu begrüßen, wenn alle am Gedeihen unseres Berufs beteiligten Kreise der Weiterbildung unseres Nachwuchses im Sinne der Erfassung der ganzen Persönlichkeit des Schülers die größte Aufmerksamkeit schenken würden. Denn mehr auf diese als auf das größere oder geringere Maß des Wissensstoffes kommt es an, darauf, sie zu Männern zu machen, die sich der großen Aufgabe ihres Berufes bewußt sind. Erst wenn der Buchhandel voll seine Mission erkennt, wird er die Achtung seiner Amwelt gewinnen und auch verlorenes Terrain zurückerobern können. Darum ist mir die Frage der Ausbildung des buchhändlcrischen Nachwuchses stets wichtiger erschienen als selbst die Ausbildung des buchhändlerischen Lohntariss, Persönlichkeiten können da viel mehr ausrichtcn als Maßnahmen, Daß es dem Buchhandel nicht daran fehlen und die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt dazu beitragen möge, sie auch im kommenden Viertcljahrhundert hecanzubilden, wünscht aufrichtigen Herzens ein alter Schüler, Für die buchhändlerische Fachbibliothek. Alle flir diese Rubrik bestimmten Einsendungen sind an die Schrift leitung des Börsenblattes, Leipzig, Gerichtsweg 26, Postschließ- fach 274/75, zu richten. Vorhergehende Liste s. 1928, Nr. 134. Bücher, Zeitschriften, Kataloge usw. ADV - Mitteilungen. Hrsg, vom Arbeitgeberverbande der Deutschen Buchhändler, Sitz Leipzig, Gerichtsweg 26. 7. Jahrg., Nr. 12. Aus bem Inhalt: Bericht über die Hauptversammlung bes Arbeitgeber-Verbandes. Albumasar, Tractatus florum astrologie. (Augs burg, Erhard Natdolt 1488.) Leipzig 1928: Deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum. 40 S. m. 73 Holzschnitten. Für Mitgl. des Vereins Mk. 2.—, für Nichtmitglieber Mk. 3.—. Tie Reproduktion wurde im Manulverfahren der Zwickauer Firma F. Ullmann in 1000 Exemplaren hergestellt und dem Deutschen Buchmuseum gestiftet. ^ un 3 I 6 n. Lind LdbwdiLdrisdkd dlvnaissekrikt. 2. ^LÜrx., Ildkt 6. 719
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