Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.06.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-06-23
- Erscheinungsdatum
- 23.06.1908
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19080623
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190806230
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19080623
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1908
- Monat1908-06
- Tag1908-06-23
- Monat1908-06
- Jahr1908
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Wäre, könnte man dem Illustrator empfehlen, sich g a n z auf ornamentale Wirkungen zu beschränken und alles Wilde und alles Zarte, alles Furchtbare und Gemeine, alles Jubelnde und Abgrundtiefe durch die Form zu sagen. In der letzten Zeit scheinen einige unserer bekanntesten Illustratoren, wie Weiß, Kleuckens, Ehmke, Wieynk, Tiemann u. a., diesem Ziele zuzustreben. Der Weg muß wohl der richtige sein. Für die besten Bücher wenigstens. Ich denke z. B. manchmal, wie I. P. Jacobsens »Niels Lyhne«, das wir in den unscheinbaren Reclamheftchen lesen müssen, zu illustrieren wäre. Wollte einer dieses schatten zarte Durcheinanderklingen von Stimmung und Empfindung, dieses melodiöse Verweben von Geschehnissen in Bilderfolgen auflösen, er würde mit roher Faust eine Welt zerstören, die süß wie ein Klang, zart wie eine Linie hinter dem Sinnlichen liegt. Sehen wir einmal von dem Verhältnis des Illustrators zum Verleger ab, das ja doch meist nur geschäftlicher Natur zu sein pflegt, so bleibt das Verhältnis zwischen Iltu st r a t o r und Drucker, das im letzten Grade nicht ohne Einfluß auf die Ausgestaltung ist. Vom Entwurf bis zum aus geführten Werk ist ein weiter Weg, der selten ohne Klippen für eine Sache ist, die das Maß des Gewöhnlichen überragt. Die Tatsache, daß es sehr vielen »Fachleuten« an der selbstverständ lichen Achtung vor den buchgewerblichen Künstlern fehlt, wird niemand leugnen. Verständnislosigkeit und böser Wille, der sich aus seinen zünftlerischen Formalismus stützt, widerstreben gern den neuen Absichten. »Das geht nicht, das kann man nicht machen«, sind Äußerungen, die jedem entgegengeschleudert werden, dem die technische Einsicht fehlt. Ich erinnere mich eines Falles, wo der Künstler die Jacke auszog, die Hemdsärmel emporkrempelte und dem Herrn Oberfaktor zeigte, daß es doch geht. Es genügt keineswegs, daß der Illustrator nur sein Zeichenpapier beherrscht. Er muß schon im Entwurf für die Technik denken und so weit mit ihr vertraut sein, daß er die Ausführung an geben und über wachen kann. Wenn — wie das so oft geschieht — nach dem Druck etwas ganz anderes vorliegt, als beabsichtigt war, so trägt die Schuld eigentlich nicht der Drucker, sondern der Illustrator, der jenem zu unfähig gegenüberstand. Die Kritik des illustrierten Buches ist heute noch ziemlich unvollkommen. Der literarische Rezensent macht vielleicht einmal dem Verleger in einer Randarabeske ein Kompli ment über die gediegene, geschmackvolle oder großartige Aus stattung des Werkes. Vielleicht durchblättert einer auch einmal mit Behagen ein kostbares Buch und konstatiert die künstlerische Überraschung, die ihm so unerwartet kam. Die buchgewerbliche Fachpresse Pflegt ohne festen Plan meist im Anschluß an die Be sprechung eines Künstlers einzelnes zu werten. Und die an gesehenen kunstgewerblichen Zeitschriften, die zum großen Publi kum sprechen, vernachlässigen in hohem Grade dieses in ihren Rahmen gehörige Gebiet. Nur das außergewöhnliche »Luxusbuch« findet seine lauten Lober. Uber-Schätzungen dieser Art haben in den letzten Jahren so manche Erscheinung veranlaßt, die sich von dem mit Recht so verpönten Prachtwerk nur durch die hohe Qualität ihrer Zeichner unterscheidet. Es bleibt nur die Frage, was das Schlimmere ist, wenn der Tüchtige oder der Unfähige sich auf einem Irrweg befindet. Eine Kritik, die auch eine sachliche Ablehnung nicht meidet, würde manchen Illustrator vor auffallenden Grotesken, durch die er sich bemerkbar machen möchte, bewahren und einer ruhigen, vornehmen Arbeitsweise die Stütze geben, die ihr zurzeit fehlt. Das »Luxusbuch« — ein Ausdruck, der in einem Vortrag des Grafen Keßler dem »G e b r a u ch s b u ch« gegenübergestellt war — hat überhaupt ziemlich viel Verwirrung verursacht. Es hat die Perspektive verrückt und als erstrebenswertes Ziel eine seltene Kostbarkeit hingestellt, die lediglich der Prachtliebe und dem Reichtum einer kleinen, erlesenen Schar entspricht. Bücher, denen vielleicht schon ein Platz in der graphischen Mappe gebührt, werden doch nur außergewöhnliche Hochleistungen sein für den, der sie zu würdigen weiß. Solche Werke als Maßstab zu nehmen, ist ganz verkehrt. Unsere größte Sorge muß dem sogenannten »Gebrauchsbuch«, dem Buch, das die geistige Nahrung der Vielen enthält, gewidmet sein. Und hier bleibt noch vieles, fast alles zu tun. Es ist erfreulich, daß dieses Problem schon da oder dort von einzelnen Verlegern erkannt ist, und es ist gewiß ein bedeutsames Zeichen, wenn der Inhaber einer angesehenen Verlagsanstalt, Julius Bard, diese Forderung bereits programmatisch formuliert: »Dieses Bestreben nach äußerlich wohlgeratenen Büchern möchte nicht dahin mißgedeutet werden, als sei es ans die un seligen „Prachtwerke", auf eine Überladung mit unnützem „Buch schmuck" oder aus unsruchtbare „Stilmacherei" abgesehen, welche Sinn und Inhalt der Werke selbst stört und schädigt. Es handelt sich vielmehr darum, gute Bücher in einer schlichten, vornehmen, vom Geiste unserer Zeit beherrschten Form zu ver öffentlichen, deren Schönheit in den Vorzügen besteht, welche der moderne Geschmack in allen seinen schöpferischen und ein wandfreien Leistungen bietet: im Material, das mit der Würde des Inhaltes im Einklänge steht, also in der klaren Type von edlem Schnitt, im gediegenem Papier, in der Wohlgefälligkeit des Formats, in der stofflich reinen Beschaffenheit des Ein bandes, mit einem Wort in der Sachlichkeit der äußeren Form, die dem inneren Gehalte durchaus entspricht.« (Jahreskatalog 1907.) Die allzu stürmische Würdigung jener anderen Gattung hat einstweilen lediglich die Verleger, die ihre Bücher in der unan sehnlichsten Aufmachung herauszugeben Pflegen, in ihrem Ver halten bekräftigt. Was sie sahen, war für ihre Zwecke natürlich nicht verwendbar. Sie brauchten das Gediegene, das durch seine Schlichtheit groß ist, und als Vorbild wurde ihnen immer das Prächtige hingehalten. So blieben sie bei der gewohnten schlechten Ausstattung, die im besten Falle die Höhe eines Setzergeschmackes erreichte. Ganz und gar haben sich namentlich in den großen Verlags orten schließlich diese Anstalten doch nicht dem neuen Wollen der Zeit verschließen können. Das Unscheinbare ist nicht leicht ver käuflich. Und so wurden billige Zeichner herangeholt, die für wenig Geld einen schreiendfarbigen Umschlag, vielleicht auch ein paar Vignetten oder klobige Initialen, die natürlich gar nicht zu der geschmeidigen Type Passen, zeichnen mußten. Rote, blaue, grüne Flecken sind da hingepatzt, so daß unsere Buchhändler auslagen mitunter nichts als ein Tohuwabohu schreiender Farben dissonanzen sind. Diese Deckelarbeiten sind armselige Surrogate, worin etwas Gutes mißverstanden oder nur zu einem kleinen Teil gewollt ist. Die neue Buchkunst braucht den Illustrator, weil eine würdige, einheitlich klare Form notwen- d i g ist. Er hat die Aufgabe, Papier und Type zu wählen, die Satz-, Seitenzahl- und Überschristenanordnung zu geben und den Umschlag, den Einband, das Vorsatzpapier, die Titel- und Schluß seite, die Kopf- und Schlußleisten für Kapitelanfänge und -aus- gänge, Initialen, Zierformen und Füllstückchen zu entwerfen, wo für er ja heute auch schon von einigen Verlagsanstalten namentlich verantwortlich gemacht wird. Er schafft die Teile, die, in der Druckerei zusammengesetzt, ein Ganzes ergeben sollen, das in un vergänglicher Dauer für die Schönheit und die Wü'-de der deutschen Buchkunst zeugen wird. Kleine Mitteilungen. * KrriSverein der Mecklenburgischen Buchhändler. — Die diesjährige Hauptversammlung findet am Sonntag, den 5. Juli, mittags 12 Uhr in Teterow (Sengebusch's Hotel) statt. Gegen 3 Uhr gemeinsames Mittagessen, um 5 Uhr Wagenfahrt in die Haidberge. Anmeldungen und Mitteilungen nimmt Herr E. Opitz in Güstrow entgegen.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder