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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.06.1930
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- 1930-06-05
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- 05.06.1930
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X; 128. 5. Juni 1930. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn Buchhandel. Zeugen, daß ich von dieser Materie nicht predige, dem werthen Geschlechts irgend zu einer Verkleinerung; das lasse der Herr ferne von mir seyn! Sondern zu dem Ende, damit sie ihre Ge wissen nicht mit einer Sünde, mit einer unerkannten Sünde be schweren möchten, die wahrlich vor Gott ein Gräuel ist, und ohne Strafe nicht bleibet. Ach! redet nicht die tägliche Erfahrung, das; viel Frauen sich recht zu Frauen machen, und über die Männer herrschen? Welche aber besinnet sich wohl, daß sie hieran Sünde thue? Manche treiben wohl gar ihr verächtliches Gespötte damit, und dencken, was eine Buchdruckerin in Nürnberg thät. Es wurde in der Officin ihres Mannes eine Bibel gedruckt. Da nun der Bogen gesezt, und nach bereits geschehener Correctur unter der Presse war, auf welchem der Spruch stund: Er soll dein Herr seyn; Hub sie heimlich die beyden Buchstaben He von dem Worte Herr heraus, und schob dafür zwey andere Na hinein, daß also eine vermaledeyte Verfälschung erfolgte. Als es aber endlich aus kam, fehlete nicht viel, daß ihr der Kopf vor die Füße gelegt worden wäre. Und muß ich diese Boßhett glauben, weil ich selber ein solch Exemplar mit meinen Augen gesehen habe. Weibliche Herr schaft über den Mann ist eben so eine große Sünde, als sonst eine wider Gottes Gebothe ist.« Was Neumeister hier von der Narrenbibel weiß, unterscheidet sich nicht von der üblichen Überlieferung. Die Erzählung tritt im übrigen mit einer bei solchen Fragen auch sonst der Predigtlite ratur eigenen Bestimmtheit auf und wirkt deshalb zunächst ver blüffend. Bezeichnenderweise gibt er nicht an, w o er die frag liche Bibel gesehen hat. Dieser Mangel läßt seine Behauptung der Autopsie von vornherein als rein rhetorisch erscheinen. Um jedoch an der subjektiven Wahrhaftigkeit dieses, zu seiner Zeit nicht unbedeutenden, und ungemein fruchtbaren theologischen Schrift stellers^) keinen Zweifel aufkommen zu lassen, trage ich keine Bedenken, ihn eben denjenigen zuzurechnen, die aus einer dunklen Erinnerung an die Seltsamkeit der Stelle Genesis 3,16 in der niedersächsischen Lübecker Bibel durch die schon damals umlaufende Narrenbibelsage in Verwirrung geraten sind. Der zweite von der obigen Überlieferung abhängige Bericht befindet sich in der »Vermischten Sammlung von allerhand gelehrten und nützlichen Sachen so bisher unter dem Namen des Greifs- waldischcn Wochenblatts ausgefertigt worden« aus der Feder von »Jacob Henrich Balthasar, der Heil. Schrift I). und Prof, zu Greifs wald«-). Der Gelehrte hat dort im Artikel 3 des 45. und Artikel 1 des 46. Stückes aus dein Jahre 1743 eine »Nachricht von einer raren zu Wittenberg gedruckten Bibel« gegeben. Sie bezieht sich gleichfalls in erster Linie auf die schon bei Starck genannte Druck fehlerbibel mit der in Offenbarung 14 V. 6 stehenden Änderung neu fiir ewig. Ein Exemplar dieser Bibel war in der Nats- bibliothek zu Stralsund vorhanden und trug von einem Superinten denten B. G. Langemack handschriftlich eine entsprechende Abhand lung, die dann von dem genannten I. H. Balthasar im Greifs- waldischen Wochenblatt abgedruckt worden ist"). Die Fassung stimmt vollkommen mit der von Starck erzählten überein, sodaß es sich erübrigt, sie in ihrer ganzen Ausführlichkeit hier wiederzugeben. Es genügt der Schluß des Aufsatzes, in welchem der Herausgeber auf Starck ausdrücklich Bezug nimmt. » . . . Dieses hat man zu Rettung dieses großen Theologi sdes Hunniusj wieder v. Feustkings Relation zu merken. Wie denn auch schon v. Götzius solchen Fehler in Liblioik. ^nti. ?ontik. ?r68b. Imb. p. 18 86y. und Casp. Henr. Starck in seiner Luebeckischen Kirchen-Historie gezeigt. Soweit gehet des seel. Herrn Langemacks Bericht. Er beruffet sich unter andern auf des Herrn Starcken Luebeckische Kirchen- Historie, hat aber den Ort daselbst nicht genannt. Was Starckius von dieser Sachen hat, stehet daselbst pax. 752. Und pax. 753 gibt er auch noch von einer andern Bibel-Verfälschung Nachricht, da eines Buchdruckers Frau zu Nürnberg in dem Spruche Gen. III, 16 ER SOLL DEIN HERN SEYN, für: HE, gesetzet hat: NA. Er soll dein NARR seyn. Er meldet dabey, daß der Herr v. Neu meister zu Hamburg in seiner Heiligen Wochenarbeit ?. I, p. 542 versichere, ein solch Exemplar mit seinen Augen gesehen zu haben. v) Eine seitenlange Aufzählung seiner Schriften auch in Hans Schröder, Lexikon der Hamburg. Schriftsteller, Bd. 5 (Hamburg 1870), S. 406 ff. -) Uber Jakob Heinrich von Balthasar (f 1763) vgl. Allg. D. Biogr. Bd 2, S. 30. Das Greisswaldische Wochenblatt von allerhand gelehrten und nützlichen Sachen wurde verlegt bei dem kgl. Univ.-Buchhändler Jakob Löffler und von Balthasar redigiert. ") Uber Gregor Langemack (f 1737) vgl. Allg. D. Biogr. Bd 17, S. 654. 524 Von der ersten verfälschten Bibel, darinn vom Neuen Evangelio stehet, kann man auch VOOHI Cäl'äl.OOIM I.I6K0KMU UäkIO- UIM, p. 104. Nachsehen, der noch andere Auctores nahmhaft machet«. Wie hier schon angemerkt, hat auch der Lübecker Theologe Georg Heinrich Goetze") in seiner Schrift »IZidliotkeea ^nti-pouti- kieia kr68b^t6rü Imbeeeiwm«, Lübeck 1717, p. 18 86hu. die Druck fehlerbibel des Hunnius erwähnt ebenso Johannes Vogt in seinem bekannten, 1732 und später in Hamburg erschienenen »OataloZus libroruln rariorum«. Beide bringen den Bericht Feustkings im Auszug, ohne aber den Zusatz, den Starck vergleichsweise über die Narrenbibel hinzufügte. Die Erzählung von Hunnius und seinem Mißgeschick steht jedoch auch in dem Werk von Melchior Ludwig Widekind: »Aus führliches Verzeichnis von Raren Büchern«, 1. St., Berlin 1753 S. 480/81. Dort wird Zugleich eine sehr einleuchtende Erklärung dieses Bibeldrucks gegeben, denn Widekind schreibt: »Diese Bibel ist um eines einzigen Wortes willen merkwürdig, daß ein katholi scher Buchdruckergesell aus Bosheit in der Offenb. Joh. Kap. XIV, v. 6 eingeschoben, da er neu für ewig gesetzt. Sie soll aber nach Serpilius' Bericht im Verzeichnis einiger rarer Bücher Seite 24 so voller enormen Fehler seyn, daß dieselben viele Bögen austragen möchten"). Daher sie denn auch wohl aus dieser Ursache vornehmlich mag ver druckt seyn, sonsten ja das eine Blat, worauf der Fehler stand, wie Herr Baumgarten Nachr. von einer Hall. Biblioth. B. IV. S. 97 urtheilet, leicht hätte können umgedruckt werden«. Demnach liegt in der Hunniusbibel eine insgesamt druckfehlerreiche Bibel vor, zu der man nachträglich eine Legende geschaffen hat, um einen be sonders auffälligen Fehler zu erklären. Dieser Vorgang ist für die psychologischen Voraussetzungen der Entstehung solcher Büchersagen höchst bemerkenswert. In der Tat sind Exemplare der Hunntus- bibel mit dem in Rede stehenden Druckfehler noch heute nachweis bar, wie ja auch Starck in seiner Bibliothek ein Stück besessen haben will"). Das früher in der Stralsundischen Natsbibliothek vorhandene Exemplar mit der handschriftlichen Abhandlung Langemacks be findet sich jetzt in der Stadtbibliothek zu Stralsund"). Der bereits erwähnte M. L. Widekind hat nun ferner in seinem Verzeichnis von raren Büchern auf weitere bemerkenswerte Bibel ausgaben aufmerksam gemacht, von denen vor allem eine noch auf schlußreicher zur Entstehungsgeschichte der Narrenbibelsage ist, wäh rend andere nachher noch kurz beleuchtet werden sollen. So wird von ihm ausführlich eine niederdeutsche Bibelausgabe vom Jahre 1588 beschrieben, gedruckt in Barth in Pommern, die unter dem Namen Pommersche Bibel bekannt geworden ist"). Der pommersche Herzog Bogislaw XIII. hatte diese Bibel zum Besten der Kirchen seines Landes drucken lassen und »ihr einen Freiheits- bricf auf 10 Jahre gegeben, daß niemand während dieser Zeit sie Nachdrucken oder eine andere niedersächsische Bibel in Pommern verkaufen dürfe«. Von dieser pommerschen Bibel haben die Biblio graphen wiederholt eingehende Beschreibungen gegeben. Für die vorliegenden Betrachtungen am wichtigsten ist jedoch folgende Be merkung bei Widekind: »Die sich mit den bekannten Histörchen schlep pen, als wenn in der pommerschen Bibel 1. B. Mose III, 16 anstatt er soll deyn Herr seyn, übersetzt sei: Hei schall deck te pinigen und de schlaen, und im XXIII. Psalm: Du smaddcrst my den Doetz met Fett, und was dergleichen mehr ist, sind ganz übel berichtet«. Aus dieser Anmerkung ergibt sich zunächst, daß die Glosse des Nicolaus von Lyra in der Lübecker Bibel von 1494 auch andern Bibeln zu geschrieben wurde, und die Erinnerung verloren gegangen war, in welchem Druck sie ursprünglich stand. Man übertrug also wirklich vorhandene, sowie nur erfundene Abweichungen einzelner Textstellen auf andere Bibelübertragungen. Vor allem ist erwiesen, daß die sogenannte pommersche Bibel, in der jener Zusatz in Wirklichkeit fehlt, mit der Lübecker Bibel verwechselt wurde. Hierauf weist ebenfalls Clement im 3. Bande seiner »Libliotdöqus euri6U86 ki8toriqu6 et eritique« hin") durch die Heranziehung eines Ab schnitts aus der Kurzgefaßten Curieusen Historie derer Gelehrten . . .« von Johann Adam Bernhard"). Dort liest man im Caput VII ") Uber Georg Heinrich Goetze ff 1728) vgl. Joh. Heinr. v. See len, Memoria . . . ckui Oeo. Henr. Ooetr, eeelemarum Imbee, Luper- inteuckentw. Lübeck 1728. ") Das Buch des Georg Serpilius (f 1723) »S. S. Verzeichnüß einiger Rarer Bücher« I —III. Stück erschien Frankfurt u. Leip zig bei Peetz in Negensburg 1723 anonym. Uber den Verfasser vgl. Allg. D. Biogr. Bd. 34, S 38. ") Auch die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel besitzt in ihrer Bibel-Sammlung ein Stück. ") Dieses Exemplar konnte ich einsehen, und danke Herrn vr. Adler von der Stadtbibliothek in Stralsund für die Übermittlung. ") Widekind a. a. O. S. 474 ff.
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