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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.02.1931
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- 1931-02-21
- Erscheinungsdatum
- 21.02.1931
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Xr 44, 21. Februar 1931. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b.Dtschn.Buchhandel. Zur reformationsgeschichtlichen Forschung von heute. Von vr. Karl S ch o t t e n l o h e r, Abteilungsdirektor der Staats bibliothek München. Schon mehrfach haben glückliche äußere Anregungen, wenn inner lich gut begründet, zu hervorragenden Erfolgen in der Wissenschaft geführt. Auf den vaterländischen Sinn eines großen Staatsmanns, des Freiherrn vom Stein, geht die bedeutsame Herausgabe unserer deutschen Geschichtsquellen des Mittelalters, auf einen weitschauenden Staatsmann unseres Jahrhunderts, Friedrich Schmidt-Ott, die Grün dung der segensreichen Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft zurück. Es stand auch über der Reformationsforschung unserer Tage ein glücklicher Stern, als im Jahre 1917 der preußische Landtag, vor allem von dem Abgeordneten vr. Traub angeregt, zur Erinne rung an das Neformationsfest und den konfessionellen Burgfrieden der Kriegszeit größere Geldmittel für die Förderung geschichtlicher Forschungen über die Zeit der Reformation und Gegenreformation bewilligte. Dir dafür vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unter Führung von Exzellenz vr. Schmidt- Ott gegründete Kommission von Gelehrten beider Konfessionen sollte einmal die vom Verein für Reformationsgeschichte und der Gesell schaft zur Herausgabe des Lorpus Latkolieorum geleiteten refor mationsgeschichtlichen Unternehmungen fördern, sodann große selb ständige Arbeiten zur Erforschung der deutschen Geschichte im Zeit alter der Reformation und Gegenreformulion vorbereiten. Als solche wurden zwei umfassende bibliographische Unternehmungen, dazu ein großes biographisches Nachschlagewerk, endlich Text-Ausgaben zur Geschichte des Humanismus in Angriff genommen. Die beiden Biblio graphien werden ein »Literaturverzeichnis zur deutschen Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung« und ein »Gesamtverzeichnis des Schrifttums in Deutschland zur Zeit der Reformation und Ge genreformation« umfassen. In dem ersteren Werke, das demnächst in drei bis vier Bänden mit Registern, einer Zeittafel und einer Karte im Verlage Hiersemann zu Leipzig erscheinen und etwa 34 000 Titel bringen wird, sollen in einer Gesamtllberschan über die bisher erschienene Literatur alle Lebenserscheinnngen jener Zeit zu Worte kommen, die Reformation so gut wie die katholische Gegenbemegung, die Kirche ebenso wie der Staat, das Geistesleben mit Kunst und Wissenschaft nicht minder wie Wirtschaft, Handel oder öffentliche Fürsorge, ferner alles Kulturgeschichtliche, wie Volkskunde, Alchemie oder Astrologie, die gesamten Zeitereignisse, wie die Reichstage, der Bauernkrieg, die Packschen Händel, der schmalkaldische Krieg oder die verschiedenen Neligionsgespräche, die Führer des kirchlichen und gei stigen Lebens, wie Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johann Eck, Peter Canisius, Erasmus von Rotterdam oder Albrecht Dürer. Die zweite Bibliographie wird das gesamte in Deutschland erschienene Schrifttum der Zeit der Reformation und Gegenreformation (1517 —1585) beschreiben und mit dieser gewaltigen, etwa zehn Bände um fassenden, von Jnhaltsregesten begleiteten Quellen-Ubersicht hoch- bedeutsame Geschichts- und Literaturdenkmäler erschließen, die zu einem guten Teile bisher so gut wie unbekannt waren. Proben und Ausschnitte daraus liegen bereits in bibliographischen Untersuchungen über die damaligen Druckerwerkstätten von Regensburg, Augsburg, München, Landshut, Ingolstadt, Worms, Pforzheim, oder über die Nitterschaftsbewegung des Jahres 1523 oder über Pfalzgraf Ott- Heinrich und sein Verhältnis zur Publizistik jener Tage vor. Diese bibliographischen Arbeiten soll das biographische Lexikon ergänzen, das im Wortlaut oder Sinn der ursprünglichen Quellen alle Per- sönUchkeiten jener Zeit umschreiben wird, die irgendwie eine Rolle ge spielt haben. Aus ersten Quellen sollen wir hier erfahren, was die Menschen von damals voneinander gedacht und gewußt haben. Von den geplanten Text-Ausgaben zur Geschichte der humanistischen Bil- dungsbewegung des 15. und 16. Jahrhunderts ist der Briefwechsel des einflußreichen Augsburger Natsschreibers Konrad Peutinger, von Erich König mustergültig bearbeitet, bereits erschienen. Die Briefe von Konrad Celtis, Johannes Cuspinianus und Willibald Pirkheimer werden folgen. Die Erasmus-Forschung soll durch Ausgaben pro grammatischer Schriften des großen Humanisten gefördert werden. Dank der Unterstützung der Kommission kommen auch die Arbeiten des Vereins für Reformationsgeschichte und der Gesellschaft zur Verein für Reformationsgeschichte hat ein neues großes Unternehmen, die planmäßige Durchforschung und teilweise Herausgabe der in zahl reichen Archiven verstreuten Wiedertäufer-Akten in Angriff genom men, um damit wertvolle Aufschlüsse über das Wollen und Werden der den beiden Hauptkirchen abgewandten Sekten zu geben; ein um fangreicher, das Land Württemberg umfassender Band, liegt be reits vor. 160 Wo so reich gesät ist, kann die Ernte nicht ausbleiben, zumal da neben diesen Unternehmungen auch noch andere große reforma- tionsgeschichtliche Werke rüstig vorwärts schreiten: die Weimarer Aus gabe der Werke Luthers, die Veröffentlichung des 6vrpv8 Sedweveli- kelckisnorum, die Gesamt-Ausgabe des Paracelsus, die von der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft vorbereitete Bekanntgabe der politischen Korre spondenz Kaiser Karls V., das von der Görres-Gesellschaft geleitete große Quellenwerk über das Konzil von Trient, die im Oorpu8 ks- kormatorurn fortgeführten Wiedergaben der Werke und Briefe von Ulrich Zwingli oder die Sammlung der Briefe des Erasmus, von dem englischen Forscher Allen mit bewundernswerter Sorgfalt darge boten. Dazu kommt eine merkliche Umwandlung in der Blickweite und Auffassung gegenüber den Menschen und Geschehnissen der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Wir sind aus der früheren theologischen und konfessionellen Enge mit ihren apologetischen Be wertungen herausgekommen. Wir stecken vor allem die Grenzen unseres Betrachtungsfeldes weiter ab. Wir wollen über mehr als bloß über die Entscheidungsjahre der Reformation, über mehr als nur über Luther auf der Höhe seines Wirkens, über mehr als über die Führer oder Erfolge der katholischen Erneuerung wissen. Eras mus von Rotterdam, Kaiser Karl V., Sebastian Frank, die Wieder täufer, die Nachwirkungen des Humanismus bei den freieren Men schen jener Tage rücken wieder lebendiger in den Bereich der Forschung. Auch Staat und Stände, Handel und Wandel, Kunst und Wissenschaft werden noch eingehender zu erforschen sein. Wir wollen das ganze Zeitalter, nicht bloß das kirchliche Leben und nicht nur eine bestimmte Zeitspanne, kennen lernen. Wir find aber auch duld samer, freier, sachlicher, weitherziger in der Deutung und Auffassung der Menschen und Dinge jener Zeit geworden. Wir lassen dieses viel gerühmte, viel geschmähte Zeitalter wieder unmittelbarer, un befangener als geschichtlich Gewordenes, geschichtlich Bedingtes und Gebundenes, als Teil und Teilchen des gesamten Ablaufes eines großen Gemeinschaftslebens auf uns wirken. Wir möchten alle Bin den von unseren schauenden Augen werfen, möchten das Refor mationszeitalter als bedeutungsvollen Ausschnitt unseres gesamt deutschen Erlebens und Schicksals mit all seinem Lichi und all seinem Schatten, mit seinem Erhebenden und seinen Torheiten, als Blut und Glut von unserem Blute verstehen lernen. Mit uneingeschränkt wissenschaftlichen Zielen wird die reformationsgeschichtliche Forschung ganz von selbst auch eine große menschliche und nationale Aufgabe erfüllen. Walter Lbiseb — vsvin 1,. 8obüeking: 8bgl<e?pegre üiklio» xruphy. Oxkorck, Elarenckov ?r688, 1931. (XVIII u. 294 8.) vvv. 8b. 21/—. Bibliographien braucht, schätzt und achtet man, aber begreif licherweise liebt man sie nicht. Meist werden sie als notwendiges Übel betrachtet. Als solches stehen sie zwar in Reichweite auf dem Schreibtisch: jedoch nur dann streckt sich die Hand nach ihnen aus, wenn es sich nicht mehr vermeiden läßt. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, und zu diesen ist das vorliegende Buch zu zählen, das der Zusammenarbeit des Leipziger Anglisten Professor vr. Schücking und des Bibliothekars des Englischen Seminars der Uni versität vr. Ebisch zu danken ist. Darin zu blättern, auch ohne Ver folgung eines bestimmten Zweckes, macht wirklich Vergnügen; die Buchtitel allein schon bieten eine Quelle von Anregung und Be lehrung, mitunter auch Unterhaltung. Als Beispiel hierfür sei Kapitel XIV (S. 182 ff.) herausgegriffen, die Liste der Veröffent lichungen über die Shakespeare-Bacon-Frage, die mit kluger Aus wahl zusammengestellt ist. Natürlich ließe sie sich noch vermehren; so lieferte Konrad Meier einen Beitrag zur Bacon-Literatur, Francis Bacon, zum Gedächtnis am 9. April 1926 (S.A. des Dresdner An- zeigers 1628/9). Dann Edwin Bormann: Neue Shakespeare-Enthül lungen, zwei Hefte, Leipzig 1895; Der Anekdotenschah Bacon-Shake speare, heiter-ernsthafte Selbstbekenntnisse des Dichter-Gelehrten, Leip zig 1896; Dreihundert Geistesblitze und anderes von und über Bacon- Shakespeare-Marlowe, Leipzig 1920; H. Häfkcr: Was sagt Shake speare? Die Selbstbekenntnisse des Dichters in seinen Sonetten, ein Beitrag zur Shakespeare-Bacon-Frage, Berlin 1896. Bormann kündigt übrigens auch die englische Übertragung seines Shakespeare- Geheimnisses durch Harry Brett an. Ob sie wohl je erschienen ist?! Dieser Abschnitt gibt ein amüsantes Bild menschlicher Irrungen und Wirrungen. — Darin, daß die wissenschaftliche Shakespeare-Forschung aller Nationen berücksichtigt ist, liegt ein großer Vorzug des Werkes gegenüber den früheren, mehr oder weniger einseitigen Biblio graphien, z. B. der ausgezeichneten englischen von William Jaggard. Nun ist es leicht zu erfahren, welche Völker sich mit dem großen Dramatiker beschäftigt haben, in welchem Maße, zu welcher Zeit, welche Probleme für die einzelnen Stämme besonders fesselnd waren.
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