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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.10.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1932-10-11
- Erscheinungsdatum
- 11.10.1932
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- Deutsch
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X- 238, U. Oktober kW. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. DtschnBuchhanbcb. einmal ein ehrliches Wort gesagt. Wenn ein Dampfer einer großen Schiffahrtsgesellschaft mit drahtloser Telegraphie aus gerüstet wird und die Zeitung einen spaltenlangen Bericht, womög lich mit einem Bilde des Schiffes bringt, — ist das nicht kostenlose Reklame für die Schiffahrtsgesellschaft, die im übrigen nur die größten Zeitungen mit einem Inserat für die freundliche Aufmerk samkeit entschädigt? Oder wenn bei dem Bäckermeister Sowieso in der betreffenden Stadt ein Einbruch geschieht, wem kommt dabei zum Bewußtsein, daß der Bericht über diesen Einbruch selbstverständlich auch eine Reklame für die Bäckerei des Betreffenden darstellt? Da ist man nicht so engherzig, sondern beruft sich auf das allgemeine Interesse, dem man mit solchen Berichten Genüge tun müsse. Nur beim Buch ist es anders. Eine bedeutende geistige Leistung, in Buch form dargebracht, beansprucht offenbar in den Augen vieler Zeitun gen kein allgemeines Fnteresse, da ist ein Bericht nur eine »kostenlose Reklame«, die mit einem Besprechungsexemplar viel zu wenig bezahlt ist und um die man sich bitten läßt, wenn man es nicht vorzieht, ein solches Ansinnen ganz abzulehnen. Auf Grund langjähriger Er fahrung darf ich sagen, daß die Zahl dieser Zeitungen keineswegs so klein ist, wie man annehmen sollte. Uber den »Neklame«-Wert einer Buchbesprechung soll weiter unten noch gesprochen werden. Nicht klein ist weiterhin die Zahl der Zeitungen, die bedeutende Publikationen dem Wert von Modewaren und Magentropfen glcich- setzcn und daher ein paar bisweilen sinnlos aus dem Waschzettel herausgerissene Sätze in Nachbarschaft mit dem Handels- und An zeigenteil als Füllsel auf der letzten Seite des Blattes unterbringen. Das hat den Vorteil, ein Besprechungsexemplar für die Weihnachts bescherung der Angestellten und Familienangehörigen beanspruchen zu können, ohne daß es viel Anstrengung gekostet hätte. Und der Verleger muß noch gute Miene zum bösen Spiel machen, denn es handelt sich vielleicht um das einzige Blatt größerer Auflage in einer bedeutenden Stadt mit viel Lesepublikum und mehreren Buchhand lungen. Ist es wirklich so, daß es der Verleger als eine Gnade betrachten muß, wenn seine Bücher in der Presse besprochen werden? Daß es Blätter gibt, leider nur ein recht geringer Prozentsatz der deutschen Zeitungen, die es für ihre Pflicht halten, der zeitgenössischen Lite ratur sorgfältige Aufmerksamkeit zu widmen, war schon gesagt wor den. Auch der Verleger muß sich auf den Standpunkt stellen, daß es nicht Gnade, sondern Pflicht einer gutgeleiteten Zeitung ist, ihr Publikum auch über das geistige Leben Deutschlands sorgfältig zu unterrichten und das geistige Deutschland zum mindesten der Bedeu tung von Verkehrsunfällen und Mordsensationen gleichzustellen. Man darf gerade in dieser Zeit nicht verkennen, daß die Pflege des gei stigen Lebens, wie sie sich die großen, verantwortungsbewußten Ver lagsanstalten Deutschlands zur Aufgabe gesetzt haben, nur zu einem sehr kleinen Teil ein gewinnbringendes Unterfangen ist. Wer es als Verleger ablehnt, Sensationsliteratur und Massenlektüre auf den Markt zu werfen, wer auf Niveau seines Verlagsgesichtes hält und nur Bedeutendes herausbringt, der erfüllt heute eine nationale Auf gabe in nahezu selbstloser Weise. Daß ihn ein Teil der deutschen Presse als Bittsteller antichambrieren läßt, entspricht weder der Würde des großen Verlegers noch seiner Autoren, noch der Würde eines Blattes, das mehr als den Rang eines gewissenlosen Asphalt- Journals behaupten will. Dabei ist es keineswegs so, daß der Verlag rein geschäftsmäßig einer Buchbesprechung keine Gegenleistung entgegenzustellen vermag, selbst wenn er keine bezahlten Anzeigen aufgibt. Die Presseurteile, die er mit Quellenangaben auf Buchumschlägen und in Prospekten, ja selbst im Anzeigenteil am Schluß der Bücher wiedergibt, sind auch für die betreffenden Zeitungen von materiellem Wert. Eine Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften hat das längst erkannt und bittet die Verleger geradezu, auch ihre Urteile bei solchen Nennungen zu be rücksichtigen. Wer genannt wird, wird bekannt, wer in guter Ge sellschaft genannt wird, wird gut bekannt: das sollte auch die Presse und ihre Herausgeber nicht übersehen, zumal Verlage, die sich des Wertes ihrer Publikationen bewußt sind, schon oft dazu übergegangen sind, auch gänzlich absprechende Urteile in Gegenüberstellung mit guten Kritiken zu veröffentlichen und es dem Leser zu überlassen, welcher Zeitung er die größere Urteilsfähigkeit beimißt und das größere Vertrauen entgegenbringt. Es muß also nicht so sein, daß eine' Zeitung ihre Nennung in Prospekten usw. immer nur mit Lob hudeleien zu erkaufen vermag. Der gute Verleger will seine Bücher ernst genommen wissen, eine begründete Kritik zieht er gern belang losen Lobesworten vor. Und zum Schluß noch etwas zum Wert jener »Reklame« selbst. Selbstverständlich ist es von äußerster Wichtigkeit, wenn ein Buch in der Presse einer Stadt mit gutem Lesepublikum genannt wird. Darüber hinaus hat die Besprechung eines bedeutenden Kritikers in einem Blatt von Weltruf oder wenigstens von gutem Namen in ganz Deutschland einen hohen repräsentativen Wert nnd einen Wert für den Autor, der den Widerhall in der Presse braucht, um Frucht und Ergebnis seines Werkes überprüfen und für die Zukunft seine Lehre daraus ziehen zu können, sei es in positiver oder negativer Richtung. Die direkte Wirkung von Buchbesprechungen auf den tatsächlichen Verkaufserfolg darf man jedoch nicht überschätzen. Den Verkaufs- erfog eines Buches bedingen viele Faktoren, unter denen die Buch kritik in der Presse nur einer ist. Alle Verleger kennen die Erschei nung, daß ein Buch mitunter eine ausgezeichnete Presse bekommt und immer wieder genannt wird, und trotzdem nur einen bescheidenen Verkaufserfolg zu erringen vermag. Auch die Redaktion, die einem Buch oder der ganzen Produktion eines Verlages die größten Sym pathien entgegenbringt und dieser Einstellung öffentlichen Ausdruck gibt, darf sich nicht ohne weiteres als einflußreichen Gönner oder gar als indirekten Mäcen betrachten. Gar häufig mischt sich in die Dank barkeit des Verlages für so freundschaftliche Haltung das bittere Ge fühl der Nutzlosigkeit selbst der besten Anstrengung. Trotzdem kann und will der deutsche Verleger nicht ohne die Presse auskommen und es liegt ihm an möglichst guten Beziehungen zu seinem Vetter von der schwarzen Kunst. Auch dieser Vetter ist heute nicht auf Rosen gebettet und er hat seine eigenen Sorgen. Aber wir wollen uns doch, zumal bei so naher Verwandtschaft, nicht das Leben gegenseitig noch unnötig schwerer machen. Verständnis auf beiden Seiten wird den Kampf um unsere Behauptung, der auch ein Teil, und kein geringer, des gesamten deutschen Kampfes um Leben und Lebensmöglichkcit ist, erleichtern nnd fruchtbarer gestalten. Das Verständnis aber darf sich nicht nur auf die materiell-geschäft liche Seite unserer Arbeit beschränken, sondern muß der Würde und Bedeutung unserer Arbeit eingedenk sein. Auch dem Herrn Einsender von der Presse ist zu sagen, daß er die Frage der Buchkritik unter keinen Umständen nur unter dem Gesichtswinkel der Reklame und als ein Betätigungsfeld lediglich des »Propagandisten« sehen darf. Mit gutem Recht beklagt er sich über gewisse Auswüchse des Besprechungs wesens, aber er darf schließlich nicht alles über einen Leisten schlagen. Jedenfalls wollen diese Zeilen zu ihrem Teil daran erinnern, wenn die deutsche Buchproduktion des Herbstes 1932 ihrer Würdigung durch die deutsche Presse harrt, daß Buchverleger wie Zeitungen auch in der Frage der Buchkritik ihr Ansehen bewahren und das schwierige Problem so lösen, wie es der Pflicht und einer verständigen Haltung gegenüber der deutschen Öffentlichkeit entspricht. vr. Günther Haupt. Bericht über die Freizeit des Kreisvcreins der Rheinisch-Westfälischen Buchhändler vom 4. bis 11. September 1932 auf der Freusburg bei Kirchen an der Sieg. Die diesjährige Freizeit knüpfte bewußt an die Freizeit des ver gangenen Jahres an, um die dort gewonnenen Erkenntnisse nicht nur zu erweitern, sondern vor allen Dingen zu vertiefen. Bücher kunde, Verlagskunde und W i s s e n s ch a f t s k u n de waren die drei leitenden Gesichtspunkte, unter die die Referenten ihre Arbeit stellten. Hans Bott leitete die Freizeit mit einer Arbeitsgemeinschaft ein, deren Thema lautete: »Technik der Arbeit: Selbftbildung und Beruf, allgemeine, gesellschaftliche und politische Bildung«. Zu Beginn stellte er die Frage: »Warum bilde ich mich selbst weiter?« zur allgemeinen Aussprache und schloß hieran unmittelbar die Frage: »Wie bilde ich mich?« an. Das Ergebnis dieser Aussprache sei nach folgend kurz wiedergegeben: Die geistige und körperliche Entwicklung führt den jungen Menschen früher oder später zu Auseinandersetzun gen mit der Umwelt und damit zu den großen weltanschaulichen Pro blemen. Die Erkenntnis eigener Unfertigkeit der Vielheit der anstür menden Eindrücke gegenüber führt zwangsläufig zu dem Streben, sich weiterzubilden. Hinzutritt die Erfahrung, daß nur ein großer Fundus von Wissen zu wirtschaftlichem Erfolg führt. Zwei Motive leiten also den jnngen Menschen zur Selbstbildung hin, das Bestreben, die großen Zusammenhänge recht zu erfassen und die Erkenntnis op portunistischer Natur, durch größeres Wissen wirtschaftliche Vorteile zu erringen. In der Frage: »Wie bilde ich mich?« kommt es neben der Einhaltung innerer Disziplin sehr stark auf das Erbe in der Bil dung an, die stetige Beachtung des Leitsatzes: »Werde, der du bist«, neben das eine bestimmte revolutionäre Auffassung tritt, die, keine Ruhe gönnend, zu der Aufforderung drängt: »Wir bauen neu!« In diesem Zusammenhang wurden die Bücher von Carossa und die bio graphischen Werke von Albert Schweitzer erwähnt, die bei einer ganzen Anzahl von Teilnehmern von entscheidendem Einfluß bei ihrer Selbst- bilduugsarbeit waren. Besonders betont wurde die Notwendigkeit 741
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