^ 27, 3. Februar 1915. Fertige Bücher. Börsenblatt f. b. Dtschn. Buchhandel. 685 Ein tragisches Verhängnis hat es gefügt, daß gerade an dem Tage, da die „Moj", dies liebliche Kind, uns geschenkt ward, ihr geistiger Vater uns durch den Tod entrissen wurde. Und mehr noch beklagen wir den Verlust, nachdem wir diesen Roman gelesen haben; denn einen Dichter haben wir verloren, der gewiß auch ein prächtiger Mensch gewesen ist. Hätte er nicht bereits früher bewiesen, daß ein wahrhaft poetischer Geist in ihm lebendig war, dann würde er uns jetzt davon überzeugt haben. Wir wollen dankbar sein, daß es ihm noch vergönnt war, die entzückende Gestalt der kleinen Moj zu schassen im Rahmen seiner engsten Heimat. Die Erzählung des Schicksals der armen Moj bietet dem Dichter immer wieder Gelegenheit, die Pracht und Herrlichkeit des Bozencr Landes zu schildern. Was Hoffcnsthal einmal von den Rotkehlchen sagt: „Die ver standen cs ganz unnachahmlich gut, den Frühling zu lobpreisen" — das gilt von ihm selbst. Es ist ein Gedicht, wenn er die Tage der jungen Blumen beschreibt, „der kleinen Veilchen an den Mauern, der naseweisen Kro kusse längs den raunenden und schwatzenden Bächen, der honigsüßen Himmelsschlüssel an den Rainen und der Leberblümchen, deren Verwandtschaften weiße, rote und blaue Wappcnfarben haben, von denen natürlich jede sich wunder weiß was einbildet und denkt, sic sei die Schönste". Er versteht es, mit Worten sichtbar zu machen, wie auf diese frische Blütenpracht jäh ein Regen niedergeht, der ebenso schnell wieder aufhört, um die Sonne durchbrechen zu lassen. Aber genau so gut hat er auch dem Winter mit dem lustigen Tanz der Schneeflocken, einer Hellen Sommernacht oder dem herbstlichen Walde die poetischen Stimmungen abgelauscht, und mil sichern Strichen weiß er sie auf das Papier zu bannen. . . Wir nehmen den regsten Anteil an der Entwicklung des Schicksals der kleinen Moj, wir lieben dies liebliche Gebilde einer Dichterphantasie. Vieles aus eigenem Erleben hat Hoffcnsthal, der eine Zeitlang Nervenarzt war, hier gestaltet; und nur einer, der mit tiefster Liebe zur Menschheit sich diesem Beruf gewidmet hat, konnte das Leben einer so zarten Seele zeichnen. Es liegt ein unbeschreiblich feiner Duft über dem Buche, eine Keuschheit, die auch in dem Lebensabschnitt, in dem Moj irrige Wege geht, nicht verblaßt. Moj und ihre drei prächtigen Freunde werden wir sobald nicht vergessen. Hein, Amelung Münchener Neueste Nachrichten Sein letztes Heimatbuch, der Roman „Moj", ist erst in diesen Tagen erschienen. Es zeigt Hoffensthal von der stärksten Seite seiner Begabung: der poetischen Verklärung der Bozencr Berglandschaft, seiner Heimat. Der Zauber der heimatlichen Scholle umgibt die meisten Gestalten der Romanbücher des Verstorbenen mit einem warmen, tröstlichen Schein und trägt Versöhnung und Befreiung in die Wirrnisse der Leidenschaften Magdeburgische Zeitung Der Zauber der heimatlichen Scholle umgibt —wie in den meisten seiner Werke —die Gestalten seiner dichterischen Phantasie, so auch hier die braune Moj aus Maria Himmelfahrt, die Sängerin der Dorfprozes sion. Der Schmerz und die Herzensnot, die ihr ein bitteres Geschick bereiten, mildertHoffensthal durch Sprache und Schilderung, ein Hauch des Friedens umzieht das Werk, gleich den Wolken, die die ragenden Gipfel der Dolomiten umspielen. . . Zcit nn Bild, Berlin Eine schmerzliche Leidenschaft durchzuckt die ganze Erzählung von der Liebe und den Enttäuschungen der „Moj". Den verhaltenen Ton eines ergreifenden, schmerzlichen, dramatisch werdenden Lebens läßt ^ Hans von Hoffensthal in besonderer Schönheit erklingen. 'u »> uu > t»> 11 I, iilI iLU.U I u l > u 1 u' u 1 Uk U1I n t.l.u l ttil! «oft,-x^ali,./Itii, „ft.