Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.05.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-05-10
- Erscheinungsdatum
- 10.05.1911
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19110510
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191105100
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19110510
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1911
- Monat1911-05
- Tag1911-05-10
- Monat1911-05
- Jahr1911
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Nichtamtlicher Teil. 107, 10. Mai 1»1t Anschaun, wenn es Dir gelingt, Daß es erst ins Jnnre dringt, Dann nach außen wiederlehrt, Bist am herrlichsten belehrtl Wer wollte diesen beiden Großen widersprechen? So bedient sich denn auch der heutige Unterricht einer großen Zahl von Anschauungs- und Lehrmitteln, ohne die, als dem unentbehrlichen Rüstzeug des modernen Pädagogen, eine gedeihliche Erziehungsarbeit nicht möglich und ein Er reichen der vorgeschriebenen Lehrziele ausgeschloffen wäre. Was versteht man nun unter Lehr- und Anschauungs mitteln, und in welchen Beziehungen stehen sie zum Buch handel? Eine genaue und ausführliche Definition dieser Begriffe würde eine pädagogisch-psychologische Abhandlung werden, die nicht in den Rahmen dieser Arbeit gehört und auch kaum auf allgemeines Interesse rechnen kann. Wir kommen bei Behandlung der einzelnen Unterrichtsdisziplinen, soweit es nötig ist, daraus zurück und können uns jetzt darauf beschränken, festzustellcn, daß man unter dem Sammelwort »Lehrmittel» alle die Objekte zusammenfaßt, die zur Ein richtung einer Schule gehören und dem Klaffen- oder Gesamtunterricht in der Hand des Lehrers, des Lehrenden, dienen. Also nicht nur Apparate, Modelle, Präparate, Sammlungen, Wandbilder und Wandkarten, sondern auch Subsellien und Utensilien. Dagegen trennen wir von ihnen die »Lernmittel-, die für den Gebrauch des Schülers, des Lernenden, bestimmt sind. Das sind in erster Linie die Bücher Die Lehr- und Anschauungsmittel sind Unterrichts behelfe, die bezwecken, im Kinde richtige und klare Erinnerungsbilder hervorzurusen und die Vorstellung des Wirklichen zu erleichtern. »Anschauungsmittel» sind, streng genommen, nur die wirklichen Gegenstände selbst, z. B. Präparate, plastische Original-Nachbildungen, Sammlungen natürlicher Erzeugnisse, »Lehrmittel» im engeren Sinne da gegen künstliche Hilfen, wie z. B. Rechenmaschinen, physi kalische Apparate, Bilder und Karten. Der rechte Gebrauch im Pestalozzischen Sinne ist es, der beide wertvoll macht. Lehrmittel hat cs nun schon in den ältesten Zeiten und bei allen Völkern gegeben. Wir wissen, daß die Chinesen ihren Rechenunterricht mittels des »Suanpan» und die alten Römer ihn an der Hand des »Abacus» erteilten, wie dieser uns heute noch in seiner einfachsten Gestalt in dem -Tschotü», dem bekannten russischen Rechenbrett, erhalten ist. Ohne weiteres kann man voraussetzen, daß schon in den Anfängen des deutschen Schulwesens unter Karl dem Großen An schauungsunterricht getrieben wurde und ferner in deutschen Schulen Lehrmittel, wenn auch primitivster Art, vorhanden waren, als Preußen zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Übernahme des Bildungswesens als eine feiner Haupt aufgaben betrachtete. Diese historische Entwicklung des Lehr mittelwesens zu schildern, wird für Schreiber dieses später an anderer Stelle eine interessante Aufgabe sein; hier liegt uns daran, zu erfahren, seit wann wir von einem eigentlichen Lehr- mittelhandel reden können und vor allem, in welcher Weise sich der deutsche Buchhandel und in erster Linie das Sortiment auf diesem Gebiete mehr und mehr nutzbringend betätigen kann. Wenn noch 1779 der große Friedrich in einer Kabinetls- ocder sagt, daß eS genug sei, »wenn sie auf dem platten Lande ein bißchen Lesen und Schreiben lernen-, oder in derselben Zeit die Berliner Akademie die Preisfrage stellen konnte, -ob Aufklärung an sich schädlich sei-, so hatten wenige Jahre später weitblickende Männer erkannt, daß eine gute und allgemeine Schulbildung die Vorbedingung für das Blühen und Wachsen der Nation sei. Das oft zitierte Wort von dem preußischen Schulmeister, der Sadowa schlug, und daß es ohne Sadowa kein Sedan gäbe, enthält in seiner prägnanten Kürze mehr, als hundert Lobreden auf die Entwicklung des deutschen Schulwesens. Staat und Gemeinden fingen an, Mittel bereitzustellen, und der Handel mit Lehrmitteln setzte ein. Von den Firmen, die zuerst die Dürftigkeit des bildlichen Lehrmaterials jener Zeit erkannten, sei hier in erster Linie die Firma I, F. Schreiber in Eßlingen a/N. genannt, die schon 1883 mit dem für die damalige Zeit groß angelegten Unternehmen »Die zwölf Monate des Jahres», 1835 mit den »Eßlinger Bildern zum Anschauungs. unterricht für die Jugend», 1840 mit den »Arbeitsstätten und Werkzeugen der wichtigsten Handwerke» herauskam, von denen die letzten beiden heute noch gern gekauft werden. Diese Werke verkörpern die Anfänge des »Schulwand bildes», denen von anderer Seite, begünstigt durch die sich entwickelnde und fortschreitende Technik, bald andere folgten. Die eigentliche Popularität erfuhr das »Schulwandbild» aber erst, als der Leipziger Lehrer Wachsmuth 1872 seine ersten sechs technologischen Wandbilder erscheinen ließ. Sie waren nach Anlage, Technik und vor allem nach Preis mustergültig, und das sind auch die Erzeugnisse des heute blühenden, in allen Erdteilen bekannten Leipziger Schulbilderverlages, zu drin »Papa Wachsmuth» vor 40 Jahren unter Sorgen und Kümmer nissen den Grund legte, bis heute geblieben. In den fünf ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesellten sich zu diesen Bildern Schulwandkarten und Globen, von denen wir in erster Linie die bei Dietrich Reimer erschienenen Aus gaben von Kiepert nennen wollen. Diese drei Gruppen: Bilder — Karten — Globen bezeichnen wir als »graphische» oder »literarische Lehrmittel«. Sie haben von An beginn an zur Domäne des Buchhandels gehört, und es gibt wohl keinen Buchhändler, der sie nicht schon ge liefert hätte. Anders verhält es sich mit den Artikeln anderer, also nicht buchhändlerischer Herkunft, die wir als »allgemeine Lehrmittel» bezeichnen wollen. Hier versagte der Buch händler, wenn sie von ihm verlangt wurden, mit wenigen Ausnahmen meistens völlig, sei es. aus Unkenntnis der Be zugsquellen, sei es aus Bequemlichkeit und heiliger Scheu vor der neuen Materie. So kam cs, daß sich spezielle Lehrmittelinstitute oder -anstallen austun konnten, die, mit der Produktion anfangend, bald zum Vertriebe übergingen und sich, hauptsächlich insolge einer gut organisierten Reise tätigkeit und guter Kataloge, heute zu angesehenen Hand lungen entwickelt haben. Wir finden die erste und älteste derartige Lehrmittelanstalt 1867 in Bensheim, dann folgen als wichtigste solche 1870 in Wien, 1877 in Leipzig, 1888 in Frankfurt a. M., 1889 in Dresden. Mathematik-, Mikroskopie-, Geographie-, Kindergartenunterricht: das sind vorwiegend die speziellen Fächer, die die einzelnen besonders pflegen. Ihre ganze Praxis war auf den direkten Verkehr mit den Konsumenten zugeschnitten, und an dem Verkehr mit dem Zwischenhandel konnte ihnen erst in zweiter Linie liegen. Da scheint es im Jahre 1881 der Leipziger Firma Ernst Heitmann an der Zeit gewesen zu sein — auch die ganzen Verhältnisse mögen darauf hingedrängt haben —, den Sortimentsbuchhandel in diese terra iuaoguita, das Gebiet der Lehrmittel, einzuführen. Von ihr wurde als erster seiner Art ein Lehrmittelkatalog mit Nettopreisen heraus gegeben. Er umfaßt in Klein-Oktav 4^/z Bogen, ist recht hübsch gearbeitet, aber nicht illustriert und verzeichnet neben den damals vorhandenen besten deutschen Lehrmitteln, die zum Teil heute noch gängig sind, sogar französische, englische, italienische, spanische und holländische Ausgaben. Eine weitere I Ausgabe ist u. W. nicht erschienen, und auch nach ihm aus-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder