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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.01.1853
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1853-01-07
- Erscheinungsdatum
- 07.01.1853
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- Deutsch
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19 1853.) Den Trost und eine reiche Entschädigung für die mancherlei Sorgen und Aergernisse, Mühen und Beschwerden, Lasten und Uebelstände fanden, mit denen, wie am Ende ein jeder Beruf, auch der Ihrige insbesondere verknüpft ist. Ja wie dem Manne, dessen gefeierter Name unter Ihnen unsterblich fortleben wird und dessen Bild bedeutungsvoll den Räumen dieser unserer Versammlung einen so würdigen Schmuck verleiht, wie ihm, Friedrich Perthes, dem großen Hamburger Buchhändler, dessen Ruhm gerade heute unmöglich mit Stillschweigen übergangen werden darf, da aus seinem vielumsaffenden Geiste zuerst auch die Idee einer Buchhändlerschule entsprang, — wie ihm trat es dann auch Ihnen klar und deutlich vor die Seele, daß der Buchhandel eine tief in den Gang der Geschichte eingreifende Macht, daß er ein Glied in dem großen Zu sammenhänge der Einrichtungen und Veranstaltungen sei, durch welche eine Nation sich geistiges Leben möglich mache. Wurde doch durch ihn erst das, was unserer, sowie allen übrigen gebildeten Nationen der Erde nach langer düsterer Nacht einen frischen, fröhlichen Aufer stehungsmorgen bringen sollte, das, worauf unser Volk vor allem stolz ist und mit Recht stolz sein darf, die Erfindung der Buchdruckerkunst zu ihrer vollen Geltung gebracht, und war sie, die Buchdruckerkunst, um mit Luther zu reden, das höchste und letzte Geschenk, durch wel ches Gott die Sache seines Evangeliums forttreibt, die letzte Flamme vor dem Auslbschen der Welt, so war es neben ihr und nach ihr der Buchhandel, der das Licht und die Strahlen und die Wärme dieser Flamme überall hin verbreitete und da neue und fruchtreiche Saa ten hervorkeimen und sprossen ließ, wo bisher nur ödes Heideland, wüste und brache Steppe das Herz des schauenden Wanderers mit Trauer und Mitleid erfüllt hatte. — Hat nun aber der Buchhan del wie er sich von jener Zeit an ausbildete, als der Träger und Verbreiter der höchsten und heiligsten Gemeingüter eines Volkes, seiner Religion, seiner geistigen wie sittlichen Bildung, seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Entwickelung, — als die große und mächtige Puls ader durch welche das innerste Herzblut eines Volkes, seine Dichtung, in alle Glieder und Theile des großen Ganzen geleitet wird, hat mit einem Worte der Buchhandel als Träger und Verbreiter der Literatur eines Volkes diese seine Bedeutung nie verkannt, selbst damals nicht, ich meine in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als leider ein großer Theil seiner Vertreter in ihm nur das Mittel eines schnell zu erwerbenden Reichthums erblickte und deshalb hinweg von Pflug und Schwert, aus dem lauten Gerichtssaale und der stillen Studirstubc, aus den Werk- und Schenkstätten zu seinen Bücherballen und Schreibpulten geeilt war, um an ihnen doppelt und dreifach zu verdienen, was sie bei ihrer.bisherigen ^Beschäftigung eingebüßt zu haben glaubten — nein, gab es zu jeder Zeit Männer, wie.einen Koburger, einen Heinmann, einen Fugger, um hier absichtlich nur an ältere und deutsche zu erin nern, die über ihren Gewinn jene hohe Bedeutung ihres Berufes nie aus dem Auge verloren, — um wie viel mehr muß der Buchhandel seiner ernsten und wichtigen Bestimmung gerade in unserer Gegenwart eingedenk sein, der ja so wenige von den Gütern geblieben sind, die das wahrhafte Glück, den wahrhaften Wohlstand eines Volkes begrün den, in unsrer Zeit, die sich getäuscht sieht in ihren schönsten und theuersten Hoffnungen, die so sehnlichst nach dem Messias jausschaut, der ihre Wunden heile, ihr neue Kraft, ihr neues Leben gebe, in einer Zeit, die einer Ruine gleicht, in welcher hier und da die schwarzen Nachtvögel mit ihrer Brut nisten und ungescheut ihr Wesen treiben. Sie wissen cs ja, H.H-, was sich in dem Leben des Einzelnen so häufig wiederholt, daß wenn ihm das Schicksal um all seine liebsten und süße sten Wünsche betrog, wenn es ihm Bruder und Freund, Hab und Gut, Heimath und Vaterland raubte, wenn es ihn um sein ganzes äußeres Glück brachte, wenn er das Leben zerknickt und kalt und farblos vor sich liegen sieht, daß er dann in seines Herzens innerste Gründe flieht und hier Trost und Kraft, Frieden und Ruhe sucht und findet, — die selbe Erscheinung ist uns auch jetzt in dem Gefammtleben unseres deut schen Volkes geboten: von den Trümmern seiner auf äußeres Rational glück gerichteten Hoffnungen ist es geflüchtet in sein inneres Heiligthum, um an dessen Schätzen Halt und Trost und Entschädigung zu finden, ist es auch wiederum geflüchtet in den geweiheten Tempel seiner Litera tur, und wie einst der Tempel Jerusalems der Einigungspunkt war für die zwölf Stämme Israels und der Schauplatz ihrer feierlichsten und freudigsten Nationalfeste, so ist auch dieser Tempel der Einigungs punkt für die Bruderstämme Deutschlands, die allein noch hier ihre größten Triumphe uud würdigsten Feste feiern. Daß nun aber auch er nicht zertrümmert werde, daß wenigstens von ihm fern bleibe jede Ent- wcihung, jede Schändung, das, m- H-, ist freilich wohl zum großen Theil die Aufgabe derer, die da schreiben, was der forschende und sinnende Geist erdacht und erstrebt, und singen, was das Herz empfun den, aber wahrlich nicht weniger muß es auch die Aufgabe des deutschen Buchhandels sein, und er wird sie erfüllen, wenn er eben keinem Buche den Weg bereitet und es verbreitet, welches des deutschen Volkes un würdig wäre, welches keinen Verrath an feiner Liebe zur Religion, an seiner Liebe zu dem ächten Wahren, Guten und Schönen ausübt; erwirb feine Aufgabe als Tempelwächter erfüllen, wenn er, um auch hier wie der des würdigen Perthes eingedenk zu sein, „auch nicht eine Schrift unter die Presse kommen läßt, aus der kein Funke des Dichterischen, des Geistvollen, des Witzes leuchtet, worin nicht ein ausgehendes Weizcnkorn des Nutzbaren sich entdecken läßt, wenn er nicht gemeine Wirthschaft treibt mit gemeinem Schreibgefindel, was den Geist für Stallung und Fütterung preisgiebt." — Ob der Buchhandel allenthalben in Deutsch land dieser seiner Aufgabe genüge, das, m. H., überlasse ich Ihrem eigenen Urtheile — daß er sie aber hier in unserm Leipzig, dem Cen tralpunkte des deutschen Buchhandels, mit klarem Bewußtsein erfaßt hat, das beweist Ihr Hiersein, das bezeugt die gegenwärtige Stunde, das bezeugt die Anstalt, deren Zweck ja eben der Hebung und Förde rung dieses Berufes geweiht ist, und daß dieser Zweck nicht nur eben deshalb ein edler und erhabener ist, sondern auch in Betracht der Art und Weise, auf welche die Anstalt ihre Aufgabe lösen will, dies war die andere Behauptung, die ich mir im Eingänge meiner Worte aufzustellen erlaubte. Es ist uns aus dem Jahre 1323 ein Statut noch erhalten worden, welches in Paris erschien und in Bezug auf die Ststionarii und lübrarii, wie damals die Buchhändler genannt wurden, verordnete, daß ein sol cher nur werden könnte, wer als ehrlicher Mann bekannt sei und die zur Schätzung von Büchern nöthige Kenntniß besitze. Läßt uns dieses Statut einerseits darauf schließen, daß auch schon in der damaligen Zeit, also noch vor Erfindung der Buchdruckerkunst, die ungeheure Tragweite und Wichtigkeit des Buchhandels anerkannt wurde, so andrerseits darauf, daß sich in den Stand der 8tutionsrii oder 1-ibrsrH wohl nicht we nige eingeschlichen haben mochten, die denselben durch ihren gänzlichen Mangel an Bildung und Kenntnissen in jeder Weise herabbrachten und seinen segensreichen Einfluß nicht wenig schmälerten. M. H., seit jenem Jahre 1323 sind genug Verordnungen erschienen, die es hinlänglich be zeugen, welche Wichtigkeit Ihrem Stande von Seiten derer, die sie er ließen, d. i. von Seiten der Regierungen, zugeschrieben wird, aber dennoch fehlte es unter ihnen an solchen — und ich erinnere mich jetzt nur Preu ßens als des einzigen Staates, der einen bestimmten Grad der Bildung von seinen Buchhändlern beansprucht — ich sage an solchen, deren In halt der zweiten Hälfte jenes erwähnten Pariser Statutes entsprochen hätte, wenn wir nicht vielleicht hierher ein Mandat der königl. sächs. Regierung von 1772 rechnen wollen, in welchem diese ihr Interesse an der Förderung von Wissenschaften und Literatur durch den Buchhandel ausdrückt. — Obwohl nun die bisherige Freiheit des Buchhändlerstandes von dem Zunftzwange in der Weise, daß selbst diejenigen ein Geschäft begründen können, welche keine Lehr- und Lernjahre bestanden haben, obwohl diese Freiheit, von vielen Seiten her betrachtet, gewiß eine schätzenswerthe ist und nur von Wenigen angefochten wird, so kann man doch nicht leugnen, daß auch sie wie eine jede andere Freiheit häufig dem Mißbrauche ausgesetzt gewesen ist und daß — wenn ein jeder Buchhänd ler eine hinreichend gründliche Vorbildung genossen hätte — wohl auch ein großer Theil jener Verordnungen der ersten Art in den Staaten, denen es um eine wahre Aufklärung, um einen wahren Fortschritt zum Guten zu thun ist, überflüssig geworden wäre. Und ich frage Sie selbst, m. H., was hat man durch alle jene Verordnungen, Censurbestim- mungen und Gesetze erzielt? Ist etwa des Büchergiftes weniger ge worden? und blühet etwa in solchen Staaten der Buchhandel am mei sten, in denen es am meisten Gesetze über und gegen die Presse giebt? Hochzuverehrende Anwesende, das Gesetz, das den Buchhändler am besten regiert und dem Buchhandel zur höchsten Blüthe verhilft — das stehet nirgends schwarz auf weiß, das stehet in keinem Verordnungs blatte gedruckt, das muß, wie Sie es ja Alle wissen, der Buchhändler in sich selbst, in seinem Innern ausrichten und zwar einmal durch eine genaue Kenntniß und geübte Erfahrung in alle dem, was den rein kaufmännischen Theil seines Geschäftes bildet, dann aber auch durch einen scharfen Blick, der ihm die literarische Bildung und die literari schen Bedürfnisse seines Volkes nicht so leicht verkennen läßt, wie ja eben der Buchhändler den Kaufmann und den Gelehrten in sich ver einigt und vereinigen soll. — Verfolgen wir nun den Bildungsgang, den die berühmtesten und ausgezeichnetsten der Buchhändler genommen haben, so läßt uns zwar das Gefühl der Pietät und Dankbarkeit, das sie ihren Lehrherren bis in ihr spätestes Alter bewahrten, deutlich er kennen, wie hoch sie den Werth dessen anschlugen, was sie als Lehr linge in deren Geschäft erfahren und gelernt und geübt hatten, aber fast alle fühlten es auch schon in ihrer Lehrzeit klar und deutlich, daß ihre Beschäftigung sie doch nicht hinreichend vor einer — wie soll ich
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