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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.09.1929
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- 1929-09-17
- Erscheinungsdatum
- 17.09.1929
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M 216.17. September 1929. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b.Dtschn. Buchhandel. damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen, wo man noch auf beiden Seiten auf der Basis eines Gemeinschafts- und Zusammengehörig keitsgefühls dachte und fühlte und wo zünftlerische Tradition im besten Sinne des Wortes noch nachwirkte. Von der Entwicklung des Vereins ging Redner dann zu den »Tendenzen im Buchdruck gewerbe« über, die er auf Grund eines reichen statistischen Materials, das sich auf die Größe der Betriebe, ihre Anzahl, der beschäftigten Personen usw. bezog, vor Augen führte. Auch die soziale Entwick lung zog Professor Briefs in den Bereich seiner Betrachtungen. 30 Prozent aller im Buchdruckgewerbe tätigen Personen seien Frauen. Bemerkenswerte Ausführungen machte er auch hinsichtlich der Lehr lingsausbildung, deren Schwerpunkt in den Betrieben von 11—25 Personen liege. Übergehend zu den »Tendenzen in der gegenwär tigen deutschen Wirtschaft« betonte er, daß die zureichende Kapital bildung und Kapitalvcrsorgung im allgemeinen nicht beim kleinen und mittleren gewerblichen Betriebe liege, sondern aus leicht be greiflichen Gründen eher bei den größeren Betrieben. Hinter der mangelnden Kapitalbildung stehe die scharfe Besteuerung. Es sei nicht zu hoch geschätzt, wenn man annehme, daß ein Viertel bis ein Fünftel des gesamten Volkseinkommens heute durch die Kassen der öffent lichen Hand und der Sozialversicherung fließt. In der ganzen Wirtschaft sei der Staat zum stillen Teilhaber geworden, nur mit dem Unterschied, daß er die Beteiligung am Risiko und Verlust ab- lehnö'. Die deutsche Wirtschaft befinde sich heute in einer Selbst kostenkrise. Aus Gründen der fixen Belastung der Betriebe stiegen die Selbstkosten an, das Preisniveau werde starr oder steige sogar, der Absatz werde gedrosselt. Durch die Hausdruckereien, aber auch durch die Druckereien öffentlicher und halböffentlicher Betriebe gingen dem Druckgewerbe bedeutende Aufträge verloren. Bereits im Jahre 1925 sei die Zahl der Hausdruckereien auf 3000 emporgeschnellt. So komme von zwei Seiten her neben den konjunkturellen Einflüssen eine strukturelle Beeinflussung des Druckgewcrbes. Es gäbe wohl wenige Gewerbezwcige, die so stark mit dem Gesamtrhythmus und der Gesamttendenz der Wirtschaft verbunden seien wie das Druck gewerbe. Zusammenfassend wies Professor Briefs auf die Er schwerungen hin, die dem deutschen Wirtschaftsleben und damit auch dem Buchdruckgewerbe auferlegt seien: Kreditknappheit, überzinsung, Übersteuerung, Eingriffe der öffentlichen Hand ins Wirtschaftsleben, Bestrebungen zu einer gefahrvollen Zentralisation in der Leitung der Wirtschaft unter Bürokratisierung derselben, dazu auswärtige Tributlasten und Zinsverpflichtungcn in gewaltiger Höhe. Zum Geschäftsbericht für das Jahr 1928 gab Vor sitzender Zickfeldt noch Erläuterungen, worauf der Bericht ein stimmig genehmigt wurde. Der Deutsche Buchdrucker-Verein hat gegenwärtig rund 6300 Mitglieder. Im Geschäftsbericht wird aus- gefllhrt, baß die wirtschaftliche Ungunst dazu beigetragen habe, daß eine Anzahl von Mitgliedern wegen Konkurs oder Zahlungsunfähig keit aus der Mitgliederliste gestrichen werden mußte. Es seien aber auch im Laufe des Jahres 1929 nicht unerhebliche neue Beitritts erklärungen erfolgt. Generaldirektor vr. Woelck erstattete den Bericht über die Jahresrechnung für 1928. Aus der Gewinn- und Verlustrechnung geht hervor, daß 404 400.55 RM. an Mitgliederbeiträgen eingingen, die »Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker« (das Vereinsorgan) erbrachte einen Überschuß von 24 371.59 RM. (im Vorjahre 14 414.99 RM.), der Verlag führte 2601.07 RM. ab. An Zinsen usw. wurden 42 723.88 RM. verein nahmt; insgesamt betrugen die Einnahmen 474 097.09 NM. Das Vcreinsver mögen betrug am Schlüsse des vergangenen Jahres 501925.22 NM. (im Vorjahre 571618 RM.). Die Ver mögensminderung um rund 70 000 NM. ist nach den Ausführun gen vr. Woelcks in erster Linie auf Abschreibungen auf das Ber liner Eigenheim des Deutschen Buchdrucker-Vereins in Höhe von 50 000 RM. und auf das Leipziger Gebäude in Höhe von 10 000RM. zurückzuführen. Die Jahresrechnung wurde gleichfalls einstimmig genehmigt und dem Hauptvorstand Entlastung erteilt. Das Vereins organ (»Zeitschrift«) vereinnahmte an Bezugsgeldern 51299.15 RM. sowie für Anzeigen, Beilagen und Einzelnummern-Verkauf 235 412.95 RM. Der Beitragssatz verbleibt in bisheriger Höhe, und zwar 1,5°/»« der jeweils im Betriebszweige Buchdruckerei gezahl ten Lohnsumme. Wesentliche Änderungen erfuhren die Ausftthrungsbestimmun- gen über die Gewährung der im Jahre 1924 von der Hauptver sammlung in Hannover eingeführtcn B e st a t t u n g s b e t h i l f e, die normal 2000 NM. beträgt. Die Altersgrenze wurde von 50 auf 45 Jahre herabgesetzt. Im übrigen sind die Abänderungen aus nach stehendem, von der Hauptversammlung genehmigten Antrag zu er sehen: 1. Die Umlage für die Bestattungsbeihilfe wird ab 1. Oktbr. 1929 in Höhe von Prozent des Mttglieberstandes erhoben; der 1008 Hauptvorstand wird ermächtigt, eine Erhöhung auf 3 Prozent vorzunehmen, falls dies erforderlich werden sollte. 2. Im Todesfälle während der ersten fünf Jahre der Zugehörig keit tritt eine Staffelung des Sterbegeldes ein. Es werden gezahlt im ersten Jahr nach Ablauf der sechsmonatigen Karenzzeit 20 Prozent, im zweiten Jahr 40 Prozent, im dritten Jahr 60 Prozent, im vierten Jahr 80 Prozent, nach Ablauf des vierten Jahres 100 Prozent. 3. Das Alter für die Aufnahme in die Bestattungsbeihilfe wird auf 45 Jahre herabgesetzt. Nach Überschreiten des 45. Lebens jahres soll der Erwerb der Anwartschaft noch bis zum 50. Lebensjahr ermöglicht werden, wenn eine Nachzahlung der jeweils geltenden Umlage für die Zeit vom vollendeten 45. Jahre bis zum Eintrittstage erfolgt. Herr Hofrat S i e g f r i e d W e b e r (i. Fa. I. I. Weber, Leipzig), Vorsitzender des Kreises VII (Sachsen) des Deutschen Buchdrucker- Vereins und Vorsitzender des Aufstchtsrats der Matgra A.-G. (Ma terialbeschaffungsstelle für das graphische Gewerbe, Leipzig), wurde an Stelle des im Herbst vorigen Jahres verstorbenen Buchdruckeret- besitzers Otto Säuberlich (i. Fa. Oscar Brandstetter, Leipzig) von der Hauptversammlung einstimmig zum Vorsitzenden des Wirtschaftsamtes des Deutschen Buchdrucker-Vereins ge wählt, das seinen Sitz in Leipzig hat. Um eine straffere Bindung an den Verein zu erreichen, wurde eine Satzungsänderung angenom men, durch die bestimmt wird, daß eine Beendigung der Mitglied schaft durch freiwilligen Austritt nur zum Schluß eines Vereinsjahres erfolgen kann und dem zuständigen Kreis bzw. dem Hauptvorstand spätestens am 1. Werktage des Vereinsjahres, mit dessen Ablauf der Austritt erfolgen soll, schriftlich anzuzeigen ist. Um eine breitere Verantwortungsgrundlage für den Geschäftsführen den Ausschuß zu schaffen, wurde beschlossen, die diesem Ausschuß u. a. angehörcnden vier Kreisvorsitzenden auf sechs zu erhöhen. Hinzu gewählt wurden die Herren Hans Sternheim (Berlin) und Albert Jäger (Halle) sowie als Stellvertreter die Herren vr. Edler (Hannover) und Gerhard Rautenberg (Königs berg). Des weiteren wurde die Verlegung der jetzt noch in Leipzig bestehenden Geschäftsstelle des Deut schen Buchdrucker-Vereins nach Berlin beschlossen. Damit wird mit Beginn des kommenden Jahres Berlin Vereinssitz, nachdem es Leipzig volle 60 Jahre gewesen ist. Über »Die sozialpolitische Lage, besonders im Buchdruckgewerbe« sprach in sehr eingehender und sachkun diger Weise Generaldirektor vr. W o e l ck. Seine Ausführungen erstreckten sich zunächst auf eine Kritik der Arbeitslosenversicherung und des Arbeitsschutzgesetzes sowie der Arbeitsaussicht. Dann be sprach er den Entwurf eines Berufsausbildungsgesetzes und den Entwurf eines Gesetzes über die Beschäftigung in der Hauswirtschaft. Nach einigen Ausführungen über das Arbeitsgcrichtsgesetz erörterte vr. Woelck die tarifliche Lage im Buchdruckgewerbe. Er teilte mit, daß der bis zum 31. März gültige Manteltarif sowohl von der Prinzipalität wie von der Gehilfenschaft gekün digt werden würde. Die neuen Tarifverhandlungen würden vor aussichtlich im Februar 1930 stattfinden, vr. Woelck betonte noch, daß trotz der schlechten Geschäftslage im Buchdruckgewerbe das Ge hilfenblatt »Korrespondent« (das Organ des freigewerkschaftlichcn Verbandes der Deutschen Buchdrucker) nicht aufhörc, die Theorie von der Notwendigkeit der Erhöhung der Löhne zu predigen. Der Vortrag zeitigte eine lebhafte Aussprache, in der u. a. zum Ausdruck kam, daß nun endlich mit den Lohnbewilligungen Schluß gemacht werden müsse, wenn nicht eine große Anzahl besonders mitt lerer und kleinerer Betriebe dem Ruin anheimfallen solle. Der Stand punkt der Hauptversammlung geht aus folgender Entschließung hervor: Angesichts der heutigen kritischen Wirtschaftslage, wie sie sich allgemein zeigt und die im Buchdruckgewerbe bedrohlichste Formen anzunehmen beginnt, erachtet es die in Mainz tagende Hauptver sammlung des Deutschen Buchdrucker-Vereins als ihre Pflicht, in aller Klarheit zum Ausdruck zu bringen, daß nunmehr der Augen blick gekommen ist, in welchem mit dem Abbau der unerträglichen Steuern und sonstigen Lasten begonnen werden muß. Gegenüber den brennenden Fragen des wirtschaftlichen Lebens muß nunmehr seitens der öffentlichen Gewalten eine andere Stellung eingenommen werden, als es bislang der Fall war. Diese Forderung ergibt sich schon aus der Gestaltung der Dinge, wie sie sich aus dem Poung-Plan mit zwangsläufiger Folge entwickeln werden. Auch die sozialpolitischen Fragen müssen in anderem Lichte betrachtet werden, als es bis jetzt geschehen ist. Uber der Sozialpolitik steht das Wohl der Gesamtheit, und die Fürsorge für das Wohl des einzelnen findet ihre Grenze in der Leistungsfähigkeit dieser Gesamtheit. Die Behandlung der
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