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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.10.1929
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- 1929-10-08
- Erscheinungsdatum
- 08.10.1929
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- Deutsch
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234, 8, Oktober 1929. Redaktioneller Teil, Börsenblatt s.d.Dtschn. Buchhandel. eins gefeiert wird und daß sie so wirklich den gesamten deut schen Buchhandel in seinen Vertretern hier persönlich als Gratu lanten um sich versammelt sehen. Der Buchhandel hat in Bayern eine wechselvolle Ver gangenheit hinter sich. Die ehemaligen freien Reichsstädte, di« in Bayern aufgegangen sind, in erster Linie Nürnberg und Augsburg, zählten einst zu den berühmtesten Druckorten der Frühzeit des Buchhandels. Ende des 16. Jahrhunderts schon war es, als ein bayerischer Herzog sich eine eigene Druckerei ein richtete, um sich aus Liebhaberei am Dienste des Buches zu be teiligen, Die spätere Zeit war weniger groß. Wir wollen aber nicht vergessen, daß einer der Gründer unseres Börsenvereins, Friedrich Campe, auch aus Nürnberg kam. Im 19, Jahrhundert setzte dann wieder ein neuer Aufschwung ein. Eine besondere Freude ist es uns, die Firma, die an diesem Aufschwung nicht zuletzt führend beteiligt war, in Herrn vr, Friedrich Oldenbourg im gegenwärtigen Vorstand des Börsenvereins vertreten zu sehen. Vor allem als Stadt ,der Künste und Wissenschaften hat München sich rasch zu einem lder vier führenden Verlagszentren des Deutschen Reichs emporgeschwungen. Mit ihm blüht und gedeiht der Buchhandel ganz Bayerns. Wenn ich so manche charakteristische Szene der buchhändle rischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte noch einmal an meinem geistigen Auge vorübcrziehen lasse, so läßt mir die Er innerung wieder und wieder lebendig werden, wie oft der Münchener und der bayerische Buchhandel in seiner markanten Eigenart an der Gestaltung unseres gemeinsamen Schicksals in wertvollster Weise mitgewirkt und sich mit seinem eigenwüchsigen Gewicht für das Wohl des Ganzen eingesetzt hat. In freudiger Überzeugung bekenne ich, daß der Börsenverein der Deutschen Buchhändler, der in seinem föderalistischen Ausbau den land schaftlichen Eigenarten aller Stämme ihr Recht läßt und sie doch alle so zu einer Einheit zusammenfaßt, gerade >den Münche ner und den bayerischen Buchhandel niemals hätte missen mögen und nie wird missen können. Der Münchener und der bayerische Buchhandel wird auch seine Eigenart immer behaupten und sich darin stark machen und erhalten müssen. Nur i>as Bodenständige ist gesund und nur das Gesunde ist wertvoll für das Ganze. Zum Wähle des gesamten Buchhandels, aber auch zum Wohle unseres ganzen Volkes wie zu ihrem eigenen Besten wünschen wir daher dem Münchener und dem bayerischen Buchhandel, insbesondere in ihren heute ihr Jubiläum feiernden Vereinen die Fortführung ihrer alten ruhmvollen Überlieferung, ein wei teres Blühen, Wachsen und Gedeihen für alle Zeit!« Am Ende der langen Reihe von Glückwunschrednern über brachte noch Herr A. Behrendtals Vorsitzender des »Palm« 1874, Verein jüngerer Buchhändler, wohlgemeinte Wünsche. Er erinnerte an manche Veranstaltungen i»es »Palm« und an das stete gute Einvernehmen mit den jubilierenden Vereinen. Nunmehr hielt Herr vr. Friedrich Oldenbourg den Festvortrag über »Bayerischer und Münchener Buch handel in großdeutscher Beleuchtung». Da er im Wortlaut in einer der nächsten Nummern des Börsenblattes zum Abdruck gelangen wird, können wir uns hier ein näheres Eingehen darauf ersparen. Der reiche Beifall, den der Vortragende erntete, wird ihm bewiesen haben, welchen Eindruck er mit seinen Ausführungen gemacht hat, die auch für di« kommende buchhändlerische Entwicklung Münchens ihr« besondere Bedeu tung haben dürften. Zum Schluß der würdigen, wohlgelungenen Feier sang der Singchor der Deutschen Stunde in Bayern Volkslieder für gemischten Chor und gab damit der ernsten Stunde einen volkstümlich-heiter beschwingten Abschluß. Am Nachmittag brachte das Festessen in den »Vier Jahreszeiten« den Ausklang. Wie bei Kantate wurde dabei über die Teilnehmer ein reicher Sagen wertvoller Festgaben ausgeschüttet, die um so lieber in Empfang genommen wurden, als sie von reizenden jungen Damen, die fast an die Goldhauben von Linz erinnerten, verteilt wurden. Von den zahlreichen Ansprachen sei hier nur der launigen Damenrede des Herrn Schöpping jun. kurz Erwähnung getan sowie der form vollendeten, gedankenreichen Ansprache des Herrn Nitsch- mann. Ansonsten dürfen wir uns wohl, auf Einzelheiten nicht weiter eingehend, mit der Feststellung begnügen, daß diese festlichen Stunden in schönster Weise die sämtlichen Jubclver- anstallungen krönten. Zu dem Erfolg kann man lden Münchener und den Bayerischen Verein aufrichtig beglückwünschen, wie ihnen auch namens des ganzen Buchhandels an dieser Stelle hcrz- lichst gedankt sei für die freundliche, gastfreie Aufnahme in der alten Jsarstaidt und für alle Mühe, die man sich gegeben hat, die Gäste aufs beste zu unterhalten und mit angenehmsten Er innerungen zu versehen. Hundert Jahre Paul Neff. Am 8. Oktober 1829 ließ der Buchhändler Paul Neff in die »Stuttgarter Abendpost« eine Anzeige einrücken, in der er be kanntgab, daß er in Stuttgart in der Calwerstraße mit Geneh migung der Kgl. Regierung eine Buchhandlung errichtet habe, »welche Verlags-, Sortiments- und antiquarische Geschäfte um fassen werde-, und empfahl den Bücherfreunden seine Dienste zu allen Aufträgen. Er war dem Stuttgarter Publikum kein Frem der; seit dem Jahre 1827 hatte er als Teilhaber der Firma Carl Hoffmann angehört, die neben Verlag und Sortiment auch ein Kommissionsgeschäft betrieb. - Paul Neff war, wie so mancher Träger großer Namen im Stuttgarter und Württemberger Buchhandel'), man denke nur an die Cotta, Metzler, Mtzschke, Weise, kein Schwabe. Die libe rale Politik, die damals in Württemberg, soweit das im Metter- nichschen Deutschland überhaupt möglich war, Gesetzgebung und Wirtschaft bestimmte, begünstigte gerade den Buchhandel und zog viele Nord- und Mitteldeutsche in die aufstrebende schwäbische Hauptstadt. Bor allem der Stuttgarter Verlag war im Auf blühen und in Bewegung. Neugründungen, Verschmelzungen und Besitzwechsel sind an der Tagesordnung. So hat auch Paul Neff von 1833 an für einige Zeit als Teilhaber der Hallberger- schen Verlags-Anstalt angehört. Will man die Gesamttendenz der Stuttgarter Berlagsproduktion dieser Jahre charakterisieren, so findet man dafür die Stichworte: billige Preise, di« mit Mas senabsatz rechnen, groß angelegte und vielseitige Sammlungen, meist populärwissenschaftlichen Inhalts, die in Lieferungen er scheinen. In der rein kaufmännischen Auffassung und Durch führung solcher Verlagspläne war diese Richtung durchaus modern und neu, sodaß man wohl ironisch von der »Stuttgarter spekulativen Richtung« sprach. Auch die Produktion von Paul Neff wies diese Züge auf. Freilich stehen neben den Sammlungen und Lieferungswerken wie etwa »Die Natur, ihre Wunder und Geheimnisse«, neben Romanserien diele Einzelwerke aus den verschiedensten Gebie ten; Geschichte, Politik, Sprachwissenschaft, fremdsprachige Brief steller, Wörterbücher, Reiseführer, Anstandsbücher, landwirt schaftliche Literatur, praktische Handbücher find da zu finden. Di« achtundvierziger Jahre brachten mancherlei aktuell-politische Literatur in den Verlag, der übrigens, das verdient hier ange merkt zu werden, in Verbindung mit Hoffmann L Campe in Hamburg der Originalverleger >des 1841 erschienenen Deutschland liedes von Hoffmann von Fallersleben gewesen ist. Unter der Leitung des Gründers hat aber der Verlag ein ausgeprägtes Ge sicht nicht gewonnen, es sei denn, daß man es in seiner Viel seitigkeit sehen wollte. Wer als Paul Neff im Jahre 1855 die Augen schloß, hinterließ er ein stattliches Erbe. Seine Firma zählte zu den angesehensten der Stadt; der Verlag stand auf breiter Basis, das Sortiment hatte sich seinen Platz erobert und das Kommissionsgeschäft, das Paul Neff ins Leben gerufen hatte, war das größte am Orte. Der seit 1842 bestehende Verein der Stuttgarter Buchhändler hatte ihn in seinen Vorstand gewählt, und er hat an >den Arbeiten der Berufsorganisation tätigen Anteil genommen. In einer für den Verlag so wichtigen Frage wie der des Urheberrechtes hat Paul Neff als Schriftsteller selber das Wort ergriffen in einer Schrift »über die Eigentumsrechte *) Bgl. A. Druckenmttller, Der Buchhandel In Stuttgart, 1808, ein Buch, dem der Verfasser einen wesentlichen Teil seines Materials ver dankt. 1079
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