Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.02.1929
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1929-02-28
- Erscheinungsdatum
- 28.02.1929
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19290228
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192902282
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19290228
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1929
- Monat1929-02
- Tag1929-02-28
- Monat1929-02
- Jahr1929
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Meine Antworten auf diese Punkte sind folgende: 1. Auch ich bin Steuerzahler und im Namen meiner Lei densgenossen muß ich doch dagegen Front machen, etwas zu zahlen, das in Wahrheit einen direkten Zuschuß für einen be stimmten Handelszweig darstellt. Ein Sortimenter (am Orte) hat nicht mehr Recht darauf, daß ich meinen Bedarf ausgerech net bei ihm decke, als irgendein anderer ansässiger Lieferant für die Bibliothek, wenn ich von auswärts billigere Angebote haben kann. 2. Es ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen, wenn ich die Bücher, die ein Sortimenter bei einer großen Bibliotheksbestel lung auf Lager hat, mit 10 Prozent der Bestellung annehme. Der jetzt in steigendem Maße zu beobachtende Brauch, daß Ber- lagsrciscnde die Bibliotheken aufsuchen und die Sortimenter dann große Aufträge erhalten, wobei sie kein Risiko, keine Arbeit, keine Reklamekosten gehabt, haben, ist zugleich ein Beweis für den geringen Weitblick der Branche und ihren Mangel an kom merzieller Moral. 3. Kein vernünftiger Mensch wünscht die Rückkehr zu mörderischen Konkurrenzmanövern, aber ich selbst muß erst noch einsehcn lernen, inwiefern der Bibliotheks rabatt das Ende vom Net Book Agreement bedeutet? Tatsache ist, daß das Net Book Agreement gegenüber den Bibliotheken schwach und augenscheinlich ungerecht verfaßt ist, der sonst ge übten Handelspraxis zuwiderläuft, und nur aus dem Grunde noch Nicht schon seit Jahren sich in Lächerlichkeit aufgelöst hat, weil es die Bibliotheken als etwas Schicksalhaftes hingenommen haben. 4. Der Einwand, die Bibliothek sei eine Konkurrenz des Buchhandels, den man auch sonst in wenig unterrichteten Buch handelskreisen hört, ist unerhört heutzutage, denn die öffentliche Bibliothek ist für den Buchhandel der beste Reklamemacher über haupt. Der Leser wird fast stets zum Buchbesitzer sich entwickeln und in den mir unterstellten Bibliotheken ist es gang und gäbe, die Leser, die sich die Bücher selbst kaufen wollen, über Preis, Verleger usw. zu informieren. Diese Arbeit geschieht gern uni- willig durch uns aus der Erwägung heraus, daß Buchhändler und Bibliothekar zum beiderseitigen Wohle Gemeinschaftsarbeit leisten können, da in ihrer Tätigkeit keine grundlegende Gegen sätzlichkeit besteht. Die einzige Lösung, die es für eine große öffentliche Biblio thek geben kann, ist: vollständig dieselben Bedingungen beim Ver lag, wie sie der Wiederverkäufer bekommt. Der Verleger kann durch den direkten Absatz an die Bibliotheken nur gewinnen. Er könnte die großen Summen, die die Bibliotheken jetzt aus ihrem Budget für Käufe auf dem Antiguariatsmarkt ausgebcn, in seine Kassen lenken. Da keine Bibliothek jemals genug Geld für Bücher haben kann, könnte sie die Rabattdifsercnz, die jetzt dem Sortimenter zufließt, für neue Ankäufe verwenden. Es ist hohe Zeit, daß der Buchhandel einsieht, daß nicht die Biblio theken daran schuld sind, wenn er sich festgefahren sieht, sondern einfach die Tatsache, daß er noch nach Grundsätzen arbeitet, die vielleicht im Zeitalter der Queen Victoria ange messen gewesen sein mögen, heute aber absolut unzeitgemäß sind. Hohe Preise und kleine Umsätze ermutigen auch nicht die neuen Käufer, noch sind die Versuche, öffentliche Bibliotheken auf dem Wege über Monopolmethoden zu schröpfen, geeignet, einer Branche wieder aufzuhclfen, die an ihrer Ungeeignctheit für die heutigen Zeitverhältnisse zu sterben droht.» Publishers' Eircular meint, daß hinter dem Sheffielder Bibliothekar die Majorität seiner Kollegen stände. Es wirft der Buchhandelsorganisation vor, daß sie, obwohl man die Gefahr seit langem kenne, bisher die Politik des Stillschweigens befolgt habe. Es fügt aber auch hinzu, daß irgendwelche Änderungen wahrscheinlich nur auf Kosten des Sortiments, besonders in der Provinz, möglich sein werden. In der Nummer vom 1. Februar hat nun auch das offi zielle Organ der Verleger und Sortimenter, The Publisher and Bookseller, in einem Leitartikel zu der Frage Stellung genom men, den wir wegen seiner Wichtigkeit mit geringen Auslassungen hier ebenfalls wicdergebcn. Unter der Überschrift: »Ein Angriff auf das Net Book System- heißt es: Wir wißen, daß solche Gerüchte umlaufen, aber wir können keine Auskunft über den Angriff geben, denn nach unserem besten Wissen und Gewissen ist kein solcher Angriff beabsichtigt, und die Bestrebungen, die Bestimmungen des Net Book Agreements zu umgehen, sind wirk lich augenblicklich nicht stärker, als sie in der Vergangenheit auch schon gewesen sind. Andererseits ist es wahrscheinlich richtig, daß ein großer Teil von Mitgliedern des Buchhandels über die augenblicklichen Verhältnisse sich Gedanken macht und mögliche spätere Entwicklungen überdenkt. Dabei sich wohl auch fragt, ob die Bestimmungen des Net Book Agreements, das vor 30 Jahren geschlossen wurde, tatsächlich das letzte Wort in der Organisation des Buchhandels darstellen sollen, oder ob nicht doch etwa einige Schritte getan werden sollten, um unsere Han delsgebräuche und Verkehrsbestimmungen mit den Erforder nissen der heutigen Zeit in Einklang zu bringen, um auf diese Weise uns das zu erhalten, was die »Magna Charta des Buch handels« genannt wird. Wir können uns nicht vorstellen, daß irgendjemand im ganzen Buchhandel nur von fern einen Rück fall in die gräßlichen Verhältnisse vor der Schaffung des Net Book Agreements für wünschenswert halten möchte. In jenen Tagen verschwanden im ganzen Lande die Buchläden reihenweise und das Geschäft ballte sich mehr und mehr in den Händen ver hältnismäßig weniger Großhändler in den hauptsächlicheren Städten des Landes zusammen, ein Zustand, der für Verlag und Autor gleich schädlich war wie für den dahinstcrbenden Sorti mentsbuchhändler. Das Net Book Agreement, das, wie wir uns vor Augen halten müssen, eben nicht eigentlich ein »Vertrag» ist, sondern der Niederschlag von Bedingungen, zu denen Ver leger ihre Bücher liefern werden, wurde ausdrücklich ins Leben gerufen, um die bessere Verbreitung der Bücher im Lande da durch zu gewährleisten, daß man dem Verschwinden des Sorti menters Einhalt tat. Der Verlag glaubte damals und tut das sicherlich auch heute noch, daß das beste Mittel zum wirksamen Vertrieb darin be stehe, in möglichst vielen Orten Buchhändler zu haben, die, rege und geschäftstüchtig, ein großes Lager aller seiner Verlagswerke halten, und zweifellos hat das Net Book Agreement den Umsatz von Büchern ganz allgemein gehoben, indem es solche Sorti mentsbuchhändler stützte und ermutigte. Das bedeutet aber nicht, daß keine Notwendigkeit vorliege, die Organisation unseres Be rufes ständig zu verbessern. Sehen wir die Frage vom Standpunkt des Bücherabsatzes überhaupt an und denken wir an die Bedingungen von vor 30 Jahren, so finden wir, daß ungeheure Veränderungen vor sich gegangen sind. Zunächst hat sich die im Laufe eines Jahres erscheinende Büchermenge seit damals fast verdoppelt: 1897 er schienen 6244 Werke, 1928 über 14 000. Der dreibändige Roman für 31V- Schilling ist verschwunden, er hatte den Bibliotheken drei verleihbare Bände geliefert statt des einen von heutzutage. Die Verlagsreklame hat sich von anspruchslosen Listchen in der Sonderspaltc der »Times« und in wenigen literarischen Wochen schriften zu den kostspieligen Großflächen-Jnseraten in Tages und Wochenblättern entwickelt, an die wir heute gewöhnt sind. Hinzu kommt, daß die Herstellungskosten heute viel höher sind, nicht nur was z. B. Druck und Papier anlangt; die heute selbst verständlichen, damals unbekannten farbigen Umschläge allein vermehren die Gestehungskosten eines jeden hinausgehenden Werkes ganz beträchtlich. Die oben erwähnten Punkte, deren Liste damit keineswegs erschöpft ist, zeigen, daß die Frage, wie der Buchvcrkauf ge winnbringend aufzuziehen ist, heute eine viel komplizier tere Angelegenheit ist, als sie es sonst war. Daher scheint es uns nur natürlich, daß die Verleger als die Produzenten dauernd neue Methoden ausfindig zu machen suchen, wie sic ihre Ware bis in die Hand des Lesers bringen können und sie sollten ihre guten Freunde, die Sortimenter, die sie dank dem Net Book Agreement unterstützen, bitten, ihnen bei ihren Bemühungen be-- hilflich zu sein. Es wäre unrecht, diese Absatzbestrebungen als Angriffe auf das Net Book Agreement ansehcn zu wollen. Es wäre unseres Erachtens mehr den Tatsachen entsprechend, würde man sie als einwandfreie Versuche begrüßen, mit den Erfordernissen der Praxis von heute Schritt zu halten. Wenn wir auch alle das Net Book Agreement als Grundlage für den Buchhandel an sehcn, sollten wir uns doch von der bei vielen Gesetzen bemerk-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder