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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.05.1928
- Strukturtyp
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- 1928-05-10
- Erscheinungsdatum
- 10.05.1928
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- Deutsch
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Den Dank der Gäste brachte Herr Reichsgerichtsprästdent vr. Simons in folgender mit Interesse und lebhafter Zustim mung aufgenommenen Rede zum Ausdruck: Hochverehrte Damen und Herren! Eine doppelte Tat sache gibt mir den Mut, nach den begeisterten Worten Ihres Herrn Festredners Ihre Aufmerksamkeit noch einmal an diese Stelle des Festsaales zu heften. Die eine Tatsache ist die, daß ich einen Ehrenplatz neben dem silbernen Pegasus gehabt habe und infolgedessen mich als Gast sühlen dars, der be rechtigt ist, Dank zu sagen für die freundliche Begrüßung, die wir Gäste eben gehört haben. Die zweite Tatsache ist die, daß ich zu meiner Überraschung von verschiedenen Seiten der Behörden gebeten worden bin, in ihrem Namen dem Danke für den heutigen Festabend gegenüber dem Borstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler Ausdruck zu geben. Ich vertrete hier das Reich in meiner Eigenschaft als Reichsgerichtspräsident, und ich habe gleichzeitig die Grüße und den Dank zu überbringen von den Vertretern der Reichs regierung: den Vertretern des Reichswirtschaftsministeriums und des Auswärtigen Amtes, die hier unter uns weilen, und auch des Reichstags, dessen uns Leipzigern vielleicht bekann testes Mitglied gleichfalls an der Ehrentafel Platz genommen hat. Ich habe dann Dank und Gruß zu überbringen von der Sächsischen Landesregierung, deren Wirtschaftsministe rium heute hier vertreten ist. Ebenso hat mich der Vertreter der Stadt Leipzig, der den verhinderten Herrn Oberbürger meister hier unter uns vertritt, darum gebeten, hier für ihn zu sprechen. Dazu kommt weiter die hohe Ehre, die ich habe, den Gefühlen Seiner Magnifizenz des Rektors unserer Leip ziger Universität, den Gefühlen des Vertreters der Handels hochschule, sowie den Gefühlen der Vertreter sonstiger Landes- und Reichsbehörden Ausdruck zu verleihen. Ich bitte es mir nicht zu verargen, wenn ich etwa diesen oder jenen vergessen haben sollte. Was ich aufgezählt habe, das sollte ja nur be weisen, mit welch lebhafter Teilnahme die Behörden des Reiches und des Landes diesem Festtage des deutschen Buch handels beiwohnen. Es ist darauf hingewiesen worden, daß diesem Festtage gewisse Wolken zu erwachsen schienen. Diejenigen Wolken, die von Ihnen, meine Herren, die Sie uns geladen haben, vielleicht am schwersten empfunden wurden, die am drohend sten schienen, haben sich ja, wie wir zu unserer Freude gehört haben, wenn auch nicht ganz verzogen, so doch weit hinten in den Horizont hinein zurückdrängen lassen, und wenn wir heute morgen zu unserem Erstaunen lasen, daß das hundert jährige Fest der Kantate-Versammlung der deutschen Buch händler in seiner Eigenart verschwinden sollte, so hat sich auch diese Wolke ebenso vollkommen in Rauch aufgelöst wie die schönen Buchstaben, die uns beim Hierherkommen das Flug zeug da oben an den Himmel gemalt hat. (Heiterkeit.) Ich hatte schon gefürchtet, es wäre das ein Symbol und als wollte die findige Gesellschaft, die so groß in Reklame ist, damit an deuten, daß künftig die Buchhändlermesse und die Jndustrie- und Handelsmesse zusammensallen sollten. Das ist aber Gott sei Dank nicht der Fall, und man kann sich des Kantate-Festes noch für sich allein erfreuen. Meine Herren, gestatten Sie, daß ich diesem offiziellen Gruß und Dank noch ein paar persönliche Worte anschließe! Es ist heute nicht das erste Mal, daß der Börsenvereinsvor stand mir die Ehre erwiesen hat, mich zum Kantate-Festmahl einzuladen; aber es ist das erste Mal, daß ich der Einladung folgen konnte, und heute morgen hatte ich schon den Ge danken: »Du hast doch wirklich Dusel, daß du jetzt das letzte Mal erwischst, wo die Sache noch stimmt»; denn nach den »Leipziger Neuesten Nachrichten» sollte es ja das letzte Mal sein. (Heiterkeit.) Nun, ich hoffe, daß es mir, wenn der Vor stand mich künftig wieder der Ehre für würdig erachten sollte, gelingen wird, auch noch ein andermal in diesem Kreise zu verweilen, hier in diesem wunderschönen Saale, von dem ich nicht weiß, ob meine Stimme für ihn ausreicht, der als Raum wirklich prachtvoll ist, den aber der Architekt damals vielleicht 618 dem Geschmack der Zeit gemäß etwas zu schön hat machen wollen. (Heiterkeit.) Meine verehrten Herren, ich darf mich rühmen, mit dem deutschen Buchhandel schon von meinen Gymnasiastenzeiten her in einer gewissen engen freundschaftlichen Verbindung zu stehen. Als ich von meinem lieben Vater als Gymnasiast mein Taschengeld erhielt, da habe ich es fast ausschließlich zu dem Buchhändler Bernhard Hartmann in Elberfeld getragen, der mir — ich kann wohl sagen: — eine väterliche Freund schaft widmete und mit dem mich ein unbedingtes Vertrauen von meiner Seite verband. Er hat mein Elternhaus und meine Gymnasiasten- und Studentenbude mit unnachahm lichem Entgegenkommen und dem weitestgehenden Kredit (Heiterkeit) immer versorgt mit dem, was Neues und Schönes aus den Gebieten der Musik, der Philologie, der Geschichte und der Philosophie zu finden war, und wenn ich manchmal als Student über meine Bücherkisten seufzte, so trug er das Verdienst davon. Und, meine Herren, ich habe mich dem deutschen Buch handel und den deutschen Büchern gegenüber eigentlich immer nur als Konsument verhalten, und erst als ich nach dem Frie den von Versailles in den Reichsverband der Deutschen Indu strie eintrat und dort mit einem Herrn, der mir hier gegen überfitzt, manchmal die schweren Zeiten beriet, bin ich auch in das innere Verhältnis des wirtschaftlichen Aufbaues des deutschen Buchhandels eingedrungen. Mit Bewunderung habe ich damals gesehen, wie der deutsche Buchhandel es ver standen hat, die Geistessaat der deutschen Schriftsteller nicht nur zu dem Himmelsbrot zu verarbeiten, von dem eine deutsche Schriftstellerin einmal gesprochen hat, und nicht nur das eigentliche Produzieren, sondern auch die Ver- , teilung zu übernehmen, und wie die Produzenten und die Verteiler in ihren Vereinen in einer so vorbildlichen Weise zusammenarbeiteten, während in den ersten Jahren im Reichsverbande der Deutschen Industrie die eigentlichen Produzenten und die Weiterverarbeiter manchmal in außer ordentlich scharfem Gegensätze gegeneinander standen. Meine Herren, ich wünsche dem deutschen Buchhandel, daß diese vor bildliche Zusammenarbeit, die für die Entwicklung des deut schen Geisteslebens von ganz unabsehbarem Werte ist, sich auch in den künftigen Dezennien und in den künftigen Jahr hunderten weiter bewähren möge. (Bravo!) Meine Herren, ich habe in einem Punkte, glaube ich, Ihr Urteil nicht zu scheuen: ich bin als Schriftsteller kaum an Sie herangetreten (Heiterkeit), und bei dem ungeheuren Maß von schriftstellerischer Produktion werden wohl die Herren Sortimenter wie die Herren Verleger mir das nur als ein Plus und nicht als ein Minus anrechnen. (Erneute Heiter keit.) Allerdings muß ich gestehen: mit einem der Leipziger Verleger habe ich schon einen Vertrag geschloffen (Heiterkeit) über ein Werk, das noch nicht existiert und vielleicht niemals das Licht der Welt erblicken wird. (Große Heiterkeit.) Aber dadurch fühle ich mich in meinem Alter auch wieder ganz besonders mit dem Verlegerstande verbunden, während ich in meiner Jugend bloß mit dem Sortiment zusammenging. So, meine Herren, werden Sie es mir glauben, wenn ich aus vollem Herzen den Toast ausbringe, zu dem ich Sie bitte, sich jetzt zu erheben: den Toast, daß es dem deutschen Buchhandel bcschieden sein möge, nicht nur das deutsche Geistesleben, son dern trotz aller Schwierigkeit unserer jetzigen wirtschaftlichen Lage das Geistesleben der ganzen Welt fernerhin zu befruch ten. Der deutsche Buchhandel, Leipzig, die deutsche Bücher stadt, und der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler und dieser selbst, sie leben hoch! — hoch! — hoch! (Unter lebhaftem Bravo und Händeklatschen stimmen die Versammelten in die Hochrufe ein.) Wieder hatte es Herr HermannHillger übernommen, sich in den Dienst des Unterstützungsvereins Deutscher Buch händler und Buchhandlungs-Gehülfen zu stellen. Gleich die großen Säcke, die er neben sich auf dem Rednerpult ausbaute, erregten größte Aufmerksamkeit. Daß seine aus lustigen Ein fällen und Wendungen bestehende Rede fortwährend durch große
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