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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.08.1888
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1888-08-15
- Erscheinungsdatum
- 15.08.1888
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- Deutsch
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^ 188, 15. August 1888. Nichtamtlicher Teil. 4028 wandbänden, welche der Beurteilung einer Vorjury aus Zweck mäßigkeit, Preiswürdigkeit und guten Geschmack unterlegen hatten. Vergessen wir nicht, daß kaum der zwanzigste Teil des bücherkau- sendcn Publikums sich in der Lage befindet, seine Bücher in Kalb- lcdcr oder auch nur in Halbleder binden zu lassen; Klassiker-Aus gaben und dergl. zu zwanzig Pfennig bis zu einer Mark sogar noch weiter per Band, vertragen überhaupt kein nachträgliches Binden; sie müssen gleich mundgerecht geliefert werden. Da bleibt nur zu wünschen, daß das englische Prinzip der Leinwand-Kar- tonagc, nicht des Leinwand-Einbandes, immer mehr Verbreitung finden möge; damit ist sünsundneunzig Prozent der Käufer ge holfen, und für die fünf, die an ihre Bücher etwas wenden können, nichts verdorben. Deshalb schütte man das Kind nicht mit dem Bade ans. Von Arbeiten Auswärtiger war sehr wenig vorhanden. Einige aus Magdeburg eingegangene Kunstarbeiten zeugten von angestrengtem Fleiß und großer Ausdauer, jedoch in der möglichst verkehrten Weise verwendet. Weber Nachfolger in Schleiz hatte eine Kollektion von etwa fünfzig Gesangbüchern gesandt, alle gut und geschmackvoll gebunden, wenn auch nichts Neues dar bietend. Ornamcntiernng, Beschläge und Schließen waren mit einer selten vorkommenden, aber sehr zu empfehlenden Mäßigung behandelt und machten durchweg den besten Eindruck. Den Mittelpunkt der Ausstellung der Buchbinder bildeten verdienter Weise die Arbeiten Jul. Hägers (Joh. Maul). Das Geschäft gewann seit langer Zeit stets Anerkennung für seine Handarbeiten, welche Solidität, Eleganz und Sorgfalt verbinden. Letztere erstreckt sich, was zu bemerken nicht überflüssig ist, auch aus die Anordnung des Rückentitels, in welcher so oft gesündigt wird. Wir können in dieser Beziehung nur jedem, der ein Buch binden läßt, raten, selbst die Anordnung des Rückentitels genau an zugeben; cs ist dem Buchbinder manchnial nicht ganz leicht aus einem langen Titel die richtigen Schlagwörter herauszufinden. Ein bedeutender Konsument von Hägers Bibliothek-Bänden ist Nordamerika. Selbverständlich muß bei diesen Bänden dem dortigen Geschmack, der das rote Maroquin bevorzugt, Rechnung getragen werden. Drei Prachtalbums Hägers unterließen nicht ihre Anziehungs kraft auf das Publikum auszuüben. Eins derselben war für ei» hochangesehenes Mitglied des Börsenvereins bestimmt; zwei bildeten Umhüllungen für Ehrenbürgerbriese der Stadt Leipzig. Ungern vermißten wir die Prachtdecke, welche den Ehrenbürgerbries ent hielt, der von dem Herrn Oberbürgermeister von Leipzig bei der Einweihung des Buchhändlerhauses dem abtretenden Vorsteher des Börsenvereins, Herrn Kommerzienrat Kröner, überreicht wurde. Vielleicht wird den Leipziger Mitbürgern des hochangesehencn Empfängers noch die Freude zu teil, das Werk kennen zu lernen. Der Entwurf zu der zuerst erwähnten Arbeit gehört dem Herrn Professor Theyer in Graz. Die Haltung des Ganzen ist im Grolierschen Sinn; von dem braunroten Sasfiangrunde heben sich blaue Felder, von schwarzen Bändern umschlossen, ab, belebt durch Blätterranken in verschiedenen Farben und Gold. Eckstücke und Schilder sind in oxydiertem Silber, Gold und Email ausgesührt; das ebenfalls emaillierte Monogramm des Empfängers ist als Mittelpunkt auf die Decke gelegt. Die zwei übrigen Albums haben einen bedeutenden Umfang (etwa 65 zu 50 ein). Das erstere, von dem Architekten Herrn Weidenbach entworfen, ist aus Sasfianleder in hellbraunem Grundton mit reicher Ornamentierung und farbiger Lcderauslage von großer harmonischer Wirkung. Die vier Ecken zeigen ein nach auswärts strebendes Blattornament; um den hochgelegten Rand zieht sich ein Bandornament in symmetrischen Verschlingungen, welches das in Farben ausgelegte, von einem großen heraldischen Löwen ge haltene Leipziger Stadtwappen umsaßt. Das Ganze wirkt vor trefflich; sollten wir uns eine Bemerkung erlauben, so wäre es, daß die zarte in Gold gehaltene Ornamentierung, welche die Ver bindung des Mittelstückes mit der Umgebung vermittelt, fast zu reich und das eigentliche Mittelfeld in Weiß mit dem Jubel dalum in Blaßgold zu bescheiden sein dürste, wenn letzteres auch ganz mit dem Charakter des leider seitdem verstorbenen Jubilars stimmt. — Die letztere der zwei Arbeiten, von Architekt L. Friedcl in Leipzig entworfen, lehnt sich in einfach schöner Aus führung an die besten alten deutschen Arbeiten an. Sie zeigt auf dunklem Sasfiangrund nur einige rote Bänder mit Gold verzierung als Auslage. Ein reiches mit Gold- und Blinddruck wechselndes Ornament umgiebt ein tiefgelegtes Mittelschild, wo ebenfalls ein aussteigender Löwe das Stadtwappen hält: alles mit Ausnahme des eigentlichen Wappens und des Helmbusches eintönig in dunklem Lederschnitt. Gustav Fritzsche war, wie in dem ersten Ausstellungsartikel bereits erwähnt wurde, nur in indirekter Weise durch die Accidenz- Mappen der Buchdrucker repräsentiert. Hübel L Denck gingen zwar mit einem Artikel durch Tausende von Händen; denn sie hatten den geschmackvollen Einband der ganzen Auflage der Fest schrift »gestiftet-, waren aber sonst nicht.vertreten. Ebenfalls suchten wir vergeblich I. R. Herzog. Soweit wir uns er innern, war die Firma H. M. Göhre zum erstenmal auf dem Platz erschienen mit einer Anzahl sorgfältig ausgesührter, zum Teil etwas über den Kreis der eigentlichen Buchbinderei hinaus- gehenden Handarbeiten. Das Hauptstück war ein Exemplar der »Germania». Die, obwohl ein wenig zu korpulente Ornamen- tierung würde, in ihre» bescheidenen Farben gehalten, einen durch weg guten Eindruck gemacht haben, wenn nicht der Zeichner den schwarzen heraldischen Adler, der den ganzen Fond füllt, durch ein sehr breites, unvermittelt aufgelegtes Band mit großer Auf schrift »Germania» in zwei Hälften zerschnitten HS;te, so daß man oben nur den Kopf und ein Stückchen Brust, unten nur die langen dünnen Beine und ein Stückchen Schwanz erblickt. Diesen liebelstand konnte selbst die sorgfältigste Arbeit nicht ganz ver decken helfen. Einen eigentümlichen Eindruck machte ein Öuart- band mit hellem Ledergrund, an dessen drei Außenrändern und über den Rücken hinweg ein breites schwarzes Band mit reicher, jedoch seiner Goldornamentierung sich hinzog. In der Mitte des Hellen Grundes war das Monogramm des Verlegers in Metall angebracht. Herr Göhre hatte noch ein ebenfalls sauber in hellbraunem Leder gearbeitetes Album mit Monogramm L. L. ausgelegt. Das große Metallschild mit nach oben umgebogenen Rändern trat etwas sehr stark aus dem Rahmen heraus und erinnerte in der Behandlung an feine Schmiedearbeit. Die Einfassung war in einfach-hübscher Weise behandelt. Mit der Verwendung von Metallausschmückung aus Albums wird überhaupt oft viel zu frei gebig umgegangen, wofür in vielen Fällen die Schuld weder die Zeichner noch die Buchbinder, sondern die Besteller trifft, welche den Empfänger um so höher zu ehren glauben, je reicher der Band mit allerlei Metall überladen wird. Der Vergleich mit denjenigen Mappen, wo die Wirkung nur durch die Lederarbeit erzielt wird, zeigt, um wie viel harmonischer solche Einbände wirken. Sehen wir von einer Anzahl programmwidriger, durch Platten druck mit Geschmack ausgesührter Bände ab, so bleiben von Th. Knaurs Ausstellung einige tüchtig ausgesührte Halbfranz bände übrig, bei welchen wir auf einem bändereichen Werk nur die unmittelbare Zusammenstellung von einem tiefblauen mit einem ganz weißen Rückenfeld tadeln möchten. K. A. Halle legte vorzüglich Gewicht auf sein Versahren des Kautschuck-Rückenverbands zur Befestigung der einzelnen, auf starkes Kupferdruckpapier gedruckten Blätter in Albums, At lanten u. dergl. ohne Naht und Leinwandstreisen. Das starke Papier wird an dem, dem Rücken zugekehrten Rand geraspelt, um dasselbe recht faserig zu machen, und dann mittelst heißen Kaut- schucks mit den, Rücken verbunden. Je langfaseriger das Papier ist, je besser eignet es sich für das Verfahren. Nach den Kraft proben verschiedener Art zu urteilen, welche der Herr Aussteller mit zwei ausgelegten Prachtwerken vornahm, sind wir verpflichtet,
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