Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.10.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1932-10-11
- Erscheinungsdatum
- 11.10.1932
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19321011
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-193210111
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19321011
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1932
- Monat1932-10
- Tag1932-10-11
- Monat1932-10
- Jahr1932
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
238, 11. Oktober 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn Buchhandel. eines Bildungsplancs und vor allein die nie außer Acht zu lassende Forderung, von einer passiven zu einer aktiven Bildung zu gelangen, d. h. unter der Fülle des Bildungsgutes das Schöpferische nicht zu vergessen. Als Vildungsmittel stehen Buch, Broschüre, Zeitschrift und Zei tung an erster Stelle. Hinweise auf die Technik des Lesens schlossen sich an die Ausführungen von Hans Bott an. Professor A n tz, der sich über die Technik des Lesens eingehend äußerte, faßte seine Gedanken hierüber etwa folgendermaßen zusammen: »Belletristik unbefangen lesen — vom wissenschaftlichen Buch sich führen lassen.« Es wurde besonders betont, daß in politisch so bewegten Zeiten wie den gegenwärtigen vom Buchhändler eine umfassende politische Bil dung verlangt werden müsse, daß diese jedoch nie vollkommen sei ohne historischen Unterbau, um den politischen Ereignissen gegenüber eine gewisse Objektivität einhalten zu können. Eine wertvolle Ergänzung erfuhr die Bottsche Arbeitsgemein schaft durch ein Referat von Walter Quitmann über die Werbung im allgemeinen und die Werbung für das Buch im besonderen. Da der Referent die Probleme der Werbung auf Grund seiner beruf lichen Tätigkeit und seiner wissenschaftlichen Fachstudien wohl be herrschte, wußte er das große Gebiet der Werbung geschickt aufzu teilen. Quitmann versuchte, vom Standpunkte des Bücherläufers aus darzulegen, was der deutsche Leser und Kunde vom Buchhändler an Werbung für das Buch erwartet. Die interessanten Ausführungen lassen sich zusammenfassen in den Satz: Werbung für das Buch ist nicht allein Reklame (als eine Summe von Werbemaßnahmen zur Steigerung des Umsatzes), sondern gleichfalls Propaganda (als die Summe der Werbemaßnahmen für eine Idee) für das Buch an sich als ein Kulturgut' nicht zuletzt ist Werbung für das Buch auch Wer bung für den Stand des Buchhändlers als den des Vermittlers kul tureller Werte. Die sich an das Quitmannsche Referat anschließende, sehr lebhafte und fruchtbringende Aussprache zeigte, welch starkes In teresse des Jungbuchhandels an den Problemen der Werbung vor handen ist. Die rein praktische Frage der Kundenbuchanzeige be handelte der Unterzeichnete in einer Arbeitsgemeinschaft, bei der die Bücher: »Benrath, Ball auf Schloß Kobolnow« (Deva); »Nendl, Vor dem Fenster« (Deva): »Fallada, Kleiner Mann, was nun?« (Ro wohlt): »Matthiesen, Briefe an eine kranke Freundin« (Gilde): »Gründel, Die Sendung der jungen Generation« (Beck): »Schrey- vogl, Liebe kommt zur Macht« (Staackmann) als Grundlage benutzt worden sind. Vom Schaufenster als Kundenbuchanzeige an den Un bekannten der Straße bis zum Kundengespräch (mit einer Anleseprobe zur schnellen Orientierung), von den verschiedenen Formen der Druck sachen bis zum Werbebrief (allgemein und individuell) wurden die wichtigsten Fragen aufgeworfen und unter lebhafter Beteiligung er örtert. An Hand der eingereichten Werbebriefe war eine fruchtbare Aussprache über die vorteilhafteste Abfassung des Werbebriefs, die Möglichkeiten seiner Verwendung und seines Erfolges gegeben, der sich eine aufschlußreiche Aussprache über Sinn und Technik der Kunden kartei anschloß. Die B ü ch e r k u n d l i ch e Arbeitsge m e i n s ch a f t, die vor allen Dingen von Professor A n tz (Bonn) in hervorragender Weise getragen wurde und an der sich auch Bibliotheksdirektor vr. Sulz und der Unterzeichnete beteiligten, begann mit einer Besprechung des -biographischen Werkes von Albert Schweitzer: »Aus meinem Leben und Denken«. Neben einer Gesamtwllrdigung von Schweitzers Leben und Werk, der Persönlichkeit und des Schriftstellers, wurde auch hier die Werbung für die Bücher Albert Schweitzers besprochen. »Möller van den Bruck, Das dritte Reich« (Hanseatische Verlagsanstalt) führte zu einer grundsätzlichen Aussprache über die Fragen der Politik — »Renatus, Die zwölfte Stunde der Weltwirtschaft« (Beck) bildete die Grundlage eingehender Diskussionen über Wirtschaft und Wirtschafts krisen. Eine Übersicht über die Werke von Hielschcr, »Das Reich« und Jung, »Herrschaft der Minderwertigen« vertieften die gewonne nen Erkenntnisse und vermittelten den jungen Hörern einen Einblick in die politische Literatur der Gegenwart, einen Einblick, der durch die anschließende, ausführliche Besprechung von »Gurian, Der Bol schewismus« (Herder) besonders verstärkt wurde. Curtius: »Deut scher Geist in Gefahr« (Deva) gab die Möglichkeit, über die Persön lichkeit von Curtius und den Wert der humanistischen Bildung zu sprechen sowie über die Aufgaben, die dem deutschen Buchhandel in dieser Hinsicht zufallen. Als letztes der zur Besprechung gestellten Werke gab dann Rosenstock »Das Arbeitslager« (Dicderichs) noch ein mal die Gelegenheit zu einer lebhaften Debatte über die uns alle brennend interessierenden Fragen der Gegenwart. Das Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft konnte und durfte nicht in einer Übermittlung eines abgeschlossenen politischen und wirtschaftlichen Bekenntnisses liegen: der Zweck war lediglich der, die Vielzahl der Meinungen an Hand der neuesten Literatur aufzuzeigen und dadurch einen mög lichst weiten Blick für die Gegenwartsprobleme zu öffnen. 742 Wenn wir die Wissenschaftskunde in unser Arbcits- programm aufnahmen, so geschah es, weil wir in den Jahren unserer Arbeit mit den Jungbuchhändlern gesehen haben, wie wichtig eine solche Einführung ist. vr. Sulz hat in fesselnder Weise im Laufe mehrerer Vorträge den Hörern einen Einblick in die großen Zu sammenhänge der Natur- und Geisteswissenschaften gegeben. Aus gehend von den Fakultäten der Hochschulen gab er eine Unterteilung der Wissenschaften, zeigte die Querverbindungen und führte Schritt für Schritt durch die großen Systeme. Hierbei ließ er nie das Buch und die namhafen Autoren außer acht und gab somit dem Jung buchhändler die für seine buchhändlerische Praxis so wichtige und oft nicht genügend erkannte Kenntnis des ganzen Komplexes wissenschaft licher Arbeit und wissenschaftlicher Literatur. In Fortsetzung dieser Arbeitsgemeinschaft griff Professor Antz das Gebiet der Päd agogik heraus. Er ging von der Frage aus, die den Buchhändler am meisten interessieren mußte: Welches sind die bekannten Pädago gen und ihre Werke, die für Verleger und Sortimenter Erfolg be deuten? Von dieser Grundlage aus rollte Professor Antz das ganze Gebiet der Pädagogik auf. Angefangen von den Vorkriegsströmungen in der Pädagogik (»Vom Kinde aus!«) über die Arbeitsschule bis zu den modernsten Problemen, stets unter weitestgehender Berücksichtigung der pädagogischen Literatur, ihrer Autoren, Verleger und ihrer Be deutung für das Sortiment. Eine Übersicht über die pädagogischen Zeitschriften schloß sich an. Wie groß das Interesse für diese Ar beitsgemeinschaft war, zeigte die außerordentlich starke Mitarbeit aller Anwesenden. Verlags- und W i s s e n s ch a f t sk u n d e verband an schließend Hans Ferdinand Schulz -Bonn in seiner Arbeitsgemein schaft über Rechtswissenschaft (unter Zugrundelegung der Werke der Verlage Beck-München und Carl Heymann-Berlin). Dank der Liebenswürdigkeit des Verlages Heymann konnte der Referent Schwarz's »Einführung in die Rechtswissenschaft«, das vom Verlag jedem Teilnehmer geschenkt worden war, als Grundlage seiner Aus führungen benutzen und so einen Überblick über den oft nicht leichten Aufbau der Rechtswissenschaften geben. Durch geschickte Frage stellungen verstand es Schulz, die Hörer zu einer regen Teilnahme anzuregen. Ebenfalls in Verbindung von Verlags- und Wissen schaftskunde behandelte Hans Ferdinand Schulz das übergroße Ge biet der Medizin (an Hand der Verlagsproduktion von Georg Thieme, Leipzig). Sehr glücklich war der Wechsel in der Vortrags taktik des Referenten, der den jungen Medizinstudenten vom ersten Semester bis zum Staatsexamen begleitete und so an den einzelnen Stadien, die dieser durchlaufen muß, die ganze Terminologie der Medizin zu erläutern und die maßgebliche Literatur zu nennen. Die Verbindung von Verlags- und Wissenschaftskunde, wie sie Schulz aufgebaut hat, ist als besonders glücklich zu bezeichnen und kann bei der Fortsetzung dieser Arbeiten nur empfohlen werden, wenn ich auch selber bei der von mir geleiteten Arbeitsgemeinschaft verlags- kundlicher Art (über den technischen Verlag von Julius Springer, Berlin) anders vorgegangen bin. Es kam mir innerhalb der reinen Verlagskunde darauf an, zunächst die Gründer-Persönlichkeiten, die geschichtlichen Voraussetzungen und die allgemeine Situation der Gründungszeit sowie die Persönlichkeiten, die wesentlich bestimmend für die Entwicklung des Verlages gewesen sind, klar herauszu stellen und auf dieser Grundlage das Wachsen, Werden und die Be deutung des Verlages darzustellcn. Aus der vielverzweigten Ver lagsproduktion von Julius Springer wurde der technische Verlag herausgegriffen und eingehend behandelt. In ähnlicher Weise ver suchte ich den Teilnehmern Einblick in das Werden und Wirken der Verlage I. Engclhorn Nachf.-Stuttgart und Paul List-Leipzig zu verschaffen. Ein kurzes Referat über die Bedeutung und die Entstehung der Verkaufs- und Verkehrsordnung des Börsenvereins gab die Mög lichkeit zu einer Aussprache über die einzelnen wichtigen Paragra phen. Besonders dankbar wurde es begrüßt, daß der Börsenverein jedem Teilnehmer ein Exemplar der Verkaufs- und Verkehrsord- nung überreichen ließ. Weiter konnte den Teilnehmern die vom Verein Leipziger Kommissionäre herausgegebene Mappe »Der Ver kehr über Leipzig« zur Durcharbeitung übergeben werden. Außerhalb des offiziellen Programms sprach an zwei Abenden Direktor Tidten von den Folkwangschulcu in Essen über Stefan George. Tidten, ein alter, gern gesehener Freund unserer Freizeiten, gab am ersten Abend eine Einführung in Wesen und Werk des Dich ters George und las dann am folgenden Abend aus Stefan Georges Dichtung. Tidtens hohe Sprachkultur vermittelte einen so starken Eindruck, daß man wohl mit Recht sagen kann, daß für alle Teil nehmer dieser Abend, der dem Dichter Stefan George geweiht war, der schönste und nachhaltigste gewesen ist. An einem anderen Abend las Kutzbach-Bonn Novellen und Gedichte von Paul Ernst. Leider siel der angekllndigte Besuch von Josef Winckler und Heinrich Lersch aus.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder