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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.11.1930
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1930-11-27
- Erscheinungsdatum
- 27.11.1930
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- Deutsch
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x° 275, 27. November 1930. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b. Dtschn Buchhaubel. schrift) sie binnen 14 Tagen nach erfolgter Zustellung Mitteilen. Die Antwort ist in diesem Falle an den Gläubiger direkt, oder, falls er durch einen Prozeßbevollmächtigten vertreten wird, an diesen zu senden. Da es sich um eine durch das Gesetz vorgeschriebene Pflicht zur Auskunfterteilung handelt, kann der Arbeitgeber in diesem Falle das Porto nicht abziehen. Er ist aber berechtigt, das Porto fiir die Übersendung des Geldes an den Gläubiger von dem einzubehalten den Betrag zu kürzen. Anfragen, die auf Grund einer gemäß § 845 der Zivilprozeßordnung ausgesprochenen vorläufigen Beschlagnahme an den Arbeitgeber gerichtet werden, braucht dieser nicht zu beant worten. Die Literatur der Gegenwart auf der Schule. — Unter dieser Überschrift bringt das Oktoberheft der Zeitschrift fiir Deutsche Bil dung (Frankfurt a. M., Moritz Diesterweg) einen Artikel von dem Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Gießen Karl Vietor, dem wir nachfolgende Stellen entnehmen: »Gerade die modernste Literatur ist vielen älteren und jüngsten Deutschlehrern heute noch recht dunkel. Die Literaturnot der Schüler ich vielfach eine Literaturnot der Lehrer« — diese Feststellung eines Schulmanns (Neiske in seinem feinen Aufsatz »Kern- und Randge biete des deutschen Unterrichts«, Zeitschrift für Deutsche Bildung 1930, S. 475) kann der germanistische Universitätslehrer nur bestätigen. Erstaunlich genug, wie unsicher und dürftig das Wissen der jungen Studenten von den wertvollsten Dichtern und Dichtwerken der deut schen Gegenwart ist. Und wo sogar die einfache Kenntnis fehlt, w e soll da irgendeine lebendige Beziehung sich bilden können? Ich habe zu Beginn des Sommersemesters die eben von der Schule kommend.'n Germanisten zu einer Studienberatung zusammcngebeten und ihnen dabei einen Fragebogen vorgelegt, der ohne Namensangabe in meiner Anwesenheit, also in »Klausur«, ausgefüllt wurde. Die Fragen sollten seststellen, welches Wissen über Gestalten, Werke, Rich tungen und Epochen der deutschen Literatur die 1. Semester heute von der Schule mitbringen. Die Liste begann mit Lessing, Goethe, der Romantik und führte bis in die Gegenwart. Gefragt wurde, was der Einzelne davon wußte und was er selbst gelesen hatte. Für die klassische Dichtung befriedigte das Ergebnis, gut waren die Ant worten vor allem für die realistischen Epiker des 19. Jahrhunderts. Aber — und darüber möchte ich ein Wort sagen — von den großen Dichtern der Gegenwart wußten nur wenige etwas. Die Hälfte zwar nannte Gerhart Hauptmann als Vertreter des deutschen Naturalismus. Aber: von Stefan George wußte nicht einmal die Hälfte etwas; den Titel eines Gedichtbuches von Rilke konnten nur 5 Prozent nennen; zu welcher literarischen Richtung Hofmannsthal gehört, wußten nur 10 Prozent, und die gleiche Zahl nur hatte etwas von Hofmannsthal gelesen. 60 Prozent teilten mit, daß im Unter richt ihrer Schule überhaupt kein moderner Schriftsteller gelesen wurde! Welche Folgen das für die Bildung des literarischen Ge schmacks hat, zeigten die Antworten auf die Frage: »Welcher lebende Schriftsteller oder Dichter gefällt Ihnen am besten?« Darauf wußte ein Viertel überhaupt nicht zu antworten. Daß die positiven Stim men im übrigen sehr zersplittert waren, versteht sich; für Thomas Mann entschied sich ein Fünftel, fiir Werfel ein Zehntel. Aber, pein liches Ergebnis, weder Rilke noch George noch Hofmannsthal sind »Lieblingsdichter« der jungen Germanisten! Und wie könnten sie es sein, da sie gar nicht gekannt werden? Die größten Lyriker unsrer Zeit und die am meisten dichterischen Dichter — die Abi turienten wissen kaum ihren Namen und kennen so gut wie nichts von ihrem Werk. Daß da etwas im Deutschunterricht der höheren Schulen nicht in Ordnung sein muß, ist klar Es muß selbst verständlich werden, daß auf der Oberstufe jeder höheren Schule die jungen Menschen zur deutschen Literatur der Gegenwart geführt werden; und selbstverständlich, daß dabei nicht nur »Literatur«, son dern vor allem die große Dichtung (und das heißt heute: die große Lyrik) vermittelt wird. Gewiß: es gab da bisher für den Lehrer auch manche praktische Schwierigkeiten. Die Originalaus gaben waren für die Schüler unerschwinglich, Texte auf andere Art schwer zu beschaffen. Aber daran fehlt cs jetzt nicht mehr. Selbst auswählende Sammlungen nehmen nun auch Gedichte von modernsten Dichtern auf. So enthält z. B. Ernst Benders Auswahl »Deutsche Dichtung der Neuzeit« (Verlag W. Braun, Karlsruhe) eine schöne Reihe gegenwärtiger Poesie; besonders reich an Dichtern unserer Zeit ist die Sammlung »Deutsche Dichtung aus zwei Jahrhunderten« (Verlag Moritz Dicsterweg, Frankfurt a. M.), auch die nach Motiv kreisen aufgcbaute Auslese »Der Gefährte«, die Jakob Kneip heraus gegeben hat (gleichfalls bei Dicsterweg), leistet Gutes in dieser Be ziehung. Aus Rilkes Gedichtbüchern gibt ein Band der Jnsel- bücherei eine feine Auslese. Und wenn bisher George aus solchen praktischen Gründen dem Schulunterricht fast unzugänglich war, ist auch diese Hemmung jetzt beseitigt: es gibt nun eine ausdrücklich für die Schule bestimmte, ausgezeichnete Auswahl in Htrts Deutscher Sammlung (Verlag Ferdinand Hirt, Breslau), die nur 65 Pfg. kostet. ....Der ältere Deutschlehrer wird gegenüber solchen Forderungen von seiten eines Hochschulgcrmanisten sich darauf berufen können, daß er früher auf der Universität so gut wie nichts von der deut schen Dichtung der Gegenwart gehört habe. Und gewiß muß eine solche Erweiterung des Deutschunterrichts mit einer Erweiterung der germanistischen Ausbildung beginnen. Aber wie es heute nichts Be sonderes mehr ist, wenn ein Dozent für deutsche Literaturgeschichte über moderne Dichtung schreibt, so werden nun, wie die Vorlesungs verzeichnisse zeigen, fast an allen deutschen Universitäten regelmäßig Kollegs und Übungen über Literatur der Gegenwart gehalten. Die Universität hat begonnen, hier ihre Schuldigkeit zu tun. Es ist jetzt Sache der Schule, dafür zu sorgen, daß es nicht zweierlei Deutsch unterricht gibt: einen Unterricht mit und einen ohne »Gegenwart«. Die Sendung des Journalisten. — Dem Vorstand des Neichs- verbandes der deutschen Presse E. V. sind durch ein Ehrenmitglied 3000 Schweizer Franken für ein Preisausschreiben zur Verfügung gestellt worden, und zwar für die beste Bearbeitung des Themas »Die Sendung des Journalisten«. Diese Preisarbeit soll der Hebung des Standesbcwußtseins sowie der vertieften Anschauung und Wer tung journalistischer Arbeit dienen. Der Hauptwert bei Abfassung der Arbeit soll auf eine klare Erfassung und Darstellung des moder nen Journalisten in Staat und Gesellschaft gelegt werden. Der Zweck des Preisausschreibens dient auch dem Streben; in der brei ten Öffentlichkeit Interesse und Verständnis für die Sendung des Journalisten zu erwecken. Der Wettbewerb ist auf Mitglieder des Neichsvcrbandcs der deutschen Presse beschränkt. Der Umfang darf drei Bruckbogcn nicht überschreiten. Endtermin ist der 28. Fe bruar 1931. Um eine besonders wertvolle, den Sinn des Preis ausschreibens erfüllende Arbeit zu erhalten, soll der Preis nach Möglichkeit ungeteilt vergeben werden. Sollte das Preisrichter- kollegium sich nicht auf eine Arbeit einigen können, so steht ihm eine Teilung des Preises nach eigenem Ermessen zu. L. Verkekrsuackrickten. Ausnahme des Postauftragsverkehrs nach und aus Rumänien. — Im Verkehr zwischen Deutschland und Rumänien wird vom 1. Dezember an der Postauftragsverkehr auf Grund der Weltpost vereinsbestimmungen ausgenommen werden. Höchstbetrag eines Postauftrags nach Rumänien 10000 Lei, eines Postauftrags aus Rumänien nach Deutschland 250 RM. Postprotestaufträge sind in beiden Richtungen unzulässig. ?ersonalnackrickten. Silbernes Ehrenzeichen. — Herrn Max Schmechtig, Lager verwalter im Musikverlag Adolph Fürstner in Berlin wurde aus Anlaß 40jähriger ununterbrochener Tätigkeit in diesem Hause am 24. November bei einer internen Feier das Ehrenzeichen des Buch handels in Silber sowie ein Ehrendiplom der Industrie- und Han delskammer zu Berlin überreicht. Ferner wurde ihm vom Chef der Firma ein Geldgeschenk ausgehändigt und seiner Pflichttreue in anerkennenden Worten gedacht. Gestorben: am 17. November Herr Albert Last, Mitbesitzer des be kannten Leihbibliotheken-Unternehmens L. L A. Last in Wien. über 50 Jahre lang hat der Verstorbene dieser alten Wiener Firma seine ganze Kraft gewidmet. — Darüber hinaus hat er Zeit seines Lebens volksfreundliche Unternehmungen gefördert, indem er Büchersammlungcn zusammengestellt und diese Bücher als Grundstock zu Bibliotheken schenkungsweisc überlassen hat, so dem Wiener Versorgungshaus, auswärtigen Altersheimen, Strafan stalten usw. In den Kriegsjahren versah er Feldlazarette und Kriegsschiffe. Für dieses gemeinnützige Wirken erhielt der Ver storbene im Jahre 1916 die Verdienst-Medaille vom »Noten Kreuz«. Durch mehr als 10 Jahre betätigte sich Herr Last als Vorstand des Wiedener Männcrchores. Außerdem galt seine Tätigkeit noch in besonderem Maße dem »Verband der Wiener Gesangvereine«, der seither in dem »Ostmärkischen Sängerbund« aufgegangen ist und dessen Chronist und Hauptschrtftfllhrer er mehr als ein Jahrzehnt war. 1119
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