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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.02.1915
- Strukturtyp
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- 1915-02-03
- Erscheinungsdatum
- 03.02.1915
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Redaktioneller Teil. ^5 27. 3. Februar 1915. öffentliche Bauten zerstört. Nirgends aber sah ich etwas derartiges, selbst Denkmäler belgischer Nationalhclden waren vollständig unbe schädigt. Deutsche Offiziere und Soldaten sind beschuldigt worden, ganze Möbelcinrichtnngcn, Hunderte von Pianos gestohlen zu haben: dies können nur Leute glauben, die keine Ahnung von den Verhältnissen haben. Perslinüliiachrichten. Verleihung des Eiserne» Kreuzes. — Das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse wurde Herrn Hermann Baum garten, im Hause Ludwig Schalter in Stuttgart, Offizier-Stellvertreter in einem In fanterie-Regiment, unter gleichzeitiger Beförderung zum Leutnant, verliehen. Mil dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet die Herren Hans Hausen, Geschäftsführer der Firma Hausen Verlags gesellschaft m. b. H. in Saarlouis, Hauptmann der Reserve und Kom- pagnicführer im Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 86; Walter Pezoldt, im Hause Badische Lehrmittel-Anstalt, In haber Otto Pezoldt in Karlsruhe i. B., Unteroffizier der Reserve im 1. badischen Leibgrenadicr-Rcgiment Nr. 109; Max Theodor Schall er, Prokurist der Firma Ludwig Schalter in Stuttgart, Oberleutnant der Landwehr in einem Grena dier-Regiment; Karl Tiemann, zuletzt im Hause David Nutt in London, Gefreiter im 78. Infanterie-Regiment. Die gleiche Auszeichnung wurde auch dem Sohne des Herrn Max Spielmeyer in Berlin, Herrn Hans Spiel meyer*) Einjähr.-- Kriegsfrciwilliger im Neserve-Feldarttllerie-Negtment Nr. 44, zuteil. Gefallen: am 6. September 1914 an der Marne Herr Johannes Fürch tegott Clauß, Einjährig-Freiwilliger im Sächs. Infan terie-Regiment Nr. 106, 7. Kompagnie, zuletzt in der Arnoldi- schen Buchhandlung in Dresden. SpreWal. ^ Nochmals: Die Abtrünnigen? iVgl. Nr. LS.> Wenn Herr Diederichs sagt: »Jeder Verehrer von Spittelers dich terischer Größe möchte wünschen, daß er anders geredet hätte, daß er Franzosen und Engländer nicht nur im Hellen Lichte geschildert hätte. Selbst die deutschen Schweizer lehnen seine einseitigen Ermahnungen ab, die das Selbstbewußtsein der welschen Schweizer nur nach der üblen Seite hin steigern« — so erkennt er ja eigentlich unser aller Entrüstung an und hätte sich das Übrige sparen können. Denn die Anwendung der schönen Fichteschen Worte über den Beruf der Deutschen (die sich jetzt — nach Spittelcr — als Mordbrenner, Vandalen, Fälscher aufgeführt haben!) auf den vorliegenden Fall ist ebenso schief wie der (gleichfalls von Herrn Diederichs gerühmte) Ausspruch Spittelers: »Ein großer Geist ist nie begeistert«. »Was ist denn überhaupt an dem ganzen Leben und Schaffen ohne Begeisterung?« — sagt Goethe. Sollte er nur sich und Herrn Spittelcr ausgenommen haben? Wie wenig die Fichteschen Worte auf den Fall Spittelcr passen, könnte Herr Diederichs ersehen, wenn er sich nur einmal die Frage vorlegen möchte: was würde wohl Fichte zu Spittelers Beschimpfung der Deutschen gesagt haben? Es steht zu bezweifeln, daß Fichte darauf hin gern in Gemeinschaft mit Spittelcr (wie D. will) die Führerrolle über die kommende deutsche Jugend übernommen haben würde. Der Scherz, den sich die »Neue Züricher Zeitung« mit einem Wort von mir erlaubt hat und den Herr D. mitteilt, ist nach der bekannten »Kümmelblättchen-Manier« (Unterschiebung eines falschen Begriffs für den richtigen) fabriziert. »Gemütlich« heißt hier — wie jeder unbe fangene Leser gestehen muß — »in Gemütsruhe«, und diese fehlt aller dings nicht nur mir, sondern vielen Tausenden patriotisch empfindenden Deutschen vor den Werken eines Dichters, der das Volk seiner Sprache derartig beschimpft. Leipzig, 30. Januar 1915. 61 e o r g Bötticher. *) Inzwischen seinen Wunden erlegen; siehe Pcrsonalnachrichten in Nr. 15. Da ich, wie ich schon neulich an dieser Stelle sagte, meinen Stand punkt den uns beschimpfenden Schriftstellern gegenüber zur Ostermesse ausführlich begründen werde, möchte ich Herrn Die derichs noch einmal kurz antworten. Zunächst stimme ich ihm zu und erkläre, daß ich es ebenfalls für falsch halte, wenn gewisse Schriftsteller, nachdem sie uns gemein beschimpft haben — Herr Diederichs sagt »entgleist sind« —, jetzt als literarisch minderwertig hingestellt werden, womöglich sogar in Zei tungen, die diese Größen vorher nicht genug loben konnten. Darauf kommt es aber nicht an. Meinetwegen können die Herren Spittelcr und Genossen noch bedeutender sein, als sie Herr Diederichs hinstellt. Nach allem, was diese Herren sich gegen unser deutsches Volk an wahrheits widrigen Beschimpfungen geleistet haben, rühre ich als deutscher Sortimenter keinen Finger, um auch nur ein Buch von ihnen abzusetzen. Wenn darin das ganze deutsche Sortiment einig ist, dann fassen wir diese Leutchen bei der Stelle, an der auch »Geister vom Range Dantes« sterblich sind, nämlich beim Geldbeutel. Dann werden die Herren in Zukunft aus diesem m a - teriellen Grunde vorsichtiger und objektiver urteilen, da sic cs aus sittlichen Gründen scheinbar nicht können. Denn das erste, was ich von bedeutenden Männern verlange, ist, daß sie der Wahrheit die Ehre geben. Das haben die Spittelcr und Genossen nicht getan! Ich kann nur allen Kollegen empfehlen, Spittelers Worte nachzulesen und dann selbst zu urteilen, ob der Dichter des Olympischen Frühlings ein »Mensch von der höchsten vornehmen Gesinnung« ist, wie Herr Diederichs behauptet. Herrn Kollegen Bäschlin möchte ich nur er widern, daß Deutschland nach dem Diederichsschen Rezept bisher leider zu oft gehandelt hat. Dadurch haben wir uns gar keine Sympathien erworben, sondern die Früchte dieses verkehrten Verhaltens ernten wir jetzt in diesem Weltkrieg. Dem »kulturell führenden Manne der deutschen Schweiz«, welcher schreibt: »Merkt denn Deutschland nicht, ivic es sich mit seiner Spitteler- Hetze blamiert«, empfehle ich, seine unpassenden Bemerkungen an unsere Feinde zu richten, dort sind sie durchaus angebracht. Die »Neue Züricher Zeitung« sucht meine Bemerkung, man solle die Kunden veranlassen, anstelle von Werken solcher Autoren »etwas anderes« zu nehmen, damit abzutun, daß sie schreibt: »Man konnte schon zu Goethes Zeiten für Goethe etwas anderes — z. B. Kotzebue haben«. Das ist doch nur ein Witz, und nicht mal ein guter! Jeden falls merkt man aus allem schon die Angst um Herrn Spittelcr. Herr Diederichs zitiert das Wort »Deutsch sein heißt Charakter haben«. Zei gen wir, daß wir Charakter haben, indem mir Herrn Spittelcr und seinen Genossen samt ihren Werken die Tür weisen! Daß Deutschland dadurch einen auch nur nennenswerten Schaden in geistiger Beziehung hätte, wird wohl kaum jemand ernstlich behaupten. Es ist mir persön lich schmerzlich, gerade Herrn Diederichs entgegentreten zu müssen. Aber es ist meine feste Überzeugung: wenn der Geist seines Artikels und seiner vorausgcnommenen Kantate-Rede, den ich, ich kann mir nicht helfen, kosmopolitisch nennen muß, Gemeingut eines großen Teils unseres Volkes werden würde, das ein großes Unglück für die weitere Entwicklung unseres Volkes sein würde. Dann hätten die Hundert- tauscnde unserer Brüder draußen im Kampf ihr Leben und Blut umsonst hingegeben. Berlin, den 30. Januar 1915. Bernhard Staar. Alle »Worte zur Verständigung« schaffen die Tatsache nicht aus der Welt, daß es sich bei dem Verfasser des Olympischen Frühlings um einen Mann handelt, dessen Name heute weiten Kreisen unseres Volks entschieden unsympathisch ist. Es kann sich also einzig noch um seine Werke handeln. Wir sind es ja leider seit einiger Zeit gewöhnt, auch deutsche Verleger stark mit Superlativen arbeiten zu sehen. Das mitzumachen sollte sich Herr Diederichs zu schade sein. Wenn er aber fortfährt, Spittelcr mit Dante und Goethe in eine Reihe zu stel len, so mnß ihm immer wieder deutlich gesagt werden, daß durch das bloße Aussprechen solcher Hyperbeln vielleicht der Menge Sand in die Augen gestreut, für denkende Menschen aber nichts bewiesen wird. Vorläufig gibt es noch viele urteilsfähige Leute, die den Dichtungen Spittelers weder nach Form noch Inhalt Geschmack abzugcwinnen ver mögen. Die Sichtbarkeit seiner Mache, die gesuchte Schwerfälligkeit seiner Sprache, die Unklarheit seiner »Jdeendichtung« werden lebhaft erörtert. Gottfried Keller hat offen von ihm bekannt: »Was der Dichter eigentlich will, weiß ich nach zweimaliger Lektüre noch nicht«. Und Adolf Bartels sagt: »Man muß Sp. von der französischen Lite ratur her zu begreifen suchen«. Na also. Weisen Sie einer so um strittenen literarischen Erscheinung nicht sogleich einen Platz im Olymp an, Herr Diederichs, die Nachwelt wird das schon besorgen! Das heißt, das mit dem Dichter! Mas den politischen Redner betrifft, so ist der doch wohl für uns Deutsche erledigt. X. 140 ^
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