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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.04.1934
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- 1934-04-19
- Erscheinungsdatum
- 19.04.1934
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- Deutsch
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X- 90, 19. April 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b. Dtschn Buchhandel. der Geist finden. Aber — und das ist hier wesentlich — es ist ein neues Wort notwendig, das alte Wort ist den gegenwärtigen Symbolen nicht mehr angemessen: »An die Stelle der überlieferten Entgegensetzung geistig — ungeistig müssen wir den richtigeren Gegensatz setzen: Symbol und Wort. Dieser Gegensatz erhellt uns die Gegenwart: wir sind uns einig in den Symbolen — wir sind uns noch nicht einig im Wort. Was uns hindernd entgegensteht, ist nicht böser Wille, sondern ist das a I t e W o r t. Das macht den jetzigen Zustand so mühevoll: daß wir in jedem Augenblick das alte Wort Hinwegräumen müssen, daß wir in jedem Augenblick in Gefahr geraten, uns falsch zu verstehen, weil wir das Wort, das zu uns gehört, noch nicht haben. Alle Bemühungen, uns zu verständigen, sind vergeblich, wenn wir nicht sestwurzeln in der Welt des Sym bols, aus der heraus allein wir uns Rat holen können, in der allein wir uns wirklich verstehen. Wir verstehen uns heute nicht mehr, wenn wir im Reich der vorhandenen Worte weitcrgehen, wir reden über die Wirklichkeit weg, Ivenn wir nicht immer wieder untertauchen in die Welt des Symbols. Das ist das größte Er eignis in dieser Zelt: daß inmitten einer Epoche, in der das Wort wertlos geworden war, das Symbol auferstand und uns zusammcn- sührte. Wer nicht ergriffen wurde von der Kraft des Symbols, der hörte nur ,leere Worte', d. h. das, was er gewohnt war, der meinte, alles sei .Agitation'. Aber damit übertrug er nur die Signatur der Zeit auf etwas, was diese Zeit im Tiefsten schon überwunden hatte. Es ist cinsach nicht möglich gewesen, über das Wort hinweg zum Verständnis des Nationalsozialismus zu gelangen, denn unsere Zeit ist eine Zeit der Entmächtigung des Wortes«. Heute »muß das Wort neu geboren werden. Aus den Symbolen, in denen wir uns verstehen, wird das dichterische und das philosophische Wort neu hervorgehen, in dem wir uns dann geistig aus eine neue Art, zarter, differenzierter, mannigfaltiger wieder verstehen werden. Vom Symbol zum Wort führt der Weg der Kultur. Die ganze Nation ist aufgcruscn, die Symbole zu deuten, das Wort zu finden. Der freie Kampf der Kräfte ist entfesselt. Das ist freilich nicht jener angeblich freie Kampf der Kräfte, jenes laisser kaire, laioser aller des Liberalismus, denn die Voraussetzung ist ja, daß die Einigkeit in einem Symbol da ist. Es ist dies die entscheidende Voraus setzung, die der Liberalismus übersehen hatte. Aber diese wortlose Einigkeit vorausgesetzt, tritt der Kampf der Kräfte ein um die wahrste und tiefste Deutung dessen, was jetzt und hier geschieht. Das Wort kann und wird nicht im Verwaltungswege verordnet werden. Mit dem Symbol ist das Wort noch nicht da, es muß neu geschaffen, neu erkämpft werden, und wir haben die Möglichkeit und den Mut, diesen Kampf freizugeben, da wir der Einigkeit gewiß sind lm Symbol« (Antrittsvorlesung). Daß der Geist, sofern er sich im Symbol einig ist und sich ver ankert weiß in den Gegebenheiten seiner Rasse und seines Volks tums, gerade im Nationalsozialismus die größten Aufgaben vor sich habe, und daß er, wenn er sich auf die ihm eigene Weise äußert, frei sei und dann nicht, worauf auch E. G. Kolbenheyer in seinem allerdings umstrittenen Vorträge »Der Lebensstaud der geistig Schaffenden und das neue Deutschland« (München 1934) hinweist, das Kommando, die Organisation, die Verstaatlichung ver trage, ist auch von den verantwortlichen Führern des National sozialismus oft ausgesprochen worden. So hat Alfred Rosen- berg in seinem grundlegenden Vortrage »Der Kamps um die Weltanschauung« erklärt: »Wenn in diesem vergangenen Jahr gegen die nationalsozialistische Bewegung und unseren Staat der Vorwurf erhoben worden ist, daß wir die Freiheit der Wissen schaft knebelten, so müssen wir erklären, daß uns dieser ungerechte Borwurf besonders geschmerzt hat. Denn in Wahrheit vertreten wir als köstliches Erbe des europäischen Geistes die Freiheit der Forschung, haben aber jedoch betont, daß diese Forschungsfreiheit nicht verwechselt werden darf mit der Freiheit, die Größe der deut schen Vergangenheit und große Deutsche von dem Lehrstuhl einer deutschen Hochschule herab zu beschimpfen, wie es leider in den ver gangenen vierzehn Jahren in erschreckendem Umfang der Fall ge wesen ist. Die siegreiche nationalsozialistische Bewegung nimmt für sich das Recht in Anspruch, die entsprechenden Stellen auf deutschen Hochschulen auch nach und nach mit den Vertretern unse res Geistes zu besetzen. Denn die nationalsozialistische Revolution, machtpolitisch beendet, steht geistesgeschichtlich erst am Beginn. Und sie muß als erste Konsequenz dieser Anschauung, daß Seele und Rasse, aber auch Charakterlosigkeit und Rassenchaos einander be dingen, daß eine Seele mit einer Rasse geboren wird und mit ihr zugrunde geht, auch eine neue Geschichtsbetrachtung verkünden. Denn auch Geschichte ist nicht, wie uns eine blutlos gewordene Zeit zu lehren bemüht war, eine auszählende Chronik, sondern in ihrem wahrhaften Gehalt immer Wertung ge wesen. Und je nach dem, wie eine Zeitepoche empfand, so hat sie auch die Vergangenheit gestaltet». Ebenso rufen wir in diesem Zusammenhang noch einmal die Erklärungen Di. Goebbels, die dieser aus einer Tagung der Reichskulturkammer abgab, in Er innerung: »Grundsätzlich muß auch für den nationalsozialistischen Staat der Standpunkt ausrcchicrhalten werden, daß die Kunst frei ist und daß man niemals den Versuch unternehmen darf, durch Organisation den Mangel an Intuition zu ersetzen. Die Kunst an sich kann nur gedeihen, wenn man ihr größtmögliche Entwicklungs- srciheit gibt. Und diejenigen, die die Kunst und überhaupt die ganze Kultur glauben einengen und beschneiden zu können, versündigen sich damit an der Kunst und an der Kultur. Wenn ich sage, die Kunst ist frei, so möchte ich mich auf der anderen Seite allerdings gegen den Standpunkt verwahren, daß damit einer absolut anarchi schen Gesinnung in der Kunst freie Bahn gegeben sein sollte. Das kann nicht der Fall sein, und ist es der Fall, so werden sich die Mängel zeigen, die wir in den vergangenen vierzehn Jahren immer und immer wieder seststellen mußten. So frei die Kunst in ihren eigenen Entwicklungsgesetzen sein muß und sein kann, so eng muß sie sich gebunden sühlen an die nationalen Lebensgesetze eines Vol kes. Die Kunst und die Kultur entstehen im Mutterboden eines Volkes; sie werden deshalb auch immer an die sittlichen, sozialen und an die nationalen Grundgesetze des Staates gebunden sein, aber im Rahmen und in den Grenzen der nationalen Lebcnsgcsetzc muß man der Kunst eine freie Entfaltungsmöglichkeit geben«. Fassen wir unseren überblick zusammen, so scheu wir, daß die nationalsozialistische Revolution geistesgeschicht lich heute in der Auseinandersetzung mit dem Geistdenken der humanistisch-idealistischen Philosophie steht. Der Nationalsozialis mus ist gegen dieses Geistdenken eingestellt, weil es unser Leben ent wirklicht hat, weil es den Menschen als politisches Wesen, das konkrete Volk ignoriert hat. Diesem blutleeren Geistdcnken mit feinem »absoluten«, mit seinem »Menschen an sich« setzt der Na tionalsozialismus den politischen Menschen entgegen, der in die Wirklichkeiten seiner Rasse und seines Volkstums, in die ganze Skala seiner realen Dascinsbcdingungen eingebettet ist. Geist ist für ihn im politischen Nauru nicht Führung, nicht Zukuufisgestaltung; die politische Lebensgestaltung hat für ihn nicht im Wort, sondern einzig und allein in der Tat ihren Grund. Darum ist der Na tionalsozialismus, die Tat Adolf Hitlers völlig original und ohne jeden Bezug auf »geistige Wegbereiter«. Wer heute von »geistigen Wegbereitern« spricht und für sie einen politischen Zu sammenhang mit der nationalsozialistischen Revolution behauptet, bewegt sich noch immer im Denksystem der vergangenen Epoche. Noch einmal, wer so denkt, vergißt das oben erwähnte Nietzsche wort: »Ein anderer ist der Gedanke und ein anderer die Tai. Das Rad des Grundes rollt nicht zwischen ihnen«. Das alles bedeutet nicht, daß der Geist im Nationalsozialismus unter den Tisch fallen soll. Aber er wird auf das Erkennen gegebener und schon ent schiedener Dinge beschränkt; er kann nicht gestaltend dem Schicksal vorausgreifen, das ist allein der Tat des handelnden Menschen Vorbehalten; die Erkenntnis hat ihr Reich in der Vergangenheit. Der Nationalsozialismus gibt damit sowohl der Politik, dem Han deln wieder die Würde zurück, wie er andrerseits auch dem Geist, dem Erkennen den ihm gemäßen Rang einräumt. In dieser Be schränkung auf das dem Erkennen Mögliche ist der Geist unab hängig, wenn auch nicht autonom. Die Gebundenheit an Volks tum und Rasse kann zwar ein verderbter Geist, der Intellekt ver gessen, dem echten Geiste ist sie selbstverständlich. Dieser echte Geist, der sich auf die ihm gemäße Weise äußert, ist auch im National sozialismus frei. Die Bedeutung dieser geistigen Auseinandersetzung für den Mittler des Geistes, der der Buchhändler sein soll, liegt auf der Hand. Möge er die geistesgcschichtlichen Hintergründe dieser Kämpfe erkennen und ihrer eingedenk sein bei dem Einsatz für das aus dem Heute werdende, das Heute ergründende und gestaltende Buch! Paul Weinreich. 343
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