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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.12.1928
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- 1928-12-15
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- 15.12.1928
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X» 291, 15. Dezember 1928. Redaktioneller Teil. Vor dem Kriege hat der deutsche Lehrmittelstand, Lehr mittelverlag und Lehrmittelhandel dem deutschen Schulwesen erstklassige bewährte Lehrmittel zur Verfügung gestellt und Welt ruf genossen. Er ringt jetzt danach, seine Erzeugnisse den neuen Forderungen einer neuen Zeit anzustassen, sich seine Weltgeltung von neuem zu erobern und braucht hierzu die Förderung amt licher Stellen. Der deutsche Lehrmittelstand erstrebt keine Sub ventionen, wie sie ausländische Lehrmittelverleger und -Händler zum Teil erhalten, muß aber verlangen, daß nicht eine ein seitige, lediglich von finanzpolitischen Gesichtspunkten geleitete Politik der verantwortlichen Stellen die Lebensnotwendigleiten des Lehrinittelverlages und des Lehrmittelhandels beschneidet und es letzten Endes unmöglich macht, neue wertvolle Lehrmittel zu schaffen und zu verbreiten. Es dürfte äußerst verhängnisvoll sein, wenn die Stadt Berlin Maßnahmen trifft, die schließlich zum Nachteil des gesamten deutschen Schulwesens gereichen, in erster Linie aber zum Nachteil der Berliner Schulen. Hoffentlich besitzen die maßgebenden Stellen Einsicht genug, um diese schädliche Tätigkeit der Berliner Anschaffungs-Gesell schaft zu erkennen, damit in Zukunft auf Rabattforderungen, die Wirtschaftlich untragbar sowie mit den bestehenden kaufmän nischen Gepflogenheiten und Grundsätzen unvereinbar und völlig unbegründet sind, Verzicht geleistet wird, und diese unhaltbaren Zustände in aller Kürze abgcstellt werden. 125 Zahre A. Hartleben in Wien. Zu den ältesten Verlagsbuchhandlungen der ehemaligen öster reichisch-ungarischen Monarchie zählt jene von A. Hart leben in Wien. Sie feierte am 13. Dezember 1028 den 125. Jahrestag ihrer Gründung. Der Gründer, Conrad Adolf Hartleben, Sohn des Nechtsgelehrten Franz Josef Hartleben, wurde am 26. August 1778 in Mainz ge boren. 1795 folgte er seinem Vater nach Wien und dachte zunächst sich dem juristischen Studium zu widmen. Bald entschloß er sich aber für die militärische Laufbahn. Familienverhältnisse bestimmten ihn nach kurzer Zeit, sich mit literarischen Unternehmungen zu be fassen. Die 1801 herausgegebenen »Malerischen Darstellungen aus Österreich«, das erste Werk dieser Art, das so viele Nachfolger weckte, fand großen Beifall. Im Jahre 1802 kaufte C. A. Hart- lebeu die Sortimentsbuchhandlung des Sigmund von Jvanics in Ofen, und am 13. Dezember 1803 erhielt er die Bewilligung zur Er richtung einer Buchhandlung in Pest. Eine stattliche Reihe von Werken, alle Zweige des Wissens und der schönen Literatur um fassend, in deutscher und ungarischer Sprache, mit gediegener illu strativer Ausstattung, entsproß der Tätigkeit C. A. Hartlebens, der sich als unermüdlicher Verleger bewährte, manches Talent vor die Öffentlichkeit führte und sich ein bleibendes Verdienst um die Lite ratur zweier Nationen erwarb. Im Jahre 1844 verlegte C. A. Hart leben den Hanptsitz seiner Verlagsbuchhandlung nach Wien, um bei der damaligen Schwerfälligkeit der Verkehrswege den Bezug seiner Werke besser zugänglich zu machen; er firmierte C. A. Hartlebens Verlags-Expedition in Pest, Wien und Leipzig. Seine ersprieß liche Tätigkeit fand mehrfache Auszeichnung. Mit redlicher Aus dauer bewegte sich C. A. Hartleben bis in seine höchsten Lebens lage als schaffender Geist. Nach seinem Tode, 5. April 1863, fand eine Trennung der Geschäftszweige in selbständige Abteilungen für Sortiment (Budapest) und Verlag (Wien) unter verschiedenen Be sitzern statt. Den gesamten deutschen und ungarischen Verlag über nahm, da der Verstorbene keine direkten Nachkommen hinterlassen, laut testamentarischer Verfügung dessen Großneffe Adolf Hartleben. Der ungarische Verlag in Budapest wurde, um eine Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden, 1866 verkauft. — Der Nachfolger, Adolf Hartleben, wurde im Jahre 1825 in Neu-Gradiska geboren. Er wurde durch das Jahr 1848 plötzlich in seinen Studien unterbrochen und trat 1851 als Kadett in das 14. Grenz-Jnfanterieregiment ein. Er diente bis gegen Ende 1861 als Offizier und erhielt so dann einen ehrenvollen Abschied, als er im Jahre 1861 dem Rufe seines Großoheims C. A. Hartleben folgte, der ihm die Rechte eines Nachfolgers in der Firma einräumte. An A. Hartleben trat nun die Notwendigkeit heran, sich auf einem ihm bis dahin fremden Gebiete einzuleben. Mit einem Interesse und Erfolg seltener Art bemächtigte sich A. Hartleben der ihm gewordenen Aufgabe. In diesem seinen Streben wurde er durch seinen damaligen Kompagnon Eugen Marx, dessen außerordentliche Fähigkeiten er bald erkannte, hingebend unterstützt. Geschäfts- und Familienverhältnisse bestimm ten Adolf Hartleben, im Jahre 1870 seinen Wohnsitz nach Leipzig - zu verlegen; dort traf ihn eine hohe Auszeichnung: Kaiser Franz Josef I. verlieh ihm den erblichen Adel. Nach einem von Erfolgen gekrönten Leben starb er am 18. November 1903. Die Geschäfts führung der Firma A. Hartleben in Wien ruhte nun seit dem Jahre 1870 allein in den Händen von Eugen Marx. — Eugen Marx, geboren in Leipzig am 27. Oktober 1844, hatte seine buch händlerische Ausbildung bei E. F. Steinacker in Leipzig unter den Augen seines Chefs, des Konsuls Wilhelm Einhorn, genossen. Am I. April 1864 trat er in die Firma A. Hartleben in Wien ein, der er seither alle seine Kräfte widmete. Durch große Arbeitskraft und Energie, unterstützt von gründlichen Kenntnissen, nahm er den wesent lichsten Anteil an der Entwicklung des blühenden Geschäfts. Am 31. März 1870 wurde ihm als Leiter des Geschäfts Prokura erteilt. Fünf Jahre später, am 1. Oktober 1875, wurde Eugen Marx nach zwölfjähriger, zum größten Teil selbständiger Tätigkeit, als öffentlicher Gesellschafter in die Firma ausgenommen. Es gelang ihm, im freundschaftlichen Verein mit seinem damaligen Kompagnon, den alten Ruf des Hauses zu erhalten und zu fördern, wofür die reiche und vielseitige Produktion Zeugnis ablegt, die in den 55 Jahren seiner geschäftlichen Tätigkeit auf seine Tatkraft zurück zuführen ist. Durch das Vertrauen seiner Kollegen wurde Eugen Marx am II. April 1888 zum Vorstand der Wiener Buchhändler-Korporation gewählt, welche Stellung er drei Jahre lang erfolgreich bekleidete. Im Jahre 1890 wurde Eugen Marx zum Kommerzialrat ernannt. 1892 erwarb er den Geschäftsanteil seines Kompagnons und war seither alleiniger Besitzer der Firma. Diese hatte im Laufe der letzten Jahrzehnte unter der Leitung Eugen Marx eine in der Ge schichte des Buchhandels wohl selten schöpferische Tätigkeit entfaltet. Jährlich wurden durchschnittlich 75 bis 100 neue Bücher oder neue Auflagen veröffentlicht, darunter Werke von großer Bedeutung, die weite Verbreitung fanden. Der sehr umfangreiche Verlag hatte jetzt den einen Grundgedanken und den Zweck: das Wissen zu populari sieren. Speziell auf dem technischen Gebiete ist in dieser Richtung vieles geleistet worden. Abgesehen von einer enormen Anzahl von Einzelschriften, teilweise in reicher Ausstattung und illustriert, ist z. B. die Chemisch-technische Bibliothek auf 390 Bände ausgebaut, von denen manche bis 11 Auflagen erlebten. In über einer Million von Bänden ist sie in allen Weltteilen verbreitet. Neben der Che misch-technischen Bibliothek umfaßt die Elektro-technische Bibliothek 66 Bände, die Mechanisch-technische Bibliothek 21, die Bibliothek der Sprachenkunde bis heute 140 Bände, und jeder Band dieser groß- angelegten Sammlungen trägt gediegenes Wissen und Bildung in weite Kreise. Die Firma A. Hartleben war die erste in Österreich, die Lieferungswerke zu wohlfeilen Preisen herausgab und hat damit seinerzeit ungeahnte Erfolge erzielt. Auch die Übersetzung der Schriften von Jules Verne, von der 98 Bände in zwei Ausgaben vorliegen, in Millionen von Bänden im Laufe der Jahre gedruckt und verbreitet, bedeutet eine verlegerische Großtat. Zu erwähnen ist ferner, daß die Firma A. Hartleben der erste Verleger Peter Roseggers war und diesen großen Autor bis zum Jahre 1892 för derte. Damals übernahm Staackmann in Leipzig sämtliche Rechte an den Werken Roseggers. Der Weltkrieg bereitete der Firma A. Hartleben, wie jedem anderen Unternehmen, größte Schwierigkeiten. Eugen Marx war inzwischen beinahe 75 Jahre alt geworden und hoffte auf die Wieder kehr seines einzigen Sohnes, vr. Richard Marx, der vom ersten Tage des Krieges an als Offizier bis zum Zusammenbruch unter den Fahnen stand. Herr vr. Richard Marx hatte schon während seiner Studienzeit gleichzeitig als Lehrling der Firma A. Hartleben den Buchhandel ordnungsgemäß erlernt und war dann im väterlichen Geschäft als Gehilfe tätig gewesen. Am 31. Dezember 1918 trat Herr Eugen Marx von der Firma A. Hartleben zurück, und die alte Firma gelangte in den Besitz ihres vierten Besitzers nach 116 Jahren, nämlich des Herrn vr. Richard Marx. Fast die Hälfte des Zeitraumes seit Gründung des Unternehmens, — 55 Jahre lang — hatte Kommerzialrat Eugen Marx die Geschicke der Firma A. Hartleben geleitet. Seit 1918 weilt er in Graz und verbringt dort an der Seite seiner Frau, einer idealen Lebens gefährtin, seinen Lebensabend. Im Sommer dieses Jahres konnte das Paar das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Die Nachkriegsjahre mit ihrem katastrophalen, wirtschaftlichem Niedergange hemmten natürlicherweise die Verlagstätigkeit der Firma A. Hartleben. Doch wurde, speziell auf heimatkundlichem Gebiete, eine ansehnliche Reihe beachtenswerter Bücher herausge bracht. — Mit dem Verlage der Firma A. Hartleben ist seit etwa 65 Jahren auch ein Sortimentsgeschäft verbunden. Hier wird er folgreich als spezielle Richtung Technik und Gewerbekunde gepflegt. Auch ein umfangreiches Kommissionsgeschäft befand sich bis zum Jahre 1900 im Besitz der Firma. Dieser Betrieb wurde damals 1363
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