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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.11.1886
- Strukturtyp
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- 1886-11-08
- Erscheinungsdatum
- 08.11.1886
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- Deutsch
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6272 Nichtamtlicher Teil. 259, 8. November 1866. Nichtamtlicher Teil. Carl Leske. s Am 12. Oktober 1886 starb zu Darmstadt eine weit über die Grenzen des engeren Vaterlandes bekannte Persönlichkeit, der Erbe und Träger einer bedeutenden Firma, Herr Carl Leske. Der Verblichene hat ein recht bewegtes Leben geführt und sich manche Freunde erworben, welche ihm in den wechselvollen Ver hältnissen seiner Laufbahn bis zu seinem Ende Treue und An hänglichkeit bewahrt haben; derselbe war reich beanlagt und hat vieles geleistet, so daß ein Nachruf an ihn Wohl auf das In teresse der Leser dieses Blattes Anspruch erheben kann. Carl Friedrich Julius Leske wurde am 8. Dezember 1821 zu Darmstadt geboren. Er war der einzige Sohn des Verlagsbuchhändlers und Buchdruckereibesitzers Carl Wilhelm Leske und der Frau Bernhardine Leske geb. Amelung, wogegen er nicht weniger als acht Schwestern besaß, welche, teilweise mit hohen geistigen Anlagen ausgerüstet, das elterliche Haus zu einem sehr belebten machten. Dieser Umstand war von nicht geringem Einfluß auf die Charakterentwickelung, wie auf die Gestaltung des Schicksals des einzigen Sohnes, welcher, körper lich wohl gebildet und geistig aufgeweckt, kräftig heranwuchs und eine frohe sonnige Jugend hatte. Das Leskesche Hans gehörte in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts zu den angesehensten, geistig belebtesten und gastfreiesten der Residenz Darmstadt, es versammelte sich darin regelmäßig die beste Gesellschaft, um in sehr angeregter Weise sich der schönen Gaben der Kunst, beson ders der Poesie und Musik zu erfreuen; so gehörte die Leskesche Familie auch zu jenen, aus denen im Jahre 1832 der noch heute bestehende angesehene »Musikverein« hervorgegaugen ist, wie dies an anderer Stelle näher ausgeführt ist*). Carl Leske war ein lebhafter, munterer Knabe. Sein Geist verlangte schon frühzeitig Beschäftigung, weshalb er bereits in sehr jugendlichem Alter in die Schule kam und zwar in eine — Strickschule. Er trat sodann in eine Privatlehranstalt für Knaben über und besuchte später das Darmstädter Gymnasium, welches er im Alter von vierzehn Jahren verließ, um in der Benderschen Schulaustalt zu Weinheim an der Bergstraße seine Studien fortzusetzen. Dort blieb er bis zum Herbst 1836, worauf er noch einige Zeit die damalige »Gewerbschule« — heute technische Hochschule — zu Darmstadt besuchte. Nachdem er sich, dem Wunsche des Vaters folgend und der eigenen Neigung nachgebend, entschlossen hatte, den Beruf eines Buchhändlers und Buchdruckers zu ergreifen, kam er im Juni 1837 nach Magdeburg, um in der damaligen Haenelschen Buch druckerei sich zunächst die technischen Kenntnisse eines Gutenberg- Schülers anzueignen. Am 20. November des genannten Jahres erfolgte der plötzliche Tod seines Vaters im besten Mannesalter, worauf der zu seinem Geschäftsnachfolger bestimmte Sohn nach Potsdam in die Verlagshandlung von Ferdinand Riegel ging, um hier drei Jahre hindurch — von der Ostermesse 1838 bis dahin 1841 — sich auf seinen Beruf gründlich vorzubereiten. Von großem Wissensdurst erfüllt, bemühte er sich, denselben mög lichst zu befriedigen und besuchte nacheinander die Universitäten von Göttingen und Berlin. Er war ein fleißiger Student und hörte Vorlesungen über Psychologie bei Trendelenburg, Phi losophie bei Werder, Geschichte der Poesie bei Lachmann, *) Man vergleiche die Schrift: „Der Musikverein zu Darm stadt in den Jahren 1832—1882, ein geschichtlicher Abriß, im Auf trag des Vorstands des Musikvereins zusammengestelll von Zernin. Darmstadt-Leipzig, 1882, S. 2." Philosophie und Logik bei Ritter*), Geschichte der drei letzten Jahrhunderte bei Hermann. Von Berlin wandte sich Leske wieder seinen Berufsstudien zu und ging zunächst nach Holland, wo er vom Herbst 1842 bis zum Oktober 1843 im Hause des Herrn A. Baedeker in Rotterdam seine Kenntnisse erweiterte. Nach einem kurzen Auf enthalte in London, um auch den englischen Buchhandel kennen zu lernen, ging er über Koblenz und Jena nach Wien, wo er jedoch nicht lauge blieb (bei F. Schaumburg), da nunmehr das elterliche Geschäft dringend seine Gegenwart verlangte. Im Alter von vierundzwanzig Jahren — am 1. Januar 1846 — übernahm er die C. W. Leskesche Verlagshandlung und war eifrig bestrebt, derselben einen neuen Aufschwung zu geben. Das väterliche Geschäft stand damals in hoher Blüte, und die Firma C. W. Leske galt allgemein nicht nur für die be deutendste Verlagshandlung in Darmstadt, sondern auch für eine der größten und angesehensten in ganz Südwestdeutschland, zu welcher sie der rege Unternehmungsgeist des Vaters und seines früheren Associös Heyer erhoben hatte. Der jugendliche Ge schäftsnachfolger trat mit berechtigter Vorsicht in die Fußtapseu des Vaters; doch gelang es ihm bald, neue Zweige der Hand lung anzusetzen und dieselben mit Erfolg zu pflegen. Er ent faltete eine große Thätigkeit, wie er denn überhaupt während seines ganzen Lebens ein überaus fleißiger Arbeiter gewesen ist. Eine umfassende Korrespondenz, der er mit seiner vorzüglich schönen Handschrift oblag, die Leitung der bedeutenden Verlags unternehmungen und die Beaufsichtigung der Buchdruckerei mit ihren zahlreichen Kräften gab ihm Beschäftigung vollauf, so daß er vom frühen Morgen bis zum späten Abend zu wirken und zu schaffen hatte. Von den unter seiner Firma verlegten äußerst zahlreichen Werken (der Verlagskatalog umfaßt allein gegen 100 Druckseiten) führen wir hier nur einige auf, um die Bedeutung und Mannig faltigkeit derselben darzulegen; es finden sich darin Schriften von Oberbaurat Amelung, Oberforstrat Freiherr v. Berg (in Tharand), Prof. Fr. Cre uz er (in Heidelberg), C. L. P. Eck hardt, Geh. Rat Feder, Prof. PH. Fischer, ür. Fölsing, Oberbaurat Grimm, Freiherr I. v. Hammcr-Purgstall (in Wien), Ilr. Emil Hoffmaun, Prof. Hundeshagen (in Heidel berg), Prof. Kaup, Prof. Külp, Prof. vr. I. Moleschott (in Florenz), Geh. Baurat vr. Möller, Prof Schenkel (in Heidelberg), Prof. Thudichum, Prälat Zimmermann u. a. Zu diesen Männern von wissenschaftlichem Rufe kamen auch Vertreter der Kunst, so daß auch folgende Namen: K. Büchner, Ad. Dörr, Moritz Hartmann, Hoffmann v. Fallersleben, Franz Petöfy, Luise v. Ploennies u. a. im Leskeschen Ver lagskatalog erscheinen. Eine nicht geringe Zahl von Zeitschriften trat dazu, von denen wir außer den allgemein bekannten drei ältesten Blättern»AllgemeineKirchen-Zeitung«,»Allgemeine Schul-Zeitung« und »Allgemeine Militär-Zeitung« noch folgende hier aufführeu: »Bote des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung«, »das Elternhaus und die Kleinkinderschule«, »Gewerbeblatt des Großhcrzogthums Hessen« und »Theologisches Literaturblatt«. Auch die Kalender-Litteratur war in diesem Verlage reichlich und gut vertreten. Neben der verlegerische» Thätigkeit widmete C. Leske be- *) Noch heute befindet sich in dem Nachlaß des Verstorbenen ein sorgfältig ausgearbeiteles Heft der Vorlesungen über Geschichte der neueren Philosophie von Pros. Ritter.
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