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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.06.1934
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1934-06-02
- Erscheinungsdatum
- 02.06.1934
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- Deutsch
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126, 2. Juni 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. b. Dtschn Buchhandel. Werten einer vor kurzem noch schlummernden deutschen Literatur der Gegenwart; wir wissen alle, wie sich unter den Buchhändlern selbst der Widerstand regte gegen diese Vertreter eines so wichtigen und nur vom Geiste her recht verstandenen Standes. Der Buch händler muß ein Seelenkenner erster Ordnung sein, er darf sich als Arzt und Seelsorger fühlen! Er muß dank einer umfassenden Bil dung die alten Güter des Geistes kennen und muß sich in unermüd licher Arbeit durchtasten zu dem sprudelnden Quell wahrer unver bildeter Dichtung der Zeit. Er mutz vor allem auch seine Menschen kennen, denn in den Buchladen kommen die Leute sehr unvorbereitet, sie wollen oft »ein Buch«, nichts weiter, sie betreten ahnungslos den heiligen Hain des Schrifttums. Wie groß und ach, wie schwer ist nun die Aufgabe, dem Suchenden zu helfen, zu raten, aus den schlummernden Reihen in den Regalen das rechte Buch in die rechte Hand zu legen! Die gleiche Aufgabe hat der Büch erwart, sei es in den öffentlichen Büchereien der Städte und Gemeinden, sei es innerhalb der vielen großen Zusammenfassungen unserer Zeit. Hier muß ein Mensch durch und durch sehen können, muß aus kleinen Worten einen großen Wunsch zu erlesen wissen und dabei kein Pflänzlein Sehn sucht zertreten! In der gleichen Richtung liegen die großen Aufgaben der Presse. Was ist hier doch alles gesündigt worden! Welche Zeitung großer Städte (von den mittleren und kleinen ganz zu schweigen!) führte denn eine regelrechte, einem ernsten Kämpfer anvertraute Literaturb eilag e, die sich nicht bei den sattsam bekannten Freundschastskritiken, bei dem Waschzettelabdruck und so weiter auf hielt, sondern in mühevoller, aber köstlicher Sichtarbeit die Dinge beim rechten Namen nannte und auch für alles (auch für unvermeid liche Jrrtümer!) mit vollem Namen und damit mit der journalisti schen Ehre eintrat! Hier war eine Leitung und Führung der Leser schaft möglich, und hier strömte gar oft der Dank zurück auf den einsamen Mann hinter seinem Büchertisch! Daß die wöchentliche Buchbeilagc für alle Teile der heutigen Presse eine Selbstverständ lichkeit werden möge, ist die Hoffnung aller, die den großen Auf gabenkreis der Presse im neuen Staate überschauen. Aber sie alle, diese Wächter am Buche und damit am deutschen Worte und am Sinn des Geistes, sie alle müssen ihre Blicke gerichtet halten auf die wahren und unverlierbaren Schätze des ewigen und wahren Deutschen und auf das Große anderer Kulturen. Wir können uns eine neue Konjunkturpolitik auf diesen Gebieten nicht leisten, wir müssen suchen und lange wählen, ehe wir etwas wahrhaft be jahen, das Gute muß eine harte Hammerprobe bestehen und muß vom Vergänglichen und nur Zeitlich-Bedingten mit entschlossener Gewißheit geschieden werden. Und zum Guten gehört das dem Volks ganzen Dienende, also auch das im Volke wurzelnde Buch, das leben dig redet und uns Zeugnis gibt vom Charakter und vom Streben, vom Kampfe und von der Sehnsucht eines starken Geistes. Mag sich dabei auch oft Sinn und Gestalt unter dem Nankwerk dichterischer Eingebung verbergen; denn das Große und Heldische liegt keines wegs immer zutage, es hat oft Masken, ist der Heimsuchung aus gesetzt, aber wenn es rein ist, dann wächst es umso freier empor und schenkt uns die Blüten des Geistes, führt uns zu den Quellen, an denen wir und kommende Geschlechter uns gerne laben wollen. Hütet das Buch, ihr hütet Volkstum und Dichtung! Hans Franke. Das gemeinsame Arbeitsziel von Presse und Buchhandel. Von vr. Ludwig B a e r, Nürnberg. Ein Stuttgarter Verlag hat vor einiger Zeit eine Rundfrage veranstaltet, um festzustellen, auf welche Anregungen die meisten Buchkäufe zuriickzuführen seien. Es ergab sich, daß den weitaus größten Teil der Anregungen die Buchkritiken der Tageszeitungen und Literatur-Zeitschriften darstellen. Dieses Ergebnis muß man, wie alle Statistik, relativ nehmen. Das absolute Zahlenbild täuscht. Ein Beispiel aus der Zeitungspraxis. Der Referent veranstaltete eine Rundfrage: »Welcher in unserem Blatt im letzten Jahr erschienene Roman hat Ihnen am besten gefallen und warum?« Das Ergebnis war ebenso erstaunlich wie erfreulich. Wenn an erster Stelle der Roman »Standarten im Nebel« von Fredersdorfs stand, so ist das weniger literarisch als politisch be gründet, denn der Roman erschien zu einer Zeit, da die nationale Bewegung immer weitere Kreise umfaßte. Im übrigen aber ver einigten sich die meisten Stimmen auf Knut Hamsuns »Viktoria«, auf Kolbenheyers »Karlsbader Novelle«, auf Reck-Malleczewens »Frau Ubersee« und Kurt Heynickes »Eiland des Glücks«. Dieses Ergebnis war um so überraschender, als die sonst auf den Schreibtisch flatternden Zuschriften eine andere »literarische« Tendenz, nämlich eine gewisse Vorliebe für Kitsch, verraten. Dieser scheinbare Wider? spruch ist so zu erklären, daß sich an einer Rundfrage, die eine Be gründung einer Meinungsäußerung verlangt, von vornherein nur solche Menschen beteiligen, die eine innere Beziehung zu diesen Fragen haben. Dieses Beispiel wird deswegen erwähnt, um die Statistik des Stuttgarter Verlages auf ihre tatsächliche Bedeutung zurückzu führen. Man wundert sich vielleicht, daß ein Journalist diese Sta tistik, die doch so sehr für die Wirkung der Zeitung spricht, relativiert. Man kann wohl noch weitergehen und sagen, daß die Buchkritik bei sehr vielen Zeitungen im argen lag und noch im argen liegt. (Wir er innern in diesem Zusammenhang an unsere Veröffentlichung über das Thema: Buch und Buchkritik. D. Schrift!.) Die Gründe dafür sind mancherlei. Wenn darauf hingewiesen wird, die Verleger stellten den Platz nicht zur Verfügung, weil die Buchseite gar nichts eintrage, so ist diese Behauptung nicht zu verallgemeinern. Tenn es steht ja auch der Platz für die Theaterkritik zur Verfügung, die ebenfalls »nichts einträgt«. An dieser Platzfrage ist meist nicht der Verleger schuld, sondern das Publikum. Lassen Sie mal eine Witzecke acht Tage ausfallen, Sie bekommen sofort Beschwerdezuschriften. Bei längerem Ausfall der Literaturseite dürften Sie wohl vergebens auf solche Zuschriften warten. Und aus der Nachfrage des Publikums gestalten sich die Verhältnisse. Darum ist die Hauptaufgabe des Feuilletonisten (ähnlich wie die des Buchhändlers) eine erzieherische — nicht in der Haltung des Präzeptors, sondern eine psychologisch-pädagogische Aufgabe. Man kann die Masse als solche nicht bilden. Aber man kann die einzelnen erfassen, man kann viele einzelne erfassen, man kann viele Ge meinden schaffen, die Kultur in sich tragen und weitertragen. Und nur auf diesem Wege wohl ist organische Volkserziehung nötig. Diese Aufgabe haben die verantwortungsbewußten Feuilletonisten und die wirklichen Buchhändler gemeinsam. Die wirklichen Buchhändler, denen das Buch nicht nur Ware ist, die vielmehr ein inneres Ver hältnis zum Buche haben und denen die notwendigen geschäftlichen Voraussetzungen nur Mittel zum Zweck sind, zu dem Ziele, zu dem die Wege des Buchhandels und des Zeitungs-Feuilletons eng neben einander liegen. Die Überwindung dieses Weges erfordert, wie gesagt, eine stete, ausdauernde, ernste Erziehungsarbeit. Die Zeitung hat viele Mög lichkeiten, diese Arbeit zu leisten. Sie kann vor allem den zeit genössischen Dichtern Raum und Geltung verschaffen. Sie kann einem großen Teil der Leserschaft den Geschmack an guten Erzählungen anerziehen. Dieses Bemühen wird immer wieder ans Widerspruch und Widerstand stoßen, weil immer wieder das Verlangen nach seichter, gemütlicher, sentimentaler, reißerischer Unterhaltung sich gel tend macht. Man kann nun auf dem Standpunkt stehen: wenn die Leute abends müde nach der Zeitung greifen, wollen sie Entspan nung, Unterhaltung. Demnach müßte sich die Zeitung nach dem Ge schmack der Leute richten. Der Geschmack einer Leserschaft aber läßt sich nicht auf einen Nenner bringen. Abgesehen davon, daß die Leserschaft aus vielen Schichten sich zusammensetzt, daß sie den Bauern und Handarbeiter, den kleinen Bürger, den Intellektuellen umfaßt, abgesehen davon muß man sagen, daß die Presse ihre ganze kulturelle Aufgabe aufgeben würde, wenn sie sich nach dem Geschmack jenes Teiles des Leserkreises richten würde, der kulturell nach unten ten diert. Man muß, um in allen Schichten das Interesse wachzuhalten, manchen Kompromiß schließen, um das nötige Gleichgewicht zwischen ernsten, dichterischen, wertvollen Erzählungen und anregenden Plaude reien herzustellen. Indem man aber immer wieder das Gute heraus- stellt, wird man auch denen, die es nicht eigentlich suchen, allmählich doch eine Geschmacksbesserung beibringen können. Ein Jahresüber blick aus eigenem Arbeitskreis ergibt, daß es auch bei dieser Ab wägung möglich war, alle bedeutenden deutschen Dichter mit vielen Arbeiten herauszustellen, gleichzeitig das Schaffen der jungen Un bekannten zu berücksichtigen und daneben auch genügend anständige Arbeiten zu bringen, die vorweg der Unterhaltung dienen. Einen Jahresüberblick, der im Dezember 1931 geschrieben wurde — wir greifen absichtlich ein früheres Jahr heraus — konnten wir damals schon mit folgenden Feststellungen schließen: »Der tiefe Widerhall, den dieser Querschnitt durch das lebendige Schrifttum fand, erscheint uns als erfreuliches Zeichen der Besinnung der Verinnerlichung; erscheint uns als Zeichen dafür, daß nach schwerer Erschütterung und Wirrnis, nach Zeiten, in denen Oberflächlichkeit, Wurzellosigkeit, Gesinnungslosigkeit den Ton angaben, das deutsche Volk den Weg nach innen wieöerfindet und seine Deutschheit wieöer- gewinnt. Aus dieser Tiefe strömen die lebendigen Kräfte, die die kommenden großen Auseinandersetzungen bestehen werden«. 497
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